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Kapseln schützen auch nicht wirklich

Dieses Thema im Forum "Zubehör,Pflege, Reinigung und Aufbewahrung" wurde erstellt von FooFighter, 26. März 2016.

  1. kabi20

    kabi20

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    Ich habe jetzt einmal nachgesehen bei meinen 2 Euro Römische Verträge von 2007.Habe von Deutschland mehrere Sätze A - J,die Münzen habe ich damals alle in Lindner Münzkapseln getan.Einen Satz habe ich in Lindner Münzboxen untergebracht,die anderen in ein Regal mit Plastikschubladen gelegt.Die Münzen in der Münzbox sind leicht angedunkelt,vor allem der silberfarbene Ausenring,die Münzen in der Schublade sind noch einwandfrei,als wären sie gerade erst ausgegeben worden.Kann das vieleicht mit der Samteinlage zu tun haben,oder mit dem Kleber der da verwendet wurde?
     
  2. Smythe

    Smythe

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    Ich habe diesen Thread ausgegraben, weil auch meine 2-Euro-Sammlung ganz schön verfärbt ist. Danke an FooFighter für die tolle Foto-Dokumentation! So weiß ich, dass diese Veränderung anscheinend ziemlich normal ist.

    Meine 2-Euro-Münzen sind in Leuchtturm-Kapseln und liegen mit der Wertseite auf. Sie sind vor Licht geschützt in einem speziellen Schrank und waren bis vor kurzem in Leuchtturm-Münzboxen. Bei den älteren Münzen sind ca. 30-40% vor allem am Ring auf der Motivseite ziemlich verfärbt (wie bei den Fotos von FooFighter) - die Wertseite ist allerdings in fast allen Fällen intakt. Woran kann das liegen? Reagiert das Material durch das Aufliegen auf der Wertseite nicht, aber auf der Oberseite schon?
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2019
  3. four9fine

    four9fine

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    Genau so ist es.

    Klar ist ja, daß die Kapseln nicht luftdicht abschließen. Das würde eine viel zu präzise Fertigung der beiden Hälften erfordern, was bei Kunststoffteilen immer Probleme macht. Die Hersteller müssen ja sicherstellen, daß jedes Kapseloberteil zu jedem Unterteil paßt, auch wenn Monate zwischen den Fertigungsterminen liegen.

    Da man solche engen Toleranzen nicht auf Dauer prozessicher erreichen kann, gibt es diese 3 Nasen am Umfang der Kapseln. Die sind zum Durchmesser des Gegnstücks als Preßpassung ausgelegt und sorgen so für die nötige Klemmung.
    Allerdings verformt sich dabei der Deckel ein kleines bischen und dadurch kann Luft in die Kapsel hinein und herausströmen.

    Die Unterseite der Münze liegt mit ihrem Rand flach auf Innenfläche der Kapsel auf. Wenn der Rand der Münze keine Schäden aufweist, dichtet das schon ganz gut gegen die durströmende Luft ab. An der oberen Seite dagegen strömt die gesamte Luft ungehindert vorbei.

    Wobei der Luftaustausch in den Kapseln natürlich extrem klein ist. Durchströmen ist sicher nicht das richtige Wort dafür, aber mir ist nichts besseres eingefallen, wie man es beschreiben könnte. :schaem:

    Vermutlich kommt es hauptsächlich durch Temperaturschwankungen zu Luftaustausch in den Kapseln. Bei fallenden Temperaturen zieht etwas zusätzliche Luft hinein und bei steigenden Temperaturen wird die wieder hinausgedrückt.
    Weil das so extrem wenig ist, wirken die Schadstoffe in der neuen Luft auch hauptsächlich am äußersten Rand der Münze und reagieren hier mit dem Metall.
    Bei Silbermünzen, die schon länger als 10 Jahren in einer Kapsel liegen, sieht man das besonders deutlich. Am Rand, direkt neben dem Randstab sind diese Münzen dann schon ziemlich braun angelaufen, während Richtung Zentrum der Münze noch das strahlend weiße Silber sichtbar ist.
    Und das natürlich auch nur auf der Seite, die nach oben weist.

    Es ist also nicht ideal, die Münzen in Kapseln zu lagern. Aber die Vorteile überwiegen meiner Meinung nach doch. Der mechanische Schutz der Münzen ist nun mal sehr wichtig.

    Wirklich dichte Kapseln sind vorstellbar, aber das will wieder keiner bezahlen. Es müßte dann zur Abdichtung und zum Toleranzausgleich eine Weichkomponente, ähnlich wie ein O-Ring an eine der Kapselhälften angespritzt werden.

    Und beim Wort Weichkomponente schrillen bei Münzsammlern natürlich sofort alle Alarmglocken. :eek:

    Gruß
    9999
     
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  4. Smythe

    Smythe

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    Danke für die genaue Ausführung. Sind Münzen in Münzrähmchen daher besser geschützt?
     
  5. kprhalle

    kprhalle

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    ...wohl nicht, denn da "ziehts" ja erst recht... :),
    die dünne Plastikfolie ist viel luftdurchlässiger als die Plastikkapsel.

    Die Verfärbungen des äußeren Ringes stellt für mich keine Wertminderung dar, ich sehe es eher als "natürliche" Patina, der nach Jahren fast alle Münzen "erliegen".
     
