Begriffsbestimmung "Medaille"

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In diesem Thread soll dargestellt werden, was überhaupt so alles als Medaille bezeichnet wird und wie sich Medaillen von Münzen unterscheiden. Hier die Erklärung der Wikipedia:

"Eine Medaille ist eine Gedenk- oder Schauprägung, die zu besonderen Gelegenheiten geprägt oder als Ehrenauszeichnung vergeben wird. Sie darf nicht mit einer Münze verwechselt werden, die als offizielles Zahlungsmittel geprägt und mit einem Nennwert versehen ist.

Das Wort Medaille stammt aus dem Französischen, der Begriff geht auf das mittellateinische Wort medallia für eine Kleinmünze zurück. Sie ähnelt der Plakette und wird gelegentlich mit dieser verwechselt; Plaketten zeigen in der Regel eine einseitige erhabene Darstellung, wohingegen Medaillen auf beiden Seiten Bildmotive oder Schrift aufweisen. Ursprünglich wurden sie aus Metall gegossen, seit sich Münzprägeverfahren durchgesetzt haben, finden diese bis auf vereinzelte Ausnahmen auch für Medaillen Anwendung. Medaillen können in Positiv- oder Negativprägung hergestellt werden und bei größerer Tiefe der Motive auch den Charakter einer Kleinplastik annehmen. In der Renaissance wurden Medaillen erstmals als Kunstobjekte verwendet, dabei diente das römische Schwergeld als Vorbild. Im Gegensatz zu Münzen können Medaillen nicht nur von staatlicher bzw. offizieller Seite sondern unter Beachtung einiger weniger Einschränkungen z.B. auch von Unternehmen, Vereinen oder Privatpersonen hergestellt und ausgegeben werden.

Medaillen sind vor allem verbreitet
· als Gedenkprägungen ohne Nennwert aus Anlass eines Ereignisses, Jubiläums, zu Ehren einer Persönlichkeit o.ä.
·als Auszeichnungen für hervorragende sportliche, wissenschaftliche, berufliche oder kulturelle Leistungen
· und vereinzelt als Prägungen aus eingeschmolzenen Metallen spezieller Herkunft, so z.B. Stücke aus einem abgestürzten Luftschiff, einer Lokomotive oder dem Kupferdach eines Rathauses

Insbesondere im Sport ist eine Ehrung der drei besten Sportler bzw. Mannschaften durch eine Gold-, eine Silber- und eine Bronze-Medaille alternativ zur Übergabe eines Pokals bekannt. Gemäß obiger Definition handelt es sich dabei allerdings nicht selten um Plaketten, die numismatisch präzise Benennung spiegelt sich also nicht konsequent im allgemeinen Sprachgebrauch wieder.

Die Tatsache, dass Medaillen immer zwei (Bild-)Seiten haben, hat auch zu der Redensart von der Kehrseite der Medaille geführt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass ein betreffender Sachverhalt von zwei Standpunkten aus betrachtet und bewertet werden kann."
 
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Zur besseren Abgrenzung

Unterschied zwischen Medaille und Plakette

Auch hier habe ich (für den Anfang) die Wikipedia bemüht:

"Die Plakette ist verwandt mit der Medaille und wird öfter mit ihr verwechselt.

Bei der Plakette handelt es sich um eine allgemein eher kleine Metalltafel mit beliebiger Form. Sie ist einseitig mit einer reliefarigen Darstellung, teilweise auch mit einer Beschriftung, versehen.

Plaketten werden meistens auf einem anderen Gegenstand aufgebracht, z.B. an ein Bauteil oder auf einen Stein. Sie kann auch eine Gruppe oder eine berufliche Funktion symbolisieren (z.B. Plakette der Kriminalpolizei).
Die berühmteste Plakette ist die Pioneer-Plakette zweier Raumsonden aus den 1970er Jahren. Verbandsabzeichen sind als Brustanhänger in Plakettenform gehalten."

Anmerkung:

Nachdem es auch einseitige Medaillen gibt (z.B. als Probeabschläge), ist die Unterscheidung gelegentlich schwierig. Auch so mancher Orden wird vom Laien schon mal als Medaille bezeichnet.

