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20 Jahre Euro – Jubiläum einer Krisenwährung

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von numisfreund, 12. Januar 2019.

  1. numisfreund

    numisfreund Moderator Mitarbeiter

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    Folgenden Artikel entdeckte ich bei EURAKTIV.de.

    Hinter das Wort "Krisenwährung" in der Überschrift stelle ich mal in Gedanken ein Fragezeichen. Da ich diesen Text sehr informativ finde, habe ich ihn mal aus genannter Quelle hierhin kopiert. Vielleicht möchten sich ja einige von euch dazu äußern.

    20 Jahre Euro – Jubiläum einer Krisenwährung
    Von: Steffen Stierle | EURACTIV.de
    7. Jan. 2019

    [​IMG]
    Euro-Symbol vor der Zentralbank in Frankfurt. [
    shutterstock/canadastock]

    Am 1. Januar jährte sich die Euro-Einführung zum zwanzigsten Mal. Wurde die Gemeinschaftswährung damals vielerorts enthusiastisch gefeiert, ist mittlerweile Ernüchterung eingekehrt.

    Denn in den beiden zurückliegenden Dekaden hat sich gezeigt, mit welchen Schwierigkeiten ein Währungsverbund zu kämpfen hat, der solch unterschiedliche Volkswirtschaften aneinanderbindet, wie der Euro. Auch vor seiner Einführung gab es in der EU währungspolitische Kooperation. Etwa durch das Europäische Währungssystem (EWS), das die Währungen zwar aneinanderband, zugleich aber Spielräume für politisch beschlossene Auf- und Abwertungen ließ. Von dieser Möglichkeit wurde viel Gebrauch gemacht, so konnten die wirtschaftlichen Ungleichgewichte einigermaßen ausgeglichen werden.

    Damit war vor zwanzig Jahren für elf Länder Schluss. Die Gründungsmitglieder der Eurozone führten die Gemeinschaftswährung als „Buchgeld“ ein. Die Europäische Zentralbank nahm ihre Arbeit auf. Scheine und Münzen kamen drei Jahre später hinzu. Seither sind sieben weitere Länder beigetreten. Zuletzt Lettland (2014) und Litauen (2015).

    Die zweitwichtigste Währung der Welt

    In seiner noch jungen Geschichte hat sich der Euro schnell zur zweitwichtigsten Währung der Welt gemausert. Heute ist er die Währung von 340 Millionen Europäern und 175 Millionen weiteren Menschen rund um den Globus. Rund 60 Länder nutzten den Euro als offizielles Zahlungsmittel oder haben ihre Währung an ihn gekoppelt. 19,9 Prozent der globalen Währungsreserven werden in Euro gehalten – Platz zwei hinter dem US-Dollar, der allerdings mit 63,8 Prozent weit vorne liegt.

    „Die einheitliche Währung gehört zu den größten Erfolgsgeschichten Europas, an ihrer Bedeutung und Tragweite in den ersten zwanzig Jahren ihres Bestehens kann es keinen Zweifel geben“, sagte der heutige Eurogruppen-Chef Mario Centeno anlässlich des Jubiläums. Das nächste Kapitel dieser Geschichte müsse jedoch noch geschrieben werden, so der portugiesische Finanzminister weiter.

    Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker blickte anlässlich des Jubiläums auf die Zeit der Euro-Einführung zurück: „Als einziger noch politisch aktiver Unterzeichner des Vertrags von Maastricht erinnere ich mich an die zähen, doch wegweisenden Verhandlungen über die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion. Insbesondere erinnere ich mich an unsere tiefe Überzeugung, dass wir ein neues Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte aufschlagen würden – ein richtungsweisendes Kapitel für die Rolle Europas in der Welt und die Zukunft all seiner Bürger. Nach zwanzig Jahren bin ich heute davon überzeugt, dass dies die wichtigste Unterschrift meines Lebens war.“

