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Alt 26-03-2010, 11:57   #1 (permalink)
 
Nachwehen ml-agentur

aus dem Ebay-Forum von bubu.m:

Letzte Woche war ich zu einer Zeugenbefragung durch das Landesgericht St. Pölten (Niederösterreich) geladen. Dort wurde die Zivilklage eines Betrugsopfers verhandelt, der von eBay Schadenersatz forderte.

Der Kläger hatte im September 2007 für ca. 15.000 Euro Vorkasse Goldbarren bei dem Platin-Powerseller "ml-agentur" gekauft. Geliefert wurden sie nicht. Der Insolvenzantrag des inzwischen rechtskräftig verurteilten Händlers offenbarte, daß fast eine Millionen Euro Kundengeld "versickert" sind.

Für das Sicherheitsform kam diese betrügerische Pleite nicht überraschend. Bereits Monate vorher wurde über das Schneeballsystem dieses Händlers mit Vorauszahlungen und langen Lieferzeiten diskutiert. Völliges Unverständnis herrschte darüber, daß eBay die AGB-widrigen Lieferzeiten von über einem Monat durchgehen ließ. Dabei waren diese in Verbindung mit den Auktionserlösen mehr als bedenklich. Die Auktionen mit Goldbarren und Münzpaketen erreichten meist nicht einmal den Tagesanaufspreis von Banken, was im Form eindrücklich mit Vergleichswerten belegt wurde. Nach dem zusätzlichem Abzug der eBay-Gebühren machte der Händler regelmäßig einen dicken Verlust.

Zudem warb der von eBay als "vorbildlich" ausgezeichnete Powerseller in seinen Artikelbeschreibungen plakativ um das Vertauen von potetiellen Käufern. Zitat:

"Wir sind Paypal und Ebay Verifiziert, d.h. dass alle
Artikel die angeboten werden auch in unserem Besitz sind."

Trotz mehrerer Beschwerden haben das die "Sicherheitsexperten" aus Dreilinden diese Falschaussage nicht beanstandet.

eBay war im Vorfeld ausreichend gewarnt und sensibilisiert - und das nicht nur wegen der Diskussion im Forum und mehrerer Beschwerdemails. Als im Juli 2007 der Gold-Account von "bodenseepowershop" zusammenbrach, hätte eBay Konsequenzen ziehen müssen. "falle-internet" hat diesen Fall zeitnah und treffend in einem Artikel aufgearbeitet und dabei ausdrücklich auf die vergleichbaren Geschäfte von "ml-agentur" und "lavendel200" hingewiesen. Die beiden letztgenannten konnten dann leider noch bis zu ihrer Sperre im Oktober/November ihre Betrugsverkäufe fortsetzen. Hier der FI-Beitrag vom 22.07.07:

Goldhandel bei eBay - hochriskant und hochspekulativ?

Bei der Verhandlung in St. Pölten gelang es den beiden eBay-Anwälte nicht, die Vorwürfe zu relativieren. Die Aussage einer ebenfalls geladenen eBay-Mitarbeiterin bestätigte sogar interne Organisationsmängel bei ihrem Arbeitgeber. So brauchte es "mehrere Wochen" bis verantwortliche eBay-Mitarbeiter sich abteilungsübergreifend trafen, um über Maßnahmen bezüglich des Platinsellers zu beraten.

Allerdings schwächte der klagende Käufer mit seiner Aussage die eigene Position. Die eBay-Anwälte bedrängten ihn fast eine halbe Stunde mit Fragen zum Thema Selbstverantwortung. Dabei verhedderte er sich und ließ durchblicken, daß er bei dem hohen Kaufpreis durchaus Bedenken hatte. Wegen dieser Bedenken - so die Anwälte - hätte der Kläger mehr Umsicht walten lassen müssen. So wäre es ihm ja z.B. möglich gewesen, die kritischen Beiträge zu "ml-agentur" im eBay-Sicherheitsforum vor seinem Kauf zu finden.

Ein Urteil in der Sache hat der Richter noch nicht gefällt. Trotz der offensichtlichen Beihilfe für eine Betrüger hat eBay aber eine reelle Chance, noch mit einem blauen Auge davonzukommen. Aus Sicht des Gerichts könnte in diesem Fall die Fahrlässigkeit des Käufers überwiegen.
Karsten72 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-03-2010, 18:12   #2 (permalink)
 
Au man . . .
eurosterne ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-03-2010, 20:41   #3 (permalink)
 
Hallo Karsten72,

sehr interessante Information. Danke.