Wichtigste Kriterien einer Medaille sind also:

- kein Ausgabeland
- kein Nennwert
- keine Zahlungskraft

Wobei es von diesen Kriterien auch Ausnahmen gibt, die ggf. einzeln behandelt werden müssen. Als Beispiel seien hier nur einmal ECU´s aus Belgien (offizielle Ausgaben mit Nennwert und Zahlungskraft) und anderen EU-Ländern (offzielle und private Ausgaben mit Nennwert OHNE Zahlungskraft) genannt.

Hinweis:

Was unsere RDR-Sammler regelrecht entsetzt: Jemand stellt eine Anfrage zu einem Taler ein und erhält zur Antwort: "Da steht kein Nennwert drauf, also ist es eine Medaille". Und was immer wieder kommt, auch wenn der Poster keine Ahnung von dem Stück hat: "Das ist eine Medaille und hat nur Metallwert".

Aus diesem Grund hier ausdrücklich die Bitte, Kommentare zu Anfragen möglichst ernsthaft und sachlich zu halten.

Ich werde auch versuchen, mich daran zu halten.:rolleyes:

Gruß Razorback

Und noch ein ergänzender Hinweis für Unkundige:
Bitte stellt Eure Anfragen als eigenen Thread ein oder hängt sie an einen bestehenden Frage-Thread an - hier in diesem Info-Thread haben sie nichts verloren.
 
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Wichtigste Kriterien einer Medaille sind also:

- kein Ausgabeland
- kein Nennwert
- keine Zahlungskraft

die ersten beiden weglassen, dann stimmt es (manchmal auch nur bedingt, da es Medaillen in "Talergewichten" gibt)
 
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Razorback schrieb:
Was unsere RDR-Sammler regelrecht entsetzt: Jemand stellt eine Anfrage zu einem Taler ein und erhält zur Antwort: "Da steht kein Nennwert drauf, also ist es eine Medaille". Und was immer wieder kommt, auch wenn der Poster keine Ahnung von dem Stück hat: "Das ist eine Medaille und hat nur Metallwert".
Ja, das finde ich auch immer wieder schrecklich.

Wichtigste Kriterien einer Medaille sind also:

- kein Ausgabeland
- kein Nennwert
- keine Zahlungskraft
Das gefällt mir so noch nicht, denn das trifft ja alles auch auf Hundemarken und Einkaufswagenchips zu.
Ich denke bei Medaillen vor allem an die klassischen Medaillen, die sich

a) durch den Ausgabeanlaß (Würdigung eines Ereignisses, einer Persönlichkeit, eines Ortes) und

b) durch die künstlerische Qualität von anderen Prägeerzeugnissen unterscheiden. Klassische Medaillen haben i.A. eine höhere Prägetiefe und damit ein ausgeprägteres Relief als Münzen, weil sie nicht auf Schutz vor Abnutzung Rücksicht nehmen müssen.

Weil es aber auch bei den Medaillen heute eine unendliche Vielfalt an Massenschund gibt, kämen wir wohl in Teufels Küche, wenn wir versuchten, eine Definition über die künstlerische Qualität vorzunehmen.

Ganz schwierig ist die Abgrenzung von den Pseudomünzen (ja, Jeggy, die gibt es und der Begriff ist auch sinnvoll). Auch hierzu Definitionen aus der Literatur:

Deutsches Münzsammlerlexikon, Battenberg 1977:

Pseudomünzen sind Münzen, die sich als Geldmünzen eines Staates geben und entweder von einem solchen herrühren oder mit seiner Genehmigung von Privatunternehmern hergestellt wurden, in jedem Fall vom Staat rechtlich korrekt zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt wurden, tatsächlich aber dem Zahlungsverkehr nicht dienen, weil sie, zum Absatz an Sammler bestimmt, in der Masse ihrer Auflage zu einem den Nennwert übersteigenden Preis über den Münzenhandel oder über Banken ihre Käufer suchen.

... [ältere Beispiele] ...

