hier möchte ich wieder einmal ein Stück vorstellen, an dem ich herumbeisse und es nicht so recht auflösen kann.
Die Münze ist ein halber Ecu Ludwigs XV. von 1727, geprägt in Straßburg. Mittig im Portrait sitzt ein Gegenstempel, und ich komme bisher nicht dahinter woher er stammt. Man erkennt eindeutig einen Arm, der ein Schwert hält und drei Sterne in einer wappenartigen Einfassung. Der Gegenstempel sieht noch weitaus besser aus als die Münze selbst, daher vermute ich er dürfte etwas jünger sein als diese.
Hat bitte jemand einen Tip für mich, woher er stammt? Ich wäre für jeglichen Hinweis dankbar.
Einen gebeugten Arm mit Schwert habe ich nur bei den Münzmeistern Gregor Emisch 1566-1569 und Leonard Emisch 1586-1606 aus Schlesien gefunden. Na ja, jetzt fehlt nur die Zeitmaschine
1671-74 verwendete auch Hans Ridder in Wismar ein ähnliches Münzmeisterzeichen, ist leider aber auch noch zu früh. Das Symbol selbst findet sich auf diversen Wappen quer dúrch Europa, was die Suche ziemlich erschwert.
Schlesien wäre allerdings toll, da habe ich das Stück her.
im Wappen "Markt Wallersdorf" (Gemeinde Wallersdorf) ist so ein ähnliches Schwert zwischen drei Sternen vorhanden. Der Ursprung dieses Wappens sollen die "Lords of Riccabona auf Reichenfels sein". (Suchmaschine Wallersdorf oder Markt Wallersdorf eingeben).
Ansonsten habe ich bei meiner Internetsuche nichts weiteres gefunden.
Frage: Gibt es eine Aufstellung der verschiedenen Gegenstempel im Internet ?
Das würde die Suche erleichtern. Für Wappen existieren verschiedene brauchbare Internetseiten.
Bei genauerer Betrachtung tun sich neue Fragen auf. Wallersdorf hat das Wappen 1954 übernommen, um den Bischof Riccabona von Passau damit zu ehren. Als dieser 1826 Bischof wurde, gab es bereits kein selbständiges Bistum und auch keine Passauer Münzen mehr. Die Edlen von Riccabona auf Reichenfels waren kleiner Landadel ohne Souveränität, die Eltern des Bischofs laut Wikipedia Gutsbesitzer in der damaligen Grafschaft Tirol.
Wenn es sich hierbei um das Wappen der Riccabona handelt, könnte der Gegenstempel eigentlich nur eine Sammlerpunze sein. Das wäre schade, aber wie es aussieht nicht unwahrscheinlich.
Gegen eine Sammlerpunze spricht allerdings meiner Meinung nach, daß der Stempel recht kräftig ohne Rücksicht auf das Münzbild draufgeklopft wurde. Das ist typisch für eine Gegenstempelung, um die Münze für gültig zu erklären.
Der Riccabona-Spur gehe ich jedenfalls mal nach. Am WE treffe ich u.a. Sammlerkollegen aus Tirol, vielleicht wissen die hierzu mehr.
Fast hätte ich ihn gehabt... Ein Sammlerkollege hat in einem Auktionskatalog den gleichen Gegenstempel auf einem russischen Rubel von 1736 entdeckt (Hirsch Nachfolger Auktion 227 Mai 2003, Los-Nr. 1813). Leider ist dem Auktionshaus die Herkunft des Gegenstempels nicht bekannt.