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Alt 12-08-2004, 22:45   #1 (permalink)
 
Question Geldwert des Sechslings



Ich habe meinem Sohn einen schleswig-holsteinischen Sechsling von 1787 geschenkt und möchte nun wissen, wieviel Geld war der denn damals wert? Reichte das für ein halbes Schwein oder ein Brot? Ich fand nur heraus, das 2 sechslinge 1 Schilling sind, aber auch darunter kann ich mir nichts vorstellen. Und woraus ist der eigentlich und darf man den putzen ( habe wirklich null Ahnung, sorry )

Ich möchte meinem Sohn unbedingt ein paar Infos mit zu der Münze geben. Kann mir jemand helfen?

Nette Grüße von der
zuckerschnute
zuckerschnute ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13-08-2004, 14:28   #2 (permalink)
 
Hallo Zuckerschnute,

Um 1760
(in der Porzellanmanufaktur Hoechst)

Monatseinkommen eines Direktors 33 1/3 Gulden
Kontrolleurs 16 2/3 Gulden
Blumenmalers 30-35 Gulden
Farbenherstellers 20 Gulden
Lehrjungen 5 Gulden
Tagelöhners 8 Gulden

So, und das hat man dafür bekommen :

1 Herrschaftsmahlzeit 36-48 Kreuzer
1 Dienermahlzeit 12 Kreuzer
1 Wochenmiete in einer guten Herberge 45 Kreuzer
1 Tages-Stallmiete für ein Pferd 1 Kreuzer
1 Tagesmiete für eine Kutsche 4 1/2 Gulden
Holztransport aus dem Wald in die Stadt 2 Gulden

Dem Ganzen legen wir jetzt den Umrechnungskurs der rheinischen
Goldwährung aus dem 16 Jhrd zu Grunde ( 1 Gulden = 20 Schillinge + Information 1 Schilling 2 Sechser, + 1 Gulden = Sechzig Kreuzer ),
Daraus ergibt sich die Umrechnung = 1 Gulden = 40 Sechslinge
1 Kreuzer= 1,5 Sechslinge
Also musste man zahlen :

1 Herrschaftsmahlzeit 54-72 Sechslinge
1 Dienermahlzeit 18 Sechslinge
1 Wochenmiete in einer guten Herberge 67 1/2 Sechslinge
1 Tages-Stallmiete für ein Pferd 1,5 Sechslinge
1 Tagesmiete für eine Kutsche 180 Sechslinge
Holztransport aus dem Wald in die Stadt 80 Sechslinge

Ausserdem gab es in verschiedenen Städte Tore,
an denen an Wegzoll von einem Sechsling gezahlt werden musste, um die Strecke passieren zu dürfen.

Wer einen Brandstifter anzeigt hat, erhielt eine Belohnung von 75 Gulden,
also 3000 Sechslinge.

Diese Preise sind etwas ungenau, da ich noch keinen Umrechnungs-
wert aus dem 17 Jhrd gefunden habe.

Schilling kommt von den altrömischen Währungseinheiten
Solidus oder Siliqua oder vom althochdeutschen
scellan (klingen) bzw vom gotischen scildus ( Schild ).

Geprägt wurde zu dieser Zeit mit dem sogenannten "Balancier",
der auf den Bildern abgebildet ist.
Auf gar keinen Fall Putzen oder säubern.
Das würde den Charakter dieser alten Münze vernichten.
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Geändert von Don_Carleone (13-08-2004 um 18:08 Uhr)
Don_Carleone ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13-08-2004, 18:04   #3 (permalink)
 
Hier noch eine Sgae zu den Sechslingen:

„Die Ofensteine bei Albersdorf“ ist eine der bekanntesten Sagen in Dithmarschen und lautet wie folgt: Zu Osten Albersdorf in Süderdithmarschen liegt ein Stück Ackers, von alten her der Brutkamp genannt, auf welchem in der Mitte sich ein kleines Gehölz befindet um einen Hügel. Darin ist eine Höhle, die von fünf großen Steinen gebildet wird; einer liegt oben darüber. Man kann auf der westlichen Seite hineinkriechen, und ein Mann kann vollkommen darin stehen. Dieser Stein heißt der Abensteen, d. i. Ofenstein. Vor Zeiten haben die Unterirdischen darin gewohnt. Darum mußte jeder, der vorüberging, entweder jedesmal oder zum wenigsten doch das erste Mal etwas zurücklassen, wenn es auch nur ein Bändchen oder ein Senkel wäre. Jedem, der einen Sechsling in der Höhle opferte, soll, wenn er eine Strecke vorwärts gegangen, immer ein kleines Brot vor die Füße gelegen sen.
Don_Carleone ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13-08-2004, 23:16   #4 (permalink)
 
Danke

vielen Dank für die ausführliche und schnelle Antwort!

Liebe Grüße von der
zuckerschnute
zuckerschnute ist offline   Mit Zitat antworten