J 253 als EA

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Als bei meinem Münzhändler vor geraumer Zeit auch mal eine J.253 zum Verkauf stand haben wir über das Erhaltungsvorkommen geredet und er hat behauptet auch noch nie ein Stück ohne Macken im Feld, also in f.stgl gesehen zu haben. Wenn ich mich recht entsinne war seine Erklärung dafür, dass es sich bei den Münzen immer um ,,Schüttware'' handelt. Das große Feld tut dann wohl sein übriges.
Wurden die Münzen denn 1913 und 1914 überhaupt regulär ausgegeben oder blieben sie lange Zeit im Besitz irgendwelcher Notenbanken und sind erst später (ohne eingeschmolzen worden zu sein) auf den Markt gelangt?
Die Reichsbank begann nach 1910, Gold zurückzuhalten. 1913 wurde zudem die Aufstockung des Juliusturmbestandes beschlossen, ich glaube, man kann die gesamten Goldprägungen von 1913/14 in diesem Zusammenhang sehen. In der Kummerschen Münzzeitschrift wird dies für J 202 auch explizit so erwähnt.
 
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Ich muss da mal blöd fragen: EA sind doch die ersten Prägungen eines Stempels, oder? Da kann doch auch Schüttware EA sein?
Jaeger schreibt wörtlich: " ... die ersten 100 - 150 Stück..., die mit einem neuen Stempelpaar hergestellt worden sind . Sie müssen völlig einwandfrei sein. Da die Stempel noch keinerlei Abnutzungsspuren aufweisen , zeigen Erstabschläge alle Feinheiten des Geprägtes. "

Ausgehend von dieser Definition , hat es sich eingebürgert , einwandfrei so zu interpretieren , dass die Münzen so erhalten sein müssen wie Stempelglanzexemplare, denen Jaeger ja, kleine Macken , die nicht " mit bloßem Auge zu erkennen sind " zubilligt. Dieser Passus fehlt interessanterweise in der Beschreibung der EA- Kriterien.

Aber bezieht sich einwandfrei sprachlich eigentlich auf die Münzen oder auf das Stempelpaar ?

Ausgehend von dieser Definition ist es weiterhin üblich, vermackte EAs als beispielsweise" vz aus EA " zu bezeichnen.
 
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Jaeger schreibt wörtlich: " ... die ersten 100 - 150 Stück..., die mit einem neuen Stempelpaar hergestellt worden sind . Sie müssen völlig einwandfrei sein. Da die Stempel noch keinerlei Abnutzungsspuren aufweisen , zeigen Erstabschläge alle Feinheiten des Geprägtes. "
- Ausgehend von dieser Definition , hat es sich eingebürgert , einwandfrei so zu interpretieren , dass die Münzen so erhalten sein müssen wie Stempelglanzexemplare, denen Jaeger ja, kleine Macken , die nicht " mit bloßem Auge zu erkennen sind " zubilligt. Dieser Passus fehlt interessanterweise in der Beschreibung der EA- Kriterien.
Aber bezieht sich einwandfrei sprachlich eigentlich auf die Münzen oder auf das Stempelpaar ?
Ausgehend von dieser Definition ist es weiterhin üblich, vermackte EAs als beispielsweise" vz aus EA " zu bezeichnen.

