Baden: Kronentaler 1836 / Anzahl Varianten

B555andi

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Ich beschäftige mich momentan etwas ausführlicher mit der Prägung von Kronentalern unter Großherzog Leopold. Diese wurden von 1830 bis 1837 in verschiedenen Varianten geprägt.

Zwar fassen die Kataloge von Jaeger und Kahnt die ganzen Varianten unter einer Nummer zusammen, der Große Deutsche Münzkatalog (AKS) und Friedrich Wielandt (Badische Münz- und Geldgeschichte - DIE Bibel für Badensammler) führen die einzelnen Varianten, wenn auch in unterschiedlicher Systematik, auf. Der Wielandt vergibt für jeden Jahrgang eine fortlaufende Nummer und gliedert dann nach Varianten auf. Der AKS unterscheidet die Varianten (6 Stück) und benennt die einzelnen Prägejahre.

Die Hauptunterscheidungsmerkmale sind
- Punkt hinter Baden ja/nein
- Stern unter Jahreszahl ja/nein
- Schriftzug KRONEN THALER mit oder ohne Trennstrich

Jetzt kommen wir zum Jahrgang 1836.

Die Hauptvariante nach Wielandt (Nr. 929) besitzt einen Punkt nach Baden, keinen Stern unter der Jahreszahl und einen Trennstrich, also KRONEN-THALER. Die entsprechende AKS Nummer ist die 81 (diese Variante kommt 1834 und 1836 vor).

Eine Untervariante ist unter Wielandt 929a verzeichnet (AKS 82). Auch hier findet sich der Punkt nach Baden, jedoch kein Stern unter der Jahreszahl. Im Unterschied jedoch ist kein Trennstrich zu sehen und die "6" in der Jahreszahl ist übergroß. Diesen Typ hatte ich hier vorgestellt.

Weitere Varianten sind weder im Wielandt noch im AKS verzeichnet.

Und nun beginnt das Mysterium...;)

Beim Durchsuchen von Auktionsergebnissen bin ich auf zwei Auktionen gestoßen, in denen ein Kronentaler mit den Merkmalen von AKS 82, jedoch mit einer normal großen "6" in der Jahreszahl angeboten wurde.

Die Auktionen waren:
Künker 180 / 2011 / Los 38 (Kabinett PP; Zuschlag 3.600 EUR)
New York Sale XX / 2009 / Los 765 (BU; Zuschlag 3.355 EUR)

Den Merkmalen nach müsste die Münze eigentlich unter AKS 80 zu finden sein. Hier gibt es jedoch den Jahrgang 1836 nicht (aber eine Lücke zwischen 1833, 1834, 1835 und 1837). Wie gesagt, auch Wielandt erwähnt diese Variante nicht.

Jetzt findet sich bei Wielandt (3. Auflage) jedoch eine Randnotiz unter der Nummer 929: Neuprägung 1912 von poliertem Stempel Slg. Beil 664. Leider äußert sich Wielandt nicht zu den Merkmalen dieser Neuprägung.

Ist dies die Lösung? Handelt es sich bei den beiden Auktionen um Neuprägungen aus dem Jahr 1912? Dazu würde passen, dass beide Münzen in PP bzw. BU vorliegen.

Ist Einer von Euch schon mal über dieses Thema gestolpert und kann sachdienliche Hinweise machen? Oder hat Jemand Zugriff auf ein Verzeichnis der Sammlung Beil?
 

FooFighter

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Hallo Andi,

da ich ja bei meinen sächsischen Münzen auch eine ausgeprägte Varianten-Macke entwickelt habe, hat mich dein Beitrag natürlich auch sehr interessiert. Folgendes ist mir allerdings aufgefallen:

Zum einen ist bei dem von dir in der 180. Künker-Auktion benannten Stück von AKS 79 die Rede. Nun weiß ich nicht, ob der AKS aus dem Jahr 2011 den Jahrgang 1836 tatsächlich unter der Nr. 79 führte. Bei meinen AKS ist die Nr. 79 aber Jahrgang 1832 und 1833.

