Falsches Reichsgold aus den goldenen Zwanzigern

Mitglied seit
11.09.2009
Beiträge
10.786
Punkte für Reaktionen
9.212
In einen Nachbarforum habe ich folgenden Hinweiss auf eine Artikelbeschreibung auf MacSuch gelesen :

Josef Wild wurde am 13. März 1872 in Nürnberg geboren. Nach den Lehr- und Gesellenjahren übte er sein Kunsthandwerk seit 1897 als Goldschmiedemeister und selbständiger Juwelier in einem gemieteten Laden in Nürnberg aus. Während der Inflationszeit nach dem 1. Weltkrieg, als der Höhepunkt der Geldentwertung im Jahre 1923 erreicht war, begann Wild mittels einer erworbenen Prägemaschine Münzen herzustellen, auf denen der Wert in Goldmark bzw. Dukaten angegeben war, wobei er einem Dukaten zehn Goldmark gleichsetzte. Wild wollte so dem deutschen Volk durch seine Goldmarkprägungen anstelle der wertlosen Geldscheine, die auf Millionen, Milliarden und Billionen lauteten, wieder einen sicheren Wertmesser geben und den verzweifelnden Menschen zeigen, was überhaupt eine Goldmark ist, nach der Industrie und Handwerk, Handel und Gewerbe, Importeure und Exporteure rechneten. Die hergestellten Münzen wurden jedoch sofort wegen des gesetzlichen Geldausgabemonopols der Reichsbank untersagt. Als Wild jedoch begann, Reichsgoldmünzen herzustellen, beging er damit das Verbrechen der Falschmünzerei. Er kam in Haft und wurde später wegen einer schweren Erkrankung in das städtische Krankenhaus Nürnberg verlegt, wo er am 31. März 1932 im Alter von 60 Jahren verstarb.

Ach ja ? Reichsgold aus den 20er Jahren? Hat jemand von Euch schon mal etwas davon gehört, bzw hat so ein Teil gesehen ? Welche Typen, welche Qualität welches Vorkommen ? Wo sind die heute ?
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied seit
11.09.2009
Beiträge
10.786
Punkte für Reaktionen
9.212
Hübsche Gepräge. Interessant wäre es natürlich, eine von Wild fabrizierte Reichsgoldmünze zu sehen. Manchmal gibt es hier im Forum Anfragen nach der Echtheit von Raritäten, die gekoppelt sind mit der Beteuerung, das Stück sei schon seit der Vorkroegszeit in Familienbesitz.
Naja, wenn Wild wegen Falschmünzerei verurteilt wurde, werden wohl seine Produkte sicher nicht mehr existieren. Aber spannend wäre es schon.
 
Mitglied seit
30.03.2006
Beiträge
255
Punkte für Reaktionen
9
Einige Josef Wild´sche Gold-Prägungen sind im Katalog Erlanger (Teil 1) unter folgenden Nummern, teilweise mit Abbildungen, Durchmesser- und Gewichtsangaben, beschrieben:

931 a = 10 GOLDM. Auflage 40-50 Stück. 18 mm. 3,6 g.
931 b = 5 | GOLD | M Auflage 40 Stück. 14 mm. 1,8 g.
931 c = 3 | GGOLD | M Auflage 25 Stück. 12 mm. 1,1 g.
931 d = 2 | GOLD | M Auflage 25 Stück. 11 mm. 0,7 g.

940 10 GOLD M // 1 | NÜRNBERGER | GOLD-DUKATEN 18 mm. 3,53 g.
400 Jahre Reformation.

960 Goldmedaille 21 mm. 3,55 g. Erinnerungstag der Armee und Marine.

962 EIN GOLD-DUKATEN 21,5 mm. 3,5 g. 100 Jahre Volksfest.

972 a = 5 GOLDDUKATEN 28,5 mm. 17,85 g. Stadtansicht.
972 b = 20 GOLDMARK 21 mm. 7,14 g. Stadtansicht.
972 c = 2 GOLDDUKATEN 21 mm. 7,14 g. Stadtansicht.

