Preisverfall bei Münzen aus dem Kaiserreich?

jeggy

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mesodor39 schrieb:
Ein 1.2 oder gar ein 1.1 darf auch keine verdeckten / durch Tauchen überdeckte Haarlinien aufweisen.
Eine solche Münze (ich gehe jetzt hier mal von Normalprägung aus) muss
über einwandfreien Stempelglanz verfügen - und das Relief darf nicht über
unnatürlichen "Tauchglanz" verfügen.

Wenn eine Münze geprägt wird, fliesst das Metall unter dem Stempel von der
Münzmitte nach aussen zum Rand hin oft in Form eines radialen Musters.
Diese Fluss- oder Spannungslinen, aus welchem das Muster besteht, sind
bei den meisten Münzen (insbesondere Silbermünzen) mit dem blossen Auge
sichtbar - unter der Lupe sind sie jedoch auf jeden Fall erkennbar. Diese
Linien erzeugen den "Karussell-Effekt", wenn man die Münze unter Licht
kippt, ich nenne das gern "Drehglanz".

Werden Münzen zu lange oder zu oft gedippt, so verschwindet dieser
Drehglanz, da die Flusslinien erodieren oder in ihrer Oberfläche so verändert
werden, dass der Effekt nachlässt. Die Münze glänzt zwar (klar, durchs
Dippen), aber der Glanz hat keine "Tiefe" mehr.

Nun ist das aber nicht so einfach. Erstens gibt es bei unterschiedlichen
Münztypen (insbesondere versch. Münzmetallen) unterschiedliche Charak-
teristika, zweitens kann ein abgenutzter oder abgezogener Stempel auch
dafür sorgen, dass diese Flusslinien völlig anders wirken, als mit dem selben
Stempel 5 Minuten zuvor.

Am besten erkenne ich gedippte Münzen anhand des Reliefs. Hier muss man
erst mal ausschliessen, dass es sich um einen abgenutzen Stempel handelt,
dafür gibt es aber andere Indikatoren, auf die ich hier nicht eingehen möchte.

Hier verändert sich jedenfalls die Oberfläche durchs Tauchen mehr, oder
besser erkennbar - es entsteht ein Glanz, der nicht mit einer ungetauchten
Münze übereinstimmt, eventueller "frosty" Effekt wird entfernt, man kann mit
ein wenig Erfahrung hier auch Münzen erkennen, die vor längerer Zeit
getaucht wurden und bereits wieder über eine leichte Patina verfügen. Da
sich durch das Tauchen bei Silbermünzen jedoch das Silber an der Oberfläche
anreichert, wird eine Patina sich nie wieder in der Form ausbilden, wie das bei
einer ungedippten Münze entsteht. Deshalb ist eine schöne, natürliche
Tönung ein guter Indikator dafür, dass die Münze nie gereinigt wurde -
vorausgesetzt, man ist in der Lage sie von künstlichen oder Zweit-Tönungen
zu unterscheiden...

Gruss,
jeggy
 
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Raphael schrieb:
Da möchte ich wiedersprechen, da 90% der Sammler unter 1,5 sammeln.
das liegt sicher auch am finanziellen Rahmen der vielen, vor allem jüngeren Sammlern für ihr Hobby zur Verfügung steht. Es ist eben einfacher, z.B. einen DM-Fünfer von 1957 G in ss für 10 € zu kaufen, als in makellosem Stempelglanz für 1000 €. Auch wenn z.B. bei DM-Münzen die Erhaltung „ss“ eigentlich nicht sammelwürdig ist und sicher im Sinne der Werterhaltung falsch angelegtes Geld ist.
 

