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Neues Kulturgütergesetz ab 2016

Dieses Thema im Forum "Rechtliche Fragen" wurde erstellt von Kronerogøre, 26. Juni 2015.

  1. Kronerogøre

    Kronerogøre

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    Was kommt da eigentlich auf uns zu ? Um mal ,gemäss Professor Krey , sich ganz dumm zu stellen und so zu fragen: Gilt das auch für Kaiserreichsammler oder nur für antike Münzen ?
     
  2. arrius

    arrius

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    Meines Wissens hat bis jetzt niemand den Gesetzesentwurf gesehen. Bis jetzt gibt´s nur Spekulationen (basierend auf Interviews mit der Ministerin, Frau Grütters), was auf die Münzensammler zukommen könnte. Es kann sein, dass nicht nur einzelne kulturell wertvolle deutsche Kulturgüter geschützt werden sollen (was immer da auch unter Schutz verstanden wird, z.B. dass so etwas nicht in Privathände gehört). Auch eine Sammlung kann als nationales Kulturgut deklariert werden. Es soll wohl Ländersache werden. Das heißt, Bayern kann etwas als Kulturgut definieren, was dann nicht mehr außerhalb Bayerns veräußert werden dürfte, geschweige außer Landes. Und das kann auch eine Sammlung Fehlprägungen des Kaiserreichs sein, die ein bairischer Sammler zusammen getragen hat, das kann eine Sammlung Münzen Freisings sein oder eine Sammlung keltischer Münzen. Dagegen könnte eine Sammlung Münzen Constantins des Großen nicht als Kulturgut deklariert werden, da sie keinen besonderen kulturellen Wert besitzt.

    Ein Beispiel, was zeigt, was kommen könnte:
    Gunter Sachs hat Andy Warhol gesammelt. Anfang der 70er-Jahre (oder etwas früher) hatte er dem noch unbekannten Warhol eine Verkaufsausstellung in Hamburg finanziert. Es wurde kein einziges Bild verkauft. Aus Mitleid hat Sachs dann einige Bilder selbst für einige tausend DM gekauft.
    Davon hatte er vor einiger Zeit vor seinem Tod ein paar in London für Millionen versteigern lassen können.
    Nach der Auktion sagten Politiker, dass sie versucht hätten, das zu verhindern, wenn sie davon zuvor erfahren hätten und wenn es ein entsprechendes Gesetz gegeben hätte. Begründungng: die Bilder seien inzwischen Teil einer Sammlung die deutsches nationales Kulturgut sei und hätten nicht mehr außer Landes gebracht werden dürfen.

    Fazit: Bilder eines in Tschechien geborenen, jetzt amerikanischen Malers, die in Deutschland damals keiner haben wollte, sind 40 Jahre später deutsches Kulturgut.

    Leider haben gerade die Münzenhändler lange geschlafen und wollten nicht wahrhaben, was da kommen könnte. Jetzt schrecken sie auf. Im April war eine Anhörung von Vertretern der Händlerverbände. Jeder Vertreter hatte 3 Minuten Vortragszeit.
    Vor kurzem traf sich der Verband Deutscher Münzenhändler und beriet, wie man vorgehen könnte, um die Münzen aus dem Gesetz heraus zu bekommen. Begründung: Münzen wurden immer seriell hergestellt und sind keine herausragenden einzelnen Kulturgüter.
    Aber, wie gesagt: viele einzelne Münzen könnten schnell eine kulturell schützenswerte Sammlung werden.

    Übrigens stand kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, dass der Münchner Kunsthändler Konrad Bernheimer, dessen Familie seit Generationen in München Kunsthandel betreibt (z.B. das Münzauktionshaus Hirsch), seine Verkaufsgalerie nach London verlegt. In München will er noch eine Wohnung behalten. Seine Burg in Oberbayern, die voll mit Antiquitäten ist, verkauft er auch. Er hat so selten Zeit, sich dort aufzuhalten...
    Man hat im Interview gemerkt, dass auch der Journalist die Gründe etwas ungewöhnlich empfand...
     
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  3. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Über kurz oder lang schafft der Staat schleichend eine Situation der totalen Enteignung, in der man mit seinem Besitz und Vermögen nichts mehr machen kann, nicht einmal mehr auswandern.
    Erinnert langsam an die 30er Jahre, nur diesmal für alle (ausgenommen die herrschende Elite).
     
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  4. arrius

    arrius

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  5. Raphael

    Raphael Super-Moderator Mitarbeiter

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    @bayreuth

    Es gibt weltweit einige Zollfreie (hochsicherheits-)Lager, in denen Kunstwerke "zwischengelagert" werden. Meist sind diese an Flughäfen (wie auch immer) angebunden.

    Kontrolle gibt es gar keine, man geht dagegen nicht vor - die Reichen werden sich dem Staat immer entziehen können.
     
  6. Münzadler

    Münzadler Moderator Mitarbeiter

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    Bei Bildern soll die Preisgrenze bei 150.000 liegen, bei Münzen dürfte es nicht viel weniger werden.

    Trifft uns Normalo-Sammler das ganze überhaupt? :confused:
     
  7. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Ich gehe nicht davon aus, dass die 150 k€ im Falle eines Falles an die Inflation angepasst werden.
    Sollte es zu einer solchen kommen, wird dann bei der Ausreise auch die kleine Schachtel Kaiserliches Geld einkassiert, weil derGoldwert dann ja höher liegt.

    Ich denke, dass einige Sammler da schon heute durchaus darüber liegen (spontan fällt mir da die Fehlprägungssammlung ein, die jemand hier mal vorgestellt hat).

    Vor einiger Zeit hat man ja gesehen, was der Staat heutzutage macht. Den Herrn Gurlitt hat es erst die Sammlung, dann die Anonymität und dann das Leben gekostet. Die Sammlung hätte er zwar dann wieder bekommen, aber tot war er trozdem.
     
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  8. Handzumgrus

    Handzumgrus

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    Beim Herrn Gurlitt stand soweit mir bekannt weniger das Thema Kulturgüter, sondern viel mehr das Thema "Nazi-Beutekunst - von Juden ergaunert oder gestohlen" im Raum.
    Soweit ich weiß, haben da auch etliche Hinterbliebene Ansprüche angemeldet.
    Der größte Teil hätte ihm wohl nicht weggenommen werden können, aber einzelne Stücke waren wohl "heiß".
     
  9. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Soweit mir bekannt, ca. 3-4 mit MÖGLICHEM Hintergrund von >1500 insgesamt. Kein Grund für eine Beschlagnahmung der anderen Werke, zumal alle Stücke nach dem Krieg schonmal geprüft wurden und für unverdächtig befunden.
     
  10. Münzadler

    Münzadler Moderator Mitarbeiter

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    Du meinst die ganze Schachtel ist der Bemessungsmasstab?

    Wer soll das denn dann im Fall der Fälle entscheiden welche Stücke zur Schachtel gehören?

    Mit den goldenen Manschettenknöpfen liegt meine Schachtel drüber, ohne drunter. :rolleyes:
     
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