Geschichtsdoppeltaler Auf die Münzvereinigung der Süddeutschen Staaten 1837 J 66 , AKS 98 , Wittelsbach 2749 , Dav. 581 , Kahnt 102 , Thun 75 , Stutzmann 223 a-c
Am 25. August 1837 schlossen die süddeutschen Staaten in München einen Münzvertrag ab. Dies geschah als Reaktion auf den Versuch Preußens, seine Taler in Süddeutschland zu verbreiten.
Dem Münchner Münzvertrag traten Bayern, Baden, Hessen-Darmstadt, Frankfurt, Nassau und Württemberg bei.
In deren "Vereinsgebiet" wurde der Gulden zu 60 Kreuzern Vereinsmünze.
Der auf diesen Anlaß geprägte Taler entspricht nach Gewicht und Feinheit den Vereinsdoppeltalern, der Durchmesser von 38 mm allerdings noch dem der Geschichtskonventionstaler (laut Münzkonvention sollte der Durchmesser 41 mm betragen !).
Geschichtsdoppeltaler Auf die Einteilung des Königreiches Bayern auf geschichtlicher Grundlage 1838 J 67 , AKS 99 , Wittelsbach 2751 , Dav. 582 , Kahnt 103 , Thun 76 , Stutzmann 224 a-b
Dem französischen Beispiel folgend und sich möglicherweise französischen Wünschen beugend, hatte man Bayerns Regionen 1808 nach Flüssen benannt : Isarkreis, Unterdonaukreis usw.
König Ludwig I. machte dies nun rückgängig und gab den Bezirken neue Namen.
Dies geschah, um die Erinnerungen an die napoleonischen Tage auszulöschen, mehr aber noch - wie schon 1835 bei der Änderung des Wappens - um "die Erinnerung an die erhebende Vergangenheit mit der Gegenwart durch fortlebende Bande enger zu verknüpfen, die alten geschichtlich geheiligten Marken der uns Untertanen Lande möglichst wieder herzustellen".
Nicht nur die Kreise erhielten neue Namen, auch der König gab sich einen neuen Titel. Nach 1835 nennt er sich nicht mehr "König der Bayern", sondern "von Gottes Gnaden König von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Franken, Schwaben etc."
(Quelle : "Die Chronik Bayerns", Chronik Verlag, Dortmund 1987, Herausgeber : Bodo Harenberg)
Wie bereits in obigem Text erwähnt, wurden also anläßlich der Verfassungsgebung (Konstitution) im Jahre 1808 die neu geschaffenen Kreise nach Flüssen benannt (ohne Rücksicht auf die bisherigen, historisch geprägten Provinzen).
Es handelte sich um folgende 15 Kreise :
Altmühl, Eisack, Etsch, Iller, Inn, Isar, Lech, Main, Naab, Oberdonau, Pegnitz, Regen, Rezat, Salzach und Unterdonau.
1817 wurden Anpassungen erforderlich und es wurde auf 8 Kreise reduziert. 1838 verfügte König Ludwig I., daß die Kreise wieder auf ihre Volksstämme und historischen Bestandteile verweisende Namen erhalten sollten.
Folgendermaßen wurden die Namen geändert :
Isarkreis = Oberbayern
Unterdonaukreis = Niederbayern
Oberdonaukreis = Schwaben und Neuburg
Regenkreis = Oberpfalz und Regensburg
Rezatkreis = Mittelfranken
Untermainkreis = Unterfranken und Aschaffenburg
Obermainkreis = Oberfranken
Rheinkreis = Pfalz
(Quelle : Wikipedia)
Diese Neueinteilung war der Anlaß zur Ausgabe des abgebildeten Geschichtsdoppeltalers.
Geschichtsdoppeltaler Auf das Reiterstandbild des Kurfürsten Maximilian I. von Bayern 1839 J 68 , AKS 100 , Wittelsbach 2752 , Dav. 583 , Kahnt 104 , Thun 77 , Stutzmann 225 a-b
Kurfürst Maximilian I. von Bayern (geb. 17. April 1573 in München, gest. 27. September 1651 in Ingolstadt; Herzog seit 1598, Kurfürst ab 1623).
Einer seiner größten Erfolge als Feldherr (an der Spitze der "Katholischen Liga") war der Sieg gegen die böhmischen Protestanten unter Friedrich V. (8. November 1620 am Weißen Berg bei Prag). Infolge dieses Sieges erhielt Maximilian die Oberpfalz und die pfälzische Kurwürde zugesprochen.
