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Schluß mit dem Gender-Unfug

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Tobias Honscha, 9. März 2019.

  1. lightning

    lightning

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    Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Sprache lebt von Konventionen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben - ansonsten würde ja bis heute jeder seinen Kauderwelsch von sich geben, aber keiner den anderen verstehen.
    Ihr sprecht hier von "aufoktroiert" und von denen "da oben". Wie soll das überhaupt funktionieren? Sprache kann auf diesem Wege nicht geändert werden.
    Wenn ihr dagegen seid, dann verweigert Euch dieser Neuerung in der deutschen Sprache. Sehen das viele Menschen mindestens mittelfristig so, wird sich an der geliebten deutschen Sprache auch nichts ändern.
    Wenn auf dem Briefkopf vom Studentenwerk nicht mehr "Studentenwerk" steht? Mir doch wurscht. Alleine deswegen ändere ich ja meine eigene Sprache nicht.
    Wenn ich morgen genderfreies Deutsch spreche? Auch meine Sache, aber dann versteht mich halt keiner mehr.
    An der Stelle appelliere ich an ein wenig mehr Optimismus und Autonomie. Ob sich diese Entwicklung durchsetzt, wird sich zeigen. Angst haben muss davor aber sicher niemand.

    (Was ich von der Grundidee einer gendergerechteren Sprache halte, lasse ich hier mal offen. Wer sich mit mir unterhält, wird es herausfinden, wenn er oder sie mich versteht. )
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. März 2019 um 12:08 Uhr
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  2. JensiS

    JensiS

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    @lightning

    Was passiert aber, wenn Du ob Deiner Weigerung vom "Altsprech" abzulassen, stigmatisiert (wie im SZ-Faksimile im Beitrag #39 geschehen), denunziert oder einer Inquisition unterzogen wirst, McCarthy läßt grüßen? Wie würdest Du urteilen, wenn Verlage gezwungen würden, bei der Neuauflage von Schriftwerken vorher "durchzugendern"? Ich stelle mir gerade folgenden Titel vor: "Johann Wolfgang von Goethe - Römische Elegien - geschlechterredigiert und feministisch überarbeitet" - gruselig. Würdest Du sowas noch lesen wollen (wer es nicht kennt, das ist der "Porno" des späten 18.Jahrhunderts)? Wie würdest Du reagieren wenn Kinder schlechtere Noten für ihren Aufsatz erhalten, weil sie "Genderfehler" machen, auch wenn es mit dem eigentlichen Aufsatzthema gar nichts zu tun hätte? Was , wenn Lehrer (generisches Maskulinum!) aus dem Schuldienst entfernt würden, wenn sie sich solchen Entwicklungen verweigern. Was sagst Du, wenn öffentliche Bibliotheken gezwungen werden, "nichtgegenderte" Bücher aus den Regalen zu entfernen? Was, wenn diese Bücher irgendwann brennen? Ein sehr guter Film dazu - "Pleasentville - zu schön um wahr zu sein" (zu schade, kam letzten Sonntag 20:15 auf SIXX).

    Ich habe von einem Vertragsentwurf eines Industrieunternehmens für eine Lieferung an eine Kommune gehört. 10 Prozent der kommunalen Änderungswünsche bezogen sich auf technische oder kaufmännische Details, 90 Prozent (!) waren Änderungsforderungen wegen Verstößen gegen irgendeine Genderrichtlinie, die überhaupt nichts mit dem Vertragsziel oder der Vertragserfüllung zu tun hatten. Wenn Unternehmen zukünftig solchen Zusatzaufwand einpreisen mag ich mir die volkswirtschaftlichen Auswirkungen gar nicht ausmalen.

    Natürlich verändert und entwickelt sich Sprache. Als wir in der Schule "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch" behandelt haben, kann ich mich an ein Druckexemplar erinnern, welches in einer Spalte die Originalrechtschreibung und in der anderen Spalte eine Überarbeitung für den geneigten Leser (generisches Maskulinum!) des 20. Jahrhunderts enthielt, zudem noch zahlreiche Fußnoten, um außer Gebrauch gefallene oder bedeutungsgewandelte Wörter seit Erscheinen 1668 zu erläutern. Unsere Enkel werden sich in zig Jahren immer wieder wundern, wenn Omma und Oppa diesen komischen Genitiv in der Alltagssprache verwenden und die "alten" Bücher sind auch noch voll davon. Aber das ist nicht vergleichbar mit dem, was hier gerade passiert.

