Randschrift und Randstab

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Kann das noch eine echte Münze sein oder liegt eine Fälschung vor ? Gerade bei Reichsgoldmünzen bewegt diese Frage die Gemüter der Sammlergemeinde häufig, weit häufiger, als bei Reichssilbermünzen, bei denen ( scheinbar ? ) Abweichungen von der Norm schneller hingenommen werden, aus welchem Grund auch immer.

Alexander Kummer bildet in seinem Buch ” Die deutschen Reichsmünzen ” ein Idealbild der Rändelung der Reichsgoldmünzen ab, hier die Illustration für die Doppelkrone ( Bild 1 )

Doch nicht immer sehen die Ränder der 10 – und 20 Markstücke auch so aus. Ein Klassiker : 20 Mark Württemberg 1905. Hier im Forum sind mehrere Beispiel dieser ruinenhaften Randprägung dokumentiert. Hier noch mal mein Stück ( Bild 2- 5 ) . Bei diesem Sachsen sieht der Rand ebenfalls grausig aus ( klick ) Man hat vermutlich einem schon völlig abgenudelten Eisen nochmal eine Umdrehung abgenötigt.
Wie kommen die Abweichungen von der Norm bei der Massenproduktion zustande ? Folgende Zitate aus der Fach – und Sammlerliteratur helfen vielleicht bei der Erklärung, was nicht bedeuten soll, dass man von nun ab alle merkwürdigen Ränder für echt befinden muss, eine falsche Münze kann zwangsläufig nur eine falsche Randschrift haben und im Fälschungsthread sind mittlerweilige einige Typen präsent. Doch vielleicht können diese Textstellen dazu beitragen, das Beurteilungsvermögen zu schärfen.



Zitat 1
"... dass sich die Stempel im Laufe der Zeit abnutzen, ist wohl jedem bekannt. Noch mehr gilt das aber auch für die Rändeleisen. Bekanntlich werden die Ronden vor dem Prägen gerändelt. dabei wird das GOTT MIT UNS in Spiegelschrift unter hohem Druck in den Rand versenkt. Die Arabesken mit Stern beim 10er lasse ich hier mal unberücksichtigt.


Die Abbildungen darüber in Fälschungsbeschreibungen zeigen stets eine Randschrift von einem frischen Rändeleisen. Nun leidet das Rändeleisen ganz besondere stark unter der Beanspruchung. daher weicht das idealisierte Bilde in der Praxis oft mehr oder weniger ab. Das führt dann besonders bei Neusammlern zu Zweifeln an der Echtheit. Während ich selbst mir als erstes immer das G von GOTT ansehe, weil es noch nie einem Fälscher gelungen ist, die Serifen täuschend nachzuahmen, schauen andere auf den nächsten Buchstaben O. In der Tat wird bei dem die Abnutzung als erstes und am deutlichsten sichtbar. Anfangs gleicht die Mitte des O einem gezirkelten Kreis. Die Einfassung wirkt dagegen ein wenig oval. Doch schon früh weicht der Kreis auf und auch die Einfassung zerfranzt allmählich. Ähnliches könnte ich ebenso für die Folgebuchstaben berichten, doch das würde hier zu langatmig.

Dies soll keineswegs eine Kritik an den Münzern das Kaiserreiches sein... Aber selbst damals konnte man nicht alle naselang das Rändeleisen auswechseln.

Somit muss jeder lernen, verbrauchte Stempel und Rändeleisen richtig einzuordnen und nicht gleich bei jeder prägebedingten Abweichung Fälschung zu rufen.Das gehört auch zum Rüstzeug. Auf keinen Fall schreibe ich hier gegen das gesunde Misstrauen , das jeden immer und überall begleiten muss. Denn die Schlitzohren werden uns leider bis zu unserem Ende ständig begleiten. "
( Zylka - PostNr 242 ,3/2009 )



Zitat 2
Kurt Jaeger :
” Die Feststellung, dass bei einem E der Randschrift einer Bundesmünze, in erster Linie beim kursierenden 2 DM – Stück ( J 392 ), der untere Querbalken unsichtbar ist oder gar fehlt, wodurch beispielsweise das Wort ” EINIGKFIT ” erscheint, ist immer wieder Gegenstand von mehr oder weniger senstionell aufgemachten Meldungen… Der Grund für diese Erscheinung liegt in der Tatsache, dass das noch unbeprägte Metallplättchen bei der Rändelung um Bruchteile eines Millimeters ” geeiert ” und dadurch bewirkt hat, dass der besagte Querbalken nicht richtig ausgeprägt worden ist… ”
( Geldgeschichtliche Nachrichten 7/1967, S 90 )




Einen weiteren Aspekt der Fehlererklärung bei der Rändelung, findet sich in folgender Erwiderung eines gewissen E.B. auf Jaegers Artikel, der einige Hefte später erschien:


