Prägezahlen J 246 1875B und 1877C

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In der zweiten Auflage (1948) hat Jaeger noch keine Zahl notiert. Ich gehe davon aus, dass er die Zahl aus den Büchern ableiten konnte. Wissen wir, welche Quellen er in dieser Zeit genutzt hatte?
Auf jeden Fall Hammerich, Rudolph und Kummer, die aber ( siehe oben ) nicht weiterführend sind. Du hattest doch vor einem oder zwei Jahren, als wir und über das Vorkommen des bayrischen Zwanzigmarkstückes von 1878 unterhalten haben, Zahlen aus dem Reichanzeiger (?) gefunden. Falls es Zahlen aus Frankfurt für den betreffenden Zeitraum gibt, müssten sie dort zu finden sein.
 
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Auf jeden Fall Hammerich, Rudolph und Kummer, die aber ( siehe oben ) nicht weiterführend sind. Du hattest doch vor einem oder zwei Jahren, als wir und über das Vorkommen des bayrischen Zwanzigmarkstückes von 1878 unterhalten haben, Zahlen aus dem Reichanzeiger (?) gefunden. Falls es Zahlen aus Frankfurt für den betreffenden Zeitraum gibt, müssten sie dort zu finden sein.
Danke, ich hatte hier im Forum mal geschaut:
Das Central-Blatt habe ich erwähnt. Mal recherchieren...
 
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Ich habe das Zentralblatt für 1877 durchgesehen und es gibt dort keine Doppelkronenprägung für
Frankfurt im Zeitraum vom 31.12.76 bis 29.12.77.
Es kann auch nicht irgendein Privatauftrag gewesen sein, da laut Zb 1878, VI Jahrgang, v.11.01.78,
Nr.2, Seite 10 nur Berlin, Hannover, München, Dresden und Hamburg bis 05.01.78 insgesamt 11.707.491 St.
Doppelkronen auf Privatrechnung geprägt haben.

PS. Werde an dem Thema aber dranbleiben.
 
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Der navada hat auch seine Quelle verloren... @Achim R. - magst Du mir einmal den Link zu der Zeitschrift posten?
Ich habe mal überlegt, wie Jaeger auf die Zahl gekommen sein könnte.
1872 = 3.056.432 Stück
1873 = 5.227.630 Stück
1874 = 88.205 Stück
1876 = 423.088 Stück
1877 = ?
1878 = 82.430 Stück

Falls die Zahlen auch kumuliert dargestellt wurden, kann es sein, dass in der Endabrechnung 1879 8.884.169 Stück gelistet werden. Da müsste man konkret die Zahlen auch von den anderen Jahren schauen.

Eine weitere Quelle ist "Die Münzen von Frankfurt am Main" von Paul Joseph und Eduard Fellner, Frankfurt a.M. 1896: Unter "Fremde Münzen in Frankfurt geprägt" ist unter fortlaufender Nr. 1979 auch der Jahrgang 1877 gelistet (S. 623). Im Supplementband von 1903 steht auf S. 854:

Doppelkronen mit dem Münzzeichen C. Herr Dr. Rumpf (Erbe der Fingerschen Sammlung) besitzt eine in Frankfurt geprägte Doppelkrone vom Jahre 1877. Die Notiz, dass keine mit der Jahreszahl vorkomme, fusste auf einer von der kgl- Münzdirektion in Berlin empfangenen Aufstellung. Dagegen giebt es keine Doppelkrone mit C vom Jahre 1875.

Interessant... Joseph und Fellner listen Reichsmünzen unter "Fremde Münzen", weil sie am Ende des Vorworts (S. 18) Bezug nehmen auf den Einmarsch der Preußische Truppen 1866:

Die in Aussicht genommene Ausprägung von "Kronen" (1/50 Pfund fein Gold) unterblieb wegen des 1866 erfolgten Einmarsches der preussischen Truppen in Frankfurt; die bereits fertig gestellten Stempel wurden an die königliche Münze zu Berlin abgeliefert. Preußen benutzte die Frankfurter Prägeanstalt bis zum Jahre 1880.

Auflagezahlen werden nirgends genannt.
 
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Ich mache mal den Anfang...

Ich habe jetzt 1873 des Zentralblattes für das Deutschen Reich durchgearbeitet.

1871 & 1872:
Da 1873 der erste Band des Zentralblattes ist, wurde angemerkt, dass bis zum 18.1.1873 in allen Münzstätten zusammen insgesamt 339.115.780 Mark in 20 Mark-Stücken geprägt wurde. Dies ist übereinstimmend mit der Angabe im Hammerich, jedoch nicht Jaeger: Dort ist in Summe 339.081.780 Mark aufgeführt, also 34.000 Mark zu wenig.

1873:
Der Prägeauftrag in Frankfurt begann in der Woche 9. bis 15.2.1873 und wurde bis zum 4.10.1873 ausgeführt mit wöchentlich ca. 150.000 Prägungen.
In der Summe sind dies 104.552.720 Mark. Dies ist übereinstimmend mit der Angabe im Hammerich und Jaeger (die 11. Auflage des Jaeger hat einen Druckfehler, denn dort ist mit 5.227.630 Stück 120 Mark zu wenig angegeben.
1. Fazit: Die Prägung der Münzen mit der Jahreszahl "1873" kann gut abgegrenzt werden.

