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Gibt es aktuell realistische Euro-Anwärter? Teil 2

Dieses Thema im Forum "Euromünzen" wurde erstellt von lorry62, 24. November 2018.

  1. lorry62

    lorry62

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    Mal ein kurzer Überblick, den ich unter anderem aus den untenstehenden Links zusammengestellt habe:

    Stand: April 2019


    Voraussetzung für die Euro-Einführung:

    - Erfüllung der wirtschaftlichen Konvergenzkriterien
    - Mindestens zweijährige Mitgliedschaft im WKM II (ein späterer Austritt ist möglich)



    EU-Mitglieder, die den Euro eingeführt haben:

    Belgien
    Deutschland
    Estland
    Finnland
    Frankreich
    Griechenland
    Irland
    Italien
    Lettland
    Litauen
    Luxemburg
    Malta
    Niederlande
    Osterreich
    Portugal
    Slowakei
    Slowenien
    Spanien
    Zypern





    Nicht-Mitglieder der EU, in denen der Euro gesetzliches Zahlungsmittel ist:

    - Andorra
    - Vatikan
    - Monaco
    - San Marino

    - Kosovo
    - Montenegro




    EU-Mitglieder, die den Euro (noch) nicht eingeführt haben – weitere Infos siehe unten:

    Bulgarien
    Dänemark
    Großbritannien
    Kroatien
    Polen
    Rumänien
    Schweden
    Tschechien
    Ungarn




    Bulgarien:

    - Bis Ende 2018 soll der Beitritt zum WKM II beantragt werden
    - Wenn die EU-Mitglieder zustimmen, ist eine Euro-Einführung in 2021 möglich
    - Die bulgarische Währung ist an den Euro gekoppelt


    Dänemark:

    - Die dänische Krone ist mit einer Schwankungsbreite von +/- 2,5 % an den Euro gekoppelt
    - Mitglied im WKM II
    - Im Jahr 2000 sprach sich bei einem Referendum über den EURO-Beitritt die Mehrheit gegen den Euro aus.
    - Ein weiteres geplantes Referendum wurde mehrfach verschoben worden und fand bis heute nicht statt.


    Großbritannien:

    Um das Brexit-Chaos mal genauer dazustellen, hier die (bisherige) Terminleiste:

    - 23.06.2016: Beim Referendum über einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU entscheiden sich 52 % Wähler für einen Austritt.
    - 25.11.2018: Der Europäische Rat („EU-Gipfel“) billigt den Text des Austrittsabkommens als Verhandlungsergebnis, der zunächst dem britischen Parlament ("Unterhaus") und nach dessen Zustimmung dem Europäischen Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden soll.
    - 15.01.2019: Das Unterhaus entscheidet sich gegen das Austrittsabkommen.
    - 12.03.2019: Das Unterhaus entscheidet sich erneut gegen das Austrittsabkommen.
    - 13.03.2019: Das Unterhaus lehnt einen EU-Austritt des Vereinigten Königreichs ohne Abkommen ab, fasst jedoch keinen Beschluss, wie ein Austrittsabkommen aus britischer Sicht aussehen könnte.
    - 14.03.2019: Das Unterhaus lehnt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib in der EU ab. Ein Antrag der Regierung, dass sie beauftragt wird, mit der EU um eine Verschiebung des Austrittstermins zu verhandeln, wird angenommen.
    - 20./21.03.2019: Premierministerin May bittet die EU um einen Brexit-Aufschub bis zum 30.06.2019 und einigt sich mit dem Europäischen Rat auf eine Verschiebung bis mindestens zum 12.04.2019.
    - 29.03.2019: Das Unterhaus entscheidet sich zum dritten Mal gegen die Annahme des Austrittsabkommens.
    - 10. April 2019: Die EU stimmt einem Brexit-Aufschub bis zum 31.10.2019 zu; Großbritannien wird an der Europawahl im Mai 2019 teilnehmen. Sollte das Unterhaus vor dem 31.10.2019 einer Regelung zustimmen, die einen geregelten („weichen“) Brexit ermöglicht, ist ein früherer Austritt Großbritanniens möglich.