    Ungleichgewichte in der Eurozone

    Doch während der Euro als globale Währung im Verlauf der letzten 20 Jahre immer bedeutender wurde, sind im Inneren enorme wirtschaftliche Ungleichgewichte zutage getreten. Nach dem Wegfall der Abwertungsoption sind die Unterschiede in Wirtschaftsstruktur und Wettbewerbsfähigkeit voll durchgeschlagen. Immer weiter liefen Überschüsse und Defizite auseinander. Immer größer wurden die Widersprüche zwischen Export- und Binnenmarktökonomien. Immer weiter stiegen die Schuldenstände der Defizitländer. Spätestens als 2010 das erste Rettungspaket für Griechenland geschnürt wurde war klar: Der Euro steckt in der Krise.

    In den folgenden Jahren sah es nicht immer so aus, als würde die Währungsunion die turbulenten Zeiten überleben. Doch sie erwies sich als zäh. Zahlreiche milliardenschwere Rettungspakete wurden gepackt, Institutionen wir der Rettungsschirm ESM wurden aus dem Boden gestampft, die EZB senkte den Leitzins auf null und pumpte Monat für Monat neue Milliarden in die Märkte um selbige zu stabilisieren. Banken wurden gestützt und wirtschaftliche Anpassungsprogramme wurden aufgelegt. 2018 war das Jahr, in dem der Euro wieder in ruhigere Fahrwasser gelangte. Das letzte Rettungspaket ist ausgelaufen und die EZB hat die Trendwende zur Normalität eingeleitet. Kein einziges Mitgliedsland hat den Euro verlassen.

    Doch überwunden sind die Probleme noch lange nicht. Die sozialen Kosten der Rettungspakete in Ländern wie Griechenland und Portugal waren enorm. Die Zustimmungswerte zur Euro-Mitgliedschaft haben mancherorts historische Tiefstände erreicht. Euro-kritische Parteien sind im Aufwind. Noch immer laufen die geldpolitischen Interessen zwischen süd- und nordeuropäischen Euroländern konträr. Im Euro-Finanzmarkt schlummert weiterhin ein riesiger Berg fauler Kredite. Die Schuldenberge einiger Mitgliedsstaaten sind weiterhin groß. Wie stabil der Euro ohne die stützenden Maßnahmen der EZB ist, muss sich erst noch zeigen.

    Die große Reform ist ausgeblieben

    Vielfach wurde daher angemahnt, die gegenwärtige Ruhe für grundlegende Reformen zu nutzen. Zahlreiche Ideen hierfür wurden debattiert. Die EU-Kommission schlug eine
    Stabilisierungsfunktionund die Überführung des Fiskalpaktes in die EU-Verträge vor. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lancierte die Idee eines Euro-Finanzministers und eines Euro-Budgets. Die deutsche Bundesregierung forderte mehr Haushaltsdisziplin, eine strengere Überwachung der Defizitländer und eine Reduzierung der Risiken im Finanzsektor. Italien pocht derweil auf mehr gemeinsame Haftung, etwa bei der Einlagensicherung und der Abwicklung maroder Banken.

    Doch die verschiedenen Vorschläge sind so konträr wie die Interessen der Protagonisten. Entsprechend zäh verliefen die Verhandlungen in der Eurogruppe. Der große Wurf blieb am Ende aus. Für viele Beobachter war es überraschend, dass man sich Ende 2018 überhaupt
    auf eine Reform verständigen konnte, wenn auch nur auf eine kleine. So wird es wohl einen begrenzten Backstop geben, der die Bankenunion stärkt. Außerdem erhält der Rettungsfonds ESM zusätzliche Befugnisse. Mehr sei mit Berlin nicht zu machen gewesen, kritisieren viele Regierungsvertreter anderer Euroländer.

    „Wir sind nicht zufrieden“, machte etwa Spaniens Premierminister Pedro Sánchez nach dem Euro-Gipfel im Dezember deutlich. Die Entscheidungen gingen zwar „in die richtige Richtung“, seien aber „unvollständig und nicht ausreichend“. Ähnlich äußerte sich auch Juncker: „Ich habe den Eindruck, dass wir vorankommen – aber nicht schnell genug“, sagte der Luxemburger.

