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Die Überfahrt nach Deutsch- Ostafrika

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11.09.2009
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Nachdem die “ Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg “ mir in den vergangen vier Jahren verlässlich Stoff für eine längere Kavalkade von Nachrichten und Glossen zum Thema “ Deutsche Reichsmünzen 1871 bis 1918 “ lieferten, war ich überrascht, auf dem mittlerweile bis in die 1890er erschlossenem Archiv der Mecklenburgischen Provinzgazette bloss ganze zwei Beiträge zum Thema “ DOA und Rupienwährung “ zu finden. Interessant ist, dass das Zweirupienstück, dass neben dem Elephanten heute die begehrteste Münze dieses Nebengebietes ist ( auch wenn sie vollends im Schatten der Tabora- Münzen steht ) überhaupt keine Erwähnung findet, dabei ist die Geschichte dieses Nominals, für das es im britisch- indischen Münzsystem kein Äquivalent gab m. E. besonders spannend. Die Doppelrupie war vermutlich die beliebteste Münze bei der ostafrikanischen Bevölkerungsmajorität. Gültig war sie , wie die übrigen deutschen Rupien bis 1923, doch ob sie den Umlauf des Maria – Teresientalers im Schutzgebiet überlebt hat oder aktiv einbehalten wurde, kann ich nicht sagen.

Zusätzlich zu den beiden Notizen aus den “ Anzeigen “ könnt Ihr eine Reisebeschreibung von Deutschland nach DOA lesen, erschienen 1912 in der Zeitschrift ” Kolonie und Heimat ”

8. August 1890
Von den neuen Münzen der deutschen ostafrikanischen Gesellschaft sind die ersten Stücke fertig geworden. Es sind Kupferstücke, ähnlich den 20=Pfennigstücken aus Nickel. Die Flächen sind ebenso, wie bei diesen, durch eine mittlere Kreislinie in zwei konzentrische Kreise getheilt. Auf der einen Fläche ist in dem äußeren Kreise in lateinischen Lettern die Inschrift zu lesen: "Deutsch=ostafrikanische Gesellschaft 1890." Der innere Kreis wird durch den deutschen Reichsadler ausgefüllt. Die andere Seite hat gleichfalls zwei konzentrische Kreise; dort, wo untere 20=Pfennigstücke den Eichenkranz zeigen, schmückt die Kupfermünzen der ostafrikanischen Gesellschaft ein Lorbeerkranz. Die innere Kreisfläche füllt eine arabische Inschrift aus. Die Randfläche ist glatt. - Von dieser Münze gehen 64 Stück auf eine Rupie, die je nach dem Silberpreis, der natürlich fortwährend wechselt, einen verschiedenen Werth hat. Zur Zeit beträgt eine Rupie 1,60 bis 1,70 Mark, so daß die neue deutsch=ostafrikanische Kupfermünze einen Werth von 2 1/2 bis 3 Reichspfennigen hat. - Eine Silbermünze wird gleichfalls demnächst, etwa im September, in den Verkehr kommen. Dieselbe wird eine Rupie betragen und in der Größe etwa unserem Zwei=Markstück gleichkommen.

21. April 1891
Die deutsch=ostafrikanische Gesellschaft giebt jetzt zwei weitere Münzsorten aus, nämlich 1/4 Rupie, unserem 50 Pfennigstück, und 1/2 Rupie, unserem Einmarkstück entsprechend.



Die Überfahrt nach Deutsch - Ostafrika

Eine Seereise ist heutzutage nicht mehr wie ehedem ein höchst gefahrvolles Unternehmen. Das Reisen auf einem modernen Riesendampfer ist vielmehr mindestens ebenso sicher wie auf einer Eisenbahn, jedenfalls aber viel bequemer. Denn ein Ozeandampfer gleicht einem Hotel ersten Ranges mit allen Bequemlichkeiten, die wir von einem solchen erwarten. Es ist also kein Wunder, dass in den letzten zehn Jahren das Reisen zur See, zum Vergnügen und zur Erholung, ausserordentlichgen Anklang gefunden hat. Nordlandreisen, Mittelmeerreisen und gar Reisen um die Erde werden alljährlich von Tausenden von Menschen unternommen. Verschiedene sogenannte Reisebureaus veranstalten Gesellschaftsreisen, denen sich reiseunkundige Leute anschliessen können. Es ist ein erfreuliches Zeichen für den Fortschritt, den die koloniale Bewegung in weiteren Kreisen gemacht hat, dass seit einigen Jahren solche Gesellschaftsreisen auch nach unseren Kolonien mit Erfolg veranstaltet werden. Namentlich Ostafrika ist das Reiseziel vieler Kolonialfreunde gewesen. Gelehrte, Schriftsteller, Reichstagsabgeordnete, Kaufleute und Industrielle, ja sogar Studierende und allerlei Privatleute haben sich aufgemacht, um die palmenunsäumten Küsten, die wildreichen Steppen und herrlichen Gebrigsländer unserer ostafrikanischen Kolonie kennzulernen, und alle sind hochbefriedigt von dem Geschauten zurückgekehrt. Viel haben dazu die Bemühungen der Schiffslinie, die den Verkehr nach Ostafrika besorgt, der Deutschen Ostafrika – Linie, beigetragen, den sie weiss den Reisenden die weite Überfahrt so angenehm wie möglich zu machen. Wenn man in Betracht zieht, dass eine derartige, mehrmonatige Reise kaum so viel Geld kostet, als manche Leute in kürzerer Zeit in Modebädern ausgeben, so muss man sich eigentlich wundern, dass von der Gelegenheit, die Kolonien kennenzulernen, nicht noch viel ausgiebiger Gebrauch gemacht wird.