1000 = 20 GOLDMARK 21 mm. 7,1 g. 400. Todestag Dürers.
_________________________
Grüße von Rainer
 
Mitglied seit
11.09.2009
Beiträge
10.786
Punkte für Reaktionen
9.212
Zu Weihnachten habe ich mir selbst das Werkverzeichnis von Wild ( Dieter W Fischer : Die gepräge des Josef Wild ) geschenkt, ein sehr hübsch ediertes Bändchen, in dem alle dem Autor bekanntgewordenen Gepräge katalogisiert sind. In der Tat finden sich Proben zu drei Reichsgoldmünzen :

J 195 5 Mark Bayern 1877 ( nur Portraitseite )

J 244 5 Mark Preussen 1877

J 247 10 Mark Preussen 1888 ( nur Portraitseite )

Hinweise auf weitere Typen , eventuelle Ausprägungen in 900er Gold oder etwaige Auflagehöhen finden sich nicht, allerdings schreibt der Autor, dass nach Wilds Verhaftung alle unverkauften Gepräge vernichtet wurden.

Die Portraits sehen äusserst gelungen aus, der Adler des J 244 wirkt grobschlächtiger als bei einem Original.
 
Mitglied seit
11.09.2009
Beiträge
10.786
Punkte für Reaktionen
9.212
Meine letzte Neuerwerbung stelle ich mal hier vor. Mit dieser Münze erfüllt sich ein ganz besonderer Wunsch. Insbesondere dieser Typ mit der so schön plastisch anmutendem Stadtansicht hat es mir angetan. Es gibt noch ein Zehnmarkstück, sowie ein Stück zu 50 Goldmark, die ebenfalls eine Ansicht der Nürnberger Burg zeigen. Ein Exemplar der 50 Goldmarkmünze wurde vergangenen Herbst bei Hirsch versteigert.

Die Geschichte der Wild`schen Gepräge ist faszinierend. 111 Münzen und Medaillen sind katalogisiert, zuzüglich der 3 Reichsgoldfälschungen, die ihm letztendlich das Genick gebrochen haben. Die Prozessakten sind sicherlich verschwunden, wie auch die meissten anderen Dokumente, die Informationen über Wilds Leben und Werk geben können, aber angesichts der 3 Reichsgoldentwürfe lässt mich der Gedanke nicht so ganz los, dass man Wild damals mit extremer Härte angefasst hat. Die beiden Reichsgoldfünfer waren schon seit 1900 ausser Kurs, stellte ihre Nachahmung wirklich den Straftatbestand der Geldfälschung dar ? Bleibt der Portriatseitenentwurf für die Münze, die wir heute J 247 nennen.
Mich beschleicht so etwas die Ahnung, dass der Staat damals dankbar die sich bietende Gelegenheit ergriffen hat, einen Unbequemen loszuwerden, denn bestimmt muss Wild, auch wenn er nur lokal tätig war, ziemlich penetrant gewesen sein, wenn er " die wahren Werte versprach " und damit indirekt zum Ausdruck brachte, dass er die Reichsmark für Schwindel hielt.
 

Anhänge

Mitglied seit
22.08.2009
Beiträge
6.921
Punkte für Reaktionen
5.969
Ich mache hier mal weiter.
Zu Weihnachten habe ich mir selbst das Werkverzeichnis von Wild ( Dieter W Fischer : Die gepräge des Josef Wild ) geschenkt, ein sehr hübsch ediertes Bändchen, in dem alle dem Autor bekanntgewordenen Gepräge katalogisiert sind.
Hinweise auf weitere Typen , eventuelle Ausprägungen in 900er Gold oder etwaige Auflagehöhen finden sich nicht, allerdings schreibt der Autor, dass nach Wilds Verhaftung alle unverkauften Gepräge vernichtet wurden.
Laut der Künker Frühjahrsauktion 2019, Zitat:

"Irgendwann im Verlauf der Jahres 1928 muss Josef Wild begonnen haben, alte Goldmünzen des Kaiserreichs nachzuprägen. Damit konnte der Staat endlich einen lästigen Störenfried loswerden. Der Nürnberger Goldschmied wurde 1929 wegen Falschmünzerei zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, und das obwohl seine eigenen Münzen natürlich einen wesentlich höheren intrinsischen Werk aufwiesen als alles Geld, das von der deutschen Regierung herausgegeben wurde. Wild hatte damit nie Täuschungsabsichten! Von Falschmünzerei zu sprechen, war also nicht korrekt.

