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Alt 21-12-2004, 16:09   #113 (permalink)
mesodor39
 
Markttag

[QUOTE=Florin]@Herr Mesodor, Sie schreiben ja oft sehr interessante Sachen, aber hier kann ich Ihnen nicht zustimmen. Amerika herrscht Militärisch, Wirtschaftlich, und inzwischen auch Kulturell über die Welt ("Das casting war echt too much, mann war ich down, aber das Warm-up und das chill out waren so easy, mann o mann waren die kids angetörnt...echt cool", Zitat einer 19-jährigen Deutschen). Ich muss dazu sagen, dass mir die Amerikanischen Truppen lieber sind als die von "Pappa Joe" in den 50ern (auch wenn einige Leute in Nahost dies sicher anders sehen als ich). Ich gebe Ihnen Recht, man sollte nicht gegen die USA hetzen, aber Kritik sollte erlaubt sein. Wen immer man für eine Weltherrschaft bevorzugt (die die USA faktisch haben) - dass die Amerikaner nichts für die Dollarmenge könnten die sie drucken, halte ich für eine seltsame Behauptung. Niemand bestimmt den Weltmarkt so sehr wie Amerika. Und die sollen nichts für das können, was sie tun?[QUOTE]


@Herr Florin: Nehmen wir einmal folgende Situation an:
Sie stehen auf einem Markt und möchten Wallnüsse verkaufen. Niemand kauft bei Ihnen, aber jeder andere Händler (der ebenfalls zuviel Ware hat) möchte Ihnen dennoch gerne seine Ware verkaufen.

Tauschen möchten die komischen Brüder aber nicht. Jeder hat irgendwie gute Argumente, warum er Ihre Nüsse nicht möchte. Dabei schmecken sie noch nicht einmal schlecht. Gut, sie sind etwas teuer. Na und?.

Sie haben schließlich in vielen Versuchen mit Sonderangeboten festgestellt: bei einer Preisreduzierung von 15 Prozent verkaufen Sie nur 5 Prozent mehr. Dieser Erkenntnis folgend lassen Sie Ihren Preis dort, wo er ist: OBEN.

20 m weiter verkauft ein anderer Händler ganz billig Haselnüsse. Ihre Händlerkollegen sind aber nicht dumm. Die wissen, daß der Fisch, den sie Ihnen verkaufen wollen schon übermorgen anfängt zu stinken. Der Milchverkäufer weis, daß auch seine Milch in vier Tagen ungenießbar sein wird. Und auch dem Bäcker ist bekannt, daß er nicht beliebig viele seiner Brötchen trocknen und zu Paniermehl verarbeiten kann. Und der Haselnuss-Fritze, dieser Krauterer, kauft nur bei dem, der auch bei ihm in gleicher Höhe kauft. Außerdem werden seine Haselnüsse aufgrund der geringeren Größe doch etwas schneller ranzig.

Über derlei "Problemchen" können Sie nur schmunzeln: Ihre Nüsse sind auch noch in fünf Monaten genießbar. Und sie stellen genau aus diesem Grunde einen Wert dar, der sichtbar ist und somit seinen Preis hat. Sichtbar, und präsent, genau wie Ihr Stand.

Und sollte nächsten Sommer mal etwas verderben, so ist das auch nicht sonderlich schlimm; es gibt ja den Schweinebauern, der nimmt sie zu 10 % vom Preis und bis zur nächsten Ernte, die an Ihren Bäumen reift ist es dann nicht mehr weit.

Also geschieht regelmäßig folgendes: Die Herrn Fischverkäufer, Milchverkäufer und Bäcker kommen gegen Marktschluß zu Ihnen und bieten Ihnen an, von ihren Waren soviel zu nehmen, wie Sie gebrauchen können.

Aufgrund ihres Warenbestandes können Sie problemlos anschreiben lassen.

Und einen kleinen Bonus kriegen Sie auch noch; man ist Ihnen schließlich zu Dank verpflichtet.

Der Einfachheit halber wird alles auf grünen Tüten notiert, die durch Ihre Signatur und Ihres Warenbestandes so gut wie Geld für diese Leute sind.

Irgendwann zu Weihnachten kommen die Herrschaften und holen sich für einen Teil der grünen Tüten Nüsse bei Ihnen. Den Rest heben sie vorsorglich auf -schließlich ist auch auf ihre nächste Ernte Verlass - und Weihnachten ist jedes Jahr....

