10-02-2011, 19:56
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#52 (permalink)
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ÖL in der Prägetechnik
@ "Adi 18"
Was hat es eigentlich mit diesem oft zitierten Öl auf sich?
Wie kommt es auf die Münzen bzw. Ronden?
@ "umlaufmünze"
Öl kann einem sehr großen Druck widerstehen. Deshalb wird es in der Hydraulik in der Industrie in Maschinen bzw. Kraftfahrzeugen eingesetzt. Wenn ein Kolben das Öl zudammen gepresst hat bis es nicht mehr geht, bewegt sich halt die Presse, der Roboterarm usw.
Wenn nun Öl auf den Münzrohling kommt und der Stempel schlägt drauf, verursacht das eine Delle auf der Münze. Ein kleiner Metallspan zB. würde genau seinen Abdruck auf der Münze hinterlassen. Da Öl aber flüssig ist, verursacht das unforme und manchmal auch forme Vertiefungen.
Ich hoffe ich habe es einfach und verständlich erklärt. Falls es nicht fachgerecht war, werde ich sicher verbessert.
Moin Moin,
ich lese zwar um diese für mich späte Tageszeit sehr selten noch mit (Gruß an "epareiner"), weil ich da gemäß alter Gewohnheit aus der Schaffenszeit schon dem "Matratzenhorchdienst" fröne  und habe die Fortführung des threads auch "ein wenig verpennt" . Aber ich habe das soeben nachgeholt und möchte versuchen, zu der sehr guten und auch verständlichen Erklärung von "umlaufmünze" hinsichtlich der Eigenschaften der Kompremierbarkeit von z.B. Öl noch Ergänzendes und weitere Überlegungen zur "Klärung eines möglichen negativen Beitrages von Maschinenöl bei der Münzprägung" an zu merken.
Generelles zu „speziellen“ Beschädigungen von Münzen
Man muss bei all diesen erhabenen oder vertieften Phänomenen grundsätzlich unterscheiden zwischen einmalig und häufiger - und hier fast identisch bis absolut identisch - zu Findendem.
„Einmaliges“
Hierbei können nur Ursachen zu Grunde liegen, die unabhängig von der Beschaffenheit von Prägewerkzeugen !! sporadisch auftreten.
---> Das kann z.B. von einem erwähnten Metallspan kommen, der bereits auf der Ronde befindlich, oder vor dem Prägen darauf gelangt, eingeprägt in die Ronde und dann aber verschwindet. Das ständig Metallspäne um die Prägemaschine "herumfliegen", die wir dann später in mühevollem "Suchen und Finden" entdecken, schließe ich einmal aus - und da bin ich mir doch so gut wie sicher.
---> Eine weitere Möglichkeit besteht in einer Rondenbeschädigung (Lunker). Diese vertiefte Beschädigung muss dann allerdings so deutlich sein, dass sie über den Materialfluss beim Prägen zwar verringert, aber nicht vollständig beseitigt wird.
---> Selbstverständlich kann auch ein einzelner "verirrter" Tropfen Öl "Beschädigungen" auf Münzen erzeugen.
Fest steht hierzu aber, dass über einen kaum nennenswerten Widerstand bei Druckausübung die bessere Verteilungsmöglichkeit nach allen Seiten gegeben ist - und weniger in das harte Metall der Ronde hinein (den gehärteten Stempel beschädigt das ohnehin eher nicht). Daraus resultiert, dass durch Öl verursachte Beschädigungen auf Münzen aufgrund dieser Möglichkeit eher flach und flächig ausfallen werden / müssen.
Ist der Tropfen isoliert zu betrachten, dann muss man annehmen, dass je nach Menge dieses über "Verlust beim Prägen", d.h., Verbleib auf der Münze, kleiner werdenden Tropfens kaum mehr als z.B. 1 - 10 Stücke eine Beschädigung erfahren - und zwar alle anders aus sehend !
Anders stellt sich das dar, wenn man von einem "Tropfen" ausgeht, der laufend "genährt" wird und so im Extremfall einen kompletten Stempel (oder durch Heruntertropfen auch beide !) „befallen“ kann.
Dazu gibt es viele Beispiele, ein besonderes bei den DDR-Münzen der Jahre 1962 und 1963. Hier waren / sind ganze Originalrollen der Berliner Prägestätte mit diesen durch "Seenlandschaften" verunstalteten Münzen für den Sammler im Grunde unbrauchbar geworden. Und das Entscheidende war - jede Münze hatte erwartungsgemäß andere Beschädigungen über den logischerweise nicht reproduzierbaren Verteilungsprozess des Öls.
Da besteht die Möglichkeit, eine m.E. einmalige Sammlung solcher Stücke auf zu bauen - ein Nominal, ein Jahr, ein Mz und kaum vorstellbare Variabilität in der Form  .
„Häufiges“
Wenn etwas Abweichendes gehäuft auftritt, dann muss die Ursache dafür bei einem an der Prägung beteiligten Werkzeug liegen.
Die Häufigkeit wird dann primär davon bestimmt, wann es bzw. ob es überhaupt entdeckt wurde und welche Stückzahl mit einem von der Norm abweichenden Prägewerkzeug hergestellt worden ist und sekundär von der Anzahl danach Ausschau Haltender.