    Übrigens gibt es im Deutschen, wenn auch erheblich seltener, ein generisches Femininum (Bsp: Hebamme, Leiche) und ein generisches Neutrum (Bsp: Kind, Mitglied). Darüber habe ich einen Genderwahnsinnigen (generisches Maskulinum!) noch nie schwadronieren hören.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. März 2019 um 20:23 Uhr
  3. FooFighter

    FooFighter

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    Folgende Frage werfe ich mal in den Raum:

    Wenn - wie in der Broschüre der Stadt Hannover zu lesen - aus Zwecken der kürzeren Darstellung aus der früheren Anrede "liebe Bürgerinnen und Bürger" nun durch Hinzufügen des Gender-Sternchens die Anrede "liebe Bürger*innen" wird, was passiert dann mit Leuten, die heute noch in Arzt und Ärztin eingeteilt werden?
     
  4. jannys33

    jannys33 Registered User

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    Also ich fahre immer wenn es mir schlecht geht zum Arzt. Und da sitzt immer eine Frau. Muss ich mir jetzt Gedanken machen? Das wäre blöd weil die ist gut. Die Frau also der Arzt zu dem ich fahre.
     
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  5. JensiS

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    Du meinst wegen des Vokalwechsels A/Ä? Das Genderwörterbuch "Geschickt gendern" (ja, das gibt es wirklich: Genderwörterbuch) empfiehlt "ärztliches Fachpersonal" (Personal ist neutrum!) oder "Person im ärztlichen Dienst" (Person ist feminin!). Wie man sowas von einer Krankenschwester (gibt es auch Krankenbrüder?) unterscheiden soll, ist mir schleierhaft. Vielleicht empfehlen die Gendergetriebenen die Attribute "niederes/höheres"? Man könnte auch "Leute mit medizinischen Hochschulabschluß" verwenden, "Leute" ist immer gut, gibt es nur als Plural und ist somit geschlechtslos! Satire aus!
     
  6. JensiS

    JensiS

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    Wie spricht man das eigentlich?

    "liebe Bürgersterncheninnen"?
    "liebe Bürgerasteriskinnen"?
    "liebe Bürgersprachwechsel asteriscus sprachwechselinnen"?
    "liebe Bürgeroriginalsprachwechsel asteriskos sprachwechselinnen"?
    "liebe Bürgeroriginalsprach-und alphabetwechsel ἀστερίσκος sprach-und alphabetwechselinnen"?
     
  7. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Du meinst sicher die "Sprechstundenhelfende" am Empfang. "Artztende" sind meistens am Rumlaufen zwischen den Sprechzimmernden (zumindest in den Praxenden wo ich bisher war). Gibt es eigentlich mehr von a) Männer die als Sprechstundenhilfe oder b) Frauen die als Müllmann (oder jetzt Müllmannende?) arbeiten? Das wäre doch mal interessant zu erfahren. Persönlich habe ich bisher weder das eine noch das andere gesehen. (Hingegen Ärztinnen schon).
    Mein Opa hatte übrigens schon vor langer Zeit (bevor Genderismus überhaupt ein Ding war) eine einheitliche Bezeichnung für Politiker und Politikerinnen sowie Verwaltungskräfte allgemein erfunden und eingeführt. Er sprach immer über "diedeppertendaoben".
     
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  8. chrisild

    chrisild Sammler :)

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    Eigentlich ziemlich einfach - mit einem Knacklaut (auch Glottisschlag u.a. genannt). Bürger-innen eben. Wirklich noch nie gehört?

    Christian
     
  9. FooFighter

    FooFighter

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    Und nun noch mal zu meiner Frage mit Arzt/Ärztin? Wie sprichst du da die gegenderte (heißt das so?) Version aus?
     
  10. Deichmann

    Deichmann

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    Einfach Ärztin.
    Der Arzt ist natürlich mitgemeint.
     
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