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Alt 31-01-2010, 14:29   #24 (permalink)
poerings
 
In der Frage nach der "richtigen" Stückelung von Münzen und Scheinen sollte man versuchen, einfach mal ein Bisschen Abstand zu nehmen.

Als 1948 die D-Mark eingeführt wurde, war die kleinste Münze 1 Pfennig. Damit kam man im täglichen Zahlungsverkehr als kleinste Einheit aus. Damals lag das jährliche Durchschnittsentgelt bei 2.219 DM. Die kleinste Geldeinheit war also 1/221.900 des jährlichen Durchschnittsentgelts.

Heute liegt das jährliche Durchschnittsentgelt bei 32.003 €. Der Pfennig 1948 als damals kleinste notwendige Geldeinheit entspricht also von seinem Anteil am Durchschnitsentgelt her heute 32.003/221.900 € = 14,4 Cent.

Das bedeutet: Wenn damals 1 Pfennig als kleinste Geldeinheit ausgereicht hat, dann
  • brauchen wir heute die Kupfermünzen nicht mehr
  • brauchen wir keinen Geldschein im Gegenwert von gut 6 Pfennig 1948 (=1-€-Schein)
  • wäre es eher angebracht, 5- und 10-€-Münzen für den täglichen Zahlungsverkehr herzustellen

Aber da kommen die alteingesessenen Gewohnheiten der Deutschen hoch. Wir hatten während der Geltungsdauer der DM immer den einzelnen Pfennig. Und wenn ein Euro aus 100 Cent besteht, dann muss man auch jeden einzelnen Cent davon einzeln bezahlen können. Meint man.

Unsere europäischen Nachbarn haben dazu natürlich ihre eigene Meinung. Sie hängen nicht so sehr an ihren Einzelcents, weil sie sich inflationsbedingt auch bei ihren früheren nationalen Währungen vielfach schon von den kleineren Einheiten getrennt hatten. Was hätten Italiener davon gehabt, sich an einem Centisimo festzuklammern? Und auch in den meisten anderen Ländern war das jeweilige Hundertstel der Hauptwährungseinheit einzeln nicht mehr zu bezahlen. Außer in Deutschland ging das vor der Euro-Einführung nur noch in Irland, Malta und Zypern.

Genauso sieht es mit der jeweiligen Grenze zwischen Münzen und Scheinen aus. Während Italien mit dem 1.000-Lire-Schein zuletzt noch einen Schein im Gegenwert von ungefähr 50 Cent hatte, waren die Spanier an 500-Peseta-Münzen (= ca. 3 €) als größte Münze gewöhnt. Diesen Gewohnheiten folgend krähen halt die einen nach größeren Münzen, die anderen nach kleineren Scheinen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur altgewohnten nationalen Währung sollten diese Gewohnheiten aber verschwinden.

Vernünftig betrachtet sollte der Weg in Richtung größerer Münzen gehen. Am unteren Ende können dabei durchaus auch Einheiten wegfallen.Der einzige wirkliche Sinn der Cents liegt doch im Moment noch darin, Schwellenpreise wie 99 Cent machen zu können. Da man aber diese Preise nicht wirklich bar bezahlen können muss, besteht keine Notwendigkeit, hierfür einzelne Cents vorrätig zu halten. Auch in anderen europäischen Ländern wurden die Preise vor der Euro-Einführung feiner gestaffelt und an der Kasse wurde dann gerundet. Weltmeister darin waren die Portugiesen, die in den Achtzigern sorgfältig alles auf 2,5 Escudos als kleinste gängige Einheit gerundet haben.
Aber selbst im bierernst-genauen Deutschland gab es schon vor der Euro-Einführung Vorreiter dieser Technik. Bei DM wurde auch schon alles auf glatte 5 Pfennig abgerundet. Das hat aber, wie ich aus Gesprächen weiß, kaum jemand wahrgenommen. Daran kann man sehen, wie wichtig so ein einzelner Pfennig 2001 noch war, oder wie wichtig ein einzelner Cent wirklich heute noch ist.
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