Man muss dann über eine gesunde und vernünftige Logik lediglich noch versuchen, die jeweilige Abweichung dem richtigen Sammelgebiet zu zuordnen. D.h., vernünftig  abwägen, was wohl eher zutreffen könnte - bewusst verändert oder versehentlich beschädigt !
---> Hier stehen natürlich die Stempelbeschädigungen wie z.B. Stempelbrüche, Stempelrisse, Stempelausbrüche Chromausbrüche usw. (negativ), die dann unsere "geliebten Knubbel, Pickel und flächiges „Material" auf den Münzen erzeugen, mit ganz oben auf der Liste.
= Fehl(erhafte)prägungen
---> Dazu gehören auch die Erzeugnisse nach voran gegangenen Leerprägungen, bei denen die Stempel mit enormer Wucht bei fehlender Ronde auf einander schlagen und sich bevorzugt im Münzzentrum, da hier der Prägedruck am größten ist, negativ auf dem jeweiligen Gegenüber abbilden - die so genannten "Lichtenrader Prägungen".
= Fehl(erhafte)prägungen
---> Des Weiteren die häufigen Erzeugnisse, bei denen teilweise flache Reliefteile mehr oder weniger fehlen ("offene Fenster", fehlende Linien am BBT, fehlende Länderstrukturen, offene Adlerköpfe und offene Adlerbeine (DM) oder wie jetzt beim Dom das „offene Dach“). Alles verursacht durch zufällig, d.h., mit Sicherheit nicht gewollt, Verschwundenes über Stempelaufarbeitungen (z.B. Abziehen von Matrizen)
= Fehl(erhafte)prägungen
Nun aber zu der speziellen Frage von "Adi18" und dem Öl
Da die Ronden nach der industriellen Herstellung mehrere Reinigungsbäder sehen (z.B. zum Entfetten, zum Entrosten usw.) ist die Wahrscheinlichkeit, das es sich um „geölte“ Ronden bzw. Öltropfen auf Ronden handelt, zu 99,9% aus zu schließen.
Dieses Problem ist in der Praxis fast ausschließlich ein maschinen bedingtes – hier der Prägemaschinen.
Wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Geschwindigkeit manche mechanischen Teile dieser Maschinen an bestimmten Stellen sehr eng geführt werden müssen und evtl. mehr oder weniger aneinander reiben, dann wird klar, dass dort ganz einfach auch Schmiermittel (z.B. das Öl) zum Einsatz kommen müssen.
Das bedeutet, dass die bewegliche Halterung (Stößel) des Oberstempels zwecks Sicherstellung einer bei den Geschwindigkeiten der Bewegungen erforderlichen, sehr wichtigen permanenten Benetzung derselben ständig von diesem Öl umgeben sein muss. Dieses erreicht man, indem man diese Teile oben durch einen mit dem Öl gefüllten und zur Verhinderung des Austritts desselben durch spezielle Dichtungsvorrichtungen hermetisch abgeriegelten Bereich führt.
In erster Linie unterliegen im Laufe der Zeit die Dichtungen als gegenüber dem Stößel bewusst „weicheres“ Material einer unvermeidlichen Abnutzung, was dann zu immer größer werdenden „Undichtigkeiten“ führt / führen kann.
Es kann also irgendwann und ohne bzw. zu lange Wartungsintervalle zu einem letztlich „massiven“ Ölaustritt kommen. Das Öl läuft dabei am Stößel herunter bis auf den Stempel, sammelt sich dort langsam und „beteiligt“ sich am Prägen – anfangs evtl. nur auf der Stempeloberfläche (Münzgrund) und später mit Sicherheit auch in den Vertiefungen der Arbeitsmatrize befindlich. Daraus können auch die unterschiedlichsten Arten und Formen der bekannten Prägeausfälle resultieren.
Während Öl auf der Stempeloberfläche bis zu einer gewissen Menge über den Prägevorgang immer wieder mehr oder weniger entfernt wird, bleibt das sich in den Vertiefungen befindliche Öl wo es einmal ist (Kapillarwirkung kleiner Öffnungen / Zwischenräume und Oberflächenspannung des Öls sind der Grund) und behindert bis zu seiner Entfernung ständig den ungestörten Materialfluss beim Prägen.
Am hartnäckigsten können so genannte Konglomerate aus Öl und feinsten Spänchen aus einem beim Prägeprozess ständig stattfindenden Metallabrieb sein (wer Originalrollen der Prägestätten geöffnet hat, müsste, zumindest bei den Ag-Münzen, feinste Metallteilchen gesehen haben). Wenn sie sich bilden, können sie über den enormen Prägedruck zu einer sehr festen und vor allem auch ortsfesten Masse in den Matrizenvertiefungen zusammengepresst werden. Solche „Zusetzungen“ können dann gegenüber dem flexiblen Öl auch reproduzierbar sehr ähnliche bis gleiche Prägeausfälle erzeugen.
Ich hoffe sehr, dass ich wie „umlaufmünze“, ebenfalls ein wenig zum Verständnis für die Entstehung diese (Öl)Übels bei der Münzprägung beitragen konnte.
Beste Grüße
varukop
Geändert von michel008 (10-02-2011 um 20:21 Uhr)
Grund: Entfernung von "allerlei Störendem" durch Kopieren :-)
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