Münzen
Werbung www.honscha.de

Zurück   Münzen / Euromünzen - Deutsches Münzenforum > Allgemeine Themen > Münzen & Geschichte

Münzen & Geschichte Münzwesen, geschichtliche Beiträge über Personen, Ereignisse im Zusammenhang mit Münzen

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 06-05-2005, 08:54   #1 (permalink)
 
Friedrich III. Deutscher Kaiser König von Preußen

Friedrich III. wurde am 18.Oktober 1831 geboren.

Im Gegensatz zu seinem Vater, der für sein späteres königliches Amt gar nicht vorgesehen und deshalb auch nicht in dieser Richtung ausgebildet worden war, erhielt Friedrich III. eine spezielle Schulung und Erziehung als Kronprinz. Wie in Pressen üblich, wurde besonderer Wert auf die militärische Ausbildung gelegt, so dass Friedrich III. wie sein Vater als Soldat und Offizier dachte und handelte. 1848 erlebte der 17jährige die Berliner Revolution, die den jungen Prinzen mit tiefem Abscheu gegen die Revolutionäre erfüllte. Um so erstaunlicher wirkt seine spätere liberale Haltung. Dieser Sinneswandel ist unter anderem auf den Einfluss seiner Ehefrau Victoria, der ältesten Tochter Victorias von Großbritannien, zurückzuführen.1851 lernte Friedrich III. die elfjährige Victoria in England kennen, fünf Jahre später verlobten sich die beiden in Schottland, und am 25.Januar 1858 heirateten sie in London. Noch nie hatte ein preußischer Kronprinz gewagt im Ausland zu heiraten, aber die britischen Schwiegereltern verlangten es so.

Es war eine Liebesheirat, aus der sieben Kinder hervorgingen. Victoria gewöhnte sich nie an die preußischen Verhältnisse und beklagte diese oft in verletzender Weise gegenüber Einheimischen, wodurch ihr Beliebtheitsgrad nicht gerade anstieg.
Preußische Politik und später auch die Reichspolitik Bismarcks, den sie als den großen bösen Mann ansah, verfolgte sie mit Misstrauen und nahm gehörigen Einfluss auf die Meinungsbildung ihres Ehemannes.
Im täglichen Leben des Kronprinzen lagen die ihm zugedachten Arbeiten im militärischen Bereich. Diese Arbeit als Offizier leistete er gerne und mit Sachverstand. Oftmals vermittelte er zwischen seinem Vater und Bismarck. In den Krieg gegen Frankreich 1870/71 zog er mit Begeisterung. Ebenso begeisterte er sich für die Kaiserwürde, die er ganz anders wertete als sein Vater.

Friedrich III. vereinigte in sich die positiven Eigenschaften seines Vaters mit der Intelligenz und Kultur seiner Mutter. Diese glückliche charakterliche und geistige Ausprägung zu einer gewinnenden Persönlichkeit gab Anlass zu berechtigten Hoffnungen hinsichtlich einer erfolg- und segensreichen Regierungstätigkeit.

Als Friedrich III. 41jährig aus dem Krieg gegen Frankreich zurückkehrte befand er sich im besten Alter um die anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen. Doch 17 Jahre des Wartens auf die Übernahme der Regierungsgeschäfte zermürbten den Kronprinzen zusehends.

1887 stellte ein Ärztegremium beim Kronprinzen Kehlkopfkrebs fest. Der unwürdige Ärztestreit, der danach um die Krankheit des Kronprinzen ausbrach, wurde sowohl durch das geringe Wissen über die Krankheit als auch durch die Kronprinzessin provoziert. Nachdem Victoria darüber klarwurde, dass die Krankheit einen tödlichen Verlauf nehmen würde, kam es ihr in ihrer tiefen Zuneigung zuerst darauf an, Friedrich III. zu einem würdigen Tod zu verhelfen. Der britische Kehlkopfspezialist Dr. Morell Mackenzie durchschaute die Absicht Victorias, vielleicht spielten die beiden auch ein abgekartetes Spiel. Nachdem zunächst eine möglicherweise lebensrettende Operation verhindert wurde, fand schliesslich in einem Hotelzimmer in San Remo unter unglaublichen Begleitumständen doch noch eine Operation statt.

In dieser Situation starb 9.März 1888 sein Vater Wilhelm I. Zwar konnte Friedrich III. noch nach Berlin zurückkehren und die Regierung formell übernehmen, doch seine Absichten zerrannen
in der Anerkennung der Bismarckschen Politik, die zu ändern Friedrich III. nicht mehr die Kraft aufbrachte. In der Praxis übte Friedrich III. bei seinem Amtsantritt bereits von tödlicher Krankheit gezeichnet keine Regierungstätigkeit aus.