Zum anderen passt entweder im AKS etwas nicht oder du hast hier ein anderes Stück als AKS 82. Denn bei AKS 82 steht "Vs. wie Nr. 77". Die Nr. 77 jedoch hat keinen Punkt nach Baden, was dein vorgestelltes Stück aber hat.
 

B555andi

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Hallo Rico,

vielen Dank für Deine Antwort - ja, Variantenfetischisten unter sich...;)

Die Zuweisung von Künker ist falsch. Das ist jedoch nichts ungewöhnliches. Die AKS Zitate sind bei vielen Autionen nicht richtig. Manche sortieren alles unter AKS 77 ein...:rolleyes:

Ebenso stimmt der von Dir genannte Verweis im AKS bei der Nummer 82 bezüglich der Vorderseite auf Nummer 77 nicht. Alle 82er haben den Punkt hinter Baden. Im Wielandt ist dies richtig aufgeführt.
 

FooFighter

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Jetzt findet sich bei Wielandt (3. Auflage) jedoch eine Randnotiz unter der Nummer 929: Neuprägung 1912 von poliertem Stempel Slg. Beil 664. Leider äußert sich Wielandt nicht zu den Merkmalen dieser Neuprägung.

Ist dies die Lösung? Handelt es sich bei den beiden Auktionen um Neuprägungen aus dem Jahr 1912?
Noch eine Anmerkung zu den Neuprägungen: Im Kahnt steht bei den Varianten:

1836 mit größerer 6 in der Jahreszahl. PP-Exemplare dieser Variante sind Abschläge aus dem Jahr 1912.

Von daher dürfte dies eben nicht die Lösung sein. Denn die Neuprägungen von 1912 haben somit die große 6 in der Jahreszahl, was auf die Stücke in der Auktion nicht zutrifft.
 

B555andi

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Mir ist allerdings noch kein PP Exemplar der AKS 82 untergekommen.

Im Wielandt ist ja von einer NEUprägung und keiner NACHprägung die Rede. Und da hat man vielleicht den Fehler mit der missratenen 6 korrigiert. Zudem denke ich, dass der Kahnt die Angaben nur übernommen hat. Vermutlich aus dem Jaeger. Den habe ich übrigens gekauft. Sobald er bei mir eingetroffen ist, werde ich das gleich verifizieren.

Ich denke, ich schreibe mal das Badische Landesmuseum an. Die haben neben dem Münzkabinett eine gut sortierte numismatische Bibliothek. Im Verzeichnis der Sammlung Beil müsste sich eine Beschreibung der Neuprägung finden lassen.
 

FooFighter

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So, nun habe ich mal noch den "Stutzmann" gewälzt. Du hast richtig geschrieben, dass bei AKS 80 der Jahrgang 1836 nicht aufgeführt ist, sondern nur 1833, 1834, 1835, 1837. Diese Variante ist im Stutzmann unter der Nummer 85c erfasst. Und dort gibt es keine Lücke, sondern es sind alle Jahrgänge von 1833-1837 aufgeführt. Somit dürfte es sich bei den Auktions-Münzen um St. 85c handeln.

Ich werde Herrn Faßbender vom AKS mal kontaktieren, warum bei Nr. 80 der Jahrgang 1836 fehlt. Vielleicht können wir so das Rätsel lösen.
 

B555andi

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Das wäre prima - da bin ich auf die Antwort gespannt.

Meines Wissens beziehen sich alle Autoren auf das Standardwerk von Friedrich Wielandt. Der war Leiter des Badischen Münzkabinetts und hatte Zugriff auf alle Unterlagen/Akten.
 

B555andi

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Angeregt von Ricos Ausführungen habe ich meinen Kahnt (2. Auflage) hervorgekramt.

Wie bereits geschrieben, fasst der Kahnt die ganzen Kronentaler Leopolds unter der Katalognummer 23 zusammen. In den Anmerkungen ist unter g) zu lesen:

1836 mit größerer 6 in der Jahreszahl (St. 85e). PP-Exemplare dieser Variante sind Abschläge aus dem Jahr 1912 (Wiel. 929a, Anm.).