jeggy

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tisso schrieb:
das liegt sicher auch am finanziellen Rahmen der vielen, vor allem jüngeren Sammlern für ihr Hobby zur Verfügung steht. Es ist eben einfacher, z.B. einen DM-Fünfer von 1957 G in ss für 10 € zu kaufen, als in makellosem Stempelglanz für 1000 €. Auch wenn z.B. bei DM-Münzen die Erhaltung „ss“ eigentlich nicht sammelwürdig ist und sicher im Sinne der Werterhaltung falsch angelegtes Geld ist.
Man muss auch sehen, wenn von einer Münze im Wert von 10 Euro 20%
Wertverfall anliegen, sind 2 Euro futsch, bei einer Münze von 1000 Euro Wert
sind das gleich 200 Euro ;)

Ergo kann man bei einer Sammlung mit vielen teuren Stücken auch viel mehr
Geld verlieren, als wenn man nur wenig Geld dafür ausgibt.

Letztendlich muss jeder selber entscheiden wieviel Geld er für seine Sammlung
ausgibt. Der Spass dabei muss stimmen!
Und das Album-Voll-Konto-Leer-Syndrom sollte man auch vermeiden :D

Gruss,
jeggy
 
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@ mesodor69 und jeggy:

Absolut spannendes Thema, da ich ja vor ein paar Monaten zum Talermartin konvertiert bin... Habt Ihr mal einen Literaturhinweis, der sich mit genau dieser Thematik etwas intensiver beschäftigt, womöglich gar mit erläuternden Fotos?

Beste Grüße,

Talermartin
 

jeggy

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Euromartin schrieb:
@ mesodor69 und jeggy:

Absolut spannendes Thema, da ich ja vor ein paar Monaten zum Talermartin konvertiert bin... Habt Ihr mal einen Literaturhinweis, der sich mit genau dieser Thematik etwas intensiver beschäftigt, womöglich gar mit erläuternden Fotos?

Beste Grüße,

Talermartin
Ich kenne leider keine vernünftige Literatur speziell zu diesem Thema.
Viele Infos muss man sich mühsam aus diversen Quellen zusammensuchen
- und natürlich selber sehr genau beobachten und sich austauschen.

Die einzigen, die umfassendere Literatur zu diesen Themen haben, sind
die Amerikaner. Diese Literatur ist aber sehr stark auf amerikanische Münzen
und auf den amerikanischen Markt ausgerichtet.

Gruss,
jeggy
 
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Ich möchte das Ganze etwas relativieren. Klar stimmt die Tendenz, dass besonders makellose Stücke am ehesten wertstabil sind. Das ist ja auch ganz logisch, da bei allgemeinem Wertverfall einige rasch ihre schlechten Stücke gegen bessere austauschen können und wollen. Aber ein paar kleine Studien anhand von Katalogwerten haben ergeben, dass es noch lange nicht immer so ist. Bei manchen Stücken sind es gerade die relativ schlechten Erhaltungen, die prozentual besonders stark zugelegt haben. Es kommt halt immer auf die Münze an und auf das gerade hersschende Preisgefüge.
Bei den teuren Gedenkfünfern ist es jedoch relativ klar: Nur Spitzenerhaltungen sind überhaupt noch ansatzweise empfehlenswert. Schlechte Erhaltungen wird sich bald jeder leisten können.
 
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tisso schrieb:
... Auch wenn z.B. bei DM-Münzen die Erhaltung „ss“ eigentlich nicht sammelwürdig ist und sicher im Sinne der Werterhaltung falsch angelegtes Geld ist.


Gibt es eigentlich überhaupt noch irgendeinen Sammler wie mich, dem der Werterhalt seiner Sammlung absolut piepeschnurz ist, weil er Zeit seines Lebens seine Sammlung sowieso niemals verkaufen will? Klar muss die Münze schön aussehen und das Relief muss klar erkennbar sein, aber wenn ich hier was von "Fluss- und Spannungslinien" lese, die beim Prägen entstehen und durchs Tauchen kaputt gehen, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Ebenso darüber, dass hier im Forum ständig nur von Werterhalt die Rede ist. Habt Ihr denn alle überhaupt noch Freude an Eurer Sammlung?
 