Kaiser Friedrich III. starb am 15. Juni 1888 Im Neuen Palais in Potsdam.
Sein Sohn sorgte für Mißklang beim Ableben des Kaisers, als er das Schloss von Truppen umstellen und durchsuchen ließ, um der Entfernung von Dokumenten nach England durch seine Mutter vorzubeugen.

Das Schicksal Friedrichs III. verband sich indirekt auf tragische Weise mit der Existenz des zweiten deutschen Kaiserreichs; auf jeden Fall entwickelte sich Deutschland aufgrund des frühen Tods Friedrich III. in eine Richtung, die eine Liberalisierung Deutschlands - die durch die freiheitliche Gesinnung den zweiten Hohenzollernkaisers möglich gewesen wäre - ausschloss und eine weitere Modernisierung des Landes verhinderte.

Dass diese Regierungszeit nur 99 Tage währen sollte, gehört zu den Unglücksfällen der deutschen Geschichte.

__________________________________________________ ______________

Im Bildanhang seht ihr Jäger 98 - 2 Mark 1888 - mit einer Auflage von 500.000 erst nach dem Tod des Kaisers geprägt.
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	J98-1000.jpg
Hits:	349
Größe:	105,4 KB
ID:	7063  
siepie ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06-05-2005, 14:19   #2 (permalink)
 
Es ist wirklich erstaunlich, daß man gelegentlich immer wieder Details aus der Geschichte erfährt, über die man sooo genau nicht informiert war. Toller Beitrag, herzlichen Dank!
corrado26
corrado26 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06-05-2005, 19:10   #3 (permalink)
 
corrado26 & siepie

Auch wenn nicht so viel Feedback eintrudelt, ich könnt Euch sicher sein, dass die schweigende Mehrheit Eure interessanten Beiträge (inklusive den Münzbildern) nicht nur liest, sondern auch sehr zu schätzen weiß...

Alexander
alex11 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06-05-2005, 19:20   #4 (permalink)
 
Ja, genau
jeggy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06-05-2005, 19:24   #5 (permalink)
 
Da kann ich nur voll zustimmen und meinen für beide ausdrücken. Ich freue mich immer, wenn ich so einen Beitrag entdecke.

corrado26 & siepie

Auch wenn nicht so viel Feedback eintrudelt, ich könnt Euch sicher sein, dass die schweigende Mehrheit Eure interessanten Beiträge (inklusive den Münzbildern) nicht nur liest, sondern auch sehr zu schätzen weiß...

Alexander
Razorback ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06-05-2005, 20:52   #6 (permalink)
 
corrado26 & siepie

Auch wenn nicht so viel Feedback eintrudelt, ich könnt Euch sicher sein, dass die schweigende Mehrheit Eure interessanten Beiträge (inklusive den Münzbildern) nicht nur liest, sondern auch sehr zu schätzen weiß...

Alexander
..........
Raphael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10-05-2005, 19:41   #7 (permalink)
 
Der Text ist sehr interressant.
tomfest ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10-05-2005, 20:10   #8 (permalink)
 
Thumbs up

Da kann ich nur voll zustimmen und meinen für beide ausdrücken. Ich freue mich immer, wenn ich so einen Beitrag entdecke.

Geht mir genauso. Ist einfach schön, so etwas Geschichte für Zwischendurch. Sehr kurzweilig!!
AndreasS ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11-05-2005, 09:34   #9 (permalink)
 
Vielen Dank für diesen interessanten Artikel ! Ich finde, die darin enthaltenen Informationen sind ganz wichtig um die weitere geschichtliche Entwicklung des deutschen (Kaiser-)Reiches zu verstehen. Eine sehr informative Seite zu diesen Themen ist auch:

http://www.deutsche-kaiserreich.de/

Gruß, Q.
Queequeg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14-09-2005, 16:18   #10 (permalink)
 
Für mich als Newcomerin sind solche Abhandlungen von ganz besonderem Interesse.Sich ein Buch zur Information zu suchen ist viel mühsamer. Ganz herzlichen Dank für die große Mühe, die damit verbunden war und die interessante "Geschichtsstunde".
regibert ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16-01-2006, 20:02   #11 (permalink)
 
Guten Abend,

anbei ein Bild Friedrich III. im Feldzug von 1870.
Ich hoffe es gefällt.