Also bezieht sich Kahnt auf das Standardwerk von Friedrich Wielandt (Badische Münz- und Geldgeschichte). Den Wortlaut der Anmerkung bei Wielandt zur Nummer 929 hatte ich im ersten Post zitiert. Hier nochmals:

Neuprägung 1912 von poliertem Stempel Slg. Beil 664

Die Gretchenfrage ist, was denn da 1912 neugeprägt wurde. Handelt es sich um die Münze, die bei Künker und New York Sale angeboten wurde? Die Münzen wurden als PP bzw. BU angeboten, würden also die Voraussetzungen der Anmerkungen im Katalog erfüllen. Kleiner Schönheitsfehler: beide Münzen besitzen eine normale und nicht die vergrößerte 6, auf die sich die eigentlich die beiden Anmerkungen beziehen. Hier ein link zum Los der angesprochenen Künker Auktion.

Bei Kahnt steht jedoch, dass es sich um Abschläge der Variante mit größerer 6 handeln müsste. Allerdings habe ich eine Münze mit großer 6 in PP in keiner Auktion finden können. Zum anderen schreibt Wielandt lediglich etwas von Neuprägungen. Und dieser Satz steht bei ihm unter der Nummer 929, muss sich also nicht (wie von Kahnt interpretiert) auf 929a alleine beziehen.

Eine dritte, von Rico ins Gespräch gebrachte Variante bringt die These auf, bei den beiden verauktionierten Münzen könnte es sich um eine Variante (der fehlende Jahrgang in AKS 80) handeln, die von allen Autoren bisher übersehen wurde. Das glaube ich ehrlich gesagt bei dem akribisch arbeitenden Wielandt nicht. Außerdem müsste diese Münze auch in Normalprägung und nicht nur in PP aufgetaucht sein. Ist sie aber nicht.

Nach meiner Interpretation wurden 1912 ganz wenige Stücke des Jahrgangs 1836 neu geprägt. Von wem und zu welchem Zweck beauftragt ist nicht bekannt (geschichtlich gesehen bietet sich da nichts an). Und da man diese wenigen Münzen mit polierten Stempeln, also in einer höchsten Qualität, prägen wollte, hat man diese unschöne 6 korrigiert.

Ich werde versuchen, an ein Verzeichnis bzw. eine Beschreibung dieser von Wielandt zitierten Sammlung Beil heranzukommen. Vielleicht kommen wir so der Lösung ein wenig näher...;)
 

B555andi

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Der Katalog von Kurt Jaeger "Die neueren Münzprägungen der deutschen Staaten vor Einführung der Reichswährung" hilft uns leider nicht weiter. Zumindest nicht die Auflage des Heftes 2 (Anhalt und Baden) aus dem Jahr 1954 nicht.

Als Bearbeiter für Baden wird gleich auf der Umschlagseite Dr. F. Wielandt, Karlsruhe, erwähnt. Und dieser hat für den Katalog eine sehr verkürzte Zusammenfassung seines eigenen Standardwerkes zu Papier gebracht. Also keine neuen Erkenntnisse.
 

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Hier erstmal noch als Ergänzung zur Künker-Auktion der Link zur versteigerten Münze bei The New York Sale XX.

acsearch.info - Auction research

Sind das eigentlich die beiden einzigen bekannten Exemplare bisher?
 

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Die Hauptunterscheidungsmerkmale sind
- Punkt hinter Baden ja/nein
- Stern unter Jahreszahl ja/nein
- Schriftzug KRONEN THALER mit oder ohne Trennstrich
So, da mich nun diese ganze Varianten-Sache doch näher interessiert hat, habe ich mal eine Tabelle erstellt, welcher Jahrgang welche Merkmale aufweist.

