Die verschiedenen Nominale, und das Münzsystem der Röm. Kaiserzeit
Bis zum 4. Jahrhundert vor Christus war die Waage das wichtigste Hilfsmitte
der Römer bei Tauchgeschäften.
Mit ihr wurden unregelmäßig geformte Bronzebarren ("Aes rude" = rohes Erz )
gewogen, welche als vormünzliches Zahlungsmittel gelten.
Diesem "Aes rude" folgte das "Aes signum" = gezeichnetes Erz.
Diese Bronzevierecke mit einem schreitenden Stier ( pecus = Vieh / pecunia = Geld ) erhielten nach und nach feste Gewichte, und machten die Waage
überflüssig.
Es folgte das "Aes grave" ( Schwergeld mit einem Gewicht von 270g bis 380g je Stück ), welches im 3. Jahrhundert in Mittelitalien aus Bronze gegossen wurde.
Sie blieben bis zum ersten punischen Krieg (264-261 v.Chr.) Zahlungsmittel und zeigen auf der Rückseite die sogenannte Prora, den Bug eines Schiffes mit Rammsporn.
Dies geschah als Erinnering an die Wegnahme der Foltte von Antium.
Der AUREUS
Der Name Aureus (Mz. Aurei) leitet sich vom gleichnamigen lateinischen Wort für "golden" ab. Manchmal erscheint auch die Bezeichnung aureus nummus zur Bezeichnung einer Goldmünze. Die gelegentlich in Anlehnung an das silberne Grundnominal der römischen Währung erscheinende Form aureus denarius ist falsch. Im allgemeinen bezeichnet Aureus DIE römische Goldmünze.
Münzprägungen in Gold tauchten in Rom - genauso wie im antiken Griechenland - zunächst nur selten auf. Wenn, so lediglich als kurzfristige Notmassnahme. Die antiken dynastisch ausgerichteten Monarchien, wie die Diadochenreiche, haben dagegen eine andere Ausrichtung in Bezug auf die Emissionspolitik ihrer Münzen. An ihnen orientierte sich später das römische Kaiserreich, für das Goldmünzen typisch sind.
Die ältesten Aurei dürften Ende des 3.Jh.v.Chr. ausgegeben worden sein und zeigen auf ihrer Vorderseite einen bartlosen Januskopf. Der Revers lieferte eine Schwurszene (Ferkelopfer bei Vertragsabschluss).
Augustus setzte das Gewicht des Aureus auf 7,42 g. Während der Zeit wurde der Aureus mehrfach im Gewicht rauf -und runtergesetzt. Anfang des 2. Jahrhunderts nach Chr. wurden auch schon mal Kupferbeimengungen hinzugegeben ( Rötlich Färbung der Aurei ). Unter Valerianus/Gallienus brach die Prägung der Aurei ganz zusammen, und später durch Konstantin den Großen ( 306 - 337 n.Chr. )
durch den Solidus abgelöst.
Unter das Volk gebracht wurden Goldmünzen auf dreierlei Art. Die regelmässigste Quelle waren Entlassungsgeld, Donativa und der Sold der Offiziere, die zumeist in Gold bezogen wurden. Dann gab es noch Geschenke und Sonderprägungen bei besonderen Anlässen des Kaiserhauses. Hier wanderten die Münzen zumeist in die Taschen der ohnehin schon Reichen. Der dritte Weg führte über die Grenzen hinaus. Zahlungen an Grenzvölker zur Wahrung von Friedensverträgen konnten ebenfalls in Gold geleistet werden. Über den Fernhandel kamen sie dann wieder in das Reichsgebiet zurück. Weit mehr floss allerdings zur Bezahlung von teuren Importwaren ins Ausland. Römische Münzen sind immerhin bis China belegt.
Der Aureus ähnelte im Münzbild der des Denares.