Moin Moin,

meines Erachtens kann sich das eher *) auf die Stempel beziehen, da er im Folgsatz schreibt, wie die entsprechenden Münzen auszusehen haben.
Ein Erstabschlag einer "normalen" Produktion muss über die weitere "normale" Behandlung auch dieser ersten 100 - 150 Stücke nicht zwangsläufig in der fast makellosen Erhaltung Stgl vorliegen ( bei den heutigen vor allem bzgl. Abnutzungserscheinungen optimierten Stempelherstellungstechniken geht man davon aus, dass man sogar von mehreren Hundert (bis zu 1.000) Exemplaren mit einem frischen Stempel hergestellten Münzen von einem EA sprechen kann). Darüber erklärt sich m.E. auch der fehlende Passus in der EA-Definition. Ja, er kann (darf) dort im Grunde gar nicht auftauchen, da der Begriff EA keine Erhaltungsangabe darstellt, sondern eben nur ein Zusatzmerkmal von Münzen vom frischen Stempel bzw. frischen Stempeln angibt.
Was - egal welche Erhaltung zwischen z.B. vz bis pfr vorliegt - einen EA charaktisiert, ist vor allem die "scharfkantige Vollständigkit" des Gepräges - oder gemäß Jaeger "Feinheiten des Gepräges". Um so etwas zu bekommen, müssen die Stempel diesbezüglich natürlich entsprechend einwandfrei sein, d.h. ergänzend, dass sie noch nicht die in der Regel nach relativ kurzem Gebrauch rundlichen Formen aufweisen und entsprechende Gepräge erzeugen.
*) Aber wenn man sich das Zitat mehrfach "zu Gemüte führt", kann man auch zu dem Schluss kommen, dass Jaeger hier mit seiner Aussage wohl eher danebenliegend, auch die Meinung vertreten hat, dass "sie", die mit frischen Stempeln erzeugten Münzen, in ihrer Erhaltung "völlig einwandfrei" sein müssen :(.
Solche "völlig einwandfreien" EA kann es aber nur geben, wenn diese frühen Münzen nach ihrer Prägung speziell gehandhabt werden - z.B. als so genannte "handgehobene" Münzen entstehen!

--- Deshalb kann eine z.B. in der Erhaltung "vz" vorliegende Münze sehr wohl das Zusatzprädikat EA bekommen, wenn diese Scharfkantigkeit des Gepräges eindeutig auszumachen ist.
Mir ist aufgrund sich nicht besonders mit EA beschäftigender Sammler nicht bekannt, ob es generell üblich ist, eine solche Münze in Anlehnung an die Kombination Erhaltung / Herstellungsverfahren der PP (Spgl) Münzen als "vz aus EA" zu bezeichnen - korrekt ist es jedenfalls nicht, sondern ehe irreführend. Da ein EA gegenüber dem Begriff PP (Spgl) eindeutig kein Herstellungsverfahren und der Begriff EA lediglich eine die vorliegende Erhaltung ergänzende Angabe ohne Relevanz für die Erhaltungsangabe bestimmter Münzen ist, muss die Bezeichnung ohne das Wörtchen "aus" z.B. einfach lauten: "vz / EA". So habe ich es auch des öfteren in Angaben gesehen.
Wenn man das Wörtchen "aus" benutzen möchte, dann müsste man es beispielsweise als "vz / EA aus Normalproduktion" bezeichnen
 
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Das Thema ist komplex, viele Dinge haben Einfluss.

Zunächst einmal zu Jaegers Aussage: Grammatikalisch ist unzweifelhaft der Stempel gemeint. Doch sinnbildlich (so wie der Satz "rüberkommt") sind zweifelsfrei die Münzen gemeint. Hier ist scheinbar die erste Verwirrung, denn es bleibt jeden selbst überlassen, ob es wesentlicher ist zu wissen, was theoretisch sein soll, oder was eigentlich gemeint ist.

Der zweite Zusammenhang, in dem zwei Dinge ineinander greifen und daher komplex erscheinen ist die Theorie und die Praxis der Durchführung von Prägungen. In der Theorie beschreibt die Erhaltungsstufe "stempelglanz" eine Münze, die makellos ist. In der Praxis ist das kaum durchführbar. Daher wurde in der Praxis der Begriff der Erhaltungsstufe "stempelglanz" im Laufe der Zeit (nicht ganz zu unrecht) immer weiter aufgeweicht, so dass z.T. Münzen mit deutlichen Macken auch noch als stempelglanz gehandelt werden. Dies wahrscheinlich als Tribut an die Tatsache, dass es "stempelglanz" in der Praxis eigentlich nicht gibt, doch es sich in allen Katalogen eingebürgert hatte. Ehrlicher wäre es da, einfach den Begriff stempelglanz zu begraben und durch unzirkuliert o.ä. zu ersetzen.