Zitat 3
” Die in GN 7 unter der Überschrift ” EINIGFIT ” enthaltenen Ausführungen von Herrn Kurt Jaeger veranlassen mich zu einer Stellungnahme:
Bei Bundesmünzen zu 2 und 5 DM sind gelegentlich unvollständige oder verstümmelte Randschriften festzustellen… Das Einprägen der Randschrift in eine Münzplatte geschieht in einem besonderen Arbeitsgang vor dem Prägen der Bildseiten. Der Münzrohling, dessen Rand bereits wulstartig aufgestaucht ist, wird unter grossem Druck in einer konisch gehaltenen Nute des aus gehärtetem Stahl bestehenden Werkeugs abgerollt. Hierbei prägen sich die auf der schmalen Grundfläche der Nute spiegelbildlich und erhaben angebrachten Schriftzeichen in den Rand des Rohlings ein. Da bei diesem Vorgang die seitliche Führung des Rohlings durch die Flanken der Nute sehr straff ist – auch die druckausübende Fläche besteht aus einer Nute, allerdings mit flacher Grundfläche – und da grösstenteils mehrere Buchstaben gleichzeitig oder nur kurz hintereinander eingeprägt werden, dürfte ein Schlingern oder ” Eiern ” des Rohlings nicht möglich sein.
Dagegen wird durch die hohe Beanspruchung der Randbeschriftungswerkzeuge gelegentlich bewirkt, dass Teile der auf der Grundfläche der Führungsnut erhaben angebrachten Schrift ausbrechen. Hiervon ist aber häufig nicht die gesamte Reliefhöhe eines Buchstabens, sondern nur dessen oberer Teil betroffen. Der Eindruck des Werkzeugs an der entsprechenden Stelle des Rohlings erreicht daher eine geringere Tiefe als erforderlich.
Wenn nun der Münzrohling – im zweiten Arbeitsgang – in die Prägemaschine gelangt, wo er zwischen zwei Stempeln in einem geschliffenen Stahlring geprägt wird, erhält er neben den beiden Bildseiten auch eine glatte, zylindrische Randfläche. Weil sich aber hierbei die Tiefe der Randprägung um ein bestimmtes Mass verringert, ist die Folge, dass diejenigen Geprägeteile der Randschrift, die aufgrund des schadhaften Werkzeugs zu flach geraten sind, nur noch als Andeutung übrig bleiben oder gar völlig verschwinden.
( Geldgeschichtliche Nachrichten, 10 / 1967 , S. 150 )



E.Bs. Ausführungen fand ich besonders interessant. Wie genau man sich den Abnutzungsprozess vorstellen muss, hatte ich mich auch stets gefragt, jedoch ohne eine zufriedenstellende Antwort zu finden.


Schlösser liefert Argumente sowohl für Jaegers , als auch für E.B.s Äusserungen.


Zitat 4:
“ Plattten mit zu schwacher Rändelung finden sich bei Lockerung der Stellschrauben oder wenn der Durchmesser der ungerändelten Platten ungleich, und die Maschine für den grössten Durchmesser eingestellt ist. Solche fehlerhaften Platten können jedoch sortiert und wiederholt gerändelt werden.
Unbrauchbar oder von grossem Nachteil beim prägen sind aber diejenigen Platten, die zu stark gerändelt sind und der rand zu sehr aufgetrieben ist. Dieselben werden erhalten, wenn man nach dem kleinsten Durchmesser ungleicher Platten die Rändeleisen stelt, wobei diejenigen mit grösstem Durchmesser mehr zusammengedrückt und am Rande aufgetrieben werden; oder wenn abgstumpfte Rändeleisen nicht ersetzt , sondern enger gestellt werden, um den Abstand zwischen den Nuten zu reducieren…
… Erscheint die Rändelung auf der Randkante der Platten, so hat dieses seinen Grund entweder in der fehlerhaften Beschaffenheit der Platte, die krumm ist oder eine schräge Schnittfläche besitzt, oder in der Lockerung der Rändeleisen, die bei dem Durchrollen der Platten nicht absolut festliegen. ” ( Schlösser, S. 189f )



Im Artikel ” Neue Prägewerkzeuge in der Kaiserzeit ” von F.P. Wolf ( Münzen und Papiergeld 778 7 2004 ) , auf den wir uns vor ein paar Wochen ausführlich in Bezug auf J 17 bezogen haben, finden sich auch Anmerkungen zur Qualität von Perlkreis und Randstab :


Zitat 5
” Alle Werkzeuge zur Stempelherstellung und die Prägestempelselbst unterliegen der Abnutzung. Neben einer geringfügen Verbreiterung und Abschleifung der konturen erfolgt dabei auch eine minimale Vergrösserung des Prägebildes durch kalten Fluss der Stempel unter hohem Druck. Dies beeinflusst vor allem den randbereich der Münzen. Bei den einzelnen Prägestempeln wird nämlich erst nach der Absenkung des Prägebildes mitttels der Arbeitspatrize der Rand etwas tiefer abgedreht als die Tiefe des Negativ- Münzbildes. Dadurch entsteht auf den Münzen der erhöhte Randstab… Wenn die Arbeitspatrize aber infolge der Abnutzung beriets minimal vergrössert ist, muss auf dem Prägestempel entweder der Randstab schnaler abgedreht werden, oder er reicht z. B. bei Münzen mit Perlkreis bis in diesen hinein. ”



