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Wissen, das kein Mensch braucht

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Taigawirbel, 5. Januar 2020.

  1. Fusselbär

    Fusselbär

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    :eek2: .
     
  2. Taigawirbel

    Taigawirbel

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    Bei Männern ist der Zeigefinger in der regel kürzer, als der Ringfinger, bei Frauen umgekehrt.
     
  3. bayreuth

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    Heute ist es ja endlich soweit, der Brexit ist nicht mehr aufschiebbar.
    Wegen der Zeitverschiebung tritt Großbritannien nicht etwa um Mitternacht, sondern schon um 23 Uhr Ortszeit aus der EU aus, wenn auf der anderen Kanalseite Mitternacht ist.
     
  4. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Nachdem ich ja gestern etwas über Kiwis und Steuern erzählt habe, berichte ich heute etwas über Hühner und Steuern, und wie das damit zusammenhängt dass in den USA soviele meist unpraktische und ineffiziente Pick-Up Trucks zum Transport von allerlei Sachen eingesetzt werden, währned wendige Kleintransporter wie sie hierzulande und in Europa üblich sind dort nur begrenzt vorkommen.
    Es geht um die Geschichte der "Chicken-Tax". Hierzu muss man weit zurückgehen in der Geschichte, nämlich in die Nachkriegszeit. Durch die starken Produktionssteiergungen während des Krieges in allen Bereichen und zunehmnede Automatisierung hat man die industrielle Landwirtschaft eingeführt, und damit auch Hühnermastbetriebe aufgebaut. Diese sind gewachsen und haben irgendwann in den 50er Jahren den heimischen Markt abgedeckt mit preisgünstigem Geflügelfleisch. Nun hatte man Überproduktion. Was liegt also näher, als diese in den gerade unter den Einflussbereich der USA gebrachten Gebiete in Europa zu exportieren, wo die Wirtschaft nach dem Krieg wieder am laufen war und die Leute Geld zum Ausgeben hatten. Dort war die Landwirtschaft noch eher traditionell geprägt, viele Kleinstbetriebe und entsprechend extrem teuer war das Hühnerfleisch (hygienische Zustände waren auch nicht so toll), ein Essen für Reiche bevor die Importe begannen. Vor allem den Französischen Bauern waren die Importe ein Dorn im Auge, und so wurde fleißig protestiert wie es in Frankreich halt so ist, und den Import verboten. Das war aber handelsrechtlich nicht so wirklich konform, also hat man Anfang der 60er einen neuen Ansatz mit hohen Strafzöllen auf Hühnerimporte versucht. Die Römischen Verträge waren schon unterschrieben, also hat Deutschland mitgemacht. Kann ja nicht sein das der Deutsche mal Essen was früher nur für die Reichen war günstig bekommen darf. Da die Deutschen auf den Geschmack gekommen waren haben die Französischen Bauern natürlich gehofft, dass man den Markt dann bedienen kann wenn man den Amerikaner rausgemobbt hat.
    Es folgten 18 Monate Verhandlungen auf höchster Ebene zwischen Adenauer und Kennedy, die Situation irgendwie zu lösen. Zwischenzetlich hat ein Einflussreicher US Senator sogar gefordert, dass die USA ihr Natoengagement überdenken sollen wegen der Steuer. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte kam die Retourkutsche. Da die EWG gemeinsam agiert hatte, haben die Amerikaner alle gleichmäßig bestrafen wollen, aber gleichzeitig nur so viel Zoll erheben wie umgekehrt auch. Damals war noch nicht soviel Globalisierung, also lief es Ende 1963 auf 25% Zölle für Kartoffelstärke, Cognac und Kleintransporter bei Importen in die USA hinaus, die sogenannte Chicken-Tax. Die Kleintransporter sind nur dazu gekommen, weil sich Präsident Johnson mit der Autogewerkschaft in Detroit einen Deal ausgehandelt hat: Kein Streik vor den Wahlen. Hauptleidtragender war somit Deutschland und der VW-Konzern, die kurz darauf nur noch Personenfahrzeuge verkaufen konnten. Die Konkurrenz aus Japan wurde im Nebeneffekt ebenfalls rausgekegelt aus dem US Markt (und dem kleineren Karibischen Markt, der von den USA aus bedient wurde).
    Die Chicken-Tax ist immer noch in Kraft, zumindet der Teil für die Kleintransporter, dafür hat Detroit gesorgt. Also hatte man seitdem mehr als 56 Jahre Zeit mit nur geringen Änderungen am Design ohne große Konkurrenz weiterhin Pick-ups zu bauen, wie es in den 30ern designtechnisch üblich war, während im Rest der Welt Lieferwagen weiterentwickelt wurden.

