Wertermittlung Franz Ludwig von Neuburg 1726 Gold

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Hallo zusammen,

Ich bin neu hier und habe von Münzen und Medaillen leider recht wenig Ahnung - bitte verzeiht, falls ich nicht fachgerechte Fragen stelle.

Letzte Woche habe ich zusammen mit meinem Vater eine der alten Münzen entdeckt, die ihm sein Vater wiederum vererbt hat. Und uns würde brennend interessieren, um was es sich hier handelt!

Ich konnte immerhin den Namensgeber Franz Ludwig von Neuburg ermitteln, sowie das Jahr 1726 und P.C. Becker als Prägemeister (nennt man das so?).

Hier habe ich einen Link zu einer ähnlichen gefunden:

Es handelt sich um das selbe Motiv, allerdings ist unsere Medaille aus Gold. Sie ist erstaunlich schwer.
Leider habe ich nur eine Seite der Medaille fotografiert.

Nun unsere Fragen: was ist das für eine Münze / Medaille? Zu welchem Anlass wurde sie geprägt? Warum finde ich nichts im Web? Und natürlich auch, wie viel ist das gute Stück wert?

Danke im Voraus für fachkundige Hilfe und weiterführende Informationen!

Liebe Grüße,
Flo

PS: Die Medaille wird definitiv nicht veräußert werden.
 

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Entweder habe ich die Leute verschreckt, oder keiner weiß worum es sich hier handelt? Ist denn keiner hier, der uns helfen kann?
Wer hat damals solche Medaillen erhalten? Die Familie des Kurfürsten? Wie kommen die vielen Spuren in die Medaille, wenn sie nicht als Zahlungsmittel im Umlauf war?
Ich habe noch ein Foto von der Vorderseite gemacht...
 

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Dass du noch keine Rückmeldungen erhalten hast liegt vermutlich daran, dass deine Medaille sicherlich ausgesprochen selten ist und aller Wahrscheinlichkeit nach kaum jemand die erforderliche Fachliteratur für genau dieses Thema gerade parat hat.

Die von dir hier verlinkte Auktion von Künker gibt ja schon einen guten Überblick über den Anlass der Prägung, Herkunft und Zweck der Medaille.

Früher war es häufig so, dass von den Prägestempeln der Medaillen unterschiedliche Abschläge gemacht wurden.
In deinem Fall vermute ich, dass die Mehrheit der geprägten Stücke aus Silber war, während solche aus Gold nur sehr hochrangigen und erlesenen Personen vorbehalten waren. Ähnlich wie Orden wurden Medaillen früher oft an der Kleidung angeheftet oder in Schmuckstücken eingefasst zur Schau getragen, da diese eine Form der Auszeichnung durch eine bedeutende Persönlichkeit darstellten.

Daher stammen wohl auch die Beschädigungen. Wobei man natürlich nie gänzlich ausschließen kann, dass die Medaille als Goldstück auch mal zur Zahlung einer Rechnung verwendet wurde. Die meisten Goldmedaillen jener Zeit bestehen nämlich aus sogenanntem Dukatengold, einer Goldlegierung, aus der auch Dukaten geprägt worden sind. Der Dukat war über mehrere Jahrhunderte eine Goldmünze, die so gut wie überall in Europa im Fern- und Großhandel genutzt wurde.
Das über die Jahrhunderte relativ konstante Gewicht des Dukaten beträgt rund 3,5 Gramm.

Ein wichtiges Merkmal historischer Goldmedaillen ist, dass ihr Gewicht in der Regel einem runden Mehrfach-Wert des Dukaten entspricht, zum Beispiel 3, 5 oder 10 Dukaten.
Um deine Medaille näher bestimmen zu können ist es daher wichtig, dass du uns das Gewicht mitteilst - am besten auf mindestens 0,1 Gramm genau. Falls du zu Hause keine Wage hast, kannst du sie zum Beispiel auch in einer Apotheke wiegen lassen. Dort haben sie sehr präzise Wagen und nehmen für den kleinen Service in der Regel auch kein Geld.
 