Kronentaler Baden.JPG


Dabei ist mir nun erstmal so richtig bewusst geworden, dass AKS 80 und AKS 82 die komplett gleichen Merkmale hat. Von daher stellt sich mir die Frage, wieso es überhaupt der Nr. 82 bedurfte? Den Jahrgang 1836 mit normal großer "6" gibt es ja bei der Nr. 80 sowieso nicht. Und nur weil die letzte Ziffer der Jahreszahl größer ist als bei den anderen Jahrgängen, ist das meiner Meinung nach keine eigene Katalognummer wert.

Von daher hätte es für mich mehr Sinn gemacht, unter Nr. 80 die Jahrgänge von 1833-1837 komplett aufzuführen und lediglich eine Anmerkung zu schreiben: "Jahrgang 1836 mit großer 6 in der Jahreszahl".
 

B555andi

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Dabei ist mir nun erstmal so richtig bewusst geworden, dass AKS 80 und AKS 82 die komplett gleichen Merkmale hat. Von daher stellt sich mir die Frage, wieso es überhaupt der Nr. 82 bedurfte? Den Jahrgang 1836 mit normal großer "6" gibt es ja bei der Nr. 80 sowieso nicht. Und nur weil die letzte Ziffer der Jahreszahl größer ist als bei den anderen Jahrgängen, ist das meiner Meinung nach keine eigene Katalognummer wert.

Von daher hätte es für mich mehr Sinn gemacht, unter Nr. 80 die Jahrgänge von 1833-1837 komplett aufzuführen und lediglich eine Anmerkung zu schreiben: "Jahrgang 1836 mit großer 6 in der Jahreszahl".
Schöne Tabelle - die verdeuchtlicht prima den Variantenwirrwarr...;)

Genau die Idee hatte ich auch - warum hat der AKS eine eigene Katalognummer daraus gemacht?

Für mich entscheidend ist jedoch der Wielandt. Der hat allerdings auch eine andere Systematik. Er fasst keine Varianten zusammen, sondern gliedert streng nach Jahren. Unter Nummer 929 (Kronentaler Jahrgang 1836) wird zunächst die AKS 81 beschrieben. Dann folgt als 929a die AKS 82. Und darunter kommt dann der Hinweis auf die Neuprägungen von 1912.
 

B555andi

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Mit der bei Wielandt zitierten Slg. Beil bin ich einen großen Schritt weitergekommen. :)

Im Anhang zu seinem Buch führt Wielandt neben dem Namen Beil auch den Namen Kreß und eine Jahreszahl 1955 an.

Im Jahr 1955 fand die 98. Auktion der Münchener Münzhandlung Karl Kreß statt. Gegenstand der Auktion waren: Münzen und Medaillen des Zähringen-Badischen Fürstenhauses (Sammlung Beil).

Den Auktionskatalog habe ich antiquarisch gefunden und bestellt. Dort findet sich (unter der Losnummer 664) sicher eine genaue Beschreibung dieser Neuprägung bzw. im Idealfall eine Abbildung.
 

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Ich werde Herrn Faßbender vom AKS mal kontaktieren, warum bei Nr. 80 der Jahrgang 1836 fehlt. Vielleicht können wir so das Rätsel lösen.
Ich hatte in den letzten Tagen mehrfach Mail-Kontakt zu Herrn Faßbender. Hier seine Antworten:

1. Mail:
Der bei AKS 80 fehlende Jahrgang 1836 ist mir auch ein Rätsel. Ich habe den AKS bis zur 1. Auflage (1970) zurückverfolgt; der Jahrgang 1836 ist offenbar bewusst von den drei ursprünglichen Autoren ausgelassen worden. Die drei haben sich zwar oft auf Jaeger gestützt, aber in diesem Falle nicht. Jaeger erwähnt 1836 unter Nr. 47 mit einer Auflage von 85.480 Stück. Das haben Drs. Arnold, Küthmann und Steinhilber ignoriert. Nicht nur das, sondern in vielen Fällen auch Jahreszahlen, die von Jaeger abweichen und die sie wahrscheinlich aus badischen Archiven übernommen haben.

Wenn Wielandt vom Jahrgang 1836 in einer Randnotiz von einer Neuprägung im Jahr 1912 (von poliertem Stempel in Sammlung Beil) spricht, wird das vielleicht auch den AKS-Autoren bekannt gewesen sein, und sie haben auf die Erwähnung im AKS-Katalog verzichtet.

