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Alt 04-08-2003, 13:13   #1 (permalink)
 
Wie erhielten die Prägestätten Dtl. ihre Buchstaben?

Eine Frage die mich seit einiger Zeit beschäftigt, vielleicht weiß es jemand aus dem Stehgreif.
Unsere 5 Prägen haben ja verschiedene Buchstaben, A, D, G, F und J. Wie und warum wurden diese Buchstaben den Prägen zugeordnet und seit wann gibt es die Unterscheidung?
Lumberjack ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 13:25   #2 (permalink)
 
Ich glaube das hängt mit der Reihenfolge der Eröffnung/Inbetriebnahme der Prägestätten zusammen.
Demnach war die in Berlin die Erste, ihr wurde der Buchstabe A zugeordnet.
Es folgten B, C usw. von denen letztendlich aber nur A,D,D,G und J übrig blieben, die restlichen wurden inzwischen geschlossen.
Letty ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 13:54   #3 (permalink)
 
In den Prägeanstallten, auch Münzstätten genannt, werden Münzen hergestellt. Um die Prägungen der einzelnen Anstalten von einander zu unterscheiden zu können, benutzt man verschiedene Prägebuchstaben (auch Münzzeichen).
Zur Zeit gibt es in Deutschland 5 verschiedene Prägestätten.
In Deutschen Kaiserreich und im 3. Reich gab es jedoch mehr Prägestätten.

A – Berlin (seit 1871) zwischenzeitlich Prägestätte der DDR und ab 1990 wieder Prägestätte Deutschlands

B – Hannover (1872 – 1878)

B – Wien (1938 – 1944)

C – Frankfurt (1872 – 1879)

D – München (seit 1872)

E – Muldenhütten (1887 – 1953, davon 1949 bis 1953 für die DDR)

F – Stuttgart (seit 1872)

G – Karlsruhe (seit 1872)

H – Darmstadt (1872 – 1882)

J – Hamburg (seit 1875)

T – Tabora ( für Deutsch Ostafrika, 1916)
hammerhai ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 14:53   #4 (permalink)
 
Hier ist eine Liste deutscher Prägestätten im (ursprünglich wohl preußischen) Buchstabensystem. Sie basiert auf einer Nachricht, die Kai Cordes mal in einer Münz-Newsgruppe gepostet hat. Die fett geschriebenen prägen noch heute.

A = Berlin (1750) 1871-
B = Breslau 1750-1768, 1799-1803, 1812-1826
B = Glatz 1813
B = Hannover 1872-1878
B = Wien 1938-1944
C = Kleve 1750-1767
C = Frankfurt 1872-1879
D = Aurich 1750-1763 (-1768?)
D = Düsseldorf 1817-1848
D = München 1872-
E = Königsberg 1261-1309, 1456-1728, 1751-1803 (1750-1798?)
E = Dresden 1872-1887
E = Muldenhütten 1887-1953
F = Magdeburg 1750-1769
F = Stuttgart 1872-
G = Stettin 1752-1754
G = Karlsruhe 1872-
H = Darmstadt 1872-1882
J = Hamburg 1875-
K = Straßburg (kurz nach 1871 geplant, aber nicht eingerichtet)
T = Tabora (Deutsch-Ostafrika) 1916

Noch ein paar Infos zur "hierarchischen Rangfolge" der Länder und ihrer Prägestätten:
http://www.staatlichemuenzenbw.de/mp.php?cms_id=8
(Abschnitt "Münzzeichen")

Tschüs,
Christian

Geändert von chrisild (04-08-2003 um 14:57 Uhr)
chrisild ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 14:59   #5 (permalink)
 
Und ab wann waren die (deutschen) Prägebuchstaben in Verwendung? Königsberg hatte ja sicher auf seinen Münzen im 13. Jh. noch keine. 1750 würde da plausibel scheinen.???

Und ab wann wurden überhaupt erstmals Prägestätten mit Buchstaben gekennzeichnet?
Dwimbor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 15:33   #6 (permalink)
 
also wien prägt heute auch noch !
AUSTRIA ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 15:44   #7 (permalink)
 
Original geschrieben von Dwimbor
1750 würde da plausibel scheinen.???
Sehr sogar ... Die Bezeichnung der Münzstätten mit Buchstaben und nach dem Alphabet geht auf den preußischen König Friedrich II. zurück. Da musste Berlin natürlich das A bekommen ;-)
siehe auch http://www.Berlin.de/SenFin/Muenze/geschichte.html

(Die Daten vor Mitte des 18. Jh., etwa bei Königsberg, beziehen sich auf die Prägestätten selbst, von denen einige ja deutlich älter als das "Buchstabensystem" sind.)