Die starke Zunahme des Münzensammelns hat nun seit etwa 1965 eine wachsende Zahl von Staaten veranlaßt, "Pseudomünzen" auszugeben, wobei vielfach nur Stücke in polierter Platte gefertigt werden, die bestimmte, in diesem Geschäftszweig tätige Unternehmen herstellen lassen und unter Beigabe von Kopien des Gesetzes über die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel vertreiben, ohne daß die Münzen das Ausgabeland jemals gesehen hätten, ja oft ist im Ausgabeland der Besitz sogar verboten (Gold und Silber, in Ostblockstaaten).

... [moderne Beispiele] ...

Dem Absatz solcher Münzen kommt zugute, daß sie nach geltendem deutschen Umsatzsteuerrecht als gesetzliche Zahlungsmittel anerkannt und umsatzsteuerfrei verkauft werden können. Für die Numismatik kommt ihnen Geldcharakter nicht zu; so hat man sie als "Medaillen mit Nennwertangabe" bezeichnet. Manche Münzkataloge lehnen ihre Aufnahme daher ab, andere kennzeichnen sie besonders. Mit den Phantasiemünzen (Andorra, Malteserorden) sind sie nicht zu verwechseln, auch nicht mit den heutigen Handelsmünzen.

Lit.: H. Rittmann, in: GN 27/24 (1972) und GN 56/321 (1976).


Ich meine, wir sollten elastisch sein und Grenzfälle oder solche, über die es Geschmacksunterschiede gibt, mit aufnehmen, dabei aber auf klare und aussagefähige Titel der Themen achten.
Da wir z.B. die Ecus anderswo nicht unterbringen, würde ich sie in die Medaillenrubrik mit hineinnehmen. Zumindest Punkt (a) erfüllen sie: Sie sind Erinnerungsprägungen an den Übergang zur Eurozeit.

Pseudomünzen hingegen würde ich entweder rauslassen oder in klar als solche gekennzeichnete Freds packen. Sie tun so, als wären sie Zahlungsmittel, was sie nach der Medaillenverordnung von 1928 von den Medaillen ausschließt. Außerdem werden sie erschöpfend in den Münzfreds behandelt.
 
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Frage zur Medaillenprägung

Stimmt es, dass Medaillen grundsätzlich eine Kehrprägung, wie z.B. bei den Euromünzen, und keine Wendeprägung, wie z.B. bei amerikanischen Münzen, haben?
 

Gerhard Schön

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Stimmt es, dass Medaillen grundsätzlich eine Kehrprägung, wie z.B. bei den Euromünzen, und keine Wendeprägung, wie z.B. bei amerikanischen Münzen, haben?
Nein, das stimmt nicht. Es ist genau andersherum. Die Amerikaner bezeichnen die Stempelstellung der Euromünzen als "medal rotation" und ihre eigene als "coin rotation". Und ich würde empfehlen, die Begriffe "Kehrprägung" und "Wendeprägung" ganz zu vermeiden, weil 50% der Schriftsteller sie in genau der entgegengesetzten Bedeutung verwenden. Entsprechende Pfeile ↑↑ und ↓↑ geben die Stempelstellung viel anschaulicher und jedenfalls unmissverständlich wieder.
Gruß,
gs
 
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... Entsprechende Pfeile ↑↑ und ↓↑ geben die Stempelstellung viel anschaulicher und jedenfalls unmissverständlich wieder. ...

Soweit die Stempelstellung der beiden Seiten der Münze/Medaille. Viel anschaulicher fände ich aber, wenn man die Drehrichtung (im englischen treffenderweise als "rotation" bezeichnet) aufzeigen würde mit den Pfeilen ← und ↑ oder auch → und ↓.
 
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So einen alten Beitrag wieder rausgeholt.

Übrigens, weiß jemand, was mit dem Andreas-Razorback los ist.
Der hat sich schon lange nicht mehr blickenlassen.:confused:
 
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Internat. Jahr des Kindes

Hallo Gemeinde,

gelten die von den beteiligten 12 Ländern aus Anlass des UNICEF "Jahr des Kindes" offiziell in Auftrag gegebenen Goldrundlinge (meist zu 0,5 Unzen) nun als Medaillen oder doch als Münzen.

m.M. nach streng genommen eigentl. Medaillen.

Was sagen die Fachfrauen und -männer?

LG
ayap1215
 
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