ich habe bei Ebay ein paar Silbergroschen ersteigert. Zwei der Münzen sind mir bei der obligatorischen Gewichtskontrolle seltsam vogekommen:
-> 1 Silbergroschen 1830 D, glatter Rand, AKS 27/J 56: Laut AKS sollte das Stück 2,192 g wiegen. Laut meiner Waage kommt es dagegen nur auf 1,89 g. Ist eine derart hohe Abweichung noch im Rahmen? Ich habe leider kein Vergleichsstück, aber verglichen mit AKS 103/J 89 ist das Stück auch im Durchmesser minimal größer (ca. 0,3 mm), dafür etwas weniger dick.
-> 2 1/2 Silbergroschen 1852 A, Rand glatt (könnte aber mal leicht geriffelt gewesen sein), AKS 83/J 67: Sollte laut AKS eigentlich 3,248 g wiegen, kommt bei mir aber nur auf 3,10 g.
Bei den anderen Stücken aus der Lieferung kommt das Gewicht relativ nahe ans Soll, also dürften die Abweichungen nicht an der Waage liegen.
Haltet Ihr die Stücke für echt oder deutet einiges auf Fälschungen hin?
Moin Robert, der 1 Silbergroschen ist sicher nicht echt, das ist ja die reinste Pickel-/ und Blasenlandschaft... auch die zweite Münze halte ich nicht für echt. Meiner Meinung nach zuviele "Krater" also einfach zu rauh. Dann noch die "Überreste" auf der Bildseite auf 8 Uhr unmittelbar am Rand... ich tippe schwer auf Guß-/ bzw. Schleudergußstücke. So...nun erschlagt mich :-)))
hier wird doch niemand erschlagen, der hilft. Dank Dir für Deine Antwort.
Bei der ersten Münze bezweifle ich auch mehr und mehr die Echtheit. Ich habe mir eben auch noch ein paar Vergleichsstücke - wenn auch von anderen Jahrgängen - bei ********* angesehen. Die Stücke dort sind von der Art des Metalls und der Prägung offenbar mit AKS 103/J 89 vergleichbar...Vielleicht hätte ich mir die Vergleichstücke mal etwas früher ansehen sollen.
Beim 1852er Stück hätte ich die "Krater" noch als umlaufbedingte Spuren (auf dem Foto ist die Münze ja nun auch sehr stark vergrößert) und die Stelle auf 8 Uhr (Bildseite) für einen Stempelbruch gehalten. Hier hatte ich mich - abgesehen von dem niedrigeren Gewicht, das ja womöglich sogar noch im Toleranzbereich liegt - vor allem über den Rand gewundert. Der AKS gibt für die Münze einen glatten Rand an und erst bei spätere Typen dieses Nominals (AKS 78 und 90) einen glatten bzw. feinst gerillten Rand an. Gerade solch einen feinst gerillen Rand hat die abgebildete Münze aber.
Die erste Münze halte ich für falsch, die zweite gefällt mir auch nicht. Ein Gewichtsunterschied von 0,15g halte ich durchaus für möglich. Ist das mit dem Rand sicher? Chin. Fälscher nehmen gerne einen Grundtyp und ändern nur die Jahreszahlen, ohne weitere Details, die über Jahre entstanden sein können, zu berücksichtigen.
die Infos zum Rand habe ich lediglich dem AKS entnommen. Ich werde versuchen, heute Abend mal ein Foto vom Rand zu machen (hoffentlich gelingt mir das...).
Die Münzen sind von einem Privatverkäufer bei Ebay, der bisher nicht negativ aufgefallen ist und selbst regelmäßig Münzen kauft und verkauft.
über die Echtheit oder Nichtechtheit Deiner Münzen kann ich Dir leider nichts sagen, da sie offensichtlich stark mit Hornsilber belegt waren, das jetzt entfernt ist und an der Oberfläche diese Kraterlandschaft hinterlassen hat.
Wegen der physischen Maßabweichungen habe ich mal meine Sammlung konsultiert um Daten zu bekommen.
