|
|
| Allgemeines Hier können Sie Ihre Fragen rund ums Münzensammeln stellen (die nicht durch untenstehende Kategorien abgedeckt werden !!!) |
19-11-2003, 09:30
|
#1 (permalink)
|
|
|
Die Goldleihe
Es gibt Daten und Zahlen, die angeben wieviel Goldreserven die verschiedenen Zentralbanken der Staaten halten.
Bei diesen Zahlen handelt es sich aber nicht wirklich um das Gold das die Zentralbanken besitzen, sondern mal bessesen haben.
Hier nun der Versuch einer näheren Erklärungen.
Die Goldleihe
Erstmal gibt es bei dem Geschäft drei Beteilligte.
1.) Die Zentralbank eines Staates, die die Goldreserven verwaltet.
2.) Eine Geschäftsbank (z.B. Deutsche Bank, Dresdner Bank usw.)
3.) Eine Goldmine (Goldproduzent)
Ablauf des Geschäftes (Beispiel)
1.) Die Zentralbank besitzt Gold, welches zwar unter Umständen im Wert steigt, aber keine Zinsen abwirft. Wenn sie es also nicht verkaufen will aber trotzdem einen Gewinn mit dem Gold erwirtschaften will, verleiht sie
es an eine Geschäftsbank für 1 Jahr zu einem Zinssatz von 1,5%. Nach Ablauf des Jahres möchte sie ihr Gold wiederhaben.
GEWINN für die Zentralbank 1,5%.
2.) Die Geschäftsbank verkauft nun das geliehene Gold auf dem Markt und legt den Erlös in Aktien oder anderen Investments an, die vielleicht 10% Zinsen bringen.
Gleichzeitig kauft sie einer Goldmine die zukünftige Produktion zu einem Preis ab, der 4% über dem aktuellen Goldpreis liegt.
Die Mine geht, wenn sie von fallenden oder gleichbleibenden Goldpreis ausgeht auf das Geschäft ein, da sie ja dann das Gold 4% über Wert verkauft.
Als Beispiel:
Der aktuelle Goldpreis liegt bei 300$ pro Unze. Die Bank bietet der Mine an, in einem Jahr Gold für 312$ pro Unze zu kaufen. Wenn die Mine nun von fallenden oder gleichbleibenden Goldpreisen in einem Jahr ausgeht, geht sie auf das Geschäft ein.
Nach einem Jahr verkauft die Geschäftsbank ihre Aktien oder anderen Investments die sie aus dem Erlös des Goldverkaufs gekauft hat und kauft das Gold der Mine zu dem vor einem Jahr ausgehandelten Preis zurück.
Dieses Gold gibt sie dann der Zentralbank zurück.
Obwohl die Geschäftsbank die Zinsen an die Zentralbank zahlen muß und der Mine verspricht das Gold 4% über aktuellem Preis zu kaufen, macht sie noch ausreichend Gewinn das sich das Geschäft lohnt.
Die Geschäftsbank gewinnt also auch an dem Geschäft.
3.)
Die Mine erwartet einen fallenden bzw. gleichbleibenden Goldpreis und verkauft ihre Goldproduktion im voraus und macht ebenfalls einen Gewinn.
Alle Beteiligte haben also gewonnen. Super Geschäft.
Dieses System drückt aber den Goldpreis.
Warum?
Die Minen haben ihre Goldproduktion verkauft, bevor das Gold überhaupt gefördert wurde. Dieses Gold erscheint auf dem Markt obwohl die Zentralbank es als vorhanden führt. Es kommt zu einem künstlichen Überangebot.
Es gibt aber viele Risikenbei dem Geschäft-
Wenn z.B. die Aktien crashen, kann die Geschäftsbank das verliehene Gold nicht zurückaufen
Außerdem funktioniert das System natürlich nur, solange der Goldpreis sinkt oder zumindest gleichbleibt.