Wie dünn nun darf aber der Rand sein ? Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nicht behaupten, dass mir Unterschiede bei der Breite des Randstabes aufgefallen sind, ganz im Gegensatz zu Randperlen, die sich in den Randstab zu fressen scheinen.ganz zu schweigen von merkwürdigen Randschriften. Ich will das an dieser Stelle nur erwähnen, ohne sofort Schlüsse daraus zu ziehen.
 

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Wie dünn nun darf aber der Rand sein ? Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nicht behaupten, dass mir Unterschiede bei der Breite des Randstabes aufgefallen sind, ganz im Gegensatz zu Randperlen, die sich in den Randstab zu fressen scheinen.ganz zu schweigen von merkwürdigen Randschriften. Ich will das an dieser Stelle nur erwähnen, ohne sofort Schlüsse daraus zu ziehen.<o:p

Schöner Beitrag! Doch es gibt sie die unterschiedliche Breite des Randstabes.</o
 

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Vielen dank für die Beispielbilder, auf denen man das wirklich sehr schön sieht !
 

Münzadler

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Lese ich am Textende (Bild 1) "Rauke, Stern und Ranke"? :confused:
 
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Hallo,
@ Kronerogøre,
Deine Zusammenstellung der Randprägungskommentare ist wirklich super. Da kann man sich die Vorgänge so richtig plastisch vorstellen.
Mit dem Herrn Jaeger zusammen haben wir mal die Münzstätte Karlsruhe besucht und man hatte nicht den Eindruck, dass es das erste Mal war (bei einigen Anderen schon :rolleyes:)

Wie wir aber immer wieder hören, sagt ein Bild mehr als tausend Worte.
Daher war mein Bericht von dem Besuch auch etwas bebildert.

Schon in den "Alten Tagen" gab es mechanische Rändelmaschinen, die den Prägern die Arbeit der Randprägung abnahmen

Rändelung 2.jpg

Das Produkt war dann eine -> Scheibe, Platte, Rondelle, Rohling, Schrötling oder wie es sonst noch heißt - aber mit aufgestauchtem Rand, aus dem später dann der "Randstab" wird

09 Rondellen.jpg

Für die Randprägung gibt es dieses bereits erwähnte feststehende! Randeisen (mit oder ohne Schrift oder Muster (Sicherheitsrand!) - je nach Wunsch) über das die oben erwähnte Scheibe mit roher Gewalt gerollt wird, wobei die Randstauchung entsteht (nicht bereits vorher!)

Muenze Randprägung.jpg

diese "Abrollung" der Scheibe geschieht mittels einer routierenden Druckscheibe OHNE! Rille (das würde nicht funktionieren), die die Scheibe packt und mit Gewalt über das Schriftband rollt - das könnt ihr mal mal auf dem Schreibtisch ausprobieren :D.

Rand Praegung.jpg

Der Randstab einer Münze - entstanden aus der Randstauchung - ist einzig und alleine vom Dreher in der Werkstatt abhängig, der den Einstich am Stempel andreht.

Muenze-KA-Ringprägung.jpg

Etwas tiefer - und es entsteht ein großer Randstab, etwas weniger und der Randstab ist kleiner.

Gleiche Stempel gibt es für jede Münze immer mehrere, um bei einer Nachbearbeitung eines Stempels den Prägeablauf nicht unterbrechen zu müssen, somit gibt es auch logischerweise Varianten in den Randstab Abmessungen.
Nur die Pyramiden in Ägypten sind einmalig, Münzenstempel nicht.

Gruß diwidat
 
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Von der Schrötlingsherstellung bis zur Münzprägung mir Beschreibung der dazu verwendeten Maschinen gibt es einen lesenswerten zeitgenössischen (Kaiserzeit) Bericht, hier der Link:
Mnzkunst: Herstellung von Mnzen

Danke für die Verlinkung, die an dieser Stelle gu reinpasst. Der Artikel fusst weitestgehend auf Schlösser. Es handelt sich hierbei übrigens um genau den Lexokoneintrag aus dem " Meyer ", der entweder in dieser oder der etwas älteren Fassung ( auch im Netz abrufbar ) Schumacher 1916 von Gouverneur Schnee als Fachquelle empfohlen wurde.
 

Münzadler

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Nein, "Ranke, Stern und Ranke", der obere Balken des n ist nur schwach geprägt äh gedruckt, eine Druckschwäche sozusagen. :lachtot:

Okay, hätte ja sein können, dass eine Arabeske mit der Spitze nach links Rauke heisst und mit Spitze nach rechts Ranke. :D
 
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