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Alt 15-05-2006, 21:30   #1 (permalink)
 
Reichsgoldmünzen und ihre Nachprägungen

Der nachfolgende Artikel ist interessant in Bezug auf Fälschungen in Goldmünzensammlungen, interessant auch im Hinblick auf Hausmann-Fälschungen.

Geändert von hegele (15-05-2006 um 21:35 Uhr)
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Alt 15-05-2006, 21:32   #2 (permalink)
 
Reichsgoldmünzen und ihre Nachprägungen


Aus „Die Münze“ Jahrgang 2, Nr. 8, August 1971, Seite 276-278


Seit gut einem dutzend Jahren werden verschiedentlich im Handel auch sogenannte Nachprägungen von Reichsgoldmünzen angeboten. Nachprägungen von Goldmünzen sind an sich nichts Neues; wurden doch zur Herstellung von Schmuckstücken schon in früheren Zeiten münzenähnliche Gebilde geprägt, teils aus Gold, teils aus anderen Metallen, die nachträglich vergoldet wurden. Noch vor dem ersten Weltkrieg wurden in ländlichen Gegenden nicht nur unseres Vaterlandes sondern auch in anderen Ländern viel mehr die althergebrachten Volkstrachten als Alltags- wie auch als Festkleidung getragen, die mit Münzen oft reich geschmückt waren. Auch damals gab es reiche Leute, die originale Münzen an den Trachten zu tragen sich leisten konnten und ärmere Leute, die es sich nicht leisten konnten. Die ärmeren Leute schmückten sich dann eben mit Münzimitationen, wobei es den Trägern weniger auf die Zurschaustellung ihres Reichtums, sondern vielmehr auf den Schmuck als solchen ankam. An manchen Orten entwickelte sich eine regelrechte Industrie zur Anfertigung solcher „Ersatzmünzen", es sei hier an die recht häufig vorkommenden Nachprägungen von Talern durch die Fa. Lauer in Nürnberg erinnert. Die damals für Schmuckzwecke hergestellten münzähnlichen Gebilde und auch die Münzimitationen waren gekennzeichnet; die Lauerschen Talernachprägungen trugen meist in wohl kleinen, aber nicht zu übersehenden Lettern den Namen Lauer.

Heute, wo man weniger Trachten als Alltagskleidung und auch selten noch als Festkleidung trägt, tragen aber unsere Frauen gerne Schmuck aus Münzen und im Zeichen des gestiegenen Wohlstandes besonders gern Schmuckstücke aus Goldmünzen; so z. B. Ringe, Anhänger, Broschen und anderen Schmuck. Die Industrie kam dem Wunsche der Frauen dadurch nach, daß an Juweliere und Schmuckwarenhersteller billige Nachprägungen von Goldmünzen geliefert wurden, die von diesen weiterverarbeitet wurden zu Schmuckstücken. Dabei wurde der Preis der Nachprägungen kalkuliert nach dem aufgewendeten Gold; ein nachgeprägtes goldenes 5-Mark-Stück kostete entsprechend weniger als ein solches zu 10 Mark, eins zu 20 Mark entsprechend mehr. Die Nachprägungen waren entweder so angefertigt, daß ein Laie nicht gerade auf dem ersten Blick die Nachprägung erkennen konnte, ein Münzensammler aber ohne weiteres die Nachprägung als solche erkannte. Vielfach wurde auch bei solchen nachgeprägten Goldmünzen das Prägezeichen ausgelassen oder andere versteckte Kennzeichen wiesen die Münze als Nachprägung, als Imitation aus. So ist es auch zu erklären, daß man einen goldenen Ring mit einem 5-Mark-Stück schon für 35,— DM beim Juwelier kaufen konnte, während der Preis für die originale Münze unverarbeitet weitaus höher war. An solchen Nachahmungen oder auch Nachprägungen nahm kein Münzensammler Anstoß, waren die „Münzen" doch von den Sammlern ohne langes Betrachten als unecht zu erkennen. Seit es aber eine Firma gibt, Sitz zunächst in Bad Godesberg, später im Westerwald, die mit Hilfe moderner Produktionsmethoden Goldmünzen nachprägt, ohne sie als Nachprägung zu kennzeichnen und diese Münzen in solch einer Vollendung nachprägt, daß selbst versierte Fachleute nicht den Unterschied zwischen Original und Nachprägung feststellen können, erregen sich die Numismatiker darüber. Und das mit Recht. Viele Worte sind darüber schon gefallen, Prozesse wurden angestrengt, Urteile von Gerichten gefällt, Berufungen eingelegt, es wurde in die Revision gegangen: das Ergebnis blieb für den Numismatiker unbefriedigend. Offenbar — der Verfasser ist kein Jurist — fehlt in unserem demokratischen Staat die Rechtsgrundlage, die es verbietet, außer Kurs gesetzte Goldmünzen nachzuprägen.
Der größte Teil der Münzensammler verliert hierüber kein Wort aus dem einfachen Grunde, weil er ohnehin nicht in der finanziellen Lage ist, Goldmünzen zu sammeln.