Viele Grüße

Volker
Volker1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-03-2010, 20:56   #4 (permalink)
 
Nichts geändert

Bei Ebay hat sich seitdem NICHTS GEÄNDERT. Auch heute noch verkaufen dort Leute Ware, die keine haben. Es vergeht kein Monat, wo nicht irgendwo in Deutschland wieder jemand verhaftet wird, der über Ebay etwas verkauft hat, was er gar nicht hatte. Das wäre ja nicht weiter schlimm, - wenn dies nicht passieren würde, OBWOHL EBAY JEWEILS GEWARNT WIRD.

Und nachdem Ebay jetzt noch massiv Personal abgebaut hat und jetzt irgendwo in San Francisco, Bombay oder Kalkutta jemand sitzt, der solche Beschwerdemails erstmal mit Textbausteinen beantwortet, dauert es auch heute noch WOCHEN, bis Ebay reagiert, - wenn Ebay reagiert.

Zum nächsten Termin nach St.Pölten würde ich gerne auch kommen, wann findet der statt?
HHamburger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-03-2010, 23:22   #5 (permalink)
 
Jugendschutz

Momentan wird seitens Ebay sogar massiv gegen geltendes Recht betreffs Jugendschutz verstoßen.

Vor 5 Tagen meldete ich einen USK-18 Computerspieltitel an das ebay-Sicherheitsteam. Dieser lief mit einer Restzeit von 3 Tagen vor 48 Stunden per Höchstgebot aus.

Eine Mitteilung dieses Sachverhaltes an Herrn Gronen von Wortfilter brachte folgende Antwort:

"...diese Selbstverständlichkeit lohnt wohl keinen Bericht: Es ist doch klar, dass eBay mit rund 200 Mitarbeitern nicht mehr die gleichen Kontrollen durchführen kann, wie mit über 1.400 Mitarbeitern...."

Alleine die Eingabe des Wortes "uncut" für ausgelaufene Auktionen fördert 7 Seiten Material zutage, welches in besten Ebay-Zeiten noch binnen 6 Stunden nach Meldung vom Sicherheitsteam gelöscht worden wäre....
http://completed.shop.ebay.de/i.html...at=1249&bkBtn=

Da bleibt ja nur zu hoffen, dass Ebay deswegen nicht demnächst seinen Dienst wegen einer einstweiligen Verfügung einstellen muss, weil es aufgrund akuten Mitarbeitermangels seinen Pflichten zur Löschung problematischer Ware nicht mehr nachkommen kann...
Karsten72 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-03-2010, 23:35   #6 (permalink)
 
Hallo,
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Vor 5 Tagen meldete ich einen FSK-18 Computerspieltitel an das ebay-Sicherheitsteam.
naja, Verstoß gegen die Ebay-Grundsätze, aber solange das nicht indiziert ist, dürfte das doch rechtlich kein Problem sein (solange der Verkäufer die recht strengen Regeln bzgl. Versand etc. beachtet)? Bei Amazon gibt´s ja auch FSK18-Artikel (übrigens, ist das nicht USK bei Spielen? )

Gruß,
Thomas
thhko ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-03-2010, 23:38   #7 (permalink)
 
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...
Alleine die Eingabe des Wortes "uncut" für ausgelaufene Auktionen fördert 7 Seiten Material zutage, welches in besten Ebay-Zeiten noch binnen 6 Stunden nach Meldung vom Sicherheitsteam gelöscht worden wäre....
Hört sich so an, als wäre eBay endlich zum Traum-Einkaufsladen für die wirklich interessanten Sachen geworden. Keine spaßverderbenden Mitarbeiter mehr.
Lolo! ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14-04-2010, 09:36   #8 (permalink)
 
Aber mal ganz ehrlich!
Manche Händler werden ja regelrecht dazu eingeladen zu besch...en.
Und ebay tut sein übriges dazu.
elezodehn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14-04-2010, 14:31   #9 (permalink)
 
Heute war auch ein Bericht in der "Sächsischen Zeitung". Weiteren Klagen auf Schadenersatz wird laut der Stiftung Warentest nur Erfolg eingeräumt, wenn die Versäumnisse der Ebay-Sicherheit "minutiös" dokumentiert worden sind...
Das Aktenzeichen des Prozesses in St. Pölten lautet übrigens: 4 Cg 144/08i
Karsten72 ist offline   Mit Zitat antworten
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