Würde der Goldpreis steigen, hätten die Geschäftsbanken große Schwierigkeiten das Gold zurückzukaufen das sie der Zentralbank schulden. Es könnte passieren, dass sie dazu finanziell nicht mehr in der Lage ist.
Hat sie jedoch den Preis für das Gold mit der Mine fest ausgehandelt, verliert die Mine und geht unter Umständen pleite.
Als Beispiel:
Die Geschäftsbank leiht sich Gold bei der Zentralbank und verkauft es für 300$. Nach einem Jahr muß sie es für 360$ zurückkaufen da der Goldpreis gestiegen ist. Da sie dies finanziell jedoch nicht kann, wird der Leihvertrag in Hoffnug auf zukünftig fallende Goldpreis verlängert.
Hat sie vorher mit der Mine einen Preis von 312$ ausgehandelt, steht die Mine kurz vor dem Zusammenbruch, da sie nun das Gold erheblich unter Marktwert verkaufen muß.
Die Zentralbank hofft ebenfalls auf einen gleichbleibenden, auf keinen Fall steigenden Goldpreis, da sie sonst befürchtet ihr verliehenes Gold nie wiederzusehen.
Alle haben also ein Interessen daran, dass der Goldpreis nicht steigt.
Jetzt ist aber gerade das die letzten zwei Jahre passiert.
Der Goldpreis ist gestiegen und die Minen sind nicht mehr bereit zu hedgen (d.h. ihr Gold zu einem festgelegten Preis der etwas über aktuellem Goldpreis liegt in die Zukunft zu verkaufen)
Im Gegenteil; sie verkaufen ihr Gold nicht nur nicht mehr im voraus, sondern sie kaufen es auch noch vom Markt zurück, um den finanziellen Verlust bei bestehende Verträgen einzudämmen.
Als Beispiel:
Die Mine verkauft bei einem aktuellen Kurs von 300$ ihr Gold im voraus und bekommt 312§ dafür "versprochen".
Wenn das Gold dann in einem Jahr immer noch 300$ kostet macht die Mine einen Gewinn.
Wenn das Gold aber 350$ kostet einen dicken Verlust.
Wenn die Mine nun nach Abschluß des Geschäftes nun doch von einem steigenden Goldpreis ausgeht, kauft sie es lieber für 320$ vom Markt auf.
Sie kann dann ihr gefördertes Gold später für 350$ am freien Markt verkaufen und das für 320$ gekaufte muß sie dann für 312$ an den Geschäftspartner laut Vertrag abgeben.
Durch diesen "zurückkaufen" des Goldes wird ein zusätzlichen Nachfrageschub ausgelöst.
Geändert von Goldnase (19-11-2003 um 09:34 Uhr)
|
|
|
19-11-2003, 11:17
|
#3 (permalink)
|
|
|
Original geschrieben von tumbertor
Also sind die großen looser momentan die Goldleihenden Banken, sie haben die fehlende Rendite aus Niedrigzins, die Kursrückgänge bei Investments und den steigenden Goldpreis zu tragen.
|
Nicht momentan (aber vielleicht in den letzten Jahren).
Beispiel:
Angenommen, die europäische Bank A leiht sich zu Beginn dieses Jahres 1 Unze Gold zum Kurs von 331,82 EUR/Unze zu einem Zins von 1,5 %, und verkauft das Gold, dann bleiben ihr 326,84 EUR zur Anlage am Kapitalmarkt (Frage am Rande: wird der Zins zu Beginn oder am Ende der Leihe bezahlt?). Nehmen wir an, sie investiert repräsentativ in den Dax: Stand zu Beginn des Jahres 3105,04, also könnte sie rechnerisch 10,69% eines Dax kaufen (nur zur Info, spielt keine Rolle).
