Henkelspuren, Randfehler etc. ändern nichts am Erhaltungsgrad. Allerdings müssen diese Fehler neben des Erhaltungsgrades erwähnt werden.
Der Erhaltungsgrad misst unterhalb von bankfrisch im wesentlichen den Grad des Umlaufs. Als fast Bankfrisch kann manchmal auch eine Münze bezeichnet werden, die besonders viel Hiebe oder Kratzer im Rahmen der Nachverarbeitung mitbekommen hat.
vz, vz+ sind dann auf jeden Fall bereits Münzen mit leichten Umlaufspuren.
Die feine Erhaltungsunterscheidung ist durchaus möglich. Lege dir nur mal 20 Münzen des gleichen Typs - sagen wir mal in grober Erhaltung ss - nebeneinander. Da werden dir bessere und schlechtere auffallen, am Ende wirst du einige als ss+, weitere als ss- und den Rest als durchschnittliches ss bezeichnen. Vielleicht wirst du das beste Stück im Vergleich zu vorzüglichen Stücken als ss-vz bezeichnen.
Es gibt Münztypen, die bekannterweise mit einer etwas schwächeren Prägung daherkommen. Beispielsweise sind die 5- und 10-Cent-Stücke von Kiautschou fast alle etwas schwach geprägt - diese Erfahrung bzw. dieses Wissen sollte man in seine Erhaltungseinschätzung natürlich mit einfliessen lassen. Mit der Zeit kann man auch schwache Prägung von Abrieb unterscheiden, das ist aber nicht immer so leicht.
In den oberen Erhaltungsgraden geht man auch mal mit der Lupe zu Werk. Damit lassen sich auch feinste Abriebspuren - z.B. an den höchsten Stellen des Reliefs - erkennen.
Dass Erhaltungseinschätzung immer einen subjektiven Faktor beinhaltet, ist ganz klar. Jeder guckt halt auf andere Merkmale bzw. gewichtet sie auch unterschiedlich. Der eine schaut ausschliesslich auf Abriebspuren, für den anderen ist der Zustand der Felder das Wichtigste - der nächste gewichtet den Gesamteindruck einer Münze (Kratzer, Tönung, Flecken, etc.) - sprich die Gefälligkeit einer Münze - sehr hoch.
Dass man Erhaltung nur anhand von Scans/Fotos oftmals nur sehr schwer einschätzen kann ist klar. Im Forum geht's leider nicht anders...
Gruss,
jeggy