    So dürfte es kaum jemanden überraschen, wenn die Eurokrise in den nächsten Jahren erneut um sich greift. Denkbare Ausgangspunkte gibt es genug. Ob die europäische Gemeinschaftswährung zwanzig weitere Jahre überstehen wird, ist ungewiss.


    Quelle und weitere Informationen: 20 Jahre Euro – Jubiläum einer Krisenwährung
     
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  2. numisfreund

    numisfreund Moderator Mitarbeiter

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    Der Euro wird 20: Währungsunion immer noch unvollendet

    Von: Beatriz Rios | EURACTIV.com | translated by Tim Steins
    18. Jan. 2019 (aktualisiert: 9:56)

    Der Euro wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Die Chefs der wichtigsten EU-Institutionen rufen daher die Mitgliedsstaaten auf, die Reformen der Wirtschafts- und Währungsunion endlich abzuschließen. Sie räumten außerdem ein, dass bei der Bewältigung der Schuldenkrise in der Eurozone Fehler gemacht wurden.

    Europäische Führungspersönlichkeiten trafen sich am Dienstag in Straßburg, um die Einführung der gemeinsamen Währung am 1. Januar 1999 zu feiern. Zwei Jahrzehnte später nutzen mehr als 337 Millionen EU-Bürger in 19 Ländern den Euro täglich.

    „Der Euro ist das deutlichste Zeichen für die europäische Integration, das unsere Bürger tagtäglich erleben,“ sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank.

    „Als wir den Prozess zur Einführung der gemeinsamen Währung einleiteten, wurde uns gesagt, wir seien verrückt,“ erinnerte sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Der Luxemburger fügte hinzu: „Heute hören wir so etwas seltener.“

    Immer wieder schwere Zeiten

    Juncker war einer der Architekten des Euro gewesen. Er leitete auch die Treffen der Finanzminister der Eurogruppe während der Finanzkrise. Diese hatte um ein Haar zum Ende der Währung geführt.

    Die griechische Schuldenkrise war sicherlich das deutlichste Symbol für die Schwierigkeiten, denen der Euro über die Jahren hinweg gegenüber stand. Griechenland beendete sein drittes Anpassungsprogramm erst im vergangenen Sommer und schloss damit das wahrscheinlich schmerzhafteste Kapitel in der jungen Geschichte der Gemeinschaftswährung.

    Juncker räumte ein, dass während der Schuldenkrise Fehler gemacht wurden und dass gerade die griechischen Bürger dafür einen hohen Preis zahlen. „Es gab rücksichtslose Strenge,“ so Juncker. „Wir waren nicht solidarisch genug mit Griechenland. Wir hätten mehr tun sollen, was die Koordinierung der unterschiedlichen Wirtschaftspolitiken betrifft, einschließlich der Haushalts- und sogar der Steuerpolitik.“

    Dementsprechend betonte der Kommissionspräsident: „Wir müssen diese Debatte [um die Vollendung der Währungsunion], die für die weitere Arbeit von wesentlicher Bedeutung ist, wieder in Gang bringen.“

    Auch die Finanzkrise von 2008 hat deutlich gemacht, dass die EU nicht bereit war, auf größere wirtschaftliche Schocks zu reagieren. Sie zeigte jedoch auch, dass das Euro-Projekt widerstandsfähig genug war, um zu überleben, erklärten die EU-Führer und forderten als Schlussfolgerung die Vollendung der Währungsunion.

    „Es gibt immer noch Probleme, die angegangen werden müssen“, sagte der Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani. Er rief die Staats- und Regierungschefs der EU auf, „Verantwortung dafür zu übernehmen, dass dieser Prozess des Wandels unverzüglich eingeleitet wird. Er ist für die Stärkung des Euro absolut erforderlich.“

    Macrons Projekt: Reform der Eurozone

    Als Emmanuel Macron 2017 die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewann, war eines seiner Hauptziele die Reform der Eurozone. Zu seinen Hauptideen gehörten die Schaffung eines gemeinsamen Finanzministers für den Euroraum sowie eines vollwertigen Haushalts für die 19 Länder, die die einheitliche Währung teilen. Dadurch sollten wirtschaftliche Schocks besser abgefedert werden können.

