Befinden sich die niederländischen 1 und 2 Cent Münzen ab 2014 im Umlauf?

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Ganz genau. Einerseits können die Euro-Länder die Motive ihrer Umlaufmünzen jederzeit im Falle des Wechsels des auf den Münzen gezeigten Staatsoberhauptes oder zur Anpassung der Motive an die aktuellen Rahmenbedingungen, aber auch nach mindestens 15 Jahren ohne triftigen Grund wechseln.
Darüber hinaus können Münzen wie zum Beispiel die 1 und 2 Cent-Stücke in einzelnen Ländern nach Einführung einer nationalen Rundungspraxis obsolet werden und daher nicht mehr für den Umlauf geprägt werden.

Dennoch behalten alle auf Euro und Cent lautenden Kursmünzen (aber nicht unbedingt die Sammlermünzen) dauerhaft ihren Wert und ihre Funktion als legales Zahlungsmittel in der gesamten Eurozone. Es sei denn, EU und EZB sollten beschießen, einzelne Nominale eines Tages außer Kurs zu setzen und später für ungültig erklären.

Münzen einzelner Motive für ungültig zu erklären, außer Kurs zu setzen oder gezielt dem Umlauf zu entziehen ist sowohl rechtlich als auch praktisch eine undurchführbare und auch sinnlose sowie teure Angelegenheit.
So hatte man während der Eurokrise ja auch klargestellt, dass im Falle des Austritts oder Ausschlusses Griechenlands aus der Währungsunion die griechischen Euromünzen und Eurobanknoten (mit Kennbuchstaben Y) auf unbegrenzte Zeit im Umlauf belassen werden sollten.


Dass es, dem gesunden Menschenverstand folgend, für einen Staat nicht logisch ist, unbeschädigte Münzen dem Umlauf zu entziehen, zu verschrotten, und Münzen mit einem neuen Motiv in den Umlauf zu bringen, ist ja richtig. Trotzdem sehe ich nicht, dass der zitierte Satz dieses verbietet.
 
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Das erklärt den Artikel schon eher. Die Logik dahinter ist aber auch wieder sehr behördenmäßig: Wir lagern Münzen ein, damit wir erst mal welche mit König Wilhelm ausgeben können, dann tauschen wir diese irgendwann gegen dringend benötigte 5 Cent Stücke von überall her. Dass sich auf diesen dann nicht König Wilhelm befindet, ist uns dann egal.....

Warum werden nicht gleich 5 Cent Münzen, die man braucht, mit Wilhelm geprägt? Diesen Weg ist ja Belgien gegangen. Auf das neue Ein-Euro-Stück warten wir immer noch. Mit Spannung erwarte ich die Prägezahlen für 2020, und ob es dieses Jahr ein Ein-Euro-Stück geben wird.
Die Beweggründe für die Niederländer war, dass man von der Amtseinführung an einen kompletten Satz Umlaufmünzen unters Volk bringen konnte, quasi zu Ehren des neuen Königs und um diesen populärer zu machen. Denn ansonsten hätte man auf absehbare Zeit hinweg nur die 5 Cent, mittlerweile auch die 10 und 20 Cent im Umlauf gehabt. Da die EZB die Prägung der Münzen bewilligen muss, wofür die Nachfrage danach / ein Mangel an Münzen herrschen muss, hat man die Münzen also künstlich verknappt.
Eine rein politische Maßnahme.

Tauschen tut die Münzen mit dem Ausland, da bei den größeren Nominalen stets mehr ins Land kommen als tatsächlich gebraucht werden. Der Tausch ist somit ökonomisch sinnvoller, als kostenintensiv neue Kleinmünzen prägen zu müssen, während die Menge nicht benötigter Münzen, die nur im Tresor herum liegen und teuer bewacht und versichert werden müssen, immer weiter ansteigt.