Anders aber ist es bei solventen Sammlern, die gerade das Gebiet der Goldmünzen, speziell der Reichsgoldmünzen, zu ihrem Sammelgebiet erkoren haben. Immer mehr Sammler kommen zu Wohlstand und immer mehr Sammler werden in die Lage versetzt, sich eine Sammlung von Reichsgoldmünzen leisten zu können.

Münzenhändler, Sammlervereinigungen und die Fachpresse verweisen den Sammler, der Goldmünzen kaufen will, an den Münzenfachhandel, weil der seriöse Münzenhändler die Echtheitsgarantie für seine verkauften Stücke übernimmt. Banken betonen in ihren Prospekten, sie würden nur echte Stücke verkaufen, Nachprägungen würden bei ihnen nicht gehandelt. Es soll hier nicht näher auf die Frage eingegangen werden, woher der Mut genommen wird, zu behaupten, man könne die sogenannten Hausmannschen Nachprägungen vom Original unterscheiden. Die Erfahrung spricht gegen diese Behauptung. Doch das nur am Rande. Bestehen bleibt die Tatsache, daß eine immer größer werdende Zahl von Reichsgoldmünzensammlern versucht, eine möglichst komplette Sammlung zusammenzutragen. Dem gegenüber steht aber die andere Tatsache, daß von vielen der gesuchten Münzen nur eine so geringe Zahl geprägt wurde, daß es unmöglich ist, in jede Sammlung jedes geprägte Stück einzureihen. Ohne weiteres möglich ist es für einen Sammler mit ausreichenden finanziellen Mitteln, die häufigsten Prägungen der großen Länder, wie z. B. Preußen, Bayern und Sachsen, zu erwerben. Anders aber wird es schon bei den Münzen der kleineren Deutschen Staaten. Um ein Beispiel zu nennen: Von der Münze Jaeger 235, 10 Mark 1873 Mecklenburg-Strelitz, weist Jaeger eine Prägezahl von 1500 Stück nach. Es dürfte aber eine Zahl von etwa 15000 Sammlern geben, die Reichsgoldmünzen sammeln; die Zahl dürfte eher zu niedrig angesetzt sein als zu hoch. Das bedeutet, daß von zehn Sammlern nur einer diese Münze in seiner Sammlung haben könnte. Die übrigen neun Sammler würden in ihrer Sammlung eine Lücke behalten. Andere Goldmünzen haben eine noch geringere Prägezahl, so z. B. Jaeger 239 = 1000 Stück, 240 = 1000 Stück, 270 = 1000 Stück, Sachsen-Meiningen prägte von keiner Goldmünze mehr als 4032 Stück. Sammler sind Menschen, haben demnach auch menschliche Fehler und Schwächen. Ist es da verwunderlich, daß von den Sammlern, die in ihren Sammlungen Lücken haben, ein Teil versucht, diese Lücken durch Nachprägungen zu schließen? Ich sage nein; denn seit der erstmaligen Erwähnung dieser Nachprägungen gingen bei unserer Redaktion mehr als 300 Fragen ein, wo man solche Nachprägungen kaufen könne. Da sollte man doch sagen: Laßt die Leute, die ihre Sammlungen durch Nachprägungen komplettieren wollen, das ruhig tun, es ist deren Privatangelegenheit und niemand soll vorgeschrieben bekommen, was er sammelt und nach welchen Gesichtspunkten er sammeln soll. Wer da anderer Meinung ist, ist ein Prinzipienreiter. Aber die ganze Angelegenheit hat auch noch eine Kehrseite, Selbst wenn alle Sammler ehrliche Menschen wären und die erworbenen Nachprägungen in die eigene Sammlung stecken und sie vielleicht in der Sammlung noch als Nachprägung deklarieren würden, so kommt doch immer der Tag, an dem der Sammler seine Sammlung nicht mehr weiterführen kann, sei es durch plötzliche Not oder durch den Tod. Dann haben die Erben, die meist keine numismatischen Kenntnisse haben, eine Sammlung geerbt, die neben Originalen auch Nachprägungen enthält. Nun wird die Sammlung verkauft. Dabei wird eine Nachprägung zum Original, denn der Verkäufer weiß ja gar nicht, daß er nachgeprägte Stücke besitzt. Wer jetzt die Sammlung oder Teile davon erwirbt, ist geschädigt, weil ihm anstelle der überaus seltenen und teuren Originale fast wertlose Nachprägungen übergeben werden. Das ist das Problem. Bei dieser Darstellung wurde immer vorausgesetzt, daß es sich in jedem Falle um grundehrliche Menschen handelt. Viele andere nicht ganz so ehrliche Menschen kommen aber in Versuchung und werden eine Nachprägung als Original anbieten, weil ja zur Genüge bekannt ist, daß man Original und Nachprägung nicht unterscheiden kann.
Welche Möglichkeiten sich hier für einen gewissenlosen Menschen bieten, soll nicht näher aufgezeigt werden, der Möglichkeiten sind viele, allzuviele.