Wenn jetzt (d.h. 2009 und 2011) The New York Sale und auch Künker zwei solcher Münzen (Neuprägungen) versteigert haben, ist das für mich kein Anlass, unter Nr. 80 den Jahrgang 1836 zu nennen. Und wenn doch, dann mit dem Hinweis auf Neuprägungen.

2. Mail:
Jaeger bezieht sich auch bei 1836 mit einem Sternchen auf 929/a und dem Vermerk: 6 in 1836 sehr groß. Das wäre ja bei AKS 82 erfasst.
Bei AKS 81 ist 1836 der Typ mit Bindestrich in KRONEN-THALER genannt. Bei AKS 80 ohne Bindestrich. Sie haben Recht: Die beiden Münzen 1836 von The New York Sale und von Künker passen zu AKS 80. Mir ist nur nicht klar, ob Wielandt nur die Münzen mit großer 6 meint.

3. Mail:
Das Verzeichnis der Slg. Beil liegt mir leider nicht vor.
Nachdem Sie nochmal alles zusammengefasst haben, konnte ich mich durchringen, den Jahrgang 1836 bei Baden 80 einzufügen und zwar wie folgt:
1836 Nachprägungen von 1912 LP*
* The New York Sale 2009 (20/765): Stgl. (es PP) 3355,- + Z.
Künker 2011 (180/38): PP 3600,- + Z.


In der nächsten Ausgabe des AKS taucht der Jahrgang 1836 also bei AKS 80 mit auf. Ist dies für dich so zufriedenstellend, Andi?
 

B555andi

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Eine Klitzkleinigkeit noch;): der AKS dürfte nicht von einer Nachprägung sprechen, da es ja kein Vorbild/Original gibt, welches NACHgeprägt werden konnte. Es handelt sich, wie Wielandt richtigerweise schreibt, um eine Neuprägung.

Insoweit müsste man, wie Du auch geschrieben hattest, die AKS 82 auflösen und als Jahrgang 1836 in die AKS 80 mit dem Vermerk "6 in Jahreszahl groß" einfügen. Dazu eine Notiz: Neuprägungen des Jahrgangs 1836 von 1912 mit normal großer 6 in Jahreszahl. Siehe Randnotiz Wielandt usw.

Jetzt warte ich noch auf den Auktionskatalog der Sammlung Beil. Wenn mir der vorliegt, könnten wir einen Knopf dran machen.
 

B555andi

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Ich möchte auch gerne etwas mehr über diese Neuprägung von 1912 herausfinden.

Ich neige mittlerweile zu der Vermutung, dass bei der Neuprägung die Zahl 6 bewusst geändert wurde, um die Neuprägungen später zweifelsfrei von den Originalprägungen unterscheiden zu können.

Wenn diese Neuprägungen nicht gerade im Geheimen durchgeführt wurden, müssten sie doch in irgendwelchen Akten, Zeitungsartikeln oder Verkaufsanzeigen Spuren hinterlassen haben. Ob die Akten der Münzstätte Karlsruhe noch existieren, bleibt abzuwarten. Im Stadtarchiv kann ich zumindest in Zeitungsarchiven wühlen. Eventuell gibt es im Badischen Münzkabinett weitere Informationen?

Ich werde versuchen, in diese Richtungen weiter zu recherchieren. Ob sich noch weitere Kronentaler-Varianten als spätere Neuprägungen herausstellen...;)?
 

B555andi

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Der Katalog zur Auktion 98 der Münchner Münzhandlung Karl Kreß vom 20. April 1955 liegt mir nun vor. Aber leider, leider bringt er nicht mehr Licht ins Dunkle.

Neben einem informativen Vorwort von Friedrich Wielandt über den Münzsammler Franz Beil (1861 - 1923) findet sich unter der Losnummer 664 folgende (auch im Wielandt zu findende) Beschreibung:

Kronentaler 1836, Neuprägung der Münze in Karlsruhe im Jahre 1912 von poliertem Stempel, ohne Bindestrich. Ausrufpreis waren übrigens 25 DM.