Muss ich Ihnen nun erzählen, daß es am nächsten Markttag wieder Brötchen, Fische und Milch zum Sonderpreis gibt, die übrig sein werden?. Wen wohl werden die Verkäufer wohl versuchen, ihre vom Verfall bedrohte Ware zu "verehren"?.

Und Ihre Nüsse, die will die Bande immer noch nicht kaufen. Irgendwann haben Sie die Schnautze voll, ziehen die Reißleine und schreiben denen nur noch Gutscheine aus, geeignet zum Einkauf von Nüssen. So muß man bei Ihnen einkaufen. Geld gibts keines mehr!. Der Not gehorschend nehmen die Händler lieber diese, als ihre Waren noch entsorgen zu müssen. Einen angenehmen Nebeneffekt hat die Sache: der Haselnussverkäufer wird 15 Prozent weniger Haselnüsse los, und setzt seine Preise um 20 v.H. hoch, wobei er 75 Prozent seines ehemaligen Umsatzes zu diesen Preisen tätigen kann....

Irgendwann haben Sie die Faxen dicke und ernten nur noch soviel Nüsse, wie Sie in etwa auch verkaufen können plus ein paar Extra-Säcke zur Beruhigung (denn schließlich geben Sie übers Jahr mehr Warengutscheine aus, als eingelöst werden). Wenn da einer kommt, so muß doch Ware dasein. Aber das passiert nicht, sodaß sich am Ende regelmäßig der Schweinebauer freut.

Ihren Händlerkollegen ist es im Grunde genommen völlig egal, ob Sie nun je Markttag einen oder drei Säcke mit Nüssern wieder mit nach Hause schleppen müssen. Sie sind da. Tag für Tag. Woche für Woche. Jahr für Jahr. Und Sie haben Ware. Gute Ware. Sie sind angesehen. Jeder nimmt ihre grünen Tüten. Das schafft Vertrauen. Und Kundschaft. Jeder hat also etwas davon. Auch und vor allem Sie.

Irgendwann einmal ist eine Mißernte. Es gibt keine Haselnüsse!. Da steht er nun ganz ohne Ware, der billige Haselnuss-Jakob!. Ihre Bäume aber hängen voller Wallnüsse, die Sie in diesem Wissen auch alle ernten und sogar Ihren Preis um ein Viertel anheben - Nun sind Sie am Drücker: Blechen sollen sie, diese Geizhälse!.

Wie erwartet werden nun Gutscheine eingelöst. Gutscheine aus zig Jahren.
Muß ich Ihnen wirklich erklären, daß Ihre Ernte nicht ausreicht, nicht ausreichen kann, selbst bei dem hochgesetzten Preis, um alle Gutscheine einzulösen?. Ihr Ansehen ist dahin. Keiner gibt Ihnen mehr etwas. Die Milch, die Sie sonst immer erhielten, bekommt der Schweinebauer. Geschenkt. Der Fisch wird in den letzten Minuten zu einem Virtel des regulären Preises verramscht. Die Brötchen, die werden ebenfalls gratis an Viehzeug verfüttert.

Und Sie nennt man fortan Betrüger und Wucherer!.

Und dann kommt Ihnen Ihr Freund, der Schweinebauer zu Hilfe und kauft die Gutscheine zu fünf Prozent vom Wert auf!. Ihre nächsten beiden Ernten gehen voll an ihm. Und damit Sie überleben, bekommen Sie Schweinefleich von ihm, das macht dann eine weitere Ernte aus, die Sie dem in Ihrer Not auch wirklich gerne überlassen.

Weihnachtskuchen mit Wallnüssen - Fehlanzeige. Die nächsten drei Jahre gibts nur Haselnüsse. Ihr "Freund" der billige Krauterer weis dies und verdreifacht nun seinen Preis!.

Und, fühlen Sie sich schuldig?.

Haben Sie sich nicht jahrelang bemüht, denen Nüsse statt Gutschriften auf Nüsse zu geben?.

Müssen die denn nun alle auf einmal kommen?.

Wie können die nur so unvernünftig sein. Jahrelang mussten 20 Prozent der Ernte ans Vieh verfüttert werden - und nun das!.

alles Klar?.

Dumm gelaufen, nicht?.

Na, wer hat auch Schuld?????

WER?????

Das Sparen hat sich doch nun so richtig gelohnt. Für alle. Stimmts, oder hab ich recht?.

Und der Ammi - kann der wirklich was dafür?.

Warum kauft denn niemand bei dem ein?.


Geändert von mesodor39 (21-12-2004 um 16:23 Uhr)
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