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Frankfurter, Hannoversche und Nassauische Taler im Umlauf

Dieses Thema im Forum "Altdeutschland" wurde erstellt von Muppetshow, 9. Dezember 2019.

  1. Muppetshow

    Muppetshow

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    Wie sicherlich fast jeder weiß, hat das Königreich Preußen im 19. Jahrhundert die Staaten Frankfurt, Hannover und Nassau annektiert. Gemeinsam hatten alle vier Staaten, dass man dort mit standardisierten Talermünzen bzw. Guldenstücken als Kurantmünzen zahlen konnte.

    Aber wie hat sich die Einverleibung dieser Staaten in Preußen auf die Währungspolitik und den Geldumlauf dieser ehemals souveränen Territorien ausgewirkt? Wie lange konnte noch mit den nicht ins preußische System passenden Scheidenünzen gezahlt werden und wurden diese zu fairen Konditionen in preußische Währung getauscht?
    Unterstützte Preußen den weiteren, jahrelangen Umlauf der Kurantmünzen oder sollte die Erinnerung an die ehemals souveränen Staaten möglichst ausgelöscht werden?

    Fragen über Fragen - aber ich würde mich sehr über Antworten von euch freuen!
     
  2. reining

    reining

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    Die Münzen blieben ganz normal im weiteren Umlauf
    Es wurden halt keine neuen Stücke dieser Länder, zu denen auch noch Hessen-Kassel gehörte, herausgegeben.

    Die große Außerkurssetzung betraf dann alle Münzen so nach und nach mit der Einführung der Mark

    Dies geschah mit der Ausnahme der Talerstücke (XIV eine feine Mark und XXX ein Pfund Fein) in den Jahren
    ab 1873 (beginnend mit den Goldmünzen) bis 1878 (u.a. die Sechsteltaler = 50 Pfennig)

    Die Bekanntmachungen sind im Originaltext unter
    Kategorie:1870er Jahre – Wikisource
    zu finden. (Buchstabe B)

    In der Bekanntmachung vom 22.02.1878 wird Kurhessen ausdrücklich genannt.

    1907 wurde das Ganze mit den Talern abgeschlossen

    Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Eintalerstücke deutschen Gepräges – Wikisource

    Ergänzung:
    Dazwischen (1900) "erwischte" es noch die österreichischen Vereinstaler und Vereinsdoppeltaler

    Letztere waren somit länger im Umlauf gültig als die Doppeltaler der deutschen Länder
    Sie waren 1876 einfach vergessen worden
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Dezember 2019
    JensiS, nothing_but_me, joro_73 und 2 anderen gefällt das.
  3. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    Als ich mich im Herbst mit der Situaution in Hannover beschäftigt hatte, hatte ich mir auch die Frage gestellt,ob die Münzen aus Hannover eingezogen wurden oder weiter gültig blieben. Meine Quelle ( Vom B zum B - Das Jahr 1866 im Spiegel der Münzstätte Hannover ) erwähnt nur das Ausmünzungsverbot nach der Annexion , auf die Frage, was mit dem im Umlauf befindlichen Geld geschah,geht sie nicht ein.
     
  4. reining

    reining

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    Das liegt daran, dass damit nichts geschah:)
     
  5. Fusselbär

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    Warum sollte man es einziehen? Neu ausmünzen kostet nur Geld. Ich denke da waren die Preussen Praktiker.
     
  6. Muppetshow

    Muppetshow

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    Möglicherweise, da zumindest die Kleinmünzen im preußischen Währungssystem nicht kompatibel waren.
    In Frankfurt und Nassau galt der Gulden, in Hannover der Groschen zu 10 statt 12 Pfennigen, den Taler zu 24 statt 30 Groschen gerechnet und in Schleswig-Holstein galt die dänische Kurantwährung. Sicherlich nicht einfach zu handhaben, was den parallelen Barumlauf dieser Münzsorten praktisch und buchhalterisch für Verwirrung oder Mehraufwand bedeutet hat.
    Außerdem könnte es im propagandistischen Interesse des Staates gelegen haben, das Andenken an die einstige Souveränität dieser neuen Landesteile zu tilgen.
     
  7. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    Eine Einziehung hätte politisch motiviert sein können, da sowohl die Frankfurter, als auch die Hannoveraner Münzen an die Zeit vor der Aneignung durch Preussen erinnerten und so möglicherweise einen propagandistischen Wert bekommen haben könnten. Die Einverleibung Frankfurts verlief wohl äusserst gewalttätig, im Falle Hannovers entspann sich ein jahrzehntelanger Konflikt mit den Welfen, dessen Beilegung sich erst am Vorabend des 1. Weltkrieges abzeichnete.
    Interessant, das dies offensichtlich nicht der Fall war . Unter einem rein pragmatischen Gesichtspunkt bin ich sogar froh darum, da nun mein Vereinstaler nicht so lose in der Sammlung rumhängt. Eigentlich eine schöne Vorstellung, dass er bis 1907 rein theoretisch noch zusammen mit dem Gros meiner Münzen umlaufen konnte.
     

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  8. Fusselbär

    Fusselbär

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    Eben. Da relativiert sich der Umlauf mit dann preussischen Münzen von ganz allein. Das ist dann im lauf der Zeit einfach eine Praxisfrage. Wer hat denn das Problem, wenn Abgaben usw. auf der Grundlage preussischen Anordnungen getroffen werden? Die die zahlen müssen.
    Und die Taler fallen da nicht ins Gewicht. Da muss man nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer der Anexion gießen.
     
  9. Muppetshow

    Muppetshow

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    Da liegt es doch nahe, anzunehmen, dass die nunmehr schlechten Scheidemünzen schnell außer Landes gebracht und dort in den Umlauf gesetzt worden sind.
     
  10. reining

    reining

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    Der hannoversche Groschen war, wie die anderen auch, seit 1857 ein dreißigstel Taler

    Schaut Euch doch einfach mal die Bekanntmachungen an, mit denen alte Währungen außer Kraft gesetzt wurden, z.B. auch die schleswig-holsteinische
    Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung verschiedener Landes-Silber- und Kupfermünzen – Wikisource
    Da sind Stücke aus dem 18. Jahrhundert darunter und auch aus dem späten 17. Jahrhundert von Ländern, die schon lange nicht mehr existierten
    Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung von Münzen – Wikisource

    Auch die Gulden-/Kreuzerwährung in Nassau und Frankfurt war nicht wirklich ein Problem, Preußen ließ sogar Briefmarken in mehreren Kreuzernominalen 1867 verausgaben
     
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