Gruß,
Don
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	Friedrich III. 1870.gif
Hits:	168
Größe:	370,8 KB
ID:	12755  
Don_Carleone ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17-01-2006, 10:27   #12 (permalink)
 
Hallo Don,

da steht er nun in voller Pracht, energisch und voller Zuversicht in die Zukunft schauend. Wenn man bedenkt, welches Schicksal ihn wenige Jahre später ereilt hat....
B555andi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17-01-2006, 12:36   #13 (permalink)
 
...........aber warum die damals immer so ein ungepflegtes Sauerkraut um den Mund haben mussten, kann ich nicht nachvollziehen, das war doch nur unhygienisch und ekelhaft.
Gruß
corrado26
corrado26 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17-01-2006, 13:00   #14 (permalink)
 
Übrigens sind an seiner Uniform der Orden vom schwarzen Adler, das Großkreuz des eisernen Kreuzes, das EK I und EK II zu sehen.
Nicht zu vergessen, das Pour le Merité.

Gruß,
Don
Don_Carleone ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17-01-2006, 13:05   #15 (permalink)
 
...........aber warum die damals immer so ein ungepflegtes Sauerkraut um den Mund haben mussten, kann ich nicht nachvollziehen, das war doch nur unhygienisch und ekelhaft.
Gruß
corrado26

Ich weiss ja nicht, ob Dein Benutzerbild Dich tatsächlich zeigt, aber Sauerkraut zeigt es jedenfalls auch...

Meine Erklärung dafür wäre im übrigen, dass das normale Volk sich damals Servietten nicht leisten konnte und deshalb auf Bärte zurückgriff, die ja kostenlos wachsen. Friedrich III. war vielleicht einfach nur bürgernah.

Gruß Razorback
Razorback ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17-01-2006, 14:00   #16 (permalink)
 
Don_Carleone schrieb:
Übrigens sind an seiner Uniform der Orden vom schwarzen Adler, das Großkreuz des eisernen Kreuzes, das EK I und EK II zu sehen.
Nicht zu vergessen, das Pour le Merité.
...und alle Auszeichnungen durch heldenhaften Kampf, Auge in Auge mit dem Feind, erworben.....
B555andi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17-01-2006, 14:56   #17 (permalink)
 
Ich weiss ja nicht, ob Dein Benutzerbild Dich tatsächlich zeigt, aber Sauerkraut zeigt es jedenfalls auch...

Meine Erklärung dafür wäre im übrigen, dass das normale Volk sich damals Servietten nicht leisten konnte und deshalb auf Bärte zurückgriff, die ja kostenlos wachsen. Friedrich III. war vielleicht einfach nur bürgernah.

Gruß Razorback
Doch, das bin ich, aber mein Bart ist maximal 5mm lang, mit so einer Pennermatte würde mich meine Frau umgehendst rausschmeißen.

Im übrigen waren alle Prinzen aus preußisch kgl. Hause sozusagen von Geburt an Inhaber des Ordens Pour le Merite, (nicht "das Pour le Merite, wenn schon, dann "der"). Hat also mit Tapferkeit nicht das geringste zu tun. Die Eisernen Kreuze gab es dann für ihn 1866. Da war er Oberkommandierender der II. Armee und erzielte mit dem Sieg in der Schlacht bei Königgrätz große Popularität, wofür er als Prinz und Kommandierender General einer Armee nicht nur EK I und EK II erhielt, sondern auch das zugehörige Großkreuz.
Gruß
corrado26
corrado26 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07-04-2008, 14:17   #18 (permalink)
 
Der Beitrag ist sehr interessant, vielen Dank dafür!

Anmerken möchte ich noch, dass in einigen Kreisen die Kaiserin für den Tod ihres Gatten verantwortlich gemacht wurde, weil sie sich (ungeachtet des Widerspruchs deutscher Ärzte) einen engl. Arzt zur Rate sog, der nach Meinung einiger die vielleicht lebensrettende Operation verhindert hat.
Victoria musste es zudem ertragen, dass nach dem Tod Friedrichs ihr Sohn (Wilhelm II.) bereits in jungen Jahren jene Machtposition inne hatte, welche ihre und die ihres Mannes hätte sein sollen. Nach dem Tod Friedrichs blieb sie ohne offizielle Aufgabe zurück. Wilhelm II. und Victoria sollen sich nie gut verstanden haben. Von ihrem Sohn, dem Kaiser, faktisch ignoriert, ist "Kaiserin Friedrich" am 05.08.1901 gestorben.
Mitch01 ist offline   Mit Zitat antworten