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Schluß mit dem Gender-Unfug

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Tobias Honscha, 9. März 2019.

  1. chrisild

    chrisild Sammler :)

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    An amerikanischen Universitäten ist das eher noch deutlicher, soweit ich die Diskussionen zu diesem Thema verfolgt habe. Das geht hin bis zu Verwarnungen von Professoren und erzeugt mitunter ein Klima, das einer sachlichen Diskussion nicht förderlich ist. Nur habe ich bislang - und dafür sind die Beispiele bzw. Zitate aus dem Appell der Professor(inn)en aus Münster und Osnabrück bei change.org dann doch aufschluss- und hilfreich - absolut nicht den Eindruck, dass der Krämer-Verein (VdS) sich durch Sachlichkeit hervortäte.

    Es wird bei Themen wie diesem wohl immer so sein, dass die Mehrheit, die "etablierte" Gruppe o.ä. eher weniger sensibilisiert ist als die anderen. Allerdings hatte ich vor ein paar Wochen in Kalifornien (immerhin nicht Berkeley ;) ) eine Diskussion über den Begriff "Negro Spiritual", der als Quelle bei einem Songtext stand. Ich fand den Ausdruck bzw. seine Verwendung heute eher befremdlich, aber die musikalische Leiterin einer Kirchengemeinde (selbst schwarz, und die Kirche hat z.B. auch verheiratete lesbische Priesterinnen, zählt also sicher nicht zu den konservativsten im Lande) erklärte, das sei durchaus übliche Terminologie. Wir werden auch bei dem, was hier Gender-"Unfug" genannt wird, die feinen Linien zwischen Sachlichkeit, Diskriminierung und Sprachpopulismus finden müssen. Und vermutlich werden wir sie auch weiterhin nicht alle an den gleichen Stellen wahrnehmen ...

    Tschüs,
    Christian
     
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  2. stroop

    stroop

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    Sicherlich, das Problem sehe ich nicht nur auf deutsche Universitäten beschränkt. Naturgemäß findet sich dort insb. in der Studentenschaft eine eher linksliberal- und je nach Uni fast schon anarchistisch-revolutionäre Stimmung, welche nicht selten mit Forderungen und Aktionen auf sich aufmerksam macht, die eine "normale", zentral ausgerichtete Bevölkerung ohne eine solche Prägung nicht gutheißen kann, oder diese nach dem Studium schon wieder abgelegt hat. So radikal, wie dann von den Unis Aktionen oder Forderungen öffentlich werden, so sehr schlägt eine konservative Bevölkerung, als pendelnde Gegenbewegung, nach rechts aus. Einerseits, um zu kompensieren, andererseits, um zu sagen "jetzt erst recht", da man sich seinen Lebensstil eben nicht von radikalen Linken unter immer den gleichen Nazikeulenschwüngen und "alte weiße Männer"-Beschuldigungen verändern lassen will. Das hat dann auch irgendwann etwas mit persönlicher Freiheit beider Seiten zu tun. Toiletten - für wieviele Geschlechter auch immer - muss in öffentlichen Einrichtungen der Steuerzahler zahlen. Eine komplette Umstellung des Verwaltungsverfahrens kostet auch Geld und Zeit, was der Bürger zu tragen hat. Im Groben und Ganzen wird die Legitimation solcher Aktionen für - Entschuldigung, so ist es halt - Kleinst-Bevölkerungsanteile (hoffentlich) durch die Mehrheit der Bevölkerung bestimmt werden. Sonst führen wir unsere politische Handlungsfähigkeit durch einen individualistisch-ideologischen Aktivismus ad absurdum. Nach dem Motto: Jedem seine eigene Anrede, seine eigene Toilette, sein eigenes Ampelmännchen/Fräulein, seine eigene Bezeichnung in Formularen oder Stellenausschreibungen, seine eigene Quote in Gremien/Unternehmen etc. etc. Der Phantasie ist hier ja keine Grenze gesetzt, und aus politischen Gründen wird sich die linksliberale Seite NIEMALS zufrieden geben, egal, was sie erreichen wird. Sollte sie irgendwann sagen: "Nu ist gut, wir haben alles erreicht, was wir wollten" - dann hat sie sich überlebt, und an ihre Stelle werden wiederum noch "linkere" Forderungen treten und diese Forderungen mit Moral oder ähnlichem zu legitimieren versuchen.

