Kurz vor Ende der DDR konnte man in verschiedenen Städten, an verschiedenen Orten, mit einer Geldkarte, Bargeld auch außerhalb der Öffnungszeiten der Geld und Kreditinstitute erhalten.
Dazu wurden Geldautomaten außerhalb der Sparkassen und Banken meist in Häuserwände eingebaut. Leider ist heute wenig darüber bekannt.
Es soll nun eine Übersicht entstehen, damit man auch noch Jahre später belegen kann wo hat es Geldautomaten, bei welchem Institut gegeben. Ich hoffe Ihr könnt mir dabei helfen.
Folgende Infos sind wichtig:
Wo standen Geldautomaten der DDR (Stadt, Straße, von welcher Bank)? Wann sind sie verschwunden?
Habt Ihr Unterschiede an den Automaten festgestellt (z.B. in der Bedienung welche auf eine andere Firma hinweisen könnte)?
Wer hatte oder hat noch eine Geldkarte aus der DDR?
Von welchen verschiedenen Kreditinstituten wurden Geldkarten ausgegeben?
Wie waren diese Automaten zu bedienen und wieviel Geld konnte man dort abheben? Gab es Unterschiede?
Gab es von den Kreditinstituten "Bedienungsanleitungen" für die Geldautomaten und wer hat noch eine oder kann diese zur Verfügung stellen?
Auch persönliche Erfahrungen mit Geldkarte und Geldautomat sind mir wichtig?
So da werde ich auch den Anfang machen und etwas eintragen.
Vielen Dank an quizfire, er informierte mich über einen Geldautomaten in Dresden, Sparkasse, Bertholt-Haupt-Straße/Pirnaer Landstraße.
Ich kann hinzufügen: Berlin im Bahnhof Lichtenberg und Berlin Strassmannstraße/Ecke Petersburger Straße (ehem. Bersarinstraße) beide von der Sparkasse.
Vielen Dank an quizfire, er informierte mich über einen Geldautomaten in Dresden, Sparkasse, Bertholt-Haupt-Straße/Pirnaer Landstraße. Diesen Geldautomaten habe ich auch während meines Studiums in Dresden benutzt. Meine Geldkarte war mit Lichtbild versehen. Bin fast der Meinung, dass diese Geldautomaten erst 1987/88 aufgestellt wurden sind. Mir ist so, dass man täglich 500 Mark abheben konnte. Dispo gab es ja nicht in der DDR, so dass man nur aus seinem Guthaben sich bedienen konnte.
Auf der Prager Straße in Dresden hat es auch einen Geldautomaten (Sparkasse) gegeben.Wir hatten ja gar nicht soviel verschiedene Banken. Kenne nur noch die Genossenschaftsbank in der DDR.
Bitte wenn es bekannt ist noch die genaue Stückzahl der Automaten am gleichem Ort angeben. Gab es Automaten im Dresdener Hbf, oder in Dresden-Neustadt? Wer hat da Infos?
Es gab auch zwei Geldautomaten bei der Sparkasse in der kleinen Kreisstadt Aue (heute, da sie noch kleiner geworden ist, darf sie sich schon "Große Kreisstadt" nennen), in einer kleinen Niesche an der Außenwand des Gebäudes in der Auerhammerstraße. Die Automaten funktionierten auch noch nach Einführung der DM. Wann sie durch neue ersetzt wurden, weiß ich nicht mehr.
Die PIN konnte man sich beim Abholen der Geldkarte in der Filiale selbst vergeben. Die Karte enthielt Kontonummer, Personenkennzahl (incl. Geburtsdatum) und ein schwarz-weiß-Passfoto, auch das Enblem der DDR fehlt nicht darauf. Ich habe meine Karte mit der Nummer T 105289 / 88 / 1 noch.
Ich nehme an, die 88 verweist auf das Ausstellungsjahr.
Vielen Dank für den Hinweis. Ja es gab einige sehr wenige Automaten, diese hatte man dann noch auf D-Mark umgestellt. Es ging also. Diese wurden allerdings auch schnell ausgewechselt.