Leider findet sich diese Münze nicht im Bildteil des Kataloges.:(

Es fehlt also weiterhin ein Beweis dafür, dass es sich bei den oben genannten Auktionen von Künker und The New York Sale um diese Neuprägung handelt. Vielleicht findet sich eine dieser Neuprägungen im Badischen Münzkabinett? Ich werde am Ball bleiben.
 

FooFighter

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Eine Klitzkleinigkeit noch;): der AKS dürfte nicht von einer Nachprägung sprechen, da es ja kein Vorbild/Original gibt, welches NACHgeprägt werden konnte. Es handelt sich, wie Wielandt richtigerweise schreibt, um eine Neuprägung.

Insoweit müsste man, wie Du auch geschrieben hattest, die AKS 82 auflösen und als Jahrgang 1836 in die AKS 80 mit dem Vermerk "6 in Jahreszahl groß" einfügen. Dazu eine Notiz: Neuprägungen des Jahrgangs 1836 von 1912 mit normal großer 6 in Jahreszahl. Siehe Randnotiz Wielandt usw.
Ich habe nochmals mit Herrn Faßbender Kontakt aufgenommen und ihm erläutert - so wie wir es hier schon getan haben - dass die AKS 82 eigentlich unnötig ist, da die dort erfassten 1836er Münzen dieselben Merkmale wie die Münzen von AKS 80 haben. Weiterhin auch den Hinweis bezüglich "Nachprägung" und "Neuprägung".

Hier die wichtigsten Inhalte seiner Antwort zusammengefasst:

- das Wort "Nachprägungen" wurde nur versehentlich in der Mail verwendet, im AKS wird es richtigerweise "Neuprägungen" heißen
- der Jahrgang 1836 aus AKS 82 wird nun zu AKS 80 verschoben, mit dem Hinweis auf die größere 6
- damit im Katalog die Nr. 82 nicht unbesetzt bleibt, werden dort die Neuprägungen von 1912 mit den beiden Auktionsergebnissen erfasst

Ich denke, das ist eine sehr gute Lösung. Was meinst du, Andi?
 

B555andi

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Das meine ich auch - das ist wirklich eine gute (optimale) Lösung! Nochmals vielen Dank für Deine Unterstützung! :)

Ich werde dennoch versuchen, am Ball zu bleiben, um das Ganze wasserdicht abzusichern. Sobald ich weitergekommen bin, werde ich selbstverständlich hier posten.
 

B555andi

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PS: Dann werde ich mir mit der nächsten Auflage wohl wieder einen neuen AKS kaufen dürfen (meiner ist noch von 2009).:rolleyes:
 

B555andi

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Hallo Zusammen,

ich möchte diesen Thread gerne weiterführen und in diesem Zusammenhang eine Neuerwerbung vorstellen.

Zuvor werfen wir aber einen Blick in den neuen AKS (Großer Deutscher Münzkatalog, 35. Auflage 2020), welcher aufgrund unserer Recherchen für die badischen Kronentaler des Jahres 1836 geändert wurde. Ein paar kleinere „Unschärfen/Fehler“ finden sich weiterhin im AKS, auf die ich dann eingehen werde.

In diesem Jahr 1836 gab es an der Münzstätte in Karlsruhe eine rege Prägetätigkeit.

Zunächst schauen wir uns die Sonderprägungen an:

AKS 85:
Ein Ausbeute-Kronentaler, geprägt mit Silber aus dem Schwarzwald (Auflage mit AKS 86 zusammen: 8.250 Stück).

AKS 86:
Eine Variante des Ausbeute-Kronentalers (die Rückseite zeigt nicht den Kopf des Großherzogs, sondern (laut AKS) das Wappenschild mit Greifen der AKS 80.). Hier findet sich ein Fehler im AKS: die Rückseite zeigt nicht das Wappenschild von AKS 80, sondern das von AKS 81. Unterschied ist der Trennstrich bei KRONEN – THALER. Diesen weist AKS 81 auf, nicht jedoch AKS 80. Diese Variante ist jedenfalls extrem selten und wird richtigerweise mit „LP“ bewertet.