Gewichtsminderungen des Aureus
-Regierung Sulla ( 82 - 79 v.Chr. )
1/30 röm. Pfund = 10,90 g
-Regierung Augustus ( 27 v.Chr - 14 n.Chr. )
1/40 röm.Pfund = 8,9g
-Regierung Nero ( 54 - 68 v.Chr. )
1/45 röm. Pfund = 7,28g
-Regierung Caracalla ( 198 - 217 n.Chr. )
1/50 röm. Pfund = 6,55g
-Regierung Severus Alex. ( 222 - 235 n.Chr. )
sehr unteschiedlich
-Regierung Diocletian ( 284 - 304 n. Chr. )
1/70 röm. Pfung 4,68g
Der SOLIDUS
Der Name Soldius (Mz. Solidi) leitet sich vom gleichlautenden lateinischen Wort für massiv, gediegen ab. Solidus aureus bezeichnet folglich ein vollwertiges Goldstück. Im speziellen ist das „massive“ römische Goldstück zu 1/72 römisches Pfund (4,55 g) gemeint, das gewichtsmässig einer sextula entsprach.
Er wurde um 324 n. Chr. von Constantinus I. eingeführt. Er hatte stets einen Reingehalt an Gold. Der Solidus wurde sogar nach dem Zerfall des röm. Reiches weitergeprägt. Sogar im Mittelalter ist der Solidus ein Begriff. Er stand stets für das Wort Solide.
Der DENAR
Denar der Zehner, wurde zur Zeit des Augustus zur Hauptmünze des Imperiums ernannt. Geprägt wurde er seit Antonius III ( 211 - 217 n.Chr. ) Der Denar hatte ein Durchmesser von durchschnittlich 16 – 18 mm und wog um die 3,89 g. Anfangs aus sehr gutem Silber, schwankte der Silbergehalt ab Nero und Nerva. Das Rauhgewicht sank zeitweilig bis auf 3,3 g herab. Denare wurden ab Mitte des 3. Jahrhunderts immer seltener, und verschwanden ab Diocletianus ganz von der Bildfläche.
Der ANTONINIAN
Der sogenannte Antoninian ( Doppeldenar ) wurde von Caracalla 215 n. Chr. eingeführt. Dieses Nominal wog ursprünglich 4,7 - 5,6 g und war aus gutem Silber. Der Silbergehalt nahm ab Balbinus und Pupienus zusehenst ab. Bis unter Valerianus nur noch 4 % Silber übrig blieben.
Der Avers zeigt den Herrscherkopf mit Strahlenkranz bzw. die Büste der Kaisergattin auf einer Mondsichel. In der Spätantike war dies ein typisches Erscheinungsbild für ein Geldstück in doppeltem Wert einer beliebigen Einheit.
In den Jahren 222 bis 238 wurde er nicht geprägt. Seit Philippus Arabs war der Antoninan die am meisten verwendete Münze des 3.Jh.n.Chr. Zunächst lag der Feingehalt noch bei 40 %, doch sank der Silberanteil ständig und erreichte unter Valerian gerade einmal 2 %. Kaiser Aurelian versuchte eine Reform. Aus dieser Zeit stammen mit XX, XXI, K und KA Zahlzeichen, die immer noch einer Erklärung harren. Diocletian ersetzte ihn schliesslich 293/294 durch den Follis.
Der ARGENTEUS
Der Name Argenteus ist nichts anderes als eine Analogiebildung wie Aureus und bedeutet "der Silberne". Während der gesamten Antike bezeichnete man damit allgemein eine Silbermünze vom Charakter eines Victoriatus, Denars oder Antoninans. Als eigenständige Münzbezeichnung taucht der Argenteus um das Jahr 294 n.Chr. auf, als Kaiser Diocletian im Zuge seiner Währungsreform eine neue Standardsilbermünze schaffen wollte
( der altbewährte Denar wurde abgelöst )
Mit der Zeit viel auch er der Herabsetzung des Silbergehaltes zum Opfer. Mit der Einführung der Siliqua, ab der Constantinischen Zeit verschwand der Aurgenteus ganz.