    Edit: Zu dem von dir angesprochenen Verein: Ich kenne den Verein nicht bzw kannte ihn nicht bis zu dieser Aktion. Aber unabhängig davon, wie gut oder schlecht oder genau oder inkorrekt er ist - dies ist nicht relevant. Man adressiert hier nur das Symptom dieses Aufrufs, nämlich wieder einmal eine kompensatorische Aktion einer Gruppe, die auf die linken Forderungen etc. reagiert. Sie ist nur eine von vielen, die da kommen wird. Die Ursache hierfür ist aber der "Extremismus" bzw. Populismus auf der anderen Seite. Ohne das von mir oben beschriebene hätte sich keine halbseidene Gruppe zusammengetan, hätte es keine solche Entwicklung der AfD als Gegenpol zu den Ansichten der Grünen gegeben, hätte es keinen Zulauf zu Achgut, Tichy, Cicero etc gegeben. Das ist auch keine Argumentation von wegen "die haben angefangen" - sondern einfache Ursache-Wirkung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. März 2019
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  3. Uwe-11

    Uwe-11

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    Müssen wir das ?
    Ich kann hier nur für mich sprechen aber ich muss hier nichts.
    Ich lasse mir nicht von selbsternannten, politisch ganz weit links stehenden, Sprachpolizisten vorschreiben wie ich zukünftig gefälligst zu reden hätte.
    Und dabei ist mir ziemlich egal das ich dann von gewissen Personengruppen geifernd als rückständig, rassistisch oder alter weißer Mann bezeichnet werde.

    Persönlich kann ich beim besten Willen diesen vorauseilenden Gohorsam nicht verstehen den nun einige an den Tag legen und dies dann mit den Attributen modern, zukunftsweisend oder ähnliches zu legitimieren versuchen.
     
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  4. chrisild

    chrisild Sammler :)

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    Nein, natürlich nicht. Es steht Dir auch frei, Menschen mit Begriffen zu bezeichnen, die diese vermutlich als herabsetzend verstehen. Wenn's in den Bereich der Beleidigung geht, sieht die Sache vielleicht anders aus, aber die Grenze wirst Du hoffentlich einschätzen können. ;)

    Tschüs,
    Christian
     
  5. stroop

    stroop

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    Das Problem an diesem Argument ist leider, dass sich ja jeder prinzipiell von Vielem herabgesetzt fühlen kann. Ob das dann bei näherer Betrachtung wirklich so schlimm ist, oder die Grenze zum "sich aufspielen" oder "sich wichtigtun" überschritten wird - diese Überprüfung bzw. Unterscheidung scheint jedoch von linker Seite nicht mehr gewollt zu sein, sofern es den eigenen Interessen bzw. Weltanschauungen dient. Und wenn der einfache Hinweis darauf, dass man vielleicht diese Überprüfung mal vornehmen sollte, in Beleidigungen oder Diffamierungen endet, welche Uwe angesprochen hat, dann sehe ich das argumentative Problem nicht bei den vermeintlichen alten weißen Männern, sondern bei den Dogmatikern, die eine gemeinsame Diskussion nicht mehr zulassen.
     