AKS 87:
Der Zollvereins-Kronentaler „ZU IHRER VOELKER HEIL“ (Auflage: 18.184 Exemplare).


Nun die „normalen“ Kronentaler. Hier gibt es zwei Hauptvarianten, die man nicht verwechseln sollte.

Zunächst möchte ich eingehen auf die

AKS 81:
Dieser Typ wurde 1834 und 1836 geprägt. Die Auflage für das Jahr 1836 betrug 85.480 Exemplare. Die zwei entscheidenden Unterschiede zu dem anderen 1836 geprägten "normalen" Typ sind der bei AKS 81 vorhandene Trennstrich bei KRONEN-THALER und der Umstand, dass dieser Typ eine stinknormale 6 in der Jahreszahl aufweist (Achtung: die Neuprägung aus dem Jahr 1912 weist ebenfalls eine normale 6 auf. Hier beschränkt sich der Unterschied lediglich auf diesen Trennstrich).

AKS 80:
Dieser Typ wurde von 1833 bis 1837 geprägt und weist keinen Trennstrich auf. Der AKS vermerkt jetzt nach der Katalogänderung richtigerweise, dass der Jahrgang 1836 stets eine größere „6“ in der Jahreszahl aufweist (zudem steht die Zahl auch etwas schief). Fehlerhaft ist jedoch aus meiner Sicht die Angabe „LP“ für diesen Jahrgang. Diese Angabe stammt noch aus der bisherigen Version des Katalogs. Der Jahrgang 1836 von AKS 80 ist durchaus des Öfteren in Katalogen und Online-Angeboten zu finden und erzielt jetzt nicht unbedingt „Liebhaberpreise“. Gleichwohl ist er nicht ganz so einfach in einer exzellenten Erhaltung anzutreffen.

AKS 82:
Diese Nummer war eigentlich nach der Umschreibung des Kataloges frei. Der AKS führt nun die Neuprägung aus den Jahr 1912 (früher nur als Variante genannt) unter dieser Katalognummer und schreibt:

VS wie AKS 79 (Anmerkung: auch die AKS 80 hat diese VS)

RS wie AKS 79 (Achtung: Fehler im AKS)

Dieser Vermerk stimmt für die Vorderseite, nicht jedoch für die Rückseite. Die Rückseite von AKS 79 weist einen Stern unter der Jahreszahl auf. Diesen Stern sucht man bei der Neuprägung vergeblich. Ebenfalls fehlt der Trennstrich bei KRONEN THALER, so dass es heißen müsste:

RS wie AKS 80

Ich hätte sogar geschrieben: VS und RS wie AKS 80

Die Angabe „LP“ entspricht hingegen durchaus der Realität, denn auch mir waren nur die beiden im AKS genannten Auktionen (New York Sale 20 aus 2009, Los 765 in St mit Zuschlag 3.355+Aufgeld und Künker 180 aus 2011, Los 38 als PP mit Zuschlag 3.600+Aufgeld) bekannt.

Soweit, so gut. Gewünscht hätte ich mir noch den Hinweis auf die Verwendung polierter Stempel für die Neuprägung. Und einen Hinweis darauf, dass die Neuprägung der AKS 80 entspricht mit dem einzigen großen Unterschied, dass sie eine „normale“ 6 aufweist.

Unklar ist weiterhin, warum (wer?) 1912 auf die Idee kam, ausgerechnet einen Kronentaler des Jahres 1836 neu prägen zu lassen. Weder aus der badischen Geschichte, noch aus dem Leben des Großherzogs ergeben sich Anhaltspunkte. Friedrich Wielandt (Badische Münz- und Geldgeschichte), der Leiter des badischen Münzkabinetts war und aus dessen Standardwerk diese Information stammt, macht leider keine weiteren Ausführungen. Es müssen aber irgendwelche Papiere/Akten vorhanden sein, aus denen er sein Wissen zog…
 
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Die im letzten Post von mir beschriebenen Unschärfen/Fehler im AKS haben möglicherweise zu meinem Zuschlag bei der letzten Peus-Auktion (Nummer 426 vom 23./24. April) geführt.