Die SILIQUA
Der Name Siliqua (grch. keration) bezeichnet die Schote einer Hülsenfrucht bzw. den Samen des Johannisbrotbaumes und stellt eigentlich ein spätantikes Gewicht dar. Als 1/144 der römischen Unze und somit 1/6 der Sextula wog sie 0,19 g. Zwei weitere Unterteilungen sind bekannt: in 3 grana hordei (Gerstenkörner) bzw. in 4 staria (Weizenkörner)
Die Siliqua wurde vom Constantinischen Kaiserhaus eingeführt, und löste den Argenteus ab. Sie war das wichtigste und häufigste Zahlungsmittel dieser Epoche. Sie wog anfänglich 3,4 g, wurde aber in ihrem Silbergehalt immer mehr reduziert.
Bis Kaiser Honorius wurde die Münze massenhaft in Umlauf gebracht, danach nur mehr spärlich. In den oströmisch-byzantinischen Münzstätten im westlichen Mittelmeergebiet prägte man die Siliqua mit ständig reduziertem Gewicht bis ins 7.Jh.n.Chr. Im Byzantinischen Reich hielt sie sich bis ins Mittelalter.
Das AS
Ab der Münzreform des Augustus wog das As anfänglich um die 10,92 g (Kupfer), und hatte ein Durchmesser von 25 – 27 mm. Später sank das Rauhgewicht des Asses, und es wurde weniger Zink beigemischt. Es war bekannt für seine unterschiedliche Schrötlingsstärke. Unter den Severern erfuhr das As ein Nachlassen der Ausprägung. Die Äußerlichen Kennzeichen für ein As sind der bloße oder belorbeerte Kopf auf der Vorderseite, und auf der Rückseite das S-C ( Senatus Consulto ).
Das As wurde zur Grundeinheit des römischen Münzsystems.
Der DUPONDIUS
Der Dupondius (später auch Dupondium genannt) bezeichnete eigentlich ein Gewicht von zwei röm. Pfund (= 654,9 g). Als Münze entsprach er zwei (urspr. librale = pfundige) Asse. Daher wurde er auch dussis genannt und die Wertmarke II fand sich in vielen gegossenen Münzserien bis hin zu etruskischem Schwergeld und auch in Venusia.
Der Dupondius wurde größtenteils aus Messing geprägt, und hatte ein Durchmesser von 26 – 29 mm. Er wog um die 13,64 g. Damit man ihn vom As unterscheiden konnte, wurde dem Porträt des Kaisers auf der Vorderseite eine Strahlenkrone aufgesetzt.
Auf dem Avers (Vorderseite) erscheint erst seit Nero der Kaiserkopf. In republikanischer Zeit dominierten Götterdarstellungen (Minerva), in frühkaiserlicher Epoche die Mitglieder der kaiserlichen Familie. Um eine Unterscheidung zum As zu haben, trägt der Kaiser die Strahlenkrone und nicht den Lorbeerkranz. Der Revers (Rückseite) glich hingegen dem As. Die Prägung der Münze dürfte wegen der Inflation wohl unter Kaiser Probus eingestellt worden sein. Die letzten Exemplare sind von 282 n.Chr. bekannt.
Der SESTERZ
Der Sestertius - wohl die bekannteste römische Münze - leitet seinen Namen von semis-tertius (dritthalb = 2 ½) ab. Die Bezeichnung konnte mit und ohne nummus (Münze, Abk. n) stehen und galt damit 2 ½ Asse, was einem Viertel des 211 v.Chr. eingeführten Denarius entsprach. Die Neuordnung des Münzwesens um 130 v.Chr. brachte eine Abwertung auf 4 Asse.
Der Sesterz bestand zur Augustäischen Zeit aus Messing, später aus Kupferbronze mit sinkendem Zinkgehalt. Er war mit die wichtigste Recheneinheit im Imperium. Der Durchmesser betrug etwas über 30mm. Wahrscheinlich war die letzte Emission nach dem Tod des Aurelianus geprägt worden.