    Die Vorschläge von Macron wurden von vielen Euro-Fans unterstützt, darunter Jean-Claude Trichet, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, der gestern ebenfalls vor dem EU-Parlament sprach.

    Der Vorschlag für eine politisch stärker integrierte Eurozone fand jedoch im EU-Ministerrat nicht genügend Unterstützung. Der angedachte Haushalt wurde zu einem reinen Investitionsinstrument degradiert.

    Geht es jetzt aufwärts?

    Der derzeitige Präsident der EZB, Mario Draghi, kennt die Schwierigkeiten nur zu gut. Vor sieben Jahren, mitten in der Schuldenkrise, machte er die wohl berühmteste Aussage im Zusammenhang mit der Gemeinschaftswährung: „Die EZB ist bereit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“

    Tatsächlich hat der Euro die Schuldenkrise und wirtschaftliche Rezessionen überstanden – aber nicht ohne Spätfolgen. Die Menschen in Mitgliedsstaaten wie Griechenland, Italien oder Spanien leiden immer noch unter den Auswirkungen der Krise und der von ihrer Regierung durchgeführten Strukturreformen.

    Als die europäische Wirtschaft wieder Wachstum verzeichnete, lobte Draghi damals den Europäischen Rat dafür, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben: „Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben alle Staats- und Regierungschefs der 28 europäischen Länder, einschließlich Großbritanniens, deutlich gesagt, dass der einzige Weg aus dieser Krise darin besteht, mehr Europa und nicht weniger Europa zu haben,“ betonte er.

    Sieben Jahre später steht das Vereinigte Königreich hingegen kurz vor seinem Austritt aus der Union, und die Mitgliedsstaaten werden immer zögerlicher, sich für eine stärkere Integration einzusetzen.

    Dennoch glaubt Draghi an gemeinsame Antworten und forderte die Mitgliedsstaaten diese Woche auf, wieder gemeinschaftlich zu handeln: „Heute sind die meisten Herausforderungen global. Sie können nur gemeinsam angegangen werden,“ sagte der EZB-Präsident. „Unsere Pflicht ist es, das zu vollenden, was vor zwei Jahrzehnten begonnen wurde,“ so Draghi weiter.

    Roberto Gualtieri, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Währung im Europäischen Parlament, forderte ebenfalls: „Wenn wir unsere ehrgeizigen Ziele erreichen wollen, reicht Widerstandsfähigkeit allein nicht aus. Wir müssen unsere gemeinsame Währung durch eine stabile, demokratische, wirtschaftliche und soziale Union untermauern.“ Er schloss: „Der Euro ist eine Reise. Und es ist an der Zeit, voranzukommen.“


    Quelle: Der Euro wird 20: Währungsunion immer noch unvollendet
     
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  3. lorry62

    lorry62

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    Interessante Artikel - allerdings glaube ich nicht, dass der Euro "platzt". Eine solche Blamage können sich Europas Politiker schlicht nicht leisten, koste es was es wolle...

    Im übrigen ist der Euro als solches m.M. besser als sein Ruf. Das Hauptproblem lag darin, dass zu viele Länder zu früh den Euro eingeführt haben. Die Konvergenzkriterien waren (und sind) schlicht zu weich. Vielleicht lernt die EU daraus, wenn es um zukünftige Euro-Einführungen geht.
    Aktuell scheinen Kroatien und oder Bulgarien die nächsten Kandidaten zu sein

    Gibt es aktuell realistische Euro-Anwärter? Teil 2


    Stellt sich die Frage, ob die Länder wirklich stark genug dafür sind - ich fürchte nein.
     
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