Seit wann es überhaupt derartige Münzzeichen gibt, und wo auf der Welt sie zuerst verwendet wurden, ist ... eine gute Frage :-) Allerdings sind z.B. Münzmeisterzeichen oder Symbole für den jeweiligen Münzdirektor schon seit langem auf Münzen zu finden.

Tschüs,
Christian
chrisild ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 15:49   #8 (permalink)
 
Seit der Neuzeit, also etwa seit 1500 kennzeichneten die Territorialstaaten ihre Münzstätten durch Symbole oder Buchstaben. Das erfolgte oft ibn chiffrierter Form, z.B. in Frankreich durch ein System von Punkten in der Umschrift. in Deutschland durch eine Buchstabenreihe, in der jeder Buchstabe, wie bekannt, für eine bestimmte Münzstätte stand.

A = Berlin seit 1750,

B = Breslau von 1750-1825 auf preußischen Münzen
B = Bayreuth von 1796-1804
B = Hannover von 1866 - 1872 für die Talerzeit und bis 1878 für
die Markwährung

C= Cham von 1635-1760 auf bayerischen Münzen
C = Cleve auf preußischen Münzen von 1751-1765
C = Frankfurt a/M von 1866 - 1873
C = Clausthal für Hannover 1800-1866
C = Cassel von 1807 - 1813 für westfälische Münzen
C = Frankfurt a/M seit 1872-1878 für die deutsche Markwährung

D = Aurich von 1752-1768 für preußische Münzen
D = Düsseldorf von 1817-1848
D = München für Münzen der Markwährung seit 1872

E = Königsberg für Preußen seit 1751 - 1798
E = Dresden für die Münzen der Markwährung seit 1872
E = Muldenhütte/Dresden DDR von 1949 bis 1953

F = Magdeburg auf preußischen Münzen von 1752-1766
F = Stuttgart seit 1873-1918 (Kaiserreich) und 1919-1945 ff

G = Göttingen auf deutschen Kippermünzen 1620-1622
G = Stettin auf preußischen Münzen 1753 - 1763
G = Glatz auf preußischen Münzen von 1807-1810
G = Karlsruhe auf deutschen Münzen der Markwährung seit 1872

H = Darmstadt für Münzen des Kaiserreichs 1872-1882, ab 1888
ließ das Großherzogtum seine Münzen in Berlin prägen

J = Hamburg auf Münzen des Kaiserreichs seit 1875

K = Freiberg für Thüringen seit 1456

L = Luckau/Altenburg von 1619-1623
L = Leutenberg für Schwarzburg-Rudolstadt 1619-1623
L = Leipzig für Sachsen 1753 -1762

M = Münsa für Sachsen-Altenburg 1619-1623

N = Nürnberg für Münzen des fränkischen Kreises
N = Nördlingen für gräflich königsteinische u. stolbergische
Münzen
N = Naumburg auf sächsischen Kippermünzen 1619-1623
N = Neuenstein auf hohenlohischen Münzen

P = Pölzig auf Kippermünzen 1619-1623 von Sachsen-Altenburg

R = Rudolstadt für Schwarzburg
R = Roda für Sachsen-Altenburg auf Kippermünzen 1619-1622

S = Stuttgart auf württembergischen Münzen des 17.
Jahrhunderts
S = Schwabach für Preußen von 1792-1795

T = Buchholz auf sächsischen Münzen 1500-1570
T = Deutz für Köln seit 1546
T = Tübingen für württembergische Münzen
T = Taucha für sächsische Kippermünzen 1619-1622

V = Volkerode für Münzen aus Coburg in der Kipperzeit 1619-1622

W = Wesel für Münzen aus Cleve
W = Weimar für Kippermünzen 1619-1622 von Sachsen-Weimar
W = Weida für sächsische Kippermünzen von 1619-1622
W = Wertheim für Städte des Frankischen Kreises
W = Wratislawia für Preußen 1743-1749

Das war's. Ich hoffe, nun sind alle Unklarheiten halbwegs beseitigt
Gruß
corrado26