Sesterzen wurden in der Republik nur selten und dann in Silber geprägt. Die ältesten Serien enden um 200 v.Chr. und gleichen im Typus dem Denar mit dem Romakopf auf der Vorderseite. Als Wertbezeichnung wurde IIS verwendet, die Rückseite schmückten die Dioskuren samt der Bezeichnung ROMA. Das Gewicht der ersten Sesterzen betrug 1 Scripulum (= 1/288 römisches Pfund oder 1,137 g), was einem allgemein verbreiteten Edelmetallgewicht entsprach. In dieser Tatsache dürfte das Phänomen liegen, dass die Münze zum Rechenwert schlechthin wurde. Selbst Grossbeträge wurden in Sesterzen angegeben. Erst in der Inflationszeit vor Diocletian begann der Denar ihm diesbezüglich den Rang abzulaufen. Seit Valerian ging die Prägung merklich zurück. Die letzten Münzen scheinen kurz nach dem Tod von Kaiser Aurelian in Umlauf gekommen zu sein.
Das FOLLIS
Das Wort Follis (Mz. Folles) bezeichnete ursprünglich einen Beutel, Ball oder Blasebalg. Daraus entwickelten sich drei verschiedene numismatische Bedeutungen. In der Spätantike des ausgehenden 3.Jh.n.Chr. wurde damit ein Geldbeutel verstanden, der mit Kupfermünzen gefüllt und durch ein Siegel in seinem Wert garantiert wurde. Für den täglichen Verkehr waren diese Folles ziemlich unhandlich (vgl. die schwedischen Kupferbarren Mitte des 17.Jh.), doch aufgrund ihres Wertes (eine feste Grösse liess sich bislang nicht ermitteln; möglicherweise entsprach ein Follis 12.500 Denaren) handelte es sich ohnedies um Grossgeld, das nicht vorhandenes Edelmetall ersetzte. Die collatio glebalis (eine wohl von Konstantin eingeführte, von Senatoren zu entrichtende Abgabe in 3, später 4 Steuerklassen) wurden konnte etwa bei Mangel an Gold in Folles entrichtet werden.
Das Follis hatte in seiner Anfangszeit einen Durchmesser von 25 – 27 mm, er bestand aus Kupfer und 2 – 4 % Silbersud und wog ca. 10 g. Bereits in der Anfangszeit des Constantinus I. wird der Follis auf bis zu 4,5 g reduziert, wobei dies schwankend bis 7 g möglich war. Zwischen 312 und 335 n. Chr. wird der Follis fortwährend Reduziert. So fällt das Gewicht von durchschnittlich 4,5 g auf 1,5 g 1/216 des röm. Pfundes ab. Auch der Durchmesser des Schrötlings schrumpfte auf 10 – 12 mm. Der Silbersud wurde fortan von Zink, Zinn und Blei abgelöst.
Vom Prägebild her ist der Follis zwar typenarm, dafür sehr variantenreich. Bis 311 n.Chr. dominiert vor allem der Genius des römischen Volkes samt der entsprechenden Legende Genio populi. Andere Legenden sind beispielsweise: Marti conservatori und Soli invicto comiti (308/317), Victoriae laetae princ. perp. (317/320), Beata tranqullitas (320/324), Providentiae Augg. bzw. Providentiae Caess (324/330), Gloria exercitus (330/341) und Victoriae dd. Auggq. nn. (341/346).
Trotz der ständigen Gewichtsreduktion wurde die Münze massenhaft ausgegeben. Auch erschienen auf ihr erstmals christliche Symbole (Christusmonogramm auf einem Helm). Zwischen 330 und 346 wurden vor allem Kleinfolles als Gedenkprägungen für Konstantinopel und Rom ausgegeben. Im letzten Jahr dieser Emissionen erschien mit der Maiorina eine neue, den Follis ablösende, Münze
Umrechnungshilfe:
1 Aureus = 25 Argentei
1 Argenteus = 8 Follis
1 Aureus = 25 Denare = 100 Sesterze = 200 Dupondien = 400 Asse
1 Denar = 4 Sesterze = 8 Dupondien = 16 Asse
1 Sesterz = 2 Dupondien = 4 Asse
1 Dupondius = 2 Asse
Löhne
Tageslohn eines Handwerkers: 10 Denare
Preise:
1 Pfund Fleisch = 11 Denare
1/2 Liter Wein = 15 Denare
1/2 Liter Bier = 4 Denare
1 Paar Sandalen = 100 Denare