Das Denkmal zeigt den Kurfürsten als Feldherrn mitten im Kampf. Pferd und Reiter sind in allen Bewegungen und Formen des Körpers bis ins Detail plastisch gebildet.
Das Denkmal wurde von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorwaldsen geschaffen. Er bekam dafür umgerechnet 38970 bayerische Gulden als Honorar.
Die Statue wurde nur in zwei Stücken, Pferd und obere Hälfte des Reiters, von dem Erzgießer Stiglmaier gegossen. Dabei sind 289 Zentner Erz verwendet worden.
Geschichtsdoppeltaler Auf das in Bayreuth errichtete Standbild Johann Paul Friedrich Richters 1841 J 70 , AKS 102 , Wittelsbach 2754 , Dav. 586 , Kahnt 106 , Thun 79 , Stutzmann 227
Geschichtsdoppeltaler Auf die Einweihung der Walhalla 1842 J 71 , AKS 103 , Wittelsbach 2756 , Dav. 587 , Kahnt 107 , Thun 80 , Stutzmann 228
Walhalla - Ruhmeshalle bei Donaustauf unterhalb von Regensburg. Wurde von 1830 bis 1842 im Auftrag König Ludwigs I. durch den Architekten Leo von Klenze erbaut.
Geschichtsdoppeltaler Auf die Vermählung des Kronprinzen Maximilian von Bayern mit der Prinzessin Marie von Preußen 1842 J 72 , AKS 104 , Wittelsbach 2755 , Dav. 588 , Kahnt 108 , Thun 81 , Stutzmann 229
Geschichtsdoppeltaler Auf die Hundertjahrfeier der Gründung der Hochschule zu Erlangen durch den Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth 1843 J 73 , AKS 105 , Wittelsbach 2757 , Dav. 590 , Kahnt 109 , Thun 82 , Stutzmann 230
Geschichtsdoppeltaler Auf die Feldherrnhalle in München 1844 J 74 , AKS 106 , Wittelsbach 2758 , Dav. 591 , Kahnt 110 , Thun 83 , Stutzmann 231
Die Feldherrnhalle wurde von 1841 bis 1844 am Odeonsplatz in München errichtet. König Ludwig I. wollte damit den Führern des bayerischen Heeres ein bleibendes Denkmal setzen. Mehrere Architekten gaben hierzu ihre Entwürfe ab, durchsetzen konnte sich letztendlich der Architekt Friedrich von Gärtner (geb. 10.12.1791 - gest. 21.04.1847) mit einem Entwurf im sachlich romanischen Stil. Geschmückt ist sie nur mit zwei Statuen - diese stellen die bayerischen Feldherrn Tilly (geb. 1559 - gest. 1632) und Wrede (geb. 29.04.1767 - gest. 12.12.1838) dar. Ursprünglich sollte die Feldherrnhalle farbig gestaltet werden, ob es aus gestalterischen oder finanziellen Gründen nicht mehr dazu kam bleibt Spekulation.
Insgesamt kostete der Bau der Halle 240257 Gulden. Finanziert wurde sie aus königlichen Privatmitteln, am 13. November 1859 vermachte Ludwig I. die Halle testamentarisch dem bayerischen Staat.
Geschichtsdoppeltaler Auf das in München errichtete Standbild des Kanzlers Freiherr von Kreittmayr 1845 J 75 , AKS 107 , Wittelsbach 2760 , Dav. 592 , Kahnt 111 , Thun 84 , Stutzmann 232
Geschichtsdoppeltaler Auf die Geburt des Erbprinzen Ludwig von Bayern (später König Ludwig II.) und des Prinzen Ludwig (später König Ludwig III.) 1845 J 76 , AKS 108 , Wittelsbach 2759 , Dav. 593 , Kahnt 112 , Thun 85 , Stutzmann 233
Geschichtsdoppeltaler Auf das Standbild des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn in Würzburg 1847 J 78 , AKS 110 , Wittelsbach 2762 , Dav. 596 , Kahnt 114 , Thun 87 , Stutzmann 235
Geschichtsdoppeltaler Auf die Übergabe der Krone von König Ludwig I. an seinen Sohn Maximilian 1848 J 79 , AKS 111 , Wittelsbach 2763 , Dav. 597 , Kahnt 115 , Thun 88 , Stutzmann 236
Geschichtsdoppeltaler Auf das Standbild des Tondichters Orlando di Lasso in München 1849 J 88 , AKS 165 , Wittelsbach 2877 , Dav. 602 , Kahnt 122 , Thun 94 , Stutzmann 245 a+b
Geschichtsdoppeltaler Auf die allgemeine Ausstellung Deutscher Industrie- und Gewerbserzeugnisse im Glaspalast in München 1854 J 89 , AKS 166 , Wittelsbach 2878 , Dav. 603 , Kahnt 123 , Thun 95 , Stutzmann 246 a+b
Der Glaspalast wurde in den Jahren 1853 bis 1854 unter der Regierung König Maximilians II. von Bayern für die große "Allgemeine Ausstellung Deutscher Industrie- und Gewerbserzeugnisse" in München von August Voit errichtet. Anfänglich nur für die Dauer dieser Ausstellung geplant, spielte das nach dem Vorbild des gewaltigen Crystal Palace in London geplante Gebäude bis zu seiner Zerstörung durch Brandstiftung im Jahre 1931 eine wichtige Rolle im kulturellen Leben Münchens.