Nehmen wir einfach auch mal an, das Geschäft sei heute fällig:
Stand Dax: 3607,32, d.h. aus der Anlage erzielt die Bank eine Rendite von 16,18% (in den letzten Tagen wäre es noch etwas mehr gewesen). Aus den 326,84 EUR sind somit 379,71 EUR geworden. Davon ist eine Unze Gold zu kaufen, diese kostet zur Zeit umgerechnet 338,73 EUR/Unze.
Es verbleiben der Bank somit:
379,71-338,73=40,99 EUR, das Ganze bei einem Einsatz von 1,5% vom Kaufkurs, das waren 4,98 EUR. Rein rechnerisch beträgt die Rendite somit 823 % (Wäre noch deutlich mehr, wenn die Bank das Geschäft erst kurz vor dem Irak-Krieg abgeschlossen hätte, das ist also hier nicht die vorteilhafteste Rechnung)
Wat lernt uns dat:
1) Das Geschäft hat einen mächtigen Hebel.
2) Wo hohe Gewinnmöglichkeiten sind, sind auch hohe Verlustrisiken. Einen free lunch gibt es halt nicht.
3) Das Geschäft stellt sich für Europäer gänzlich anders dar als für Nichteuropäer.
Interessieren würde mich einmal folgende Frage:
Wie hoch ist innerhalb eines Jahres bei einer deutschen Bank das Volumen derartiger Geschäfte? Ist die Größenordnung überhaupt relevant?
|
|
|
20-11-2003, 05:01
|
#6 (permalink)
|
|
|
Re: Die Goldleihe
Servus Goldnase!
Zu obigen Leitartikel möchte ich dir im grossen und ganzen Recht geben. Eine gelungene Darstellung.
In einem Punkt möchte ich allerdings widersprechen:
Original geschrieben von Goldnase
Hat sie vorher mit der Mine einen Preis von 312$ ausgehandelt, steht die Mine kurz vor dem Zusammenbruch, da sie nun das Gold erheblich unter Marktwert verkaufen muß.
|
Das die Mine unter Marktpreis verkaufen muss ist schon klar. Pleite ist sie aber deshalb noch lange nicht. Dafür sind nämlich die Gestehungskosten verantwortlich. Erst wenn die Förderung (in diesem Beispiel) höher als 312 $ sind, dann hat die Mine ein Problem. Wenn der Förderpreis geringer ist als 312 $ dann veringert sich nur der Gewinn.
goldcoin
|
|
|
22-12-2004, 12:29
|
#9 (permalink)
|
|
|
Sehr interessantes Geschäftsmodell. Und es kann noch viel, viel besser machen:
Ich stelle mir gerade folgendes vor:
Der Goldpreis steigt bis 500 EUR die Unze. Eine Bank leiht sich Gold zu drei Prozent p.A., sichert ihre Position über eine GMBH mit einem Startkapital von 26.000 EUR ab.
Die von Bankangestellten gegründete GmbH kauft für 500 EUR auf Termin beim Produzenten und zahlt dafür einen Aufpreis von 18 EUR die Unze, der sofort entrichtet wird, wobei die GmbH sich sofort 20 EUR je Unze dafür von der Bankbezahlen lässt, dieser aber für den Aufpreis das Recht bescheinigt, binnen Jahresfrist für 500 kaufen zu können.
Das macht bei einer Million Unzen dann 2 MIO. Euro Einnahmen, die teils in Form hoher Gehälter an die GMBH-Geschäftsführer fließen.
Die Bank, auf fallende Kurse hoffend, verkauft das LZB-Gold und legt das Geld zu 5 Prozent an. Der maximale Jahresverlust beträgt 2 Prozent p.A. Steigt das Gold im Wert, wird am Jahresende zu 500 gekauft und mit 2 v.H. Verlust glattgestellt. Das ist viel billiger, als jeder PUT.
Nun passiert folgendes:
Steigen die Kurse aber nicht, sondern fallen diese sogar, so wäre die Bank doch blöd, wenn sie die Kaufoption gegenüber der GmbH ausüben würde.
