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Münzen & Geschichte Münzwesen, geschichtliche Beiträge über Personen, Ereignisse im Zusammenhang mit Münzen

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Alt 20-05-2010, 13:30   #1 (permalink)
 
Numismatische Nachrichten von 1878

In einer alten Zeitschrift wurden reglmäßig aktuelle Nachrichten über das Geldwesen veröffentlicht. Dabei ging es nicht nur um Neuigkeiten sondern auch um Warnungen vor Falschgeld. So informierte man die Angelstellten von "Contor und Bureau" im Mai 1878:

Einziehung der Zwei-Thalerstücke.
Die Zwei-Thalerstücke sind zwar längst ausser Kurs gesetzt, doch tauchen noch immer hier und da Exemplare davon auf, die vielleicht in Sparbüchsen, Kästchen und Truhen bisher ein sorglich behütetes Dasein führten und ihr solides Aussehen halber als Spar- und Nothpfennige beliebt waren. Für diejenigen unsrer Leser, die solche Stücke noch haben, oder in den Besitz derselben gelangen sollten, diene zur Notiz, das Zwei-Thalerstücke von den Affiniranstalten nur noch zum festen Kurse von 5 Mark und 28 Pfennige angenommen werden.

Vorsicht!
Wie die Frösche nach dem Regen, so zahlreich tauchen jezt falsche Einthalerstücke namentlich bei den Sparkassen und öffentlichen Kassen grosser Städte, vor allem Berlin´s, auf. Es vergeht fast kein Tag, wo nicht falsche Stücke präsentiert werden. Es ist aber wohl nicht anzunehmen, dass dies sämtlich neue Fälschungen sind, vielmehr ist die Erscheinung daraus zu erklären, dass nun, wo die völlige Einziehung der Einthalerstücke nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, große Mengen, die gleich den obenerwähnten Zweithalerstücken als Spar- und Nothpfennige, Pathentaler usw. sorglich aufgehoben wurden und worunter dann viele falsche sind, von den Besitzern jetzt ausgegeben werden, um nach den Hauptstädten zu wandern, wo sie sich bis zur Einziehung herumtreiben. Es ist also namentlich unseren verehrten Lesern in grossen Städten grösste Vorsicht bei Annahme von Thalern zu empfehlen. Die Unechtheit verräth sich meist schon durch den Klang und ein schlechtes Gepräge.

Geldschränke, Tresore von minderwertiger Arbeit
Die Geldschrankindustrie beginnt leider auch schon erschreckend faule Früchte des ärgsten Schwindels zu zeitigen und das interressirte Publikum kann nicht genug darauf hingewiesen werden, dass der Ankauf eines theuern Objekts mit der allergrößten Vorsicht zu betreiben ist. Auf welche betrügerische Weise die Fabrikation eiserner Geldschränke von mancher Seite betrieben wird, zeigten einige Exemplare, die man einer altrenommierten Firma in B. zur Reperatur übergeben hatte. Diese als "feuerfest und diebessicher" erkauften Geldschränke zeigten bei höchst mangelhafter Konstruktion im Allgemeinen als "Fülung" zwischen den dünnen Platten der Wände, in dem einem Falle Sand, beim anderen Schranke ein Gemisch von Steinkohlenasche, Steinen, Sägespänen, Nägeln, Knochen, mit einem Worte "Kehricht", wodurch , da alle genannten Substanzen die Wärme leiten, die Feuersicherheit völlig illusorisch wird. Als Beweis dafür diene die Anführung der Thatsache, dass die Füllung der einen Thür, die man auf eine Blechplatte gebreitet hatte und über Feuer hielt, schon nach wenigen Minuten hell brannte! Gwissenlose Fabrikannten haben aber für solche Füllungen eine besondere Vorliebe, denn erstens kosten sie nichts und zweitens machen sie den Schrank hübsch schwer, worauf es leichtgläubigen Käufern oft zumeist an kommt. Gleich betrügerisch wie die Wände erwies sich auch die Construktion der Schlösser an jenen Geldschränken: die Schlüssel zeigten das Brahama-Chub-System, während das Schloss ganz abweichend eingerichtet war. Doch nach Aussage von Kennern derartiger Schwindel schon sehr häufig beobachtet worden ist, so empfehlen wir jedem unsrer Leser, der mit Anschaffung eines so hochwichtigen Möbels umgeht, an sich unbedingt genügende Garantieen zu verschaffen, auf dass er nicht mit werthlosen Stücke Eisen betrogen werde.

Eine totale Pleite
Eine so zu sagen "radikale Pleite" wies die Aktienbrauerei in Sagen auf, in deren Kasse sich, als der Konkurs eröffnet wurde, 1 Mark und 90 Pfennig als Baarbestand befanden! Fürwahr selbst für unsere Zeiten ein warhaft starkes Stück!


Ja ja, die Nachrichten von damals verblüffen uns schon, oder doch nicht? Ich denke, vieles kommt uns da doch sehr bekannt vor.

epareiner
epareiner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20-05-2010, 14:20   #2 (permalink)
 
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Fürwahr selbst für unsere Zeiten ein warhaft starkes Stück!


Ja ja, die Nachrichten von damals verblüffen uns schon, oder doch nicht? Ich denke, vieles kommt uns da doch sehr bekannt vor.

epareiner
Hallo eparainer,

ja, die Altvorderen waren auch nicht besser als wir ! Vielen Dank für diesen amüsanten Auszug aus dem Alltag im wilhelminischen Deutschland.
Kronerogøre ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 20-05-2010, 21:26   #3 (permalink)
 
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Hallo eparainer,

ja, die Altvorderen waren auch nicht besser als wir ! Vielen Dank für diesen amüsanten Auszug aus dem Alltag im wilhelminischen Deutschland.
Dem kann ich mich nur anschließen, schöner Beitrag!
ecto1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26-06-2010, 14:47   #4 (permalink)
 
In der neuesten Ausgabe von moneytrend wird Henzes Zeitschrift übrigens in einem - viel zu kurzen - Artikel behandelt. u.a. wird die 1878 ergangene Warnung vor " erleichterten " Zwanzigmarkstücken erwähnt, denen man durch " Beschneiden am Rand " bis zu 80 Pfennig ihres Wertes abgezwackt hatte.
Kronerogøre ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 27-06-2010, 01:14   #5 (permalink)
 
Vielen Dank für den Hinweis.

Dort wird allerdings von der Zeitschrift "Illustrierter Anzeiger für Contor und Bureau" berichtet dem "Nachfolger" von "Illustrierter Anzeiger über gefälschtes Papiergeld und unächte Münzen". Beide Blätter gab Henze heraus.

Ich werde dieses Serie hier fortsetzen mit einem Bericht aus der Zeitung von 1868 "Preussische Goldmünzen (Friedrichsd`or 1751, 1756, 1809 und 1831) und wieder einige Fälschungsgeschichten bei dem A. Henze als Sachverständiger vor Gericht beiwohnte.

Ja richtig, der Artikel ist nicht gerade lang und ausführlich aber interessant.

Gruß epareiner
epareiner ist offline   Mit Zitat antworten
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