Rinke : Münze betreffend

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Vor ein paar Jahren hatte ich mir die 1972 von der VDM herausgegebene Festschrift " Marksteine der Münzgeschichte seit 1873 " zugelegt, ein offengestandenes informationsarmes Elaborat, dass von den Empfängern, den Geschäftspartnern der VDM, sicherlich nicht täglich zur Hand genommen wurde.

Unter dem Weihnachtsbaum nun lag dieses Jahr obengenanntes Buch, verfasst von einem langjährigen Mitarbeiter der Vereinigten Deutschen Metallwerke, der auf 221 Seiten technische Einzelheiten und Anekdotenhaftes zu einer sehr interessant geschriebenen Werksgeschichte und Münzfertigungsgeschichte verbindet, die für den Sammler deutscher Münzen ab 1871 viel Wissenswertes enthält. Die totale Fixierung auf das Universums des eigenen Betriebs ein ganzes (Arbeits)leben lang hinterlassen zwar ein wenig den Eindruck, als seien Werdohl und Altena die Zentren der Welt, doch die Bedeutung der VDM für unseren Alltag ist unbestritten. Bis auf die Silberadler haben wir alle unser Leben lang mit auf VDM- Plättchen gefertigten Münzen gezahlt.

Sehr interessant fand ich die Ausführungen zum Karlsuher Münzskandal, die Informationen, dass die Euromünzen eigentlich ganz anders ausgesehen hätten, sowie die lapidare Bemwrkung, die mich noch weiter beschäftige wird, wonach die Hamburger Münze 1893 mangels Aufträgen fast geschlossen worden wäre. Und zuletzr; liesst man, wie kompliziert die Erzeugung brachbarer Ronden geschildert wird, versteht man nicht, wie es den Amateuren in Tabora überhaupt gelang, irgendetwas einigermassen rundes, einigermassen planes und einigermasen münztaugliches zustande zu bringen. Und das ist ein schöner Gedanke mit Hinblick auf das hundertjährige Jubiläum der Taboraprägungen, dass 2016 ansteht und hoffentlich in der Fachpresse sein Echo finden wird.
 
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Danke für den tollen Beitrag! Ich habe den Rinke vor Jahren schon gelesen und es habe es nicht bereut. Es werden sehr viele Informationen gegeben, die man aus "dieser Richtung" bislang noch gar nicht kannte. Es liest sich fast wie ein Krimi.

Aber Du hast auch ein Schwachpunkt des Werkes in einem anschaulichem Beispiel erwähnt: Es sind oft nur "Gedanken-Snippets". Ganz interessante Informationen werden unsortiert gegeben und man versucht vergebens jeden einzelnen Buchstaben dieser lapidaren Sätze noch einmal umzudrehen, um vielleicht eine weitere verborgene Information zu bekommen. Mein Buch hat unzählige Marker und Streifchen, Eselsohren etc.

@Kroner: auf welcher Seite steht das mit Hamburg 1893? Bestimmt hat Soetbeer dazu auch etwas geschrieben. Müsste ich mal recherchieren...

[...]Und zuletzr; liesst man, wie kompliziert die Erzeugung brachbarer Ronden geschildert wird, versteht man nicht, wie es den Amateuren in Tabora überhaupt gelang, irgendetwas einigermassen rundes, einigermassen planes und einigermasen münztaugliches zustande zu bringen. Und das ist ein schöner Gedanke mit Hinblick auf das hundertjährige Jubiläum der Taboraprägungen, dass 2016 ansteht und hoffentlich in der Fachpresse sein Echo finden wird.
In der Fachpresse wird sich ein Echo finden :D
 
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Rinke erwähnt das auf S. 24 :
" Um Haaresbreite wäre die neue Hamburgische Münzesogar 1893 wegen Auftrgagmangel wieder geschlossen worden. Nur eine Konjunkturbelebung durch namhafte Auslandsaufträge hat den Fortbestand der Anlage gerettet. "

Auf Grund von Hammerichs Angaben über die in Hamburg ausgeführten Auslandsaufträge ( siehe unten ) kann man das nicht nachvollziehen. Auch die im Jaeger katalogisierten Prägezahlen für das Jahr 1893 und die nachfolgenden Jahre ,lassen nicht den Eindruck entstehen, die Hamburger Münze hätte nichts zu tun gehabt. Sehr rätselhaft.

Übersicht über in Hamburg ausgeführte Auslandsaufträge ( nach Hammerich )


Siam ( 64 Att = 8 Füang; 1 Füang = 1/8 Tikal ; 1 Salüng = ¼ Tikal ; 1 Solot = ½ Att = 1 / 128 Tikal )

Mit den Jahreszahlen 1887, 1888, 1896, 1897, 1899, 1900, 1902 und 1903 wurden Pais, Att sund Solots in Millionenauflage geprägt.

