Bekanntlich dankte Napoleon I 1814 ab. Aus der Verbannung auf Elba kehrte er 1815 für die berühmten "100 Tage" noch einmal zurück. Die Schlacht bei Waterloo besiegelte dann sein Schicksal.
1815 wurden noch einmal Münzen geprägt, motivgleich mit den Münzen bis 1814.
Ich stelle mir jetzt die Frage, ob die Münzen von 1815 einen eigenständigen Münztyp darstellen. Nach zeitlicher Unterbrechung begann quasi eine neue Amtszeit Napoleons.
Oder, wie die Kataloge es machen, sind diese Münzen lediglich die Fortsetzung der Münzen bis zur Abdankung, da motivgleich.
Ich glaube nicht, dass Napoleon die Wiederherstellung seiner Herrschaft als neue Amtsperiode betrachtet hat, eher als Rückkehr zur Normalität. Insofern sehe ich die während der " 100 Tage " geprägten Münzen nicht als eigenständigen Typus.
Napoleon hatte wohl seine eigene Sicht der Dinge. Als er 1814 abdankte verlor er die Kaiserwürde. Völkerrechtlich gesehen kehrte er als normaler Bürger für die "100" Tage zurück.
Von daher könnte man diese Zeit auch als eigenständige Epoche ansehen.
World Coins von Krause/Mishler kreieren für die 20 Francs Münze einen neuen Typ für das Jahr 1815. Mint Mark A hat z.B. von 1809 bis 1814 die Katalognummer KM#695.1 und KM#705.1 für das Jahr 1815. Unterschiede konnte ich in beiden Münzbildern nicht feststellen.
Das gleiche Prinzip (neue Nummern) gilt auch für die 5 Francs und 2 Francs Münzen.
Im Weltmünzkatalog von Herrn Schön wird ebenfalls das 1815er Exemplar mit einer eigenständigen Katalognummer versehen. Ebenfalls für 5 und 2 Francs Münzen.
Anmerkung 1: Ich habe nur 2, 5, 20 Francs untersucht, da Herr Schön nur diese drei Münzen auflistet unter die "100 Tage" Periode.
Anmerkung 2: Rußland: Herr Schön kreiert neue Katalognummern für Rußland, wenn ein neuer Zar die Macht übernimmt, auch wenn sich das Münzbild nicht ändert. Krause/Mishler hingegen beläßt es bei der bestehenden Nummer.
Fazit: Es existieren keine einheitlichen Regeln. Beide Vorgehensweisen finde ich akzeptabel. Ich bevorzuge allerdings diejenige Vorgehensweise in der für eine neue historische Periode eine neue Katalognummer kreiert wird, auch wenn sich das Münzbild nicht ändert.
Bezüglich Frankreich und vorliegender Fragestellung war die Darstellung der Münzen im Schön-Katalog zielführender (sofortiger Überblick aller Münzen einer Periode). Mußte nicht mühevoll jedes Nominal im Krause/Mishler nachprüfen. Dennoch finde ich auch die Darstellung der Münzen in diesem Katalog akzeptabel.
Ich will mir eine Typsammlung der französischen 5 und 20 Francs-Stücke von Napoleon Bonaparte bis 1900 aufbauen. Den Anfang machen die Münzen von Napoleon als 1. Consul.
In meinem älteren Gadoury werden die 20 Francs 1809-1814 als Nr. 237 und 1815 als 237A erfasst. Ich neige zunehmend dazu, die Stücke von 1815 als selbstständige Münzen zu betrachten. Die "100 Tage" sind für mich ein eigenständiger Zeitraum.
daß was du mit Napoleon vor hast, mache ich übrigens mit Rußland entsprechend. Jeden Zar definiere ich als eine historische Periode und soll mit den entsprechenden Münzen dokumentiert werden.