Die Belgier hingegen prägen schon von Anfang an sehr Bedarfsorientiert, wobei der Bedarf deutlich unregelmäßiger und heterogener ist als bei den Niederlanden, die konstant nur kleine Münzen brauchen, dafür die 5er aber jedes Jahr in großer Anzahl prägen.
 
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Dass es, dem gesunden Menschenverstand folgend, für einen Staat nicht logisch ist, unbeschädigte Münzen dem Umlauf zu entziehen, zu verschrotten, und Münzen mit einem neuen Motiv in den Umlauf zu bringen, ist ja richtig. Trotzdem sehe ich nicht, dass der zitierte Satz dieses verbietet.
Sicher kann ein Staat die irrationale Entscheidung dazu fällen, eigenmächtig bestimmte Münzen einzuziehen. Es ist allerdings rechtlich nicht möglich, den Umlauf bestimmter Kursmünzen (Nominale oder Motive) national zu verbieten oder zu unterbinden.

Abgesehen davon, dass der entsprechende Staat ja den finanziellen Schaden tragen würde, da er die zu vernichtenden Kursmünzen bei der eigenmächtigen Einziehung eines bestimmten motives ja zum Nennwert von Banken und Fianzdienstleistern besorgen müsste.
 
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Die Beweggründe für die Niederländer war, dass man von der Amtseinführung an einen kompletten Satz Umlaufmünzen unters Volk bringen konnte, quasi zu Ehren des neuen Königs und um diesen populärer zu machen. Denn ansonsten hätte man auf absehbare Zeit hinweg nur die 5 Cent, mittlerweile auch die 10 und 20 Cent im Umlauf gehabt. Da die EZB die Prägung der Münzen bewilligen muss, wofür die Nachfrage danach / ein Mangel an Münzen herrschen muss, hat man die Münzen also künstlich verknappt.
Eine rein politische Maßnahme.

Tauschen tut die Münzen mit dem Ausland, da bei den größeren Nominalen stets mehr ins Land kommen als tatsächlich gebraucht werden. Der Tausch ist somit ökonomisch sinnvoller, als kostenintensiv neue Kleinmünzen prägen zu müssen, während die Menge nicht benötigter Münzen, die nur im Tresor herum liegen und teuer bewacht und versichert werden müssen, immer weiter ansteigt.

Die Belgier hingegen prägen schon von Anfang an sehr Bedarfsorientiert, wobei der Bedarf deutlich unregelmäßiger und heterogener ist als bei den Niederlanden, die konstant nur kleine Münzen brauchen, dafür die 5er aber jedes Jahr in großer Anzahl prägen.

Ja, allerdings. In Belgien ist das immer etwas chaotisch. Die 1 und 2 Cent Münzen wurden dort ja auch nicht abgeschafft, weil man unbedingt diese Rundungsregeln einführen wollte, sondern weil die Vorräte an 1 und 2 Cent Münzen oft aufgebraucht waren und Belgien keine Erlaubnis mehr erhielt, neue Münzen zu prägen, da die Kontingente bereits ausgeschöpft waren.

Das weiß ich alles aus belgischen Originalquellen in frz. Sprache.
 
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Es wäre für uns interessant, diese Aussagen durch Links zu den Quellen zu dokumentieren.
z.B. hier.....aber wie gesagt: Man muss schon gut Französisch beherrschen, um den Text zu verstehen. Ich warne vor Google Übersetzer....das könnte übrigens der Auslöser für den falschen Text über die Vernichtung der Beatrix Euro Münzen erklären. Die Originalaussage war sicher auf Niederländisch und irgendwer hat sie dann mit Google Übersetzer ins Deutsche übertragen und heraus kam eine Fehlinformation.

Ce dimanche, dites au revoir aux pièces de 1 ou 2 cents | Moustique.be

Hier die entsprechende Stelle: "Et puis l'Europe ne voulait plus qu'on en produise , estimant qu'il y en avait assez en circulation"

Hier was auf Englisch:

Our two cents on Belgium’s two cents | Bruegel

"The demand for these coins has been steadily increasing since the introduction of the euro, mostly because businesses need them to give their customers exact change, but hardly receive any back as payment. This even led to a shortage in small-unit coins in 2018, which pushed the Federal Public Service for Finance to think of potential solutions."