Zu der Form des Glaspalastes schreibt Volker Hütsch in seiner 1979 von der TU München angenommenen Dissertation :
"Das Neue der Eisenkonstruktion ist weniger in der Form der einzelnen Bauglieder zu sehen, als mehr in einer umfassenden Gesamtschau des Baukörpers.
Die Reduktion der Struktur auf die wesentlichen Kraftlinien ermöglicht erst die Leichtigkeit und Transparenz der Bausubstanz. Fenster sind nicht mehr länger wie in der traditionellen Bauweise aus der Wandscheibe geschnittene Öffnungen, sie werden zu einer zwischen die Stützen des Skeletts eingespannten Membrane..."
Der Geschichtsdoppeltaler von 1854 zeigt auf der Vorderseite den Kopf König Maximilians II., auf der Rückseite ist der Glaspalast in voller Länge zu sehen. Im Durchmesser (41 mm) entspricht der Geschichtsdoppeltaler dem Münzvertrag von 1837.
Ergänzend habe ich zwei Bilder eines Originaletuis für diesen Geschichtstaler beigefügt. In diesem Etui wurden diese Geschichtstaler während der Ausstellung verkauft.
Geändert von Kempelen (18-07-2010 um 23:27 Uhr)
Grund: Ergänzt am 18.07.2010
Geschichtsdoppeltaler Auf das von den Städten an der Süd-Nord-Bahn errichtete Denkmal des Königs Maximilian II. in Lindau 1856 J 90 , AKS 167 , Wittelsbach 2879 , Dav. 605 , Kahnt 124 , Thun 96 , Stutzmann 247
"König Maximilian II. hat sich nicht nur um die Neugestaltung des Lindauer Hafens, sondern auch um den Eisenbahnbau in Bayern sehr verdient gemacht. Die Städte an der Nord-Süd-Bahn errichteten ihm deshalb 1856 in Lindau ein großes Denkmal. Am 12. Oktober wurde es an einem Platz zwischen Hauptbahnhof und Bayrischem Hof in unmittelbarer Nähe des Seehafens feierlich eingeweiht. Der Chronist der Lindauer Stadtgeschichte, Karl Wolfhart, schildert den Festakt wie folgt : "Der 12. Oktober sah dann wieder einen historischen Festzug durch die straßen sich bewegen, diesmal noch reichhaltiger als vor zwei Jahren (als die Eisenbahnstrecke offiziell eröffnet wurde). Schiffahrt, Eisenbahnbau und Handwerk waren mit Modellen und allegorischen Wagen vertreten, Rebbau und Rädlewirtschaft, Sennerei und Obstbau waren auf den wagen zu sehen. Fischer trugen große Fische, das Schrannenpersonal als Verkörperung des regen Handelslebens trat in starker Masse mit einer Fahne auf. Um das Denkmal versammelt, warteten während der Reden des Bürgermeisters Greiner und des Ministers alle auf den großen Augenblick, wo unter brausendem Zuruf die Hülle fiel und der gute König, mit dem Auge nach dem See gewendet, umgeben von den allegorischen Marmorfiguren der Kunst, der Wissenschaft, des Ackerbaues und des Handels sich den Blicken darstellte. Ein riesen Festmahl in der Zollhalle und bengalische Beleuchtung der Denkmäler schloß den Tag."