Einen originalen Geldautomaten aus der DDR, den einzigen welcher nach der Wende noch übrig geblieben ist, kann man in Dresden in den Technischen Sammlungen noch sehen. Es gab nur eine Version! Im August 1989 soll es in der DDR 274 Geldautomaten gegeben haben, davon standen 80 Geräte in der Hauptstadt der DDR Berlin. Also, wo stand noch einer?
Wie war das mit der Unterschrift, wann wurde diese bei Dir auf die Karte gebracht. Schon beim Antrag auf die Karte oder erst beim Abholen? Ich habe eine Info, dass es schon beim Antrag auf der Karte gemacht wurde und die Unterschrift dann auf die fertige Karte gedruckt wurde. Kannst Du dieses Bestätigen?
Die Rückseite der Karte ist auch interessant, was war da bei Dir drauf?
Wie war das mit der Unterschrift, wann wurde diese bei Dir auf die Karte gebracht. Schon beim Antrag auf die Karte oder erst beim Abholen? Ich habe eine Info, dass es schon beim Antrag auf der Karte gemacht wurde und die Unterschrift dann auf die fertige Karte gedruckt wurde. Kannst Du dieses Bestätigen?
Ja, das kann ich so bestätigen, man sieht es ja auch an der blauen Farbe der Unterschrift.
Es gab nur eine Version!
Das glaube ich gern.
Im August 1989 soll es in der DDR 274 Geldautomaten gegeben haben, davon standen 80 Geräte in der Hauptstadt der DDR Berlin.
Demnach und nach den bisherigen Meldungen muss auch ein großer Anteil davon in Sachsen gestanden haben.
Die Rückseite der Karte ist auch interessant, was war da bei Dir drauf?
Es gab einen Geldautomaten der Sparkasse in 01558 Großenhain (Sachsen) am Markt in einer kleinen Gasse (Salzgasse?)
Die PIN konnte man sich selbst ausdenken, sie wurde dann auf der Karte gespeichert. Man konnte auch am Schalter damit Geld abheben, da wurde dann ein Rollo runtergezogen, damit der Bankmitarbeiter die PIN nicht sehen kann, was natürlich anfangs alle Umstehenden neugierig machte.
Ach, Banken gab es damals viele in der DDR. Mehr als Ihr glaubt. Alles schon vergessen???
Da war noch die
Bank für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR
Deutsche Aussenhandelsbank AG
Genossenschaftskassen für Handwerk und Gewerbe der DDR
Deutsche Handelsbank AG
Gruß epareiner
Vergessen nicht, eher nicht gewusst. Durfte man als Normalbürger da ein Konto haben, oder nur Firmen?
Ich weiß nur, dass es außer der Sparkasse bei der BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft ?) auch eine Bank gab. Ob man da einfach ein Konto eröffnen durfte, oder bei einer LPG arbeiten musste, weiß ich nicht.
Normalerweise hatte man sein Konto bei der Sparkasse. Ich wohne allerdings in einem ziemlich kleinen Nest, in den großen Städten war das sicher anders.
vielen Dank für deine Infos. Dein genannter Standort wurde als Nummer 9 aufgenommen. Gerade die Sache mit dem Rollo am Schalter ist doch sehr interessant.
Ja, meist war die Sparkasse für den "normalen" Bürger zuständig. Die von Dir genannte BHG war doch, so wie ich es kenne, eine Art Baumarkt in der DDR. Wenn die sich die BHG auch mit Geld befasste und eigene Filialen hatte, dann bestimmt nur unter dem Dach der Bank für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR. Eventuell kann noch jemand dazu Infos liefern?
Wir dürfen aber auch die Post nicht vergessen, dort konnte man auch ein Konto haben.
vielen Dank für deine Infos. Dein genannter Standort wurde als Nummer 9 aufgenommen. Gerade die Sache mit dem Rollo am Schalter ist doch sehr interessant.
Ja, meist war die Sparkasse für den "normalen" Bürger zuständig. Die von Dir genannte BHG war doch, so wie ich es kenne, eine Art Baumarkt in der DDR. Wenn die sich die BHG auch mit Geld befasste und eigene Filialen hatte, dann bestimmt nur unter dem Dach der Bank für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR. Eventuell kann noch jemand dazu Infos liefern?
Wir dürfen aber auch die Post nicht vergessen, dort konnte man auch ein Konto haben.