Der inzwischen 57jährige musste trotzdem ins Gefängnis. Er sollte es nie wieder verlassen. Am 31. März 1932 verstarb Josef Wild, der werthaltigeres Geld gemacht hatte als der deutsche Staat." Zitat Ende!

Dann dürften doch wohl eigentlich nur Stücke bis 1929 vorhanden sein? Oder? Dagegen spricht nun wieder:
Numismatic Auctions: coins, medals & other valuables | Sixbid
Hat jemand eine erklärung?
 
Mitglied seit
11.09.2009
Beiträge
10.786
Punkte für Reaktionen
9.212
Ich mache hier mal weiter.

Laut der Künker Frühjahrsauktion 2019, Zitat:

"Irgendwann im Verlauf der Jahres 1928 muss Josef Wild begonnen haben, alte Goldmünzen des Kaiserreichs nachzuprägen. Damit konnte der Staat endlich einen lästigen Störenfried loswerden. Der Nürnberger Goldschmied wurde 1929 wegen Falschmünzerei zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, und das obwohl seine eigenen Münzen natürlich einen wesentlich höheren intrinsischen Werk aufwiesen als alles Geld, das von der deutschen Regierung herausgegeben wurde. Wild hatte damit nie Täuschungsabsichten! Von Falschmünzerei zu sprechen, war also nicht korrekt.

Der inzwischen 57jährige musste trotzdem ins Gefängnis. Er sollte es nie wieder verlassen. Am 31. März 1932 verstarb Josef Wild, der werthaltigeres Geld gemacht hatte als der deutsche Staat." Zitat Ende!

Dann dürften doch wohl eigentlich nur Stücke bis 1929 vorhanden sein? Oder? Dagegen spricht nun wieder:
Numismatic Auctions: coins, medals & other valuables | Sixbid
Hat jemand eine erklärung?
Spannend. Künkers Angaben stammen mit Sicherheit aus dem Fischer. Fischer kennt das Markstück Bayreuth 1931, gesondert kommentiert wird es nicht.
Ansonsten endet die Prägung laut den datierten Stücken 1929. Es gibt auch undatierte Stücke, Vermutungen zum Entstehungsjahr werden von Fischer nicht angestellt.
Dem Website der Bayreuther Festspiele zufolge ( Statistics - Bayreuther Festspiele ) fanden die Spiele vor dem Krieg nicht jährlich statt. 1929 gab es keine Veranstaltungen, 1930 und 1931 allerdings schon. Man müsste mal untersuchen, wann der Termin für die Festspiele von 1930 und 1931 bekanntgegeben wurde. Eventuell hat Wild vorproduziert ? Das wäre eine Erklärung, die mir plausibel erscheint.
 
Mitglied seit
22.08.2009
Beiträge
6.921
Punkte für Reaktionen
5.969
Eventuell hat Wild vorproduziert ? Das wäre eine Erklärung, die mir plausibel erscheint.
Daran habe ich auch schon gedacht. Wenn dann müsste vermutlich Bayreuth vorbestellt haben, wirtschaftlich war Josef Wild wohl nicht so erfolgreich, laut dem Künkerartikel. Ist es denkbar in der Weltwirtschaftskriese Goldstücke weit vorher zu produzieren oder vorzubestellen?
 
Oben
Sie nutzen einen Adblocker

Sicherlich gibt es Seiten im Internet, die es mit Werbung übertreiben. Dieses Seite gehört nicht dazu!

Aus diesem Grunde bitte ich Sie, Ihren Adblocker zu deaktivieren. Danke!

Ich habe den Adblocker für diese Seite ausgeschaltet