Moin Moin,
im Anhang habe ich die bei mir befindlichen Marken von verschiedenen HH-Anlässen zur Ansicht beigefügt.
Die beiden Stücke mit dem Aussehen der Afghani-Rs (HH-Wappenseite) sind wie zu sehen im Durchmesser ein wenig kleiner als der "Afghani".
Man erkennt, dass für den "Afghani" doch schon einiges an zusätzlicher Arbeit auf sich genommen und die Stempel in dem vorliegenden Durchmesser extra angefertigt wurden - aus gutem Grund.
Verwundert über dieses Vorgehen ist man nur (kann man nur sein), wenn man die Hintergründe, d.h., den Zweck, der Herstellung nicht kennt.
Ich habe zu diesem "Afghani" und einigen anderen aufgetauchten Besonderheiten, bei denen z.B. ebenfalls mit Original-Rändelwerkzeugen Merkmale deutscher DM-Münzen auf eigentlich als Medaillen anzusehenden Erzeugnissen angebracht wurden, vor etlichen Jahren mehrere Telefonate mit einem ("etwas höher angesiedelten"

) ehemaligen Mitarbeiter aus der Entwicklungsabteilung der Vereingten Deutschen Metallwerke (VDM) geführt (er hat auch ein Buch über die Geschichte von VDM und Vorläuferfirmen als "Rondenhersteller" geschrieben), dabei die Entstehungsgeschichte dieses Stückes "aus erster Hand" erfahren und möchte das im Folgenden für Interessierte zur Kenntnis geben.
Die Daten zu dem abgebildeten "Afghani":
1. Gewicht: 5,43 g
2. Durchmesser: ca. 23,56 mm
3. Magnetreaktion: Ja --- Stärke siehe 4 !!
4. Material: Dreischichtenwerkstoff
Die Daten der Medaillen befinden sich auf den Rähmchen. Anzumerken ist noch, dass das Stück aus Silber ein "Dickabschlag" ist.
Auf den nicht extra abgebildeten Rs der Ag-Medaillen zur neuen HH-Prägestätte ist jeweils der Adler der Cu-plattierten Fe-Medaillen abgebildet.
Eines ist sicher, dieser "Afghani" stellt keine Probe für den mit der Jz 1961 von HH zu prägenden / geprägten Münztyp für Afghanistan dar !!
Wenn man in Afghanistan einer Person mit Entscheidungskompetenzen - und für die werden Proben in erster Linie angefertigt - eine solche Probe vorgelegt hätte, dann hätte das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass VDM den Prägeauftrag nicht bekommen hätte !!!


Es ist in gewisser Weise schon eine Probe, aber für einen ganz speziellen
internen Einsatz bei VDM - nämlich eine
(Material)Automatenprobe.
Der eigentliche Grund für die Entstehung dieses "Werkes" lag in den ständig steigenden Mengen von in unsere 1-DM-Automaten passende, aber minderwertigen Auslandsmünzen!
Als das Problem immer größer wurde, begann man sich bereits Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre bei VDM Gedanken über einen automatensichereren Werkstoff für die zur damaligen Zeit in Automaten verwendeten
1 DM-Stücke (siehe auch diesem Münztyp entsprechend - Gewicht und Durchmesser des "Afghani") zu machen.
Der Dreischichtenwerkstoff war seitens VDM bereits vorher mehrfach ins Gespräch gebracht gewesen, aber erst "das Dilemma mit den Automaten" forcierte die Weiterentwicklung.
Es wurden verschiedene Möglichkeiten des Einbaus einer "sanften" Magnetreaktion diskutiert (eine Cu/Ni-Schicht umgeben von jeweils einer dünnen Reinnickelschicht mit Magnetreaktion oder eine Reinnickelschicht mit der Magnetreaktion zwichen 2 Cu/Ni-Schichten - wie wir es dann von den 2- und 5-DM-Münzen kennen -).
Bei den Versuchen mit den Automaten sollten (müssen) möglichst Originalbedingungen bezüglich der später zu verwendenden Münzen sowohl hinsichtlich Rand als auch von Ws und Rs vorliegen. Es wurde überlegt, wie das mit "möglichst geringem" Aufwand zu bewerkstelligen wäre.
Offizielle Prägestempel deutscher Münzen - also der DM - durften für diese bei VDM, d.h., außerhalb einer Prägestätte, durch zu führenden Automatenversuche nicht verwendet werden. Zusätzlich durfte irgendeine Kombination von Ws und Rs aber auch generell nicht zu einer Münze führen.
Da fiel dann die Wahl auf das Ws-Motiv des zu der Zeit gerade in der Herstellung befindlichen 1 Afghani-Stückes und, um den Charakter einer echten Münze zu vermeiden, aber einen Bezug zu der diese Automatenproben anfertigenden Prägestätte zu dokumentieren, bei der Rs auf den von den Medaillen zur 75 Jahr Feier vorliegenden Entwurf des HH-Wappens .
Nun fehlte zur Vervollständigung des "Optimalen" nur noch eine Rändelung.
Und hier entschied man sich bei dieser für die Abtastung im Automaten wichtigen Stelle für die später auch anzubringende damalige Original-Rändelung der 1 DM-Stücke.
Dieser zwar nicht sofort ins Auge fallende, aber nun mal vorhandene direkte Bezug zu der DM-Währung ist das Entscheidende für Interesse und "Begehr" vieler DM-Sammler (zu denen ich auch gehöre


) !
VDM stellte also für diese Versuche ein Zain(blech) aus Dreischichtenwerkstoff (statt nur aus Cu/Ni) her, stanzte daraus den 1-DM-Münzen hinsichtlich Gewicht und Durchmesser entsprechende Rohlinge, stauchte sie in üblicher Weise auf einen gegenüber der Münze minimal geringeren Durchmesser und ließ sie dann in HH Rändeln und Prägen ---> das ergab dann diesen im Grunde nicht wirklich seltsamen "Afghani".
Es kam dann, wie es manchmal eben so kommt - es gibt wichtige Gründe, die eine Verwirklichung verzögern oder -wie im Falle der 1-DM - ausschließen. Hier war es u.a. die immense Masse an bereits kursierenden und dann ein zu ziehenden 1-DM-Stücken, die den Einsatz des neuen Werkstoffes bei den 1-DM Stücken verhinderten.
Erst einige Jahre später, als in den Automaten immer mehr 2-DM-Stücke und noch etwas später auch die "Magnimat-5er", zum Einsatz kamen (aus bestimmten Gründen kommen mussten), verwirklichte man dann endgültig den Einsatz dieses automatensichereren Werkstoffes.
Dazu wurden, wie die "älteren" Sammler noch wissen, die 2-DM-Max Planck, aus einer Cu/Ni-Legierung ohne Magnetreaktion, ab 1971/1972 eingezogen und durch Münzen aus Cu/Ni // Ni // Cu/Ni mit der für den Automateneinsatz vorteilhaften Magnetreaktion ersetzt.
Die beiden ersten Konterfeis auf den Münzen waren bekannterweise unser 1. Bundeskanzler Konrad Adenauer (ab Jz 1969) und unser 1. Bundespräsident Theodor Heuß (ab Jz 1970).
Ich hoffe, dass ich mit meinen Ausführungen "das Fischen im Trüben" zumindest ein wenig in ein "Fischen in geklärtem Wasser" ändern konnte !?


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Beste Grüße
varukop