Die Überfahrt kostet einschliesslich voller Verpflegung ( mit Ausnahme der Getränke, die aber auch nicht teurer sind, als zu Hause ) von Hamburg oder Rotterdam nach Tanga oder Daressalam I. Klasse 850 Mark, II. Klasse 575 Mark, III. Klasse 300 Mark. Dazu kommt seit einigen Jahren ein Teuerungszuschlag von 10 v. H. Für denjenigen, der Zeit hat, ist es am billigsten, Hamburg als Ausgangspunkt zu wählen. Wer Zeit sparen will, oder wer in West- oder Sïddeutschland wohnt, geht in Rotterdam, Marsaille oder Neapel an Bord.


Nun bitten wir unsere Leser, uns auf der Reise nach unserer ostafrikanischen Kolonie zu begleiten. Unsere Koffer sind unter sachgemässer Anleitung einer Ausrüstungsfirma gepackt und nach Hamburg befördert. Wir haben dort im Bureau der Ostafrika – Linie unsere Fahrkarte abgeholt und begeben uns an Bord, um uns häuslich einzurichten. Am anderen Morgen um Sonnenaufgang gleitet das Schiff die Elbe hinunter, und am Nachmittag verlässt uns der Lotse und nimmt die letzten Grüsse an unsere Lieben mit an Land. Wir befinden uns nun bereits auf hoher See. In den folgenden Tagen wird die Hafenstadt Rotterdam und nach vorsichtiger Fahrt durch den von zahlreichen Schiffen aller Nationen belebten Kanal, wie der Meeresarm zwischen England und Frankreich heisst, Southampton an der Südküste Englands angelaufen. Dann geht`s hinaus auf den Atlantischen Ozean. Bald folgen ein paar schlimme Tage, bis wir uns an den Seegang gewöhnt und namentlich den Meerbusen von Biscaya passiert haben. Mit wenigen Ausnahmen entrichtet die ganze Reisegesellschaft der Seekrankheit ihren Tribut und die Stewards – so nent man auf den Schiffen die Kellner – haben bei Tische nicht viel zu tun. Allmählich stellen sich aber der Lebensmut und die Esslust wieder ein, und wir sind in der Lage, der üppigen Verpflegung alle Ehre anzutun. Man isst mit Ausdauer und Begeisterung, man trinkt, schläft, macht ein Spielchen, manchmal soga rein Tänzchen, liesst oder gibt sich süssem Nichtstun hin.

Mittlerweile nähern wir uns der portugisischen Küste und gehen nach etwa 8 Tagen im Hafen von Lissabon, der herrlich gelegenen Hauptstadt Portugals , vor Anker. Hier bekommen wir Ladung für Portugisische – Ostindien und als Reisegenossen allerlei ” Coloured Gentlemen ” – farbige Herren – Mischlinge mit hochtönenden Namen, die uns durch ihren Anblick eine für Afrikareisende nützliche Lektion über Rassebewusstsein erteilen.
Von Lissabon führt uns das Schiff nach Tanger, der Haupthafenstadt von Marokko. Hier sehen wir das erste Stück afrikanischer Erde und afrikanischen Lebens.


Dann durchfahren wir die Strasse von Gibraltar, die, von englischen Befestigungen beherscht, uns Englands Seegeltung vor Augen führt. Am 14. Tage unserer Fart erreichen wir Marseille, den bedeutendsten Hafen Frankreichs und des Mittelländischen Meeres überhaupt. Zwei Tage später sind wir in Neapel, wo wir wieder neue Reisegenossen bekommen. Zwei bis drei Tage haben wir hier Zeit, die herrlich am Fuss des Vesuv gelegene Stad t und echt italienisches Leben kennenzulernen. Dann nehmen wir Abschied von Europa, um in sechstägiger wundervoller Mittelmeerfahrt dem nächsten afrikanischen Hafen Port Said und dem durch das ragende Denkmal seines Erbauers Ferdinand von Lesseps markiertem Eingang in den Suezkanal zuzusteuern.

Port Said ist der Typus einer modernisierten orientalischen Stadt mit europäische Allüren. Orientalisches Geschrei und Gewimmel und orientalischer Schmutz neben modernen Hafenanlagen, Hotels, usw, Gesindel aller Nationen. Recht zutreffend haben die Engländer Port Said den ” Spucknapf der Welt ” getauft. Vorzeitig pflegen hier viele Reisende sich allerlei minderwertige Raritäten für teures Geld aufschwatzen zu lassen.

