Brakteaten - zu Unrecht vernachlässigt

Dieses Thema im Forum "Münzen & Geschichte" wurde erstellt von Durruti, 27. März 2020.

  1. Leitwolf

    Leitwolf

    Registriert seit:
    2004
    Beiträge:
    2.940
    Zustimmungen:
    4.315


    Ein Neuzugang:

    Fürstabtei Fulda, Brakteat unter Bertho II.-IV. (1261-1286), auf dem Rand B R H T.
    (Berger 2294 var. Bonhoff 1373. Slg. A. 1006)

    DSC03217.JPG DSC03217a.JPG

    Eine nähere Bestimmung ist nicht möglich, da die - auf meinem Exemplar teilweise nur zu erahnenden - Majuskeln B R H T zwar auf einen Abt namens Bertho(ld) hinweisen, damals aber drei Äbte dieses Namens unmittelbar nacheinander regiert haben.

    Im Unterscheid zu @ischbierra 's Exemplar befinden sich bei meinem Stück keine Kreuzchen zwischen den Majuskeln.
     
    Durruti, Fusselbär, Razorback und 2 anderen gefällt das.
  2. RedAuerbach

    RedAuerbach

    Registriert seit:
    2012
    Beiträge:
    177
    Zustimmungen:
    157
    Leider gibt es zu meinem Sammelgebiet (Bayern) nur wenig Brakteaten. Ich muss schon die Schwaben um Donauwörth und Augsburg mit dazu nehmen, siehe mein Avatar. Allerdings haben die Schwaben keine so tollen Münzbilder wie zum Beispiel die Halberstädter geprägt. Schade, denn wirklich ein super Sammelgebiet.
     
  3. Muppetshow

    Muppetshow

    Registriert seit:
    2015
    Beiträge:
    2.646
    Zustimmungen:
    3.925
    Solange auf den Brakteaten weder entsprechende Schriftzüge noch Wappen vorhanden sind, kann man leider eh nicht mit absoluter Sicherheit sagen, woher ein Brakteat nun kommt. Aus Mangel zeitgenössischer Primärquellen tastet man sich vielmehr aufgrund von Indizien immer weiter heran. Dazu gehören neben Charakteristika des Münzbildes auch Fundorte der einzelnen Münztypen, Fundkontext - also auch, mit welchen anderen Münzen und historischen Objekten der Münztyp schon gefunden worden ist, Durchmesser, Silbergehalt, Form, Breite und Höhe und mögliche Verzierungen des äußeren Wulstrings usw.
    Auch die Motive sind oft schwer zu deuten, da es sich oft um Heilige handelt, zu denen der jeweilige Herrscher, Bischof, die Stadt oder das Territorium irgendeinen Bezug hatte. In diesem Kontext kann der Heilige natürlich auch durch ein Fabelwesen, eine Sagengestalt usw. ersetzt werden. Diese Motive gilt es also erst einmal richtig zu deuten. Erschwert wird dies durch die ebenfalls sehr zahlreich vorkommenden Ansichten von stilisierten Herrschern und oft real nicht existierenden Ansichten von Türmen, Mauern und Toren.
    Dazu kommt noch, dass manche Brakteaten von anderen Münzherren imitiert worden sind und sich daher zum Verwechseln ähnlich sehen sowie die Tatsache, dass sich die Münzen aus bestimmten Währungsräumen sehr stark in Münzbild, Durchmesser, Gewicht und Feingehalt ähneln - als Beispiel nenne ich hier die Spätphase der Brakteatenprägung in den Bistümern Hildesheim, Helmstedt und Halberstadt, deren Münzen nicht mehr wirklich voneinander unterschieden werden können.
    Die wenigen Numismatiker, die sich an dieses Gebiet herantrauen, machen dies oft aus einer eigenen Sammelleidenschaft heraus, denn die Erarbeitung von Katalogen ist hier im Grunde immer ein sehr zeitaufwendiges und vorallem monetär defizitäres Projekt. Dazu kommt dass, was leider nie veröffentlicht wird: die oft hunderten und aberhunderten von Brakteaten, die sich trotz größter Bemühungen eben nicht zuweisen lassen und daher auch ohne je veröffentlicht zu werden langsam in Vergessenheit geraten und oft nichtmal von den Sammlern dieser sehr speziellen Sparte mit Aufmerksamkeit gekürt werden. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es hier sicher noch viel zu erforschen und aufzuarbeiten
     
  4. bernima

    bernima

    Registriert seit:
    2011
    Beiträge:
    36
    Zustimmungen:
    78
    @RedAuerbach
    So übel sind die Donauwörther nun auch nicht, oder ? 32.JPG 33.JPG
     
    moppel65 und Leitwolf gefällt das.
  5. RedAuerbach

    RedAuerbach

    Registriert seit:
    2012
    Beiträge:
    177
    Zustimmungen:
    157
    Bernhard, eh ned. Aber san halt Schwaben ;-)
     
  6. Durruti

    Durruti

    Registriert seit:
    2020
    Beiträge:
    157
    Zustimmungen:
    173
    Schlecht sind die Schwaben nicht (hier ein Donauwörther unter Heinrich VI. 1190-97, Bonhoff 1927). Aber an die Mitteldeutschen kommen sie dann doch nicht ran. Nicht die Krönung der Brakteatenprägung, aber dafür noch erschwinglich, sind die Klein- und Mittelprägungen der Magdeburger (hier zweimal Wichmann v. Seeburg, 1152-92, Mehl 244 u. Mehl 258).
     

    Anhänge:

  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese Ihrem Erleben anzupassen und Sie nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn Sie sich weiterhin auf dieser Seite aufhalten, akzeptieren Sie unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden