Moin Moin,
zu Münzbildvergrößerungen möchte ich an dieser Stelle noch etwas anmerken, da in der Erklärung von
"diwidat" entweder ein kleiner Gedankenfehler oder eine nicht korrekte Vorstellung hinsichtlich der Definition des Münzbildes steckt.
Desweiteren zu Beginn etwas zur Entstehung der "Spanischen Rose" bei den 20 Cent Münzen.
Ich empfehle das Lesen nur einigermaßen ausgeruhten Interessenten, denn meine Erläuterungen sind mal wieder recht lang ausgefallen.
Die entsprechenden Texte:
1)
....... "(Die Einbuchtungen und Riffelungen entstehen im Prägering!)"
Dieser Sachverhalt gilt mit einer Ausnahme, nämlich der 20 Cent-Münze, für alle anderen Euro Münzen.
Bei der "Spanischen Rose", deren (End) Form sich durch "Randeinbuchtung" ("Randkehlung") und "Randstabausbuchtung" ("Randstabwölbung") (Praktisch eine Erweiterung des Randstabes in den Münzgrund hinein) ergibt, verhält es sich aber anders:
Nur die Randkehlungen werden durch im Prägering befindliche und entsprechend gearbeitete "Stege" erzeugt.
Die Form des Randstabes auf beiden Seiten der Münze kann ausschließlich über einen entsprechend gearbeiteten Stempel entstehen. D.h., die genau den Randkehlungen der Münze im Randstab befindlichen Wölbungen sind bei der Erzeugung der Randstabvertiefungen eines solchen Stempels mit entstanden.
Wenn der "Erzeuger" dieser Wölbungen auch im Prägering angebracht wäre, dann dürfte es bei allen Fehlprägungen "ohne Ringkontakt" keine davon auf den Münzen geben.
Es gibt sie aber!!
Das zeigt sich bei den 20 Cent Dezentrierungen mit beidseitig vorhandenen Wölbungen (siehe Abb., 3. Münze von links) genau so, wie bei den nur einseitig im Ring geprägten Stücken (siehe Abb., 2. + 4. Münze von links), die auch auf der Seite ohne Ringkontakt diese Wölbungen aufweisen. Im 4. Bild wird anhand der Kehlung, die an dem sich über den Ring geschobenen Material endet, deutlich sichtbar, dass der Prägering ausschließlich die Stege für die Kehlung aufweist!
Auch bei den "normal" im Ring geprägten Stempeldrehungen dieses Nominales sind bei vielen Drehungen die Kehlungen im Rand gegenüber den Wölbungen des Randstabes versetzt sichtbar (siehe Abb., 1. Münze von links). Da es sich hierbei um eine ca. S 180 (kopfstehend) handelt, kann / muss man aufgrund der bei einer Normalprägung fehlenden Wölbung bei 12 Uhr sowohl die 7 Wölbungen des Rückseitenstempels als auch die nach "außen offenen" 7 Kehlungen des Prägerings sehen. Sie sind derart versetzt, dass immer im gleichen Abstand jeweils eine Wölbung auf eine Kehlung folgt.
Bei diesem Beispiel, bei dem auf der Wertseite die Kehlungen und die Wölbungen jeweils passend sind, beweist z.B. eindeutig, dass der Rückseitenstempel um ca. 180 Grad verdreht vorliegt.
Das er mit großer Wahrscheinlichkeit sogar exakt verdreht eingebaut worden ist, schließe ich daraus, dass mir bisher keine, das Umlaufen eines lockeren Stempels beweisende, andere Stempeldrehung dieser Münze bekannt geworden ist.
Darüber wird auch deutlich, dass ein Prägemeister beim Vorbereiten seiner Prägemaschine für die 20 Cent Produktion nicht nur auf den korrekten Sitz der beiden Prägestempel achten muss, sondern zusätzlich auch noch auf eine richtige und damit korrelierende Positionierung des Prägerings.
2)
....... Dabei aber immer im Auge behalten, dass die oberste Stempelfläche später den Münzengrund ergibt!
Das ist korrekt, bedingt aber auch, dass immer der "frische", d.h., ein nicht über das erwähnte "stempelerniedrigende"