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Lolo! schrieb:
Gibt es eigentlich überhaupt noch irgendeinen Sammler wie mich, dem der Werterhalt seiner Sammlung absolut piepeschnurz ist, weil er Zeit seines Lebens seine Sammlung sowieso niemals verkaufen will? Klar muss die Münze schön aussehen und das Relief muss klar erkennbar sein, aber wenn ich hier was von "Fluss- und Spannungslinien" lese, die beim Prägen entstehen und durchs Tauchen kaputt gehen, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Ebenso darüber, dass hier im Forum ständig nur von Werterhalt die Rede ist. Habt Ihr denn alle überhaupt noch Freude an Eurer Sammlung?

Es ist bei mir umso mehr eine Münze wert ist um so mehr schätze ich die, wenn der Preis sinkt sinkt auch gleichzeitig meine Wertschätzung, also die Freude an der Münze :eek: Es ist schöner eine Münze in die im Preis gestiegen ist, in der Hand zu haben, als eine die gesunken ist. Aber natürlich spielt noch die Schönheit der Münze eine Rolle, z.B. habe ich an den einer 1,5Euro Frankreich Märchenmünze (Wert 20-30Euro), mehr freude als an meinen DE 100er Goldi 2003 (ca 180Euro). :eek:
 
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joro_73 schrieb:
Ich möchte das Ganze etwas relativieren. ......

......Bei den teuren Gedenkfünfern ist es jedoch relativ klar: Nur Spitzenerhaltungen sind überhaupt noch ansatzweise empfehlenswert. Schlechte Erhaltungen wird sich bald jeder leisten können.

Bei den teuren Gedenkfünfern gibt´s sehr wahrscheinlich relativ (zur existierenden Gesamtzahl) nur sehr wenige Top erhaltene und nicht verhunzte Stücke, wobei man das "relativ" wiederum dahingehend spezifizieren muß, daß am Markt so gut wie keine fehlerfreien Stücke verfügbar sind.
 
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Lolo! schrieb:
Gibt es eigentlich überhaupt noch irgendeinen Sammler wie mich, dem der Werterhalt seiner Sammlung absolut piepeschnurz ist, weil er Zeit seines Lebens seine Sammlung sowieso niemals verkaufen will? Klar muss die Münze schön aussehen und das Relief muss klar erkennbar sein, aber wenn ich hier was von "Fluss- und Spannungslinien" lese, die beim Prägen entstehen und durchs Tauchen kaputt gehen, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Ebenso darüber, dass hier im Forum ständig nur von Werterhalt die Rede ist. Habt Ihr denn alle überhaupt noch Freude an Eurer Sammlung?
ich habe viele Münzen in meiner Sammlung, die ich teurer gekauft habe als das, was sie heute wert sind.
Und das ist mir auch relativ egal.
Klar will ich, wenn ich heute eine Münze kaufe, nicht unbedingt allzuviel mehr bezahlen als am Markt üblich ist.
Aber ob ich jetzt zum Beispiel 150 oder 165 für ein Stück, das in meiner Sammlung noch fehlt und mir hervorragend gefällt, bezahle, ist bei mir nicht von all zu großer Bedeutung.
Auf der anderen Seite bekomme ich auch mal wieder eine Münze, für die ich weniger bezahle. Das gleicht sich im Laufe der Jahre wieder aus.
Und was meine Sammlung in 20 Jahren wert ist, darüber mache ich mir wenig Gedanken. Wenn unsere Kinder die Sammlung mal verkaufen, dann haben sie etwas davon, ob nun ein paar Mark mehr oder weniger, sie haben ja ohnehin keine Ahnung, was ich bezahlt habe. Lediglich meine Frau und ich wissen, was eine Münze gekostet hat. Und meine Frau freut sich, wenn ich mich über eine neu erstandene Münze freue.
 
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