Viele Grüße von epareiner
Hallo,
BHG-Niederlassungen gab es meines Wissens nur auf dem Lande, oft wurde Teile ehemaliger Güterbahnhöfe genutzt, bzw. lagen die NL unmittelbar an Güterbahnhöfen, da sie oft per Waggon beliefert wurden.
BHG heisst "Bäuerliche Handels- Genossenschaft" und war wirklich mit den heutigen Baumärkten in gewisser Weise vergleichbar. Das Angebot war natürlich sehr eingeschränkt, trotzdem erhielt man teilweise Baustoffe, u.a., die in Städten nicht zu bekommen waren, desweiteren wurde mit Saatgut, Futtermittel, Dünger, Werkzeug; Geräte, kleine Maschinen usw. gehandelt. Alles was ein Bauernhof benötigte, soweit ich mich erinnern kann, aber keine Lebensmittel im eigentlichen Sinne. Der Kassenschalter war oft gleichzeitig Schalter der Landwirtschaftsbank. Das Ganze kann man als eine Art Fortführung der schon seit dem Kaiser-Reich bestehenden "Raiffeisen-Gesellschaften" , auf DDR-Verhältnisse zugeschnitten betrachten. (d.h. Raiffeisen-Gesellschaften gab es in der DDR natürlich keine).
Mit der BHG habe ich die ersten Erfahrungen im Bankwesen gemacht. Meine ersten sauer ersparten Alu-DDR Mark, musste ich gegen ein grünes Sparbuch eintauschen. Als damals vielleicht 5 Jähriger fand ich das nicht so toll. Mein Kommentar war laut überlieferung "Ich möchte meine Taler wieder!"
Übrigens habe ich noch ein Sparbuch der BHG, in dem aus DDR-Zeiten der Satz steht "Die Sicherheit der Spareinlagen wird durch den sozialistischen Staat garantiert". Zinssatz 3,25 %!
Da hat unsere Angie bestimmt das mit dem Garantieren der Spareinlagen her!
Das schöne ist, dieses Sparbuch als Zeitzeuge, hat schon 2 Währungsunionen mitgemacht und hat jetzt immerhin noch gut 100 Euro guthaben . Allerdings kann sich die Volksbank als nachfolger der BHG nicht an die 3,25 % Zinsen erinnern. Auf der Volksbank verdrehen die Angestellten schon immer die Augen wenn ich mit meinem Teil komme. Das sollte schon einpaar mal Umgetauscht werden. Zum Glück kenne ich aber eine Mitarbeiterin am Schalter ganz gut, deshalb gibt es das alte Sparbuch noch!
Hallo,
ist schon interessant hier zu lesen, ja es gab Geldautomaten in der DDR ich weiß es nicht mehr genau ab wann, ich glaube ab Ende 1986.
Ich war 1987 für ein Jahr in Berlin zur Unterstützung bei Sparkassen Zentrale in Berlin am Alex. Einige Standorte habe ich da mit vorbereitet. Kann euch aber nicht versprechen ob ich die noch wieder finde. Aber nach dem Jahr haben wir dann ab 1988 in Rostock Geldautomaten installiert, das waren bis zur Wende glaube ich 15 Automaten, die dürfte ich noch zusammen bekommen.
Last mir mal ein paar Tage Zeit zum überlegen, dann habe ich die Standorte wieder zusammen.
Gruß Eisbaer-X
Inzwischen habe ich die gesamten Standorte von Berlin (Ost) und Dresden zusammen. Auch andere Standorte sind fast lückenlos nachweisbar.
Es gab August 1989 nach einer Pressemeldung 80 Geräte in Berlin. Dezember 1989 waren in der DDR 274 Geräte im Betrieb, bis 1990 sollten es 300 Geräte sein. Die politischen Ereignissein der DDR hatten dann den Geldautomaten keine Chance gelassen. Alle Geräte bis auf ein Stück wurden nach dem 3. Oktober 1990 verschrottet. Die Geräte waren DM-tauglich. Sie waren eine gute Stütze nach der Währungsunion, ehe dann nach und nach neue Geräte das Aus brachten.
Übrigens, der erste Automat wurde in Dresden nicht in Berlin (Ost) in Betrieb genommen.
Ein Buch zum Thema ist in Vorbereitung und wird Anfang 2011 erscheinen.