Die Bank verkauft die von dem Gold erworbenen Bonds (Kurzläufer ohne Währungsrisiko) und kauft für sagen wir mal 430 auf dem freien Markt, stellt glatt und hat so etwa 500-430-15-20 = 35 Euro verdient bei einem maximalen Verlustrisiko von 10 EUR!!!!.
Alternativ dazu kann die Bank nach dem Verkauf des Zentralbankgoldes ohne jedes Risiko ihrerseits ja nun auch Optionen herausgeben, beispielsweise das Recht, der Bank gegen eine Sofortzahlung von 45 EUR die Unze binnen Jahresfrist das Gold zu 500 EUR die Unze anzudienen.
Passiert dies nicht, kauft die Bank halt bei der GmbH zu 500 und die 45 EUR hat sie ja auch schon!.
So "verdient" die Bank in jedem Fall - egal ob die Kurse steigen oder fallen.
Im Falle steigender Kurse gibt´s sogar noch einen Push bei den Gewinnen.
Ach ja, der Goldproduzent, der glaubt bei fallenden Kursen seine eine Million Feinunzen für 500 EUR an die GmbH verkaufen zu können, bekommt ein Schreiben von Insolvenzverwalter, daß die Gesellschaft bis auf die 26.000 EUR keinerlei Vermögenswerte besitzt und diese zur Abwicklung der GmbH benötigt werden.
Kurz vor dem Goldpreisverfall, als der Kurs sogar noch leicht angestiegen war, haben sich die Gesellschafter auch noch bedient - schließlich war ja zum Zeitpunkt der Gewinnentnahme nicht absehbar, daß der Goldpreis fallen würde.
Alles Klar?.
Geändert von mesodor39 (22-12-2004 um 12:31 Uhr)
|
|
|
21-10-2008, 20:29
|
#11 (permalink)
|
|
|
|
Einer der Faktoren der von den tollen Analysten nie beachtet wird:
JETZT können die Investmentbanken das geliehen Gold nie mehr zurückgeben.
Es ist offensichtlich was das für den Goldpreis langfristig bedeutet.
|
Goldnase, Du hast was übersehen:
Jetzt, wo den Staaten weltweit KEIN Preis zu hoch ist, um Bankruns und Bankenpleiten abzuwenden, brauchen die Gold leihenden Banken ihre Schulden nicht mehr zurück zu zahlen.
Denn: auf die paar Milliarden mehr Staatsknete kommt es den Politikern nun auch nicht mehr an.
Daß man mit dem Gold im Falle eines Währungsbankrottes ungemein viel bewirken und abmildern hätte können, was solls.....
da fragt doch kaum einer mehr danach. Weg ist weg.
Für den Goldpreis hat die Goldleihe inklusive der objektiv gegebenen Unmöglichkeit der Tilgung der Goldschuld leider absolut keinerlei Bedeutung mehr. Die Staaten werden "ihre" "Banken" ganz gewiss nicht "retten" um sie anschließend mit objektiv völlig uneinbringbaren Goldforderungen selbst in den Konkurs zu treiben.
Schon alleine deswegen, weil die den Banken gewährten Beihilfen und Staatsgarantien dann verloren bzw. tragend werden würden....
Von daher ist die Luft raus aus dem Goldpreis.....
aber von der monetären Seite weht noch mehr als genug Wind.....
oder genauer gesagt: ein Finanz-Taifun.....
Das geht zwar nicht so schnell, kann dafür aber viel nachhaltiger sein.....
Was glaubst Du, warum sich die Oberbonzen demnächst so oft besprechen wollen?
Eine weltweite Schulden- und Währungsreform ist durchaus denkbar.
|
|
|
| Themen-Optionen |
|
|
| Ansicht |
Linear-Darstellung
|
Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 09:17 Uhr.
|
|