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Kaiserreich - Was bekam man für`s Geld ?

Dieses Thema im Forum "Münzen & Geschichte" wurde erstellt von Kempelen, 23. August 2011.

  1. Kempelen

    Kempelen Moderator Mitarbeiter

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    Hallo

    Als Sammler von altdeutschen und Kaiserreichmünzen interessiert man sich natürlich vor allem für die Vielfalt der Münztypen, Auflagezahlen, Erhaltungen, Fälschungen, Sammlerwerte usw.
    Was mich seit einiger Zeit beschäftigt sind aber auch andere Fragen : Wieviele Stunden musste man damals für z.B. 1 Mark Lohn arbeiten ? Was bekam man für diese Mark ?
    Im Buch "Königlich Bayerisches Geld" (Staatliche Münzsammlung München, 2006) habe ich hierzu einen interessanten Beitrag gefunden.
    In diesem wird eine ganze Reihe von Beispielen aufgeführt, was man in den verschiedensten Berufen verdient hat und wie teuer die Lebenshaltung damals war (alle Angaben beziehen sich auf die Stadt München) :
    "Zu Anfang der Mark-Zeit (also um 1875) bekam ein Blinder 17 Pfennige Armenunterstützung pro Tag, ein Schlosser verdiente bei Akkordarbeit 86 Pfennige, ein Landwirtschaftsarbeiter 1.60 Mark, ein Eisenbahnarbeiter 1.37 Mark, ein Maurer 3.50 Mark pro Tag.
    Pro Woche (Arbeitszeit im Durchschnitt 72 Stunden !) bekam ein Metzgergehilfe 5.80 Mark, ein Wagnergehilfe bei freier Logis 13.76 Mark, ein Drucker 18.86 Mark und ein geübter Silberarbeiter 23.22 Mark.
    Das Jahresgehalt einer Köchin in einem Haushalt (bei freier Kost und Logis) lag bei 124 Mark, ein Postbote bekam 675 Mark, ein Brunnenwärter 850 Mark, ein Magistratsschreiber 1.190 Mark, ein Lehrer zwischen 1.376 bis 2.074 Mark, ein Tierarzt 1.950 Mark, ein Rechtsrat der Stadt München 2.890 Mark, der Oberbürgermeister von München 9.350 Mark und eine Kgl. Kammersängerin 25.800 Mark (!!).

    Was kosteten aber zu dieser Zeit die wichtigsten Lebensmittel ? Denn nur die Kenntnis der damaligen Preise hilft einem, die Lohn- und Gehaltsangaben richtig einordnen zu können.
    Ein Huhn kostete 1.30 Mark, eine Gans 4.00 Mark, 1/2 kg Schweinefleisch ca. 80 Pfennige, 1 Liter Milch 20 bis 25 Pfennige, 1/2 kg Butter 1.10 bis 1.20 Mark, 1 Ei kostete 1 Pfennig, 1 Liter Exportbier 26 Pfennige und 1 Liter deutscher Wein 1.80 Mark.

    Jahresmieten um 1880 :
    Eine 3 Zimmer-Wohnung mit Küche, Kammer, fließend Wasser kostete 360 Mark, ein helles, großes Zimmer 192 Mark, eine 2 Zimmer-Wohnung mit Keller, Speicher, Waschgelegenheit und Wasseraufzug 168 Mark."

    Ich könnte noch viele weitere Beispiele zitieren, aber ich denke, daß man anhand der genannten Zahlen durchaus einen kleinen Eindruck bezüglich der Kaufkraft des damaligen Geldes bekommt.
    Wenn man bedenkt, daß z.B. ein Metzgergehilfe fast eine Woche (mit 72 Arbeitsstunden) schuften musste, um 5 Mark zu verdienen, sieht man ein silbernes Kaiserreich 5 Mark Stück mit ganz anderen Augen an.

    (Quelle : "Königlich Bayerisches Geld", Stattliche Münzsammlung München 2006, Dietrich O.A. Klose, Franziska Jungmann-Stadler).

    Es wäre schön, wenn in diesem Thread weitere Beispiele bezüglich der Kaufkraft der Mark aus anderen Landesteilen/Städten aufgezeigt würden.
    Denn es gab Regional bestimmt größere Unterschiede. Außerdem sollte man auch die Lohn-/Preisentwicklung zwischen 1875 bis 1910 genauer unter die Lupe nehmen.
     