  6. chrisild

    chrisild Sammler :)

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    Nur haben diese Diffamierungen (oder wie immer man das im Einzelnen nennen möchte) nicht viel mit politischen Lagern im klassischen Sinn zu tun. Im aktuellen "Spiegel" ist ein Interview mit Bernd Stegemann (Berliner Ensemble, Mitbegründer der durch Sahra Wagenknecht bekannten Initiative "Aufstehen"), in dem er diese Sprachkontrolle, wie er es nennt, und empfundene Kränkungen kritisiert. Das gibt es auch online, kostet aber extra. Passt bei diesem Thema leider so gar nicht ins Links-Rechts-Schema. Ich teile seine Ansichten nicht unbedingt - aber ich bin ja, anders als er, auch kein Fan der marxistischen Gesellschaftsanalyse. ;)

    Tschüs,
    Christian
     
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  7. stroop

    stroop

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    Die Bewegung "Aufstehen" und die Meinung von Frau Wagenknecht und Konsorten haben ja auch eine oftmals andere Meinungen bzw. Einstellungen als das, was ich hier mit "links" und "rechts" bezeichnet habe.
    Mit links meine ich nicht links im Sinne der marxistisch- bzw. kommunistisch geprägten Arbeiterbewegung, sondern im Sinne eines linksliberalen, oftmals überdurchschnittlich verdienenden Bürgertums, die dem normalen Arbeiter und seinen Problemen und politischen Wünschen schon seit Langem enteilt sind.
    Um es etwas provokativ auszudrücken:
    Sozusagen die stereotype, segregierte Vorort-Mutti, die im 80.000€-Bluetec-SUV die Kinderchen zur Schule und zum Geigenunterricht bringt, ohne jemals "die Arbeiterschicht" kennengelernt zu haben, oder wie oben beschrieben, der ideologische Student. Diese Leute sind einerseits frei von (aus meiner Sicht) anderweitigen, dringenderen Problemen, und andererseits beseelt vom ideologischen Gesellschaftsveränderungsdrang, was sich ja auch in verschiedenen grünen Aussprüchen wie "Deutschland wird sich verändern, und ich freu mich drauf..." etc. ganz gut zeigt.
    Es geht also eher um eine linksliberal-ideologische gegen eine rechts-der-Mitte-konservative Meinung.
     
  8. rollenchecker

    rollenchecker

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    Durch die Pflicht zur Vergenderung in der Sprache entstehen bereits im Umfeld der jungen Generation extreme Spannungen.

    Ich habe lange Zeit im Rahmen meiner stipendiatischen Aktivität ein tolles Konzert für Stipendiaten in meiner Regionalgruppe organisiert, bis die Co-Organisatorinnen mich gekonnt aus dem Projekt "gedrückt" haben. Streitpunkt war die Verwendung von genderneutraler Sprache auf Plakaten und im Kontext der gesamten Veranstaltung - ich war dagegen, mir war es wichtiger, mich um ein gutes Miteinander als solches zu bemühen.

    Anscheinend ist es heutzutage elementar, auf genderneutrale sprachliche Elemente zu achten, als auf eine Veranstaltung als solche. Das Bühnenlicht hat für einige Musiker nicht ausgereicht aber hey, genderneutrale Begriffe wurden verwendet und zwei Frauen konnten sich als Superheldinnen profilieren, indem sie denjenigen herausgekickt haben, der das Projekt mitinitiiert und voller Herzblut aufgebaut hat.

    Seitdem habe ich Abstand von jeglichem Engagement im Rahmen meiner stipendiatischen Aktivitäten genommen. Traurig - aber ich investiere meine Energie nicht in Kämpfe um sprachliche Elemente.

    Das Interessante, was mir auffällt: Vor allem Menschen, die in fachlichen Bereichen Ihre Kenntnisse nicht ausreichend erworben haben oder es nicht wollten, beteiligen sich an dieser Form des Aktivismus. Anscheinend stellt dies auch eine Art "Ventil" für nicht erreichte gesellschaftliche Anerkennung dar.

    Gruß

    der rollenchecker
     
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  9. Fusselbär

    Fusselbär

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    Ich weiß jetzt gar nicht warum mir da so bestimmte Poltiker (innen) im Kopf rumgehen.:rolleyes:
     
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