Ich hatte da aber auch einen besseren Text dazu gelesen. Den finde ich nun bloß nicht mehr.

...schrieb es, und hab ihn gefunden...Da ist er:

La Belgique en pénurie de pièces d'un et deux centimes

"Ce déficit n'est pas de notre faute", assure-t-il néanmoins. Il explique que "la Banque centrale européenne a décidé qu'aucune nouvelle pièce de un et de deux cents ne devait être frappée pour le moment, et nous devons l'accepter".
 
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z.B. hier.....aber wie gesagt: Man muss schon gut Französisch beherrschen, um den Text zu verstehen. Ich warne vor Google Übersetzer....das könnte übrigens der Auslöser für den falschen Text über die Vernichtung der Beatrix Euro Münzen erklären. Die Originalaussage war sicher auf Niederländisch und irgendwer hat sie dann mit Google Übersetzer ins Deutsche übertragen und heraus kam eine Fehlinformation.

Ce dimanche, dites au revoir aux pièces de 1 ou 2 cents | Moustique.be

Hier die entsprechende Stelle: "Et puis l'Europe ne voulait plus qu'on en produise , estimant qu'il y en avait assez en circulation"

Hier was auf Englisch:

Our two cents on Belgium’s two cents | Bruegel

"The demand for these coins has been steadily increasing since the introduction of the euro, mostly because businesses need them to give their customers exact change, but hardly receive any back as payment. This even led to a shortage in small-unit coins in 2018, which pushed the Federal Public Service for Finance to think of potential solutions."

Ich hatte da aber auch einen besseren Text dazu gelesen. Den finde ich nun bloß nicht mehr.

...schrieb es, und hab ihn gefunden...Da ist er:

La Belgique en pénurie de pièces d'un et deux centimes

"Ce déficit n'est pas de notre faute", assure-t-il néanmoins. Il explique que "la Banque centrale européenne a décidé qu'aucune nouvelle pièce de un et de deux cents ne devait être frappée pour le moment, et nous devons l'accepter".
Schon seltsam, dass anscheinend keine höheren Kontingente genehmigt worden sind.
Belgien hat für den Umlauf insgesamt 1,508 Milliarden 1 und 2 Cent-Stücke produziert, dass entspricht gut 131 Stück pro Einwohner (Stand 2019).
Zum Vergleich: Deutschland kommt mit 22,188 Milliarden dieser Münzen auf 266 Stück pro Einwohner (Stand 2020), Österreich mit 4,336 Milliarden Münzen sogar auf 487 Stück pro Einwohner (Stand 2019).
Spitzenreiter ist allerdings Irland mit 2,664 Milliarden Münzen, also sage und schreibe 555 Stück pro Kopf (Stand 2018). Schlusslicht ist hier Litauen, die 205 Millionen geprägten Münzen bedeuten gut 70 Stück pro Einwohner (Stand 2020).
Finnland, dass diese Münzen nie für den Umlauf geprägt hat, kommt auf nur 15 Stück pro Einwohner, die Niederlanden durch die frühe Abschaffung der beiden Nominale auf immerhin 1,415 Milliarden Münzen, dass sind 82 pro Einwohner (Stand 2019).

Insgesamt wurden nach den offiziell veröffentlichten Prägezahlen 38,380 Milliarden 1 Cent und 29,736 Milliarden 2 Cent geprägt.
Bei einer gleichmäßigen Verteilung über die gesamte Eurozone ergibt dies eine Anzahl von etwa 197 Münzen pro Einwohner - inklusive der noch nicht veröffentlichten Auflagen kommen wir bestimmt auf über 200 Stück pro Einwohner.
Gemessen daran ist die von Belgien geprägte Menge der 1 und 2 Cent also eher als gering anzusehen.
 