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Hier eine recht ähnliche Medaille, allerdings mit leicht abweichendem Motiv und anderer Jahreszahl:

- Peus, Auktion Nummer 406, Los Nummer 1587:
Goldmedaille zu 30 Dukaten (104,65 Gramm) von 1730. Erhaltungszustand besser als dein Stück, verkauft für 32.000 Euro

Beschreibung laut Auktionshaus:
"
DEUTSCHE MÜNZEN UND MEDAILLEN
Schlesien Breslau, Bistum
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, 1683-1732, 1694 Bischof von Worms, Hochmeister des Deutschen Ordens, 1716-1729 Erzbischof von Trier, 1729 - 1732 Erzbischof von Mainz Goldmedaille zu 30 Dukaten 1730. 104.65 g. Stempel von Philipp Christoph Becker. Büste rechts / Liegender Löwe unter strahlendem Gottesnamen, zwischen den Pranken Schwert, Kurhut, Mitra und das Mainzer Rad. Friedensburg/Seger 2765 (AR) Stemper 346 Slg. Belli 1468 (AR) Bislang nur in Silber vorgekommen, vermutlich Unikum. Sehr schön/Vorzüglich Winzige Kratzer, Wertzahl XXX auf dem Rand eingeritzt"

Nur mal so als Orientierung.



Deine Medaille habe ich tatsächlich nur in der Ausführung aus Silber gefunden, und zwar in der von dir verlinkten Auktion von Künker und auch in der 51. Auktion von WAG, Los 1837 - verkauft für 10.000 Euro, vom Gewicht her mit dem Stück von Künker nahezu identisch
 
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@Muppetshow hat schon sehr viel Informatives zu eurer Gold-Medaille geschrieben. Dem ist fast nichts hinzufügen!

Meiner Meinung nach spricht auf den ersten Blick alles für deren Echtheit: anhand der Bilder scheint die Medaille scharfe Konturen zu haben, d. h. geprägt zu sein; die Kratzer auf der Oberfläche/die (deutlichen) Randbeschädigungen sprechen für Umlauf (so etwas würde man in diesem Ausmaße nicht fälschen) etc.

Ihr habt da sehr wahrscheinlich einen kleinen (numismatisch und finanziell wertvollen) Schatz - wunderbar!

Falls ihr noch Näheres in Erfahrung bringen wollt, müsste ihr euch die bei Künker zitierte Spezialliteratur besorgen, entweder über (Fern-)Leihe der örtlichen Bibliothek oder kaufen (im Internet findet man öfter auch solche Spezial-Bücher zum Kaufen, wenn man lange genug sucht). Für was die Abkürzungen in der Auktionsbeschreibung stehen, findet ihr hier heraus:


Man könnte auch größere Auktionshäuser anschreiben und wegen Informationen anfragen oder die großen deutschen Münzkabinette (München, Berlin, Dresden usw.) oder eines der Trierer Museen.

Im Schön (Deutscher Münzkatalog, 18. Jahrhundert, 5. Auflage 2019) habe ich euer Stück nicht gefunden (lediglich eine ähnliche Medaille unter Mainz aus den Jahren 1730/32: Schön# A13. Der Goldabschlag der Silbermedaille zu 1 Lot wird dort mit 10 Dukaten angegebn. - By the way: Welche Maße (Durchmesser u. Gewicht) hat eure Medaille?). Dies ist aber nicht überraschend, da sich der Schön eigentlich auf Münzen beschränkt und nur ab und an auch Medaillen mitaufführt. Vielleicht kann aber @Gerhard Schön trotzdem etwas zu eurer Medaille sagen?

Außer den bereits genannten Auktionen habe ich noch folgende zu ähnlichen (Mainzer) Stücken gefunden:



Hier Informationen über den Kirchenfürsten, in dessen Aufrag das Stück geprägt wurde:
 
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Vielen Dank für die zahlreichen Informationen!
Wir werden wohl weiter in die Recherche gehen müssen... Bei Gelegenheit werde ich die Medaille noch einmal wiegen und messen...
 
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Auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass der Threadersteller sich hier noch einmal meldet, folgenden Literaturhinweis:

Schneider, Konrad und Forneck, Gerd Martin: Die Medaillen und Gedenkmünzen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier. Kataloge und Schriften des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Trier, Band 2. 1993. 150 Seiten, 94 Nrn. mit Abb.

 
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Hier noch ein weiteres Vorkommen der Medaille in Silber:

Robert Ball Nachf., Auktion 4 (23.03.1931), Los 190.

R. Ball Nachf..jpg

Und hier der diesbezügliche Eintrag in der "Ritter-von-Schulthess-Rechberg'schen Münz- und Medaillen-Sammlung als Anhang zum Thaler-Cabinet":

Schulthess-Rechberg.jpg

Irgendwie habe ich die Hoffnung, dass der Threadersteller hier doch noch einmal vorbeischaut... :rolleyes:
 
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Es wird immer interessanter, diesen Medaillentyp gibt es nicht nur in Silber und Gold, sondern auch in Elfenbein:

Edmund Rappaport, Auktion 11 (18.10.1910), Los 611.

Rappaport 11.jpg
 
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