Unter Los 733 war bei Peus ein badischer Kronentaler des Jahres 1836 mit einer geraden 6 in der Jahreszahl angeboten. In der Beschreibung steht bei Peus: AKS – (vgl. 81, 82). Peus konnte das Stück also nicht konkret zuweisen.

Mit der von Peus angesprochenen AKS 81 hat die Münze jedoch garnichts zu tun, denn sie weist keinen Trennstrich bei KRONEN THALER auf, den die AKS 81 hat.

Kam also nur die AKS 80 oder AKS 82 infrage. Da das angebotene Exemplar keine übergroße 6 in der Jahreszahl hatte, konnte es sich eigentlich nur um eine Neuprägung aus 1912 handeln.

Stutzig hatte mich zunächst der Umstand gemacht, dass die Münze als vz angeboten wurde. Einen Umlauf eines 1912 geprägten Kronentalers konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Gab es also, entgegen unserer Recherchen, eine AKS 80 mit normaler 6 in der Jahreszahl? Bei genauer Betrachtung der Peus Münze mit den beiden anderen, früher verauktionierten Neuprägungen fiel mir eine eklatante Prägeschwäche am linken, das badische Schild haltenden, Greifen auf: Die Greifenmähne ist praktisch nicht ausgeprägt. Dieses Merkmal findet sich auf keinem anderen Kronentalertyp. Ich war mir also sicher, hier eine Neuprägung von 1912 (und damit das 3. Exemplar, welches mir bekannt ist) vor mir zu haben.

Ich habe also an der Live-Auktion teilgenommen. Ausgerufen war die Münze mit 150 EUR. Es gab ein kleines Bietergefecht, welches ich für mich erfolgreich gestalten konnte. Und so konnte ich eine AKS 82 (Neuprägung 1912) für „meinen LP“ von 360 EUR + Aufgeld ersteigern.

Die Münze ist vor ein paar Tagen bei mir eingetroffen. Sie weist in der Tat einige Kratzer auf (mein Scanner ist mit diesen Kratzern milde umgegangen) – vermutlich bedingt durch Lagerung? Oder Verwendung in einem Kinder-Kaufladen?

In der Hand sind mir mehrere Dinge aufgefallen: Der Münzgrund ist (abgesehen von den Kratzern) glatt (meine anderen Kronentaler sind da etwas rauer). Also ein Hinweis auf die Verwendung polierter Stempel. Es wurde nicht nur die 6 in der Jahreszahl „begradigt“ – auch die anderen Zahlen entsprechen nicht der AKS 80. Also wurden augenscheinlich alle Ziffern der Jahreszahl erneuert. Das Haupthaar des Großherzogs ist extrem gut ausgeprägt, wie ich es äußerst selten bei diesen Kronentalern gesehen habe. Mein erster Reflex war „sind die nicht nachgeschnitten“? Diese Hypothese kann ich aber erst überprüfen, wenn ich eine AKS 80 mit ebenfalls perfektem Haupthaar in meiner Sammlung habe…

Doch nun genug der langen Vorrede – hier nun mein ersteigertes Exemplar der letzte Peus-Auktion:
1836a.jpg 1836r.jpg
 
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Anbei für den interessierten Leser noch die Links zu den beiden anderen Münzen
CoinArchives.com Lot Viewer
CoinArchives.com Lot Viewer

Die Prägeschwäche findet man bei allen drei Münzen
Allerdings sollte man die Haare noch einmal ganz in Ruhe mit großen Fotos vergleichen.
Hier glaube ich Unterschiede zu sehen

Vielen Dank für die nochmaligen Verlinkungen. Die sind etwas versteckt in den vorherigen Post.

Das mit dem Haupthaar werde ich mir mal in Ruhe anschauen. ;)
 
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