Abziehen nachbehandelter Stempel, das größte Münzbild ergibt (siehe auch
XXX weiter unten) !!
3)
....... Ist der Stempel ganau an dieser Fläche durch die Benutzung rauh geworden (Abnutzung), zieht der Stempelmacher diesen Stempel ab (er schleift also die rauhe Fläche einfach weg) und der Stempel wird um dieses Maß niedriger. D.h. das Münzbild wird - wegen der Schräge an der Randstabsfase (kopfstehender Kegelstumpf) - etwas größer.
Diese Aussage ist so nicht korrekt, denn dabei muss man berücksichtigen, dass nach meiner Information aus einer Prägestätte die
Definition der Münzbildgröße durch den von zwei am weitesten auseinander liegenden Punkten des Reliefs bestimmt wird. Das sind bei dem diskutierten Münzbild z.B. die beiden äußeren Spitzen der beiden Sterne bei ca. 3 und 9 Uhr - nicht der Punkt, an dem der Randstab in den Münzgrund übergeht!!
Daraus wird ersichtlich, dass eine vorgenommene Veränderung des Randstabes absolut keinen Einfluss auf den Münzbilddurchmesser hat (das was "seltengast" schon zu dem Verschwinden der Randstabfase fragend angedeutet hat).
Eine Randstabbreite kann sich ganz allgemein entweder durch ein mehr oder weniger deutliches Nachbearbeiten ("Nachdrehen") der umlaufenden Randstabvertiefung im Stempel oder durch das von "navada51" erwähnte über eine "Ermüdung" nach außen schiebende Stempelmaterial verändern.
Bei letzterem Fall drängt die vor allem über das Prägen "mürbe" gewordene obere Schicht des Stempelmaterials langsam nach außen und verkleinert dabei automatisch die Randstabbreite. Da auch für den Randstab eine Mindestbreite vor gegeben ist, wird in den Fällen, in denen der Randstab erkennbar zu klein, aber der Stempel weiter brauchbar ist, der Randstab durch "Nachdrehen" wieder auf einen Wert innerhalb der Norm verbreitert. Das ist in der Regel dann nicht der Ausgangswert eines Stempels.
Je weniger optimal eine Prägestempelqualität ausfällt, desto mehr verschiedene Randstabbreiten sind innerhalb eines Nominales und Jahres zu erwarten - und desto mehr diesbezügliche Unterschiede sind dann im Umlauf zu finden. Das wiederum ergibt dann auch die nie enden wollenden Diskussionen unter den Sammlern von Varianten und Stempelkopplungen, ob es sich dabei um einen in seinem Gesamtaussehen bewusst veränderten und somit eigenständigen Stempel mit Stempelkopplungspotenzial handelt.
Nur wenn man fälschlicherweise den Übergang Münzgrund / Randstab als Maß für die Münzbildgröße zugrunde legt, würde die Aussage von "diwidat", das eine Münzbildvergrößerung durch Verschwinden einer evtl. vorher vorhandenen Fase erfolgt, zutreffen. Es würde aber auf keinen Fall erklären, warum auch das gesamte Relief größer geworden ist.
Unter Berücksichtigung der richtigen Definition "Münzbild" wäre der Effekt aufgrund der Beschaffenheit der Stempelvertiefungen aber genau umgekehrt!
D.h., es ergibt sich beim kompletten Abziehen einer Stempeloberfläche sowohl grundsätzlich ein insgesamt verkleinertes Relief als auch eine Münzbildverkleinerung.
Das resultiert aus der von mir bereits an anderer Stelle erwähnten Beschaffenheit der Matrizenvertiefungen, die man sich aus prägetechnischen Gründen als umgekehrten Kegelstumpf vorstellen muss, d.h., die Vertiefungen werden in der Tiefe immer schmaler.
Das ist erforderlich, damit sich die Münzen nach der Prägung problemlos vom Stemepl lösen können.
Würden die Kanten (Wände) der Matrizenvertiefungen senkrecht in die Tiefe gehen, dann könnte sich das Material über den Prägedruck sehr fest hineindrücken, ein gewissen (Ver)Klemmen ergeben und dadurch bewirken, dass die Münze an einem der Stempel "kleben" bleibt.
Kommen wir mit diesen Gegebenheiten auf unseren Diskusionsgegenstand zurück.
Folgende, für mich sichtbare und für die Diskussion relevante, Unterschiede zeigt die Münze Nr. 2 im Vergleich mit der Münze Nr. 1:
1. Größeres Münzbild
---> ca. 19,4 zu ca. 19,0 abgelesene Einheiten
2. Schmalerer Randstab
---> Randstabinnenkanten = ca. 20,8 zu ca. 20,4 abgelesene Einheiten
3. ohne Fase im Übergang Münzgrund / Randstab
Beim Vergleich der Veränderungen muss man sich als selbstkritischer und objektiver Sammler von Varianten und Stempelkopplungen sofort fragen, welcher ominöse Zufall hier bei der Reduktion des Randstabes und bei der Vergrößerung des Münzbildes den ca. gleichen Wert von ca. 0,4 Einheiten generiert haben könnte

.
Aufgrund dieser gleich großen und parallel verlaufen könnenden Veränderungen deutet zur Zeit alles auf eine Vergrößerung des Münzbilddurchmessers auf Kosten des Randstabes durch Stempelermüdung hin - also kein eigenständiger Stempel .
Um abzuklären, ob diese Hypothese zutrifft oder ob evtl. doch ein Stempel mit anderem Reduktionsfaktor hergestellt worden ist, benötigt man den Vergleich mit möglichst vielen Stück beider Spezies.
Dabei muss man dann auch recht genau messen, um heraus zufinden, ob weitere Münzbilddurchmesser und entsprechende Randstabveränderungen auftauchen. Ergibt sich dieser "Tatbestand", dann wird die momentan eher zutreffende Hypothese eindeutig erhärtet.
Überlegungen in Richtung "eigenständiger Stempel und daraus resultierende zusätzliche Kopplungen" sind m.E. erst gerechtfertigt, wenn über viele dieser Stücke, möglichst aus den verschiedensten Regionen (evtl. auch noch über einen längeren Zeitraum ) zusammen getragen, lediglich diese beiden Münzbilddurchmesser gefunden worden sind.
XXX: Noch eine Anmerkung zu einem Zusammenhang von Münze Nr. 1 und Münze Nr. 2:
Die Münze Nr. 2 kann nicht allein durch komplettes Abziehen der Stempeloberfläche von Münze 1 entstanden sein. Dagegen spricht grundsätzlich erst einmal der tatsächlich vorliegende und wie auch immer erklärbare größere Münzbilddurchmesser.
Diese Möglichkeit des "2 aus 1" durch komplettes Abziehen, das verkleinernd wirkt, wäre nur bei gleichzeitig stattfinder Vergrößerung des Münzbildes über den beschriebenen Weg mit dem "ermüdenden" Prägestempel denkbar.
Ich wünsche hierzu unermüdliches

Weiterverfolgen und würde mich freuen, "irgendwann" ganz speziell zu diesem heiklen V + K Thema wieder etwas Konkretes zu hören.
Beste Grüße
varukop