...Fortsetzung folgt...
 
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1874:
Die Auflage von 88.205 Stück stimmt und wurde erst am Ende des Jahres geprägt: 6.12.-19.12.1874.

1875:
Es erschien in dem "Zentralblatt für das Deutsche Reich" lediglich auf den ersten Seiten noch die Dokumentation der letzten Prägungen von 1874. 1875 gab es keine dort dokumentierten Prägungen von Frankfurter Doppelkronen.

1876:
Auch hier stimmt die Zahl. 423.088 Stück wurden zwischen 15.1. und 18.3.1876 geprägt. Insgesamt waren es bis dahin 175.907.220 Mark. Die Dokumentation im Zentralblatt endete mit dem 23.12.1876.

1877:
Die Dokumentation des Bandes begann mit der Woche 24.12.1876-30.12.1876 mit der kumulierten Prägezahl von 175.907.220 Mark. Mit dieser Zahl an Frankfurter Doppelkronen-Prägungen schloss der Band für die Woche bis zum 22.12.1877.

1878:
Der Band startete auch mit dieser Zahl. Leider hörte in diesem Band im Februar diese Zählweise auf und es wurden nur noch die Gesamtzahlen aller Prägestätten eines Nominals notiert, so dass man jede Woche überprüfen musste. Die letzten Frankfurter Doppelkronen wurden in dem Zeitraum 29.6. bis 17.8.1878 geprägt, im Vergleich zu der Menge der vorigen Jahre war der Output auch gedrosselt, nur noch ca. 13.000 Stück pro Woche - vermutlich wurde nur noch an einzelnen Tagen geprägt, in den letzten beiden Wochen gar 2.400 Stück "Wochenleistung". In Summe wurden 1878 also 1.648.600 Mark bzw. 82.430 Stück. Eine hier kumulierte Zahl nur von Frankfurter Prägungen gibt es wie oben erwähnt nicht mehr.

Fazit:
Die Zahlen des Jaegers (abgesehen vom Typo) stimmen mit den wöchentlich erfolgten Dokumentationen im Zentralblatt für das Deutsche Reich überein. Es gibt also keine "überzähligen" Prägungen, die offensichtlich einem Stempel mit der Jahreszahl "1877" zugeordnet werden können.
Aber man kann spekulative Überlegungen anstellen... Die letzte Prägung im Jahr 1876 wurde in der Woche vom 12.3.-18.3.1876 geprägt: 1.066.440 Mark. (Interessanterweise wurde in den beiden Vorwochen nicht geprägt.) - Die nächste Prägung wurde erst am 29.6.1878 mit 125.500 Mark dokumentiert.

Nach meiner Ansicht, ist es nicht wahrscheinlich, dass es den Prägestempel "1877" bereits im März des Vorjahres gab. Jedoch müsste es den Stempel im Jahr 1878 gegeben haben. Wäre es nicht am wahrscheinlichsten, dass man im Juni 1878 mit dem neuen Stempel angefangen so lange geprägt hat, bis er kaputt war und sich dann dem Stempel von 1877 bedient hat, um die Restauflage damit zu Ende zu bringen?

Um das Szenario zu konkretisieren - 1878 wurde wie folgt geprägt:
bis 29.6.1878: 125.500 Mark
bis 6.7.78: 251.060 Mark
bis 13.7.78: 251.080 Mark
bis 20.7.78: 313.740 Mark
bis 27.7.78: 313.780 Mark
bis 3.8.78: 298.780 Mark
bis 10.8.78: 35.240 Mark
bis 17.8.78: 59.420 Mark

Analyse:
Die Zahlen sind auffällig. Ausgehend von einer regelmäßigen Produktion von 6 Tagen die Woche könnte man grob die 310.000 Mark durch sechs teilen, und man kommt auf ca. 52.000 Mark pro Tag. So könnte man sagen, dass in der ersten Woche am Freitag gestartet wurde, 2 Tage geprägt hatte, in den beiden Folgewochen jeweils an 5 Tagen, dann die drei nächsten Wochen an 6 Tagen und in der vorletzten Woche - bumms - am Montag ist der Adler-Stempel kaputt. Aber zur Erfüllung des Prägeauftrags fehlen noch ca. 60.000 Mark. Dafür einen neuen Prägestempel herstellen...? Nein, zu teuer. "Lasst uns doch im Tresor schauen, da haben wir doch noch den nagelneuen 1877 vom Vorjahr..." - Gute Idee - bringen wir es damit zu Ende...

59.420 Mark entsprechen 2971 Stück. Käme dies mit der tatsächlichen Seltenheit am Markt hin?
 
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Danke für die klasse Recherche! Deine Theorie könnte gut passen.
Nehmen wir mal an das es so sein könnte mit dem gebrochenem Stempel und der "Lösung" mit dem 1877er Stempel. Dann fallen mir die Zahlen eher ab dem 04.08 1878 in`s Auge. Beide Wochen wären zusammen 4733 Exemplare die geprägt sein könnten. 2871 Stück kommen mir arg wenig vor. Ich schätze das im Jahr im Durchschnitt etwa 5..6 Exemplare auf Auktionen auftauchen.
 
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