|
Prägefrisch (abgekürzt ST) ist der Bestzustand unmittelbar nach dem Prägevorgang.
|
Also die wenigen Zehntelsekunden, in der sich die Münze in der Luft befindet, bevor sie dann in dem großen Behälter zwischen allen anderen aufschlägt? Denn dann war es das ja schon mit dem Bestzustand.
|
Dann muss es sich eben allgemein durchsetzen, auch gegen solche Kreise, die ein Interesse an Begriffsverwirrungen haben.
|
Jetzt habe ich gerade mal einen alten Jäger herausgekramt, aus einer Zeit als Herr Jäger noch lebte und selbst schrieb. Damals gab es nur 4 Klassen anstatt gleich 6 in den neueren Katalogen. Und die damaligen Definitionen hatten es in sich.
Zitat aus der 5. Auflage von 1965:
1 = polierte Platte - Flan bruni - Proof
2 = Stempelglanz - Fleur de coin - Uncirculated
3 = vorzüglich - Superbe - Extremely fine
4 = sehr schön - Très beau - Very fine
Interessant, nicht? Vor allem die englischen Übersetzungen.
Es wird aber noch besser:
Polierte Platte: tiefglänzender Ton des Feldes und matte Reliefpartien, die sich vom Grund stark abheben.
Es ist selbstverständlich, daß als "polierte Platte" nur eine Münze bezeichnet werden kann, die
nicht die geringste Beschädigung aufweist.
Bezeichnungen wie "poliert berieben" oder "poliert mit Kratzer" sind abzulehnen; solche Stücke gehören in Kategorie 3.
Tja, der Herr Jäger, ein wirklich gestrenger alter Herr. Die Fettungen sind nicht von mir, ich schreibe das hier exakt so, wie es in diesem alten Katalog gedruckt ist!
Und weiter:
Stempelglanz: im Gegensatz zu "polierte Platte sind hier Feld und Relief vom gleichen Ton; stempelglänzende Stücke dürfen auch
nicht die geringste Beschädigung aufweisen.
Na, das ist doch ein klares Wort. Da wußte doch jeder ganz exakt wo er dran war.
Und weiter:
vorzüglich: in den Reliefpartien tadellos, höchstens im Felde kleine Kratzer, aber die Konturen und der Rand scharf und ohne Beschädigungen bzw. Abnützungsspuren..
Erhaltung 3 kommt beim Sammler weitaus am häufigsten vor, auch die modernen
"bankfrischen Münzen" zeigen fast
niemals einen besseren Erhaltungsgrad.
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, dann versteht man auch genau, warum schoen von Begriffsverwirrung spricht.
Und man weiß warum normale Kursmünzensätze von so grottenschlechter Qualität sind und mit dem ursprünglichen Begriff Stempelglanz nichts mehr zu tun haben
Ja, Begriffsverwirrung, das ist die heutige Zeit. Eine Besprechung heißt heute Meeting, von Bomben zerfetzte Kinder in Afghanistan nennt man Kollateralschaden, Fa. Leuchtturm verkauft ein Münzpoliertuch und vorzüglich ist Stempelglanz.
Ist doch ganz "easy"!
Gruß
9999