Es sind alles 1 Groschenstücke nach Jahrgängen:
1821 Dm 18,35 Gew 2,10 g Rand glatt
1846 Dm 18,46 Gew 2,103 g Rand glatt
1855 Dm 18,40 Gew 2,03 g Rand glatt
1856 Dm 18,50 Gew 2,103 g Rand geriffelt
1864 Dm 18,51 Gew 2,15 g Rand geriffelt
1866 Dm 18,64 Gew 2,105 g Rand geriffelt
1868 Dm 18,55 Gew 2,128 g Rand geriffelt
1870 Dm 18,30 Gew 2,11 g Rand glatt
1871 Dm 18,46 Gew 2,17 g Rand glatt
Meine 21/2 Groschen Stücke haben alle einen Riffelrand
Die Erhaltungsgrade haben sicherlich einen Einfluss auf das Gewicht, aber die Münzen wurden nicht justiert, sondern "al marco" geprägt, d.h. eine bestimmte Menge mußte ein bestimmtes Gewicht bringen. Dabei konnte die einzelne Münze schon heftige Abweichungen haben.
Meine letzten beiden in Stg sind auch schon unterschiedlich schwer. Nun kannst Du die Kriterien zusammensuchen und deine Entscheidung selber machen.
Diwidats Bemühungen haben mich veranlasst, auch mal zu wiegen, zu messen und die Lupe in die Hand zu nehmen:
Die Varianz ist tatsächlich verblüffend
1 Silbergroschen
Gewicht Durchm. Riffelung
g mm
1872 C 2,13 20,85 nein
1871 C 2,10 20,83 nein
1870 B 2,03 20,64 nein
1869 B 2,19 20,64 nein
1868 B 2,17 20,72 nein
1868 C 2,20 20,88 nein
1867 A 2,23 20,73 ja
1867 C 2,16 20,82 nein
1865 A 1,99 20,77 ja
1864 A 2,12 20,78 nein
1861 A 2,20 20,79 nein
1855 A 2,14 20,77 nein
1854 A 2,20 20,79 nein
1850 A 2,04 20,82 ja
1849 A 1,99 20,72 nein
1847 A 2,16 20,83 nein
1847 D 2,19 20,86 ja
1846 A 2,18 20,75 nein
1839 A 2,06 20,86 nein
1833 D 2,11 21,13 ja
1827 A 1,90 20,82 nein
1826 D 2,09 21,03 nein
1825 A 2,19 20,74 nein
1825 D 2,18 21,00 nein
Auffallend sind die großen Durchmesser der Düsseldorfer Stücke
Die Stücke unter 2,05 g sind alle schwächer erhalten, ss und ss-
2 1/2 Silbergroschen
Gewicht Durchm. Riffelung
g mm
1873 A 3,28 23,44 ja
1872 A 3,18 23,55 ja
1870 A 3,23 23,51 ja
1870 B 3,25 23,40 ja
1870 B 3,06 23,39 ja
1869 B 3,24 23,39 ja
1869 C 3,20 23,42 nein
1867 A 3,23 23,42 ja
1855 A 3,29 23,03 ja
1854 A 3,18 22,99 ja
1843 A 3,26 23,05 ja
1842 A 3,10 23,07 nein
An den Stücken von Gound stört mich weniger, dass die Gewichte nicht ganz passen, es ist eher der Glanz, der unnatürlich wirkt. Ich glaube nicht, dass eins davon falsch ist, warum sollte man ein Stück in der Erhaltung des ersten Sgr. (1830 D) fälschen?
Ich glaube eher, dass sie schlecht behandelt wurden.
Schönen Abend
reining
die Unterschiede sind ja wirklich enorm. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten. Habt vielen Dank für die Mühe des Raussuchens und Nachmessens Eurer Stücke und diwidat auch für die Erläuterungen.
Ich selbst fuchse mich noch langsam in das Gebiet rein und da haben mich diese Abweichungen vom Idealmaß doch sehr verwundert. Schön, dass es Leute wie Euch hier gibt.