    - unabhängig von den zukünftigen Entscheidungen über den Brexit ist auch langfristig keine Euro-Einführung zu erwarten


    Kroatien:

    - Ursprünglich war die Euro-Einführung für 2017 geplant; da Kroatien noch kein Mitglied des WKM II ist, konnte diese noch nicht stattfinden.
    - Ziel ist die Mitgliedschaft im WKM II bis 2020 und die Euro-Einführung bis spätestens 2025 (Aussage des kroatischen Ministerpräidenten im Oktober 2017).
    - Eventuell ist eine Euro-Einführung bereits bis 2023 möglich, wenn der Beitritt zum WKM II rechtzeitig erfolgt


    Polen:

    - Einführung des Euro war ursprünglich für 2020 geplant, derzeit geht die Regierung von einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren aus
    - Eine Verfassungsänderung wäre nötig, da derzeit nur die polnische Nationalbank polnisches Geld ausgeben darf


    Rumänien:

    - Euro-Einführung war ursprünglich für 2015, dann für 2017 geplant
    - Aktuell scheint eine Euro-Einführung vor 2022 nicht möglich, da ein Eintritt in den WKM II bis 2020 erfolgen müsste.
    - Eine schnellstmögliche Euro-Einführung ist vorgesehen


    Schweden:

    - Die große Mehrheit der Bevölkerung ist gegen eine Euro-Einführung
    - Schweden ist bisher bewusst nicht dem WKM II beigetreten, daher ist eine Euro-Einführung nicht möglich.
    - An dieser Politik wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern.


    Tschechien:

    - wirtschaftliche Konvergenzkriterien wären erfüllt
    - Keine Bestrebungen der aktuellen Regierung, dem Euro beizutreten; wurde im Dezember 2018 noch einmal bestätigt

    https://www.radio.cz/de/rubrik/nachrichten/babis-erteilt-euro-einfuehrung-klare-absage

    Weiterhin keine Empfehlung zu Euro-Einführung | Radio Prag


    Ungarn:

    - Die Euro-Einführung war ursprünglich für 2020 geplant
    - Aktuell ist die Einführung des Euro kein Thema, vor allem, weil die wirtschaftlichen Konvergenzkriterien auch mittelfristig nicht zu erfüllen sind.




    Aktuelle und potenzielle EU-Beitrittskandidaten und dortige Planungen zur Euro-Einführung:


    Albanien:

    - EU-Beitrittsverhandlungen seit 2018; Mitgliedschaft in der EU vermutlich nicht vor 2026
    - Frühere Euro-Einführung nicht zu erwarten


    Bosnien-Herzegowina:

    - Aktuell ist ein EU-Beitritt für 2025 geplant
    - Die derzeitige Währung „Konvertible Mark“ ist bereits an den Euro gekoppelt


    Kosovo:

    - Gilt als potenzieller Beitrittskandidat, obwohl der Kosovo als eigenständige Republik nicht von alle EU-Staaten anerkannt wird
    - Ein Antrag auf die Mitgliedschaft in der EU wurde bislang nicht gestellt
    - Der Euro ist bereits gesetzliches Zahlungsmittel (siehe oben)


    Nordmazedonien:

    - Aufnahme von Beitrittsverhandlungen ab 2018
    - Spannungen mit Griechenland wegen des offiziellen Landesnamens sind mit den entsprechenden Beschlüssen der beiden Parlamente (vorerst ?) ausgeräumt
    - EU-Betritt vermutlich nicht von 2026; eine vorherige Euro-Einführung ist nicht vorgesehen


    Montenegro:

    - Beitrittsantrag in 2008 gestellt; größtes Hindernis sind Spannungen mit Serbien
    - Der Euro ist bereits gesetzliches Zahlungsmittel (siehe oben)


    Türkei:

    - Beitrittsverhandlungen zur EU finden laufen seit 2005, sind aber derzeit ausgesetzt. Derzeit ist vor allem wegen der innenpolitischen Situation in der Türkei keine Weiterentwicklung zu erwarten.
    - Eine Euro-Einführung ist daher aktuell auch kein Thema





    Perspektiven weiterer Länder:



    Georgien:

    - Langfristig wird eine EU-Mitgliedschaft angestrebt
    - Eine Euro-Einführung ist aktuell kein Thema

    Island:

