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Elfenbein, Gold & Gerstensaft

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Wie nach der Ankunft in Deutsch- Ostafrika ( klick ) versprochen, folgt dieses Jahr die Fortsetzung. ” Kolonie und Heimat ” schildert seinen Lesern in Fortsetzungen, wie das Leben in der Kolonie von statten ging. Hier folgen einige Auszüge, die das Wirtschaftsleben in DOA in Ausschnitten beleuchten:

” Das edelste Wild Afrikas ist zweifelsohne der Elefant, der auch in unser ostafrikanischen Kolonie noch in zahlreichen Herden vorkommt. Es scheint fast, als ob er sich in den letzten Jahren unter dem Einfluss der zwangsweisen Schonung, die man ihm in einigen Gegenden der Kolonie angedeihen liess, wieder vermehrt hätte. Auf die Naturgeschichte des Elefanten hier einzugehen, scheint überflüssig- wichtiger ist seine Bedeutung als Jagd – und künftiges Nutztier. Wer noch die gewaltigen Mengen Elfenbein gesehen hat, die vor fünfzehn, zwanzig Jahren aus dem Inneren von Ostafrika an die Küste kamen, der weiss welche Werte ein guter Elefantenbestand bei verständnisvoller Schonung darstellt. Auch heute noch kommen gelegentlich noch ansehnliche Elfenbeinkarawanen aus dem Inneren der Kolonie. Die Ausfuhrmenge, die sehr gesunken war, beginnt sich in letzter Zeit wieder zu heben, wie folgende Übersicht erkennen lässt:

1903 :23.000 Kg = 406.529 Mk
1905: 21.000 Kg = 459.804 Mk
1907: 24.000 Kg = 644.287 Mk
1908: 25.600 Kg = 561.946 Mk
1909 : 47.900 Kg = 960.000 Mk
1910 : 34.124 Kg = 703.000 Mk


Es ist natürlich ausgeschlossen, das die Produktion je wieder in solchem Masse gesteigert werden kann wie ehemals. Denn wo der Mensch lebt und das Land bebaut, da kann man den Elephanten als Jagdtier nicht dulden. Es wird jedoch auf viele Jahrzehnte hinaus genug menschenleere Gebiete geben, wo das Tier leben und bei verständigem Abschuss stetige Mengen Elfenbein liefern kann.
Aber es sind nicht nur die Zähne – das Elfenbein - , die Haut usw., die einen wirtschaftlichen Wert darstellen, sondern der Elefant kann auch als Haus – und Arbeitstier nutzbar gemacht werden. Schon seit undenklicher Zeit leistet der indische Vetter des afrikanischen Elefanten unschätzbare Dienste und wird planmässig gezüchtet. Es ist bereits erwiesen, dass auch unser Afrikaner aus dem Jagdtier zum Freund und Gehilfen des Menschen werden könnte. ”


Der Umfang, den die Elfenbeinproduktion ” ehemels ” hatte, lässt sich folgender Notiz aus den ” Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg” vom 18.03.1890 entnehmen:

” Die Zahl der Karawanen in Deutsch=Ostafrika mehrt sich von Tag zu Tag. Die Straße nach den großen Seen über Mpuapau ist völlig sicher. Es ist in Bagamoyo durch Karawanenführer berichtet worden, daß große Karawanen mit zusammen 3000 Lasten vom Seengebiet her nach Bagamoyo kommen werden. Dieselben sollen Elfenbein im Werthe von mehren Millionen Rupien mitbringen. Die durch den Aufstand fast ein ganzes Jahr hindurch verhinderte Ausfuhr von Elfenbein hat auf den Preis desselben großen Einfluß gehabt. Das Sansibar=Elfenbein ist nämlich von jeher das beliebteste gewesen, da die Zähne der ostafrikanischen Elephanten härter sind, als diejenigen der indischen. Der jetzige Preis ist mit der höchste, der je gezahlt worden ist. "
Vom weissen Gold geht es weiter zum Element Au, das, wie wir wissen, nach 1914 nicht mehr den Prägestätten im Mutterland zugeführt werden konnte. Gold aus Sekenke ist also mutmasslich in Reichsgoldmünzen enthalten. Schade, dass die Ära der Ausbeutemünzen schon beendet war,sonst hätte man heute vielleicht Doppelkronen “ Ex Auro Africae “ in den Katalogen gefunden, mit einem kleinen Elephanten irgendwo im Prägebild, ungefähr so, wie bei den aus grönländischem Gold geprägten Tausendkronenstücken, die durch einen Eisbären gekennzeichnet sind.