Jetzt zum Thema Erstabschlag (EA). Ein Erstabschlag ist keine Erhaltung einer Münze. Es ist eine Erhaltung des Stempels. Um eine Münze vollständig zu beurteilen, sollten eigentlich BEIDE Bewertungskriterien angewendet werden. In der Praxis wird dies wahrscheinlich nicht durchgeführt, weil es eine schier unübersehbare Anzahl an Bewertungsstufen ergibt, denn jede Stempelerhaltung kann logischerweise jede Münzerhaltung beinhalten. Der Einfachheit halber wird das System der Stempleerhaltung fast vollständig unter den Tisch fallen lassen, lediglich der EA greift dann, wenn bei einer unzirkulierten Münze auch noch die "Feinheit des Gepräges" als zusätzliches Schmankerl ins Auge fällt. Selbstverständlich gibt es EAs dann auch in vz, ss, s, sehr gut, gut, ge! Es ist nahe liegend, dass der praktische Gedanke, um so mehr zum Ausdruck kommt, je schlechter die Erhaltungsstufe wird: "Wer kann so etwas erkennen?" Daher der bisherige und praktisch angewendete Fokus des Stempelerhaltungssystems auf lediglich den Erstabschlag.
Weiterhin findet das System der Stempelerhaltung indirekt Anwendung, wenn man eine besonders wirkungsvolle (weil das Relief gut gelungen ist) Münze vorliegen hat: Sie wird dann mit "Prachtexemplar" o.ä. betitelt. dabei handelt es sich um eine Münze, die von einem frischen Stempel stammt.
Um die Sache noch zu komplettieren, ist es notwendig zu wissen, dass das Material der Münze einen Einfluss auf die Abnutzung des Stempels hat. So ist die pauschale Aussage, ein EA betrifft die ersten 150 Münzen des Stempels falsch. Es ist liegt auf der Hand, dass ein weicheres Rondenmaterial (Gold, Silber, Kupfer) die Stempel weniger abnutzen, als ein härteres (Nickel, Eisen). Daher ist die Grenze EA variabel und - wenn man konsequent zu Ende denkt - eigentlich auch fiktiv. Wer dennoch gerne Zahlen als Anhaltspunkte hat, möge gerne einen Herrn Del Romines zitieren, der folgende Aufstellung eines Stempelerhaltungssystems erarbeitet hatte (die ersten Zahlen gelten für Münzen aus Au, Ag, Cu, die zweiten für Münzen aus Ni):

Sehr frühes Stempelstadium: 200-800 // 150-550
Frühes Stempelstadium: 15.000-25.000 // 14.500-20.000
Mittleres Stempelstadium: 40.000-65.000 // 30.000-50.000
Spätes Stempelstadium: 125.000-200.000 // 100.000-125.000
Sehr spätes Stempelstadium: ab 200.000 // ab 125.000

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass das Amerikanische Bewertungssystem viel mehr das Stempelstadium integriert hat, so dass es so viele unterschiedliche Abstufungen gibt. Es bezieht sich meiner Einschätzung nach nur scheinbar auf die Erhaltung der Münze - in Wahrheit sind beide Systeme ziemlich gelungen ineinander verschachtelt worden.

Ich persönlich lege auf die Erhaltung einer Münze einen anderen Wert, als auf die Erhaltung des Stempels. Ich bevorzuge die ersten 2 Stempelstadien, aber auf jeden Fall ein "sehr schön" als Erhaltung, weil es für mich ein Zeichen ist, dass die Münze auch ihrem Zweck der Entstehung gedient hat: Die Bezahlung von Waren.
 
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@navada51
Vielen Dank für diese sehr interessanten Ausführungen, insbesondere für die Zahlenangaben von Del Romines. Weisst Du, ob er sich auf verchromte Stempel oder auf Stempel vor ca 1920, als es dese technik noch nicht gab, bezieht ?
In den 70er Jahren wurde wohl mal vorgeschlagen, den Begriff "Stempelglanz " durch " stempelfrisch " zu ersetzen, das geht in die Richtung Deiner Überlegungen.
 
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Den Zahlen nach zu urteilen gehe ich von verchromten Stempeln aus. Del Romines ist vermutlich aus dem angloamerikanischen Raum. Die Zusammenfassung seines "Die state and stage"-System wurde in Alan Herbert, Mint Errors, 6th edition, 2002, erwähnt. Leider versäumte es Herbert, die von Del Romines "umfassend angelegte Studie" zu zitieren.
 
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