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Insgesamt wurden nach den offiziell veröffentlichten Prägezahlen 38,380 Milliarden 1 Cent und 29,736 Milliarden 2 Cent geprägt.
Angesichts dieser gewaltigen Menge erscheint es mir sehr unwahrscheinlich, die niederländischen 1 und 2 Cent mit Bildnis des neuen Königs zu finden, die in einer Auflage von jeweils maximal 1,7 Millionen für den Umlauf geprägt worden sind. (Zahlen beziehen sich auf die Rollenware, nicht auf KMS und rein numismatische Sammlerprodukte).
 

bayreuth

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Angesichts dieser gewaltigen Menge erscheint es mir sehr unwahrscheinlich, die niederländischen 1 und 2 Cent mit Bildnis des neuen Königs zu finden, die in einer Auflage von jeweils maximal 1,7 Millionen für den Umlauf geprägt worden sind. (Zahlen beziehen sich auf die Rollenware, nicht auf KMS und rein numismatische Sammlerprodukte).
Ich war 2016 mal für 1 Woche in Den Haag. In der Zeit hatte ich kein einziges Stück mit König Willem im Rückgeld (unabhängig vom Nominal). An einer Kasse (auf einer Veranstaltung) wo nichts los war, habe ich extra gefragt, ob man kurz nachschauen könnte nach Münzen mit dem neuen König, haben die das sogar für mich gemacht, aber auch nichts gefunden. Hier im Umlauf habe ich erst 2 Mal eine Münze mit Willem gefunden (5 Cent und 20 Cent 2018).
 
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Ich war 2016 mal für 1 Woche in Den Haag. In der Zeit hatte ich kein einziges Stück mit König Willem im Rückgeld (unabhängig vom Nominal). An einer Kasse (auf einer Veranstaltung) wo nichts los war, habe ich extra gefragt, ob man kurz nachschauen könnte nach Münzen mit dem neuen König, haben die das sogar für mich gemacht, aber auch nichts gefunden. Hier im Umlauf habe ich erst 2 Mal eine Münze mit Willem gefunden (5 Cent und 20 Cent 2018).
Ging mir 2018 an der Küste bei Groningen und 2019 in Amsterdam ähnlich. Aber etwas abseits der Touristen-Pfade konnte ich bei Groningen dann auf Nachfrage in den Geschäften doch je etwa 15 der 5, 10 und 20 Cent auftreiben, dazu gab es einige wenige 5 und 10 Cent im regulären Wechselgeld.
Wenn ich hier (in Niedersachsen) mal Rollen durchsuche, finde ich unter hundert 5 Cent-Stücken auch im Schnitt ein bis zwei neue Niederländer - auch im Wechselgeld bekommt man sie.
Die 10 und 20 Cent sind da aufgrund der geringeren Auflage schon deutlich seltener.
Bei Auflagen von jeweils unter 10 Millionen Stück hatte ich bis jetzt nur ein Mal die 50 Cent, noch keinen Euro aber immerhin schon fünf Mal die 2 Euro - das erste Mal im September 2014 in Brüssel im Wechselgeld bekommen, mein erster neuer Niederländer.

Die Suche nach den 1 und 2 Cent habe ich dann aber aufgegeben, nachdem ich über ein Jahr lang alle zwei Wochen je 10 Rollen 1 und 2 Cent der örtlichen Bundesbank durchsucht habe - leider erfolglos.
Aber bei nichtmal 1,50 auf ebay für die beiden Münzen will ich nicht meckern und wollte mir die Sucherei nicht länger antun, da sie schon recht viel Zeit in Anspruch genommen hat, aber immer weniger gute Funde zu verzeichnen waren.
Übrigens habe ich auch die belgischen 1 und 2 Cent mit König Philipp noch nicht gefunden...
 
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