Hat man Port Said hinter sich, so macht der Suezkanal den Eindruck einer endlosen, durch die Wüste gezogenen Rinne. Und die Szenerie ändert sich wärend der Fahrt durch die 164 Kilometer lange Strecke nicht sonderlich, sie wird nur spärlich unterbrochen durch ein paar kleine Oasen. Für die nächtliche Fahrt sind die Schiffe mit einem elektrischen Apparat ausgerüstet, der den Kanal beleuchtet. Da in der Landenge von Suez Winde zu den Seltenheiten gehören, so bildet die Durchfahrt keine sonderliche Annehmlichkeit, und man ist froh, wenn man nach 18 bis 36 Stunden Suez erreicht hat.

Hier bietet sich uns am Eingang ins Rote Meer eine herrliche Rundsicht über dessen rote Steilwände, und dann wird`s erst recht afrtikanisch, d.h. heiss. Das Rote Meer und der Golf von Aden sind berüchtigt durch ihre Hitze, die auf dem Schiff wärend der Fahrt alle Bande frommer Scheu zu lösen und die Reisenden in den gewagtesten Kostümen nächtlicherweise auf Deck zu treiben pflegt. Fünf lange Tage, bis wir Aden erreichen. Aden, berühmt durch seine grossartigen Wasserstauanlagen – Tanks, die aber meisst kein Wasser haben-, liegt malerisch am Fusse der gewaltigen Felsmassen der arabischen Küste. Hier kann man Straussenfedern und Federboas für die Damen zu Hause einkaufen, am besten schon auf dem Hinweg, den man kann nie wissen, ob nicht etwa wegen der Pest gerade auf dem Rückweg der Hafen gesperrt ist. Nun geht`s noch einmal durchs Fegefeuer, ehe wir dem ersehnten Paradiese, dem ostafrikanischen Gestade uns nähern. Kaum haben wir das Kap Guardafui – Hütet Euch ! – passiert, so verschafft uns der Seegang des Indischen Ozeans in Verbindung mit dem Südwestmonsun noch einmal die Bekanntschaft mit der Seekrankheit. Aber auch dies wird überstanden, und sechs Tage später nähern wir uns dem Lande unserer Sehnsucht. Zunächst sehen wir ein Stück Afrika unter britischer Flagge, Mombasssa, den Ausgangspunkt der Ugandabahn, die ins Herz von Afrika führt. Aber am anderen Tage ist Tanga ereicht, die Hansestadt Deutsch- Ostafrikas. Zanzibar, das ehemalige Handelsimperium Ostafrikas, laufen wir nur zur Postabgabe an. Endlich, am 18. Tage seit unserer Abfahrt von Neapel, treffen wir in Daressalam ein, der Hauptstadt unserer Kolonie, zunächst dem Ziel unserer Reise. Um die anderen Küstenplätze, wie Bagamojo, Kilwa, Lindi, Mikindani usw. Kennenzulernen, werden wir später einen Dampfer der Nebenlinie besteigen, den die Hauptlinie führt uns von Daressalam direkt nach Mocambique, weiter um das Kap der guten Hoffnung herum nach Deutsch – Südwestafrika und längs der anderen Seite des schwarzen Erdteils wieder nach Hamburg zurück.

Wenn wir am Ende unserer Reise nicht ebenfalls diese Route fahren wollen, so nimmt uns ein von der anderen Seite aus Südwest kommender Dampfer mit zurück und fährt uns wieder durchs Rote und Mittelländische Meer der Heimat zu.- Nun aber möge uns der Leser auf einer Reise durch unsere Kolonie begleiten.
 

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Seltengast

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...Das Rote Meer und der Golf von Aden sind berüchtigt durch ihre Hitze, die auf dem Schiff wärend der Fahrt alle Bande frommer Scheu zu lösen und die Reisenden in den gewagtesten Kostümen nächtlicherweise auf Deck zu treiben pflegt. ...<o:p
<o:p</o


Herrlich! :lachtot:

Vielen Dank für diesen sehr schönen Artikel! :):)
</o
 
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jeggy

********
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Kann da noch ein "Kärtchen" dazu beitragen,
das ich mal gescannt und assembliert habe (6.5MB)
Auf Google Maps gibt's das ja nicht, weil sich die Zeiten geändert haben ;)
 

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Toller Artikel!
Wenn es eine Fortsetzung gibt, wäre dieser für mich auch sehr interessant.
 
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Hallo Kronerogøre,

Vielen Dank für diesen hoch interessanten Artikel, der wirklich ausführlichst die Überfahrt nach DOA beschreibt.
Gerade auch die Information, das es ein Dampfer der Deutschen Ostafrika Linie war, ist für mich sehr interessant, da die Reedereien des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert eines meiner Hauptinteressen, neben dem Leben in der Kolonie sind.

Edit : Über eine Fortsetzung würde ich mich natürlich auch sehr freuen.
 
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