Geändert von corrado26 (04-08-2003 um 15:52 Uhr)
corrado26 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04-08-2003, 15:51   #9 (permalink)
 
also wien prägt heute auch noch !
Jau, warum hab ich denn noch keine deutschen Euros mit 'nem B drauf? Die will ich haben


Thomas
moppel65 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05-08-2003, 10:59   #10 (permalink)
 
Hallo,

die ollen Griechen haben auch schon Symbole (z.B. Helm, Pegasus, Lotosblüte,...) auf den Münzen geprägt, die für Münzstätten standen.
Das ist ein beliebtes Thema, wenn man z.B. Tetradrachmen von Alexander dem Großen sammelt. Da gibts hunderte Varianten.

Bei den Römern hat dann Philipp I. zum ersten Mal Zahlen und Buchstaben als Kennzeichen für die Münzstätte prägen lassen.
Also z.B. A oder I (oder B und II, ...) für die 6 in Rom in Betrieb befindlichen Prägestätten.
Die späteren Kaiser haben das dann weitergeführt.
Es gab meist ein Kürzel für sie Stadt (z.B. P für Pavia oder SIRM für Sirmium), dann folgte ein Symbol für die Münzstätte (wieder A oder Alpha, B, Beta,...oder Zahlen oder andere Symbole, z.B. Sterne, Halbmonde,...)
alexander ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05-08-2003, 15:06   #11 (permalink)
 
Original geschrieben von alexander
Hallo,

die ollen Griechen haben auch schon Symbole (z.B. Helm, Pegasus, Lotosblüte,...) auf den Münzen geprägt, die für Münzstätten standen.
Das ist ein beliebtes Thema, wenn man z.B. Tetradrachmen von Alexander dem Großen sammelt. Da gibts hunderte Varianten.

Bei den Römern hat dann Philipp I. zum ersten Mal Zahlen und Buchstaben als Kennzeichen für die Münzstätte prägen lassen.
Also z.B. A oder I (oder B und II, ...) für die 6 in Rom in Betrieb befindlichen Prägestätten.
Die späteren Kaiser haben das dann weitergeführt.
Es gab meist ein Kürzel für sie Stadt (z.B. P für Pavia oder SIRM für Sirmium), dann folgte ein Symbol für die Münzstätte (wieder A oder Alpha, B, Beta,...oder Zahlen oder andere Symbole, z.B. Sterne, Halbmonde,...)
Wow, dass es Buchstaben für die Münzstätten schon in Rom gab, hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht...
Dwimbor ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05-08-2003, 15:17   #12 (permalink)
 
Original geschrieben von corrado26
Seit der Neuzeit, also etwa seit 1500 kennzeichneten die Territorialstaaten ihre Münzstätten durch Symbole oder Buchstaben. Das erfolgte oft ibn chiffrierter Form, z.B. in Frankreich durch ein System von Punkten in der Umschrift. in Deutschland durch eine Buchstabenreihe, in der jeder Buchstabe, wie bekannt, für eine bestimmte Münzstätte stand.

A = Berlin seit 1750,

.
.
.
.
.
.
W = Wratislawia für Preußen 1743-1749

Das war's. Ich hoffe, nun sind alle Unklarheiten halbwegs beseitigt
Gruß
corrado26
hallo corrado,
vielen dank

so eine komplette liste hatte ich noch nicht
tom40 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05-08-2003, 15:44   #13 (permalink)
 
................immerhin freut es mich, daß sich wenigstens einer bedankt....nach der Mühe...........
Gruß
corrado26
corrado26 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05-08-2003, 15:50   #14 (permalink)
 
Original geschrieben von corrado26
................immerhin freut es mich, daß sich wenigstens einer bedankt....nach der Mühe...........
Gruß
corrado26
in meinem jahrgang haben wir das noch gelernt
tom40 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05-08-2003, 22:22   #15 (permalink)
 
Vielen Dank an Alle!!!

Ich hatte eigentlich nicht soooo viele ausführliche Antworten erwartet.
Aber das zeigt mal wieder, dass bei den Forumsmitgliedern ein sehr großes Wissen vorhanden ist. Mein Kompliment


@corrado26 Wirklich seehrrr ausfühlich - vielen Dank
Lumberjack ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09-08-2003, 19:58   #16 (permalink)
 
und die Amis??