Nun tritt folgende Frage an uns als Sammler heran:

Die Nachprägungen existieren, und zwar in großer Zahl. Unterscheiden können wir sie nicht von den Originalen. Wenn jemand behauptet, er könne hundertprozentig jede Nachprägung vom Original unterscheiden, dann wären alle Worte, die hierüber seit Auftauchen der ersten Hausmannschen Nachprägungen geredet und geschrieben worden sind, überflüssig. Wie sollen wir uns schützen gegen die Nachprägungen oder dagegen, daß uns Nachprägungen als Originale angeboten werden?

Dreizehn Jahre lang wurde hierüber diskutiert; erst vor wenigen Tagen habe ich in den alten Nummern des NNBI die Diskussionen noch einmal durchgelesen, habe die Diskussionen in den GN durchgesehen, zu einem Ergebnis kommt niemand. Gesetzliche Maßnahmen gegen die Hersteller der Nachprägungen waren bisher nicht möglich, wenn sie jetzt in Form eines evtl. neuen Gesetzes kommen würden, kämen sie sowieso zu spät, denn es kursieren Tausende und Abertausende von diesen Nachprägungen. Es wird uns als Sammler wohl nichts anderes übrig bleiben, als weiterhin den Mahnungen und Aufrufen der Händler und Banken zu folgen und nur dort zu kaufen, wo Garantie gegeben wird für Echtheit. Diese Garantie hat man bei den älteren Münzenhändlern auf jeden Fall, denn diese sind durchweg seriöse Leute und die Münzen, die man dort kauft, stammen aus alten Sammlungen. Diese seriösen Händler kaufen Goldmünzen nicht von Jedem, sondern kennen ihre Quellen, von denen sie ihre Münzen kaufen, die dann an die Sammler weiterverkauft werden.

Es sei ein Blick in die Zukunft gestattet: Weil es zwischen Original und Nachprägung keinen erkennbaren und feststellbaren Unterschied gibt, wird die Sammlergeneration nach uns wahrscheinlich die Münzen, ob Original oder Nachprägung, einfach hinnehmen müssen, wie sie sind und die Frage danach wird von untergeordneter Bedeutung sein. Es sei denn, durch die ständig fortschreitende Technik wird noch etwas erfunden, womit man doch noch einen Unterschied feststellen kann. Das beste Mittel, nicht eine Nachprägung — vielleicht versehentlich — untergeschoben zu bekommen, ist immer noch das: keine Goldmünzen sammeln; die Nachprägungen der Firma erstrecken sich nämlich nicht, wie vielfach angenommen wird, nur auf Reichsgoldmünzen, sondern auch auf andere Goldmünzen. So wurden laut Mitteilung der Fachorgane u. a. auch Nürnberger Lammdukaten von 1700 nachgeprägt und es ist auch gar nicht bekannt, ob nicht an anderen Orten, evtl. in anderen Ländern, auch Goldmünzen anderer Art in gleich guter Qualität nachgeprägt werden.

Die Bezeichnung Nachprägung ist übrigens sehr umstritten; streng genommen — vom numismatischen Standpunkt aus — sind diese Nachprägungen nämlich Fälschungen. Es ist nur eine Sache der Auslegung, wie man diese Erzeugnisse betitelt. Die Meinungen gehen hier noch etwas auseinander. Jede Prägung, die nicht vom originalen Stempel erfolgt, ist eine Fälschung. Die offiziellen Nachprägungen z. B. der österreichischen Münze von österreichischen Goldmünzen, die noch laufend unter einer zurückliegenden Jahreszahl erfolgen, sind dagegen keine Fälschungen, sondern echte Nachprägungen, weil sie durch die autorisierte Stelle, nämlich das österreichische Hauptmünzamt erfolgen und weil sie mit den originalen Stempeln geprägt werden. Diese sind in Europa die einzigsten Nachprägungen, die den Namen „offizielle Nachprägungen" zu Recht tragen. Alles andere sind Fälschungen. Überlassen wir also dem Sammler selbst, ob er seine Sammlung durch Fälschungen „bereichert" oder ob er Originale sammelt. Jedoch soll dringend auf die Gefahr hinge wiesen werden, die durch den Kauf von Fälschungen entsteht. H. M.
hegele ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 15-05-2006, 21:41   #3 (permalink)
 
merci
jeggy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15-05-2006, 22:11   #4 (permalink)
 
merci
ja, kann man wohl sagen. Alfons, Du machst Dir aber viel Arbeit, mit dem Abtippen
mifrjoar ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15-05-2006, 22:13   #5 (permalink)
 
Ich hab Urlaub, einen Scanner und arbeite das gescannte dann nach.
hegele ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 15-05-2006, 22:17   #6 (permalink)
 
Ich hab Urlaub, einen Scanner und arbeite das gescannte dann nach.
Du digitalisierst Deine Münzliteratur ?
mifrjoar ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15-05-2006, 22:25   #7 (permalink)
 
Du digitalisierst Deine Münzliteratur ?
Nur Artikel, die mir interessant erscheinen, und die ich vielleicht mal brauchen kann.
hegele ist gerade online   Mit Zitat antworten
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