Guatemala ( 1 Peso = 100 Centavos )
1 Peso : 1896, 97

Rumänien ( 1 Leu = 100 Bani )
5 Lei 1901
2 Lei : 1900, 1901
1 Leu : 1900, 1901
50 Bani : 1900, 1901


Brasilien ( 1 Milreis = 1000 Reis )
400 Reis : 1901, 02
200 Reis : 1901, 02
100 Reis : 1901, 02


San Salvador ( 1 Peso = 100 Centavos )
1 Peso : 1904
 
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[...]
Auf Grund von Hammerichs Angaben über die in Hamburg ausgeführten Auslandsaufträge ( siehe unten ) kann man das nicht nachvollziehen. Auch die im Jaeger katalogisierten Prägezahlen für das Jahr 1893 und die nachfolgenden Jahre ,lassen nicht den Eindruck entstehen, die Hamburger Münze hätte nichts zu tun gehabt. Sehr rätselhaft.[...]
Ich habe einmal kurz in meinen Unterlagen geschaut und habe einen Aufsatz von Pusback gefunden (Die Hamburger Münzstätte von 1874 bis heute, 1979, Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Vereins der Münzenfreunde...), der mich auf eine Idee brachte. Pusback schreibt dort, dass Hamburg seine Kapazitäten in den ersten Jahren verdreifacht hatte und dass sie mehr als einmal beantragt hatten, ihren Prägeschlüssel zu erhöhen. Kurzzeitig, 1876, hatten sie es erreicht (von 7,2 auf 10,7%), wurde dann aber wieder auf 7,9 % gesenkt. Hamburg hatte also immer "zu wenig zu tun", auch wenn es keine auffallende Lücke in der Produktion der Reichsmünzen gab.

Nach Hammerichs Aufstellung der Auslandsaufträge scheint es ja auch die Anmerkung Rinkes zu bestätigen, denn von 1893 gab es kaum Aufträge.
Vielleicht hat Hamburg auch nur im telefonischen Kontakt mit VDM ein wenig gejammert und schwarz gemalt - wer weiß, welche Mitarbeiter damals "per Du" waren und mehr als das Nötigste besprochen...

Weiterhin fällt mir bei Hamburg auch immer Konrad Schneider ein, der auch um die 80er/90er Jahre über Hamburg publiziert hat. Da könnte man auch noch schauen. Soetbeer ist (leider) 1892 bereits verstorben. Das Staatsarchiv HH hält bestimmt auch noch ein paar interessante Informationen bereit.
 
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Nach Hammerichs Aufstellung der Auslandsaufträge scheint es ja auch die Anmerkung Rinkes zu bestätigen, denn von 1893 gab es kaum Aufträge.
Vielleicht hat Hamburg auch nur im telefonischen Kontakt mit VDM ein wenig gejammert und schwarz gemalt - wer weiß, welche Mitarbeiter damals "per Du" waren und mehr als das Nötigste besprochen...
Laut Hammerichs Angaben tritt ein Aufschwung bei den Auslandsaufträgen erst 1896 ein, bis dahin gab es nur sehr wenige solcher Lohnaufträge. Reichsmünzen wurden jedes Jahr geprägt, wenn auch nicht jedes Jahr alle Sorten. Ähnlich war es auch in den anderen kleinen Münzbetrieben, die bis auf die nach Fertigstellung der Erstgarnitur geschlossenen Prägeastalten in Hannover und Frankfurt bloss folkloristischen Charakter besassen, um das mal etwas gehässig auszudrücken. Barduleck berichtet in seinen Erinnerungen ebenfalls, dass es Jahre gab, in denen die Arbeit ruhte, erwähnt aber nicht, ob im Gespräch war, die Münze niederzulegen. Altersmilde vielleicht, doch möglicherweise war der Kostenrechtfertigungsdruck gegenüber der Hamburger Bürgerschaft grösser, als es in Sachsen der Fall war.

Es kann natürlich auch sein, dass ich Rinke falsch verstanden habe, ich hatte ihn so interpretiert, als ob ( auch ) die Auslandsaufträge bgeflaut seien. Vermutlich hat er das gar nicht so gemeint.

Persöhnliche Kontakte möchte ich keinesfalls ausschliessen, Rinke macht ja auch keinen Hehl daraus, dass es auch im Münzgeschäft, wie auch in allen anderen Geschäftszweigen auf Imagepflege und Kundendienst ankommt.

Wer ist Konrad Schneider ?
 
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Pusback (s.o.) hatte dazu auch einen Satz geschrieben: "Am 16. September 1874 konnte die erste Probeprägung auf einem 2 Pfennig-Schrötling erfolgen". Ob in dem Jeton-Buch mehr stehen wird, werden 75 EUR beantworten müssen...
 
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