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  6. Onkel Sam

    Onkel Sam

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    Weder noch! Meine 2€ Gedenkmünzen sind auch mal alle angelaufen. Also habe ich sie mit einem Fettlöser, Gummihandschuhe zum eigenen Schutz tragen, eingesprüht und zwischen zwei Fingern vorsichtig masiert. Dann unter viel fließendem Wasser abgewaschen und trocken getupft. Seit 2-3 Jahren habe ich keine Verfärbungen mehr festgestellt. Ich bewahre meine 2€ Münzen im Leuchtturm Vista Alben auf.

    Diese Verfärbungen hatte ich auch bei meinen Münzrollen festgestellt. Immer die oberste Münze die zur Außenwelt kontakt hatte verfärbte sich nach langer Zeit. Manchmal glaubte ich das die Klebemittel im Spanholz, vom Schrank, mit der Zeit ausgasen und auf der Münzoberfläche eine chem. Verbindung eingehen bzw. Reaktion auslösen.


    Heute würde ich sagen, dass das anlaufende Zeug direkt auf der Münze zu suchen ist. Vllt ist es ein Kühlmittel mit Emulsionen das beim Prägen verwendet wird, damit der Stempel längere Standzeiten* hat. Ich habe mal ein Video gefunden auf einer Firmenhomepage, es handelt sich hier um ein Tiefziehverfahren. In der 36. oder 37. Sekunde kann man sehr schon erkennen wie da eine braune Brühe vom tiefgezogenen Blech runterläuft. Ich vermute das dies beim Prägen genau so gehandhabt wird, ansonsten kann ich mir seit Jahren die schwarz-braunen Wasserflecken bei den 2€ Münzen der Prägestätte J nicht erklären.

    Tiefziehen- Blechumformungstechnik bei Orfa Visser



    * bei Werkzeugen o. Ä. die Zeit, in der man mit diesen ohne Unterbrechung arbeiten kann, bis erhebliche Verschleißerscheinungen auftreten, die eine Erneuerung, Überholung, Auswechslung o. Ä. erfordern.
     
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  7. four9fine

    four9fine

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    Solang die Folie noch neuwertig ist, diffundiert da deutlich weniger Luft und Feuchte hinein, als bei einer Kapsel. Oben habe ich das ja versucht zu beschreiben, durch die 3 Plastiknasen ist eine Kapsel umlaufend so gut wie offen. Man muß sich das mal anhand der beiden Hälften genau ansehen, dann sieht man das genau.

    Aber Rähmchen sind natürlich so eine Sache. Erstmal sieht es "billig" aus, die Münzen in diesen wabbeligen Pappdingern. Wer würde eine schöne 100 Euro-Goldmünze in so ein Ding stecken?

    Dann weiß man ja auch nicht, wie lange die Folie hält. Kunststoff neigt ja nunmal dazu sich langsam zu zersetzen, besonders wenn Licht drauf fällt.

    Und der mechanische Schutz ist gleich Null, was wohl der wesentlichste Punkt sein dürfte.

    Ich fürchte es bleiben nur die althergebrachten Methoden um Münzen aus unedlen Metallen vor Verfärbung zu schützen, sprich die Beschichtung.
    Es darf halt weder Luft mit all den enthaltenen Schadstoffen noch die darin enthaltene Feuchtigkeit an die Münze gelangen. Ich sehe da keine Alternative zu Lack oder Wachs.
    Gut, man könnte sie auch dauerhaft in Petroleum aufbewahren, aber das ist dann jedesmal Sauerei, wenn man sie mal betrachten möchte. Das will auch niemand.

    Oder eben die Methode der Angelsachsen, die die Münzen unter Schutzgas in Kunststoffbehälter legen und die beiden Hälften dann ultraschallverschweißen. Das bleibt sicherlich über viele Jahrzehnte hinweg dicht. Aber anfassen ist dann eben auch nicht mehr.

    Die radikalste Lösung wäre einfach sein Sammelgebiet so umzudefinieren, daß es nur noch Goldmünzen umfaßt. :D
    Dann hat man diese ganzen Probleme nicht mehr und kann ruhig schlafen.

    Je billiger und schlechter das Münzmetall, desto mehr Aufwand muß man betreiben um Verfärbungen zu verhindern. Aber auch da ist ja noch viel Luft nach unten auf der Qualitätsskala. Böse Zungen behaupten ja sogar, es gäbe demnächst Münzen mit Plastikkomponente. Wie die dann wohl nach 10 oder 15 Jahren Lagerung aussehen, wenn so langsam die Weichmacher aus diesem Kunststoff herausdiffundieren. Ich höre schon jetzt das Geschrei in den Münzenforen ...

    Gruß
    9999
     
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  8. michkeft

    michkeft

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    Angeregt durch das mitlesen habe ich nun bemerkt, dass meine belgische 2 Euro Kursmünze von 1999 so verfärbt ist, das man zischen dem inneren und äußeren Kern nur noch schattierende Unterschiede erkennt :(
     
  9. kprhalle

    kprhalle

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    Darüber werde ich mal intensiv nachdenken!! Verbraucht auch nicht so viel Platz. :D
     
  10. kprhalle

    kprhalle

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    Nicht traurig sein!! Es geht uns fast allen so...
    Vielleicht haben sich die Eurozweier überlegt, sich selber auf den Weg zu Gold zu machen...:lachtot:
     
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