Dies weiss ” Kolonie und Heimat ” vom Goldabbau in der Kolonie zu berichten:
“Gold ist schon bald nach der Erwerbung der Kolonie eifrig gesucht worden, da ja Afrika von jeher im Geruch eines Goldlandes steht. Alte Goldschürfstellen in verschiedenen Gegenden, wie z. B. zwischen Muansa und Tabora, legen Zeugnis davon ab. Bei Ngasamo im Bezirk Muansa wurde mittels einer Kugelmühle immerhin für 643.000 M. Gold gewonnen ; hier ist jüngst auch ein fünfstempeliges Pochwerk aufgestellt worden. Ebenso wird jetzt ein Vorkommen bei Ikoma im moderner Weise abgebaut. Der ergiebigste Goldfund ist bei Sekenke am Kirondobach in der Wembere- Steppe gemacht worden. Die Kironda- Goldminengesellschaft, der das Goldlager gehört, hat ein zehnstemepliges Pochwerk mit bedeutenden Kosten und Schwierigkeiten an Ort und Stelle geschafft, um den goldhaltigen Quarz sachgemäss verarbeiten zu lassen. Bis zum 1. Januar 1912 war für rund 2.100.000 M. Gold gewonnen… Sicher werden im Lauf der Zeit noch weitere Goldvorkommen gefunden werden. Bergingenieur Kuntz, ein bekannter Fachmann, meint, dass die Aussichten des Goldbergbaus in unserer Kolonie nicht weniger gut sind, als in dem britisch- südafrikanischen Gebiet von Rhodesia. Es würde sich also um Gewinnung im Kleinbetrieb handeln. Es müssten nur eine Anzahl selbstständiger Prospektoren ins Land gezogen werden, die alle in Frage kommenden Gegenden planmässig absuchen und im Notfall von gelegentlichen kleinen Funden leben können. ”
Zur Arrondierung dieses Beitrags nun ein Auszug aus dem Kapitel ” Die Anfänge der Industrie ”, der das Aufblühen einer ganz besondes erfreulichen Sparte des Wirtschaftslebens zum Thema hat:
” Die erste wirkliche Industrie, die sich in der Kolonie aufgetan hat, ist eine echt deutsche, die Bierbrauerei . Daressalam, die Hauptstadt der Kolonie, erfreut sich einer modernen Braustätte, der ” Ersten Deutschen Ostafrikanischen Bierbrauerei ” von Wilhelm Schultz, die schon auf ein vierzehnjähriges Bestehen zurückblicken kann. Nach vielen Versuchen gelang es Schultz im Jahr 1897, ein gut trinkbares und haltbares Weissbier herzustellen, das sogar bis zu den zentralafrikanischen Seen – wochenlang in der Sonnenhitze auf den Köpfen von Schwarzen ! – versandt werden konnte. Bis 1903 musste mit Handbetrieb und primitivster Einrichtung gearbeitet werden. Erst in diesem Jahr konnte Herr Schultz Maschienenbetrieb einrichten und eine Eismaschine aufstellen. Damit wurde auch die Herstellung von untergärigem Lagerbier möglich. Holz gibt`s in der ganzen Brauerei nicht mehr. Ein Holzbottich, der in der Heimat ein Menschenalter aushält, ist in Ostafrika in der feuchtwarmen Luft des Küstengebietes in 4 bis 5 Jahren verrottet. Deshalb sind Lagerfässer, Versandfässer und alle anderen Gefässe und Werkzeuge aus Metall. Gemaischt wird nach dem ” Kurzmaischverfahren ”, so ziemlich der einzigen Manipulation, die an unsere heimischen Methoden erinnert. Wir haben hier also eine eigene tropische Brautechnik. Herr Schultz arbeitet nur mit Pfanne und Maischbottich ; Kühlschiff und Gärbottich fehlen. In der Pfanne wird gemaischt, gekühlt und vergoren. Von der Pfanne geht das Bier direkt in den Keller, der eine Temperatur von 3 bis 4 Grad hat. Die Lagerfässer werden im Inneren durch ein Rohrsystem direkt von der Maschiene gekühlt und so das Bier auf eine Temperatur von 1 bis 2 Grad gehalten. In der Brauerei Schultz werden jährlich etwa 3000 hl Bier hergestellt. Davon werden 7/8 auf Flaschen gefüllt, 1/8 in Syphons und Fässern verkauft. Ausserdem werden täglich gegen 30 Zenter Eis abgesetzt. Das Daressalamer Bier wird nicht nur in der Kolonie selbst, sondern auch in den benachbarten Gebieten, z. B. Britisch – Ostafrika und Zanzibar getrunken. Mit der Brauerei ist eine Mineralwasserfabrik verbunden, die jährlich rund ½ Million Flaschen Sodawasser herstellt. Ausserdem ist an die Brauerei zur rationelleren Ausnutzung ein Mühlenbetrieb angeschlossen, in dem namentlich für die Eingeborenen Mais verarbeitet wird. Und endlich wird die Baumwoll – Ginanlage der Gemeinde Daressalam mitbetrieben. Kurz und gut, der Schultzsche Betrieb stellt gewissermassen den Anfang einer bodenständigen Industrie dar.”
Was ist aus der Brauerei geworden ? Dieser Liste zufolge scheint sie noch zu existieren :
http://www.beercoasters.it/TANZANIABREW.HTM

Einen eigenen Netzauftritt habe ich jedoch nicht entdecken können.
Als numismatische Illustration für Elfenbein + Gold bietet sich natürlich nur J 728 an.
Überraschenderweise hat aber auch das Gerstengold geprägte Spuren hinterlassen. Von der Brauerei Schultz existieren Wertmarken. Für das Stück zu 1/3 Rupien habe ich zwei Belege gefunden, hier ein Link dieser Biemarke:
http://www.lanzauctions.com/catalogs/136/00409h00.htm

In dieser Quelle wird ein Viertelrupientoken erwähnt: http://tokencatalog.com/token_record_forms.php?action=DisplayTokenRecord&td_id=375193&inventory_id=366908&attribution_id=384278&td_create_uid=22
Ob die Existenz dieses Stückes gesichert ist oder ob eventuell ein Missverständnis vorliegt, kann ich jedoch nicht sagen. Vielleicht finden sich hier ja weitere Hinweise in der erfreulicherweise nun wieder zugängigen ” Deutschen Ostafrikanischen Zeitung ”.
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