  2. hegele

    hegele Registered User

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    Meine Mama hat über meinen Geburtstort ein Buch geschrieben, in dem einige Seiten über dieses Kapitel drin sind.
    ich habe sie mal eingescannt.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2011
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  3. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    Heiermann

    Die obengenannten Beispiele zeigen also, dass der " Heiermann " , den Matrosen im Heuerbüro als Handgeld erhielten, wenn sie eine Heuer angenommen hatten eine hübsche Stange Geld war
     

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  4. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    Die unterzeichneten Meister bringen hierdurch zur Kenntniß, daß sie für täglichen Gesellenlohn incl. Meistergeld bei einer Arbeitzeit von
    6 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends 3,00 Mk.[​IMG]
    6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends 2,76 Mk.[​IMG]
    7 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends 2,24 Mk.[​IMG]
    8 Uhr Morgens bis 4 Uhr Abends 1,84 Mk.[​IMG]
    berechnen.
    Schönberg, den 7. April 1874.
    F. Westphal, Zimmermeister.
    H. Oldörp, Zimmermeister.
    A. Westphal, Zimmermeister.
    H. Burmeister, Maurermeister.
    J. Schleuß, Maurermeister.
    <HR width="50%">
     
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  5. Anubix2

    Anubix2

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    Der Schlosser in Akkordarbeit könnte sich also 3 Bier am Tag leisten :D !
     
  6. rethorn

    rethorn Mitgliedschaft beendet

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    Also BRUNNENWÄRTER hört sich ganz gemütlich an ;-)
     
  7. Kempelen

    Kempelen Moderator Mitarbeiter

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    Das kann man sich heutzutage kaum mehr vorstellen, wie schlecht die Bezahlung für einfache Handwerker/Arbeiter damals war :(.

    Der Begriff "gute alte Zeit" erscheint durch die oben genannten Beispiele in einem ganz anderen Licht.

    Was man allerdings berücksichtigen sollte ist, daß damals viele Handwerker (solange sie Junggesellen waren) bei ihrem Meister wohnen konnten (bzw. sogar dort wohnen mussten). Freie Logis war also oft im Lohn enthalten :).
     
  8. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    Noch zwei Beispiele für Preise von Dingen des tätigen Bedarfs:

    21.12.1888<O:p</O:p

    Das älteste und größte
    Bettfedern-Lager
    William Lübeck in Altona
    versendet zollfrei gegen Nachnahme (nicht unter 10 Pfd.) gute, neue<O:p</O:p

    Bettfedern für 60 Pfg. das Pfund,
    vorzüglich gute Sorte Mark 1,25
    prima Halbdaunen nur Mk. 1,60, Mk. 2,
    reiner Flaum nur Mk. 2,50 und Mk. 3.<O:p></O:p>

    Bei Abnahme von 50 Pfd. 5 pCt. Rabatt.
    Umtausch gestattet.
    Prima Inletstoff zu einem großen Bett (Decke, Unterbett, Kissen und Pfühl),
    zusammen für nur 14 Mark.<O:p></O:p>



    <O:p> </O:p>


    B. Gartz<O:p></O:p>

    empfiehlt sein reichhaltiges Lager von schwarzen Damen= und Mädchenmuffs von 2 bis 8 Mark; bessere Sachen, wie Iltis, Oppussum und Waschbär von 9 bis 25 Mark.<O:p></O:p>

    Gute Waare, eignene Handarbeit, keine Fabrikwaare. Reparaturen schnell und billig gemacht. Fußkörbe, Fußsäcke, Pelzmützen für Knaben und Mädchen=Barets,
    ferner
    Filzsachen in großer Auswahl zu billigen Preisen, natürlich jeder Güte der Waare.
    Herren= und Damenschuh und Pantoffel, Kindersachen, recht haltbar und mäßig im Preis.
    Naturelle schwarze Affenmuffen für Mk. 20 bis 25.<O:p></O:p>
     
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  9. Le Achim

    Le Achim

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    War schon immer so, die Malocher konnten sich grad mal so die Rübe zuschütten, während die Superstars am Hof durch trällern Unzen und Schafe ins Trockene bringen konnten.
    Wie heute, je weniger Werte Du schaffst, dest mehr gibts dafür Bares. :wut:


    Micha
     
  10. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    1 Weltkrieg = 100 Milliarden

    100 Milliarden lieh Willi Zwo sich von seinen Untertanen , um seinen Weltkrieg zu finanzieren. Dann wurde ein bischen Papiergeld gedruckt und als man genug davon hatte, waren die 100 Milliarden noch 8,7 Pfennig wert.
    Wer 1923 gierig nach dem Sechser ( siehe Bild ) griff, machte damit nochmals einen schlechten Schnitt, denn der war völlig wertlos, nur die Pfennige und Zweipfennigstücke waren wieder Geld - bis zur endgültigen Ausserkurssetzung 1942.
     

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