    - Der Antrag auf EU-Mitgliedschaft wurde 2015 zurückgezogen, obwohl es in der Bevölkerung eine deutliche Mehrheit für eine EU-Mitgliedschaft gibt
    - Ursprüngliche Überlegungen, den Euro einzuführen, ohne EU-Mitglied zu werden, wurden verworfen
    - Wesentliche Änderungen sind derzeit nicht zu erwarten


    Schweiz und Liechtenstein:

    - In beiden Ländern ist der Schweizer Franken gesetzliches Zahlungsmittel
    - Sowohl die Mitgliedschaft in der EU als auch eine Euro-Einführung sind aktuell kein Thema


    Serbien:

    - EU-Beitritt für 2025 vorgesehen; konkrete Planungen für eine Euro-Einführung gibt es nicht


    Ukraine:

    - langfristig wird die Mitgliedschaft in der EU angestrebt.
    - EU sieht derzeit keine Beitrittsperspektive; dies könnte sich 2019 nach der Parlamentswahl in der Ukraine ändern.
    - Eine Euro-Einführung ist kein Thema.


    Weißrussland:

    - ein EU-Beitritt ist (vor allem wegen der innenpolitischen Situation) derzeit kein Thema; eine Euro-Einführung deshalb ebenso wenig.


    Quellen / Weiterführende links:



    https://www.ecb.europa.eu/home/html/index.en.html


    https://crp-infotec.de/eu-eurozone-ein-blick/
    https://crp-infotec.de/eu-eurozone-konvergenzkriterien/


    https://euro-anwaerter.de/

    Europäische Union – Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Eurozone
    https://de.wikipedia.org/wiki/Beitrittskandidaten_der_Europäischen_Union
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselkursmechanismus_II
    https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Konvergenzkriterien

    https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Austritt_des_Vereinigten_Königreichs




    ...hoffentlich ist auch alles richtig...
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2019
    manloeste, michkeft, chrisild und 4 anderen gefällt das.
  2. Onkel Sam

    Onkel Sam

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    Schöner Beitrag.
    Es sei zu erwähnen das in Dänemark mal ein Referendum stattgefunden hat bei der etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung sich gegen die Euroeinführung entschieden haben.
    Ein zweites Referendum sollte durchgeführt werden, was aber immer wieder verschoben wurde.
     
  3. numisfreund

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    Korrektur zu oben:

    geplanter Austrittstermin Großbritanniens aus der EU (Brexit): 29. März 2019 um 23.00 Uhr GMT (00.00 Uhr MEZ)
     
  4. CMM85

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    Sehr interessanter Beitrag, danke!

    Meiner Einschätzung nach werden bis 2025 nur Kroatien und, wenn die Bedingungen erfüllt werden, auch Bulgarien den Euro einführen. Die anderen Staaten eher nicht.
     
  5. CMM85

    CMM85

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    Kleine Korrektur: Der Lek gehört nach Albanien. Bulgarien hat Lew(a).
     
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  6. lorry62

    lorry62

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    ...ich wußte doch, dass nicht alles stimmen konnte/vollständig war...
    ;)

    danke für Eure Belobigungen/Korrekturen/Ergänzungen (nicht nur den Lek/Lew-Schreibfehler)
    :)
     
  7. Onkel Sam

    Onkel Sam

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    Kurze Anmerkung in rot:

    Dänemark:

    - Die dänische Krone ist mit einer Schwankungsbreite von +/- 2,5 % an den Euro gekoppelt
    - Mitglied im WKM II
    - Mehrfach wurde ein geplantes Referendum über den EURO-Beitritt verschoben
     
  8. lorry62

    lorry62

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    Nochmal danke für die Anmerkungen / Verbesserungen; soll ich die in den Artikel einarbeiten? habe ich bisher nicht gemacht.
     
  9. numisfreund

    numisfreund Moderator Mitarbeiter

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    Ja klar, dafür haben wir dir ja die Ergänzungen / Korrekturen geschickt …

    Danke für die schöne Übersicht!
     
  10. lorry62

    lorry62

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    Ist entsprechend aktualisiert; ich habe auch noch einen weiteren link eingefügt.
    Wenn Ihr weitere Änderungsvorschläge habt - her damit...
     
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