Da sind doch P's und ähnliches im Gebrauch. Hat jemand mal eine Aufstellung??

gruß!
Münzer
Münzer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09-08-2003, 20:19   #17 (permalink)
 
Die beiden "gängigsten" Münnzeichen in den USA sind D und P. Daneben gibt's noch S und W für Sonderprägungen und Anlagemünzen ...

D = Denver, CO
P (oder kein Mzz.) = Philadelphia, PA

S = San Francisco, CA
W = West Point, NY

Im 19. Jh. "aktive" Prägestätten:
C (Goldmünzen) = Charlotte, NC
CC = Carson City, NV
D (Goldmünzen) = Dahlonega, GA
O = New Orleans, LA

Tschüs,
Christian
chrisild ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21-02-2006, 22:35   #18 (permalink)
 
Um zum Ursprungsthema zurückzukommen: die noch heute gültige Systematik der Münzzeichen geht auf das Jahr 1871 (Gründung des Deutschen Reichs) zurück. Dabei wurden die Münzzeichen in der Reihenfolge der Rangordnung der einzelnen Bundesstaaten vergeben; zuerst die Königreiche, dann die Großherzogtümer usw. Innerhalb der einzelnen Gruppe richtete sich die Reihenfolge nach Größe (= Einwohnerzahl). Also erhielten Preußen A für Berlin, B für Hannover und C für Frankfurt, Bayern D für München, Sachsen E für Dresden, Württemberg F für Stuttgart, Baden G für Karlsruhe, Hessen H für Darmstadt und Hamburg J; das I wurde wegen Verwechslungsgefahr nicht vergeben, das vorgesehene K für Straßburg nicht realisiert.

Die kleinsten Münzstätten B, C und H stellten noch im 19. Jh. nach Ausprägung der Startauflagen der Mark ihre Tätigkeit ein, E (1887 verlagert nach Muldenhütten) wurde 1954 von der DDR geschlossen. Von 1938-1945 wurde übrigens das B im Großdeutschen Reich von Wien verwendet. Übrig geblieben sind somit die heute noch verwendeten Münzzeichen A, D, F, G und J.

Gruß

Numisfreak
Numisfreak ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22-02-2006, 16:38   #19 (permalink)
 
Die beiden "gängigsten" Münnzeichen in den USA sind D und P. Daneben gibt's noch S und W für Sonderprägungen und Anlagemünzen ...

D = Denver, CO
P (oder kein Mzz.) = Philadelphia, PA

S = San Francisco, CA
W = West Point, NY

Im 19. Jh. "aktive" Prägestätten:
C (Goldmünzen) = Charlotte, NC
CC = Carson City, NV
D (Goldmünzen) = Dahlonega, GA
O = New Orleans, LA

Tschüs,
Christian

Das lässt sich natürlich auch noch weiter erweitern...
euro-guy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22-02-2006, 16:58   #20 (permalink)
 
Um zum Ursprungsthema zurückzukommen
Und das gerade mal zweieinhalb Jahre nach der letzten Nachricht in diesem Thema. Trotzdem danke für die Informationen.

@euro-guy: Hmm, was fehlt denn? OK, Manila hätte man noch ergänzen können; aber das liegt nicht in den heutigen USA ... http://en.wikipedia.org/wiki/Histori...d_States_Mints

Tschüs,
Christian
chrisild ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22-02-2006, 18:40   #21 (permalink)
 
Die französischen Münzstätten waren:

A = Paris (heute die einzige Prägestätte und daher ohne Buchstaben)
AA = Metz
B = Rouen bis 1857
B = Beaumont le Roger 1940-1958
B im Kreis = Brüssel 1939
BB = Straßburg bis 1870
C = Castelsarrasin 1914, 1943-46
CL = Gênes
D = Lyon
G = Genf
H = La Rochelle
I = Limoges
K = Bordeaux
L = Bayonne
M = Toulouse
MA = Marseille
N = Montpellier
Q = Perpignan
R = Orléans
R = London 1815
R mit Krone = Rom 1811-1814
T = Nantes
U = Turin
W = Lille

und Monaco hatte, wen wunderts: MC

Gruß
kukus
kukus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22-02-2006, 18:47   #22 (permalink)
 
Prägestätten

Hallo!

Eine Frage hierzu: stimm es eigentlich, dass in Polen dieMünzen gleich in 10 Prägestätten geprägt werden?

Gruß
Michael
Dr.Corsa ist offline   Mit Zitat antworten
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