Im April 1937 wurde das Monument als störende Erinnerung an die monarchistische Zeit abgebrochen und auf der Hinteren Insel wieder aufgestellt, wo es nicht so im Blickpunkt stand. Als dann im Kriegsjahr 1942 Altmetall für Patronen- und Geschoßhülsen benötigt wurde, erinnerte man sich des auf der Lindauer Karlsbastion vor sich hinträumenden Maxmonuments. Der König und die vier allegorischen Gestalten wurden demontiert. Zu spät stellte sich heraus, daß das Metall für den beabsichtigten Zweck nicht geeignet war. So blieb es dem friedliebenden König wenigstens erspart, noch auf diese Weise in den Krieg zu ziehen. Heute erinnert in Lindau nur mehr der schlanke Mittelsockel an das einstige Maximiliansdenkmal. Der Sockel erinnert den Betrachter nicht nur an den Unsinn des Zweiten Weltkriegs, sondern auch an die Zeit, da Bayern noch Königreich und die Lindauer begeisterte Monarchisten waren."
(Quelle : Walter Grasser, Bayerische Geschichtstaler, Ausgabe 1982)
König Ludwig I. bestimmte die Themen für die Geschichtstaler selbst. Er beschäftigte sich intensiv mit antiken Münzen - dies zeigte sich in der Themenwahl und in der Gestaltung der Taler.
Hier als Beispiel ein Brief von 1837 :
"Herrn Vorstand des Hauptmünzamtes Meyè !
Ich beauftrage Sie, bis zu meiner Zurückkunft nach München, von dem Graveur Voigt die Zeichnung eines Geschichtstalers in Bezug auf die kürzlich zu Stande gekommene Münz-Convention fertigen zu lassen, wobei es mir geeignet scheint, daß auf der einen Seite die Wappen der sechs contrahirenden Staaten angebracht werden.
Berchtesgaden, am 17. September 1837.
Ihr wohlgewogener König Ludwig"
(dieser Brief bezieht sich auf den Geschichts-Doppeltaler J 66)
Der erhaltene Schriftverkehr mit Voigt zeigt, daß auch bei späteren Geschichtstalern der König selbst aus den verschiedenen Entwürfen den ihm am meisten zusagenden auswählte und diesen dann von Voigt gravieren ließ. Die Briefe illustrieren das von vielen Künstlern beklagte "Detail-Einmischen" des Königs auch hier. Selbst kleine Änderungen wagte der Medailleur nicht ohne königliche Erlaubnis vorzunehmen.
Ebenfalls 1837 forderte der König einen Bericht über die bisherige Ausmünzung von Geschichtstalern und die Möglichkeiten einer künftigen verstärkten Ausmünzung an; vor allem wollte er wissen, "ob die bisherigen Hemmungen für die Ausprägung von Geschichtstalern in größerer Zahl jetzt beseitigt seien".
Verschiedene Berichte an den König wiesen darauf hin, daß die im Konventionsfuß geprägten Geschichtstaler der Staatskasse einen Verlust von etwa 7 Kreuzern pro Stück eintrugen. Es wurde angeregt, sie wie die Dukaten nur noch mit einem Aufgeld abzugeben, und darauf hingewiesen, daß sie bisher an Privatleute nur in Einzelexemplaren "verliehen" wurden, um ein Einschmelzen in größerem Umfang zu verhindern !
Die Ausgabe der Münzen erfolgte teilweise erst erhebliche Zeit nach dem Anlaß der Prägung; so wurde der Taler auf den Regierungsantritt Ludwigs I. erst im Etatjahr 1837/38, der auf die Stiftung des St. Michaels-Ordens erst im Etatjahr 1839/40 und derjenige auf die Übergabe einer Lehranstalt an die Benediktiner erst 1840/41 ausgegeben.
Ab 1834 wurden Geschichtstaler nur noch zu besonderen Anlässen abgegeben - etwa zur Bezahlung der Abgeordneten-Diäten und als Geldpreise. So wurden die 5.086 Geschichtskonventionstaler des Etatjahres 1837/38 zu "Preisen für die Schulen, für das Landgestüt und für das Oktoberfest abgegeben".
Die geringen Prägezahlen und die Beschränkungen bei der Abgabe der Taler zeigen bereits, daß sie entgegen den Wünschen des Konservators Streber im Geldumlauf kaum eine Rolle spielen konnten.
(Quelle : Dietrich O.A. Klose/Franziska Jungmann-Stadler : "Königlich Bayerisches Geld", Staatliche Münzsammlung München 2006)