    Aber auch die Chicken Tax konnte umgangen werden: Sobald Fenster und Sitze vorhanden sind, ist es nämlich ein Passagierfahrzeug und kein Kleintransporter mehr.
    Die Japaner waren die ersten: Wenn man das Fahrzeug und die Ladefläche getrennt verschifft und in den USA montiert, ist es kein Kleintransporter. Das ging bis 1980, dann wurde die Lücke geschlossen.
    Wenn man dreist auf die offene Ladefläche zwei nach hinten zeigende Sitze dengelt, ist es ein Passagierfahrzeug (zugegebn etwas zugig und nass) und kein Kleintransporter (das ging bis 1989).
    Eine Zeit lang hat man es dann mit Bausätzen versucht, die in den USA endmontiert wurden.
    Nachdem Ford mit dem Transit in Europa ja recht erfolgreich geworden ist, war man plötzlich selbst betroffen von der Steuer, aber die Vorteile konkurrenzfrei arbeiten zu können haben trotzdem überwogen. Also hat man sich ans Gesetz gehalten: Es werden nun seit 2002 Transit Connect in der Türkei gebaut, welche hinten billigste Fenster und Sitze mit Anschnallgurten haben, welche einfachst hineingedengelt sind. Aber wenn alles 3 vorhanden ist, hat man ein Passagierfahrzeug, und der Zoll fällt nicht an. So billig wie die Ausführung ist, würde niemand bei Verstand das kaufen, da es keinerlei Sicherheitsanforderungen enstpricht und schon beim Anschauen halb auseinanderfällt, aber sobald der Zoll umgangen ist, werden noch im Hafen Fenster und Sitze mit wenigen Handgriffen ausgebaut und entsorgt, währned die Fensterlöcher mit Blechen dichtgemacht werden. Seit 2002 hat Ford eine viertel Milliarde an Zöllen umgangen, mal wieder auf Kosten der Umwelt natürlich, weil die Sitze, Gurte und Fenster ja nur für die Überfahrt auf dem Schiff produziert werden, und dann entsorgt werden.
     
    Handzumgrus, IhasOuts und B555andi gefällt das.
  5. JensiS

    JensiS

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    Der National Chicken Council (NCC) schätzt, das beim bevorstehenden Superbowl LIV etwa 1.400.000.000 Chicken Wings in den USA vertilgt werden. Bei einer "Schlagzahl" von 3 Wings pro Minute (das ist schon Schlingen) bräuchte eine Einzelperson gut 900 Jahre dafür.

    Zum Wings-Konsum im Ausland gibt es keine umfassende Prognose, bei mir werden es aber exakt 9 Stück sein. Beim nachmittäglichen Rugby davor gibt es 7 Stück zur Einstimmung.
     
  6. Taigawirbel

    Taigawirbel

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    Delfine und Wale sind Paarhufer (wer hätte es nur gedacht)
     
  7. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Bei den Olympischen Spielen ist es ja häufig so, dass Sportler die Wettkämpfe ihrer Landsleute in anderen Sportarten verfolgen, wenn sie ihren Wettkampf schon absolviert haben oder grade mal kein Training haben. 2024 wird das für einige Sportler etwas schwierig, nämlich die Surfer und Segler. Währned die Segler ggf. von Marseille mit dem TGV schnell in Paris sind, finden die Surfwettbewerbe in der Südsee (Tahiti) statt, fast 10000 km von Paris entfernt. Es wird sicher sehr interessant, denn der Strand heißt Teahupo'o, ein Polynesischer Begriff den man mit "Platz der Totenschädel" oder aber "den Kopf abschlagen" übersetzen kann.
     
  8. bayreuth

    bayreuth Moderator Mitarbeiter

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    Bleiben wir bei den Olympischen Spielen in Paris, aber drehen die Zeit zurück auf das Jahr 1900. Ein Kuriosum ist der Tauziehwettbewerb. Mannschaftstauziehen war bis 1920 tatsächlich olympisch. 1900 gab es nur 2 Nationen die gemeldet waren, nämlich Frankreich als Heimmannschaft und die Mannschaft der USA, demzufolge war das einzige Match gleich das Finale. Bei der Siegerehrung bekamen die Goldmedallien 3 Dänen und 3 Schweden. Wie konnte das denn passieren? Ganz einfach: Damals traten Athleten öfters in mehreren Wettbewerben an. So war das halbe US Team zum Zeitpunkt des Matches mit Hammerwerfen beschäftigt, und hatte somit nicht genug Teilnehmer am Start, um gegen die Franzosen anzutreten. Die Dänen und Schweden hatten das mitbekommen und spontan eine gemischte Mannschaft aufgestellt, da ja hier Medallien garantiert waren. Kurz vor dem Match hat sich einer der Dänen verletzt, deswegen hat man kurzerhand einen zufällig anwesenden kräftigen Dänischen Journalisten, Edgar Lindenau Aabye, aufgestellt als Ersatz. Frankreich wurde 2:0 geschlagen, und Edgar Lindenau Aabye kam völlig überraschend zu einer Olympia-Goldmedallie im Tauziehen, obwohl er eigentlich nur einen Artikel für die Zeitung schreiben wollte.
     
  9. IhasOuts

    IhasOuts

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    Haha, beste Geschichte bisher.
     
  10. bayreuth

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    Die Spiele 1900 waren insgesamt ein Kuriosum, da die Wettbewerbe über ein Halbes Jahr verteilt waren und parallel zur Weltausstellung stattfanden. Es gab sogar Wettbewerbe im Autorennen in denen insgesamt 43 Medallien vergeben wurden. Das IOC hat sich nie geäußert ob diese offiziell waren oder nicht. Mit den Aufzeichnungen hat man es nicht so genau gehalten, bekannt sind von den 44 Medalliengewinnern nur 7, unter anderem der Gründer von Renault. In 14 Fällen ist auch die Fahrzeugmarke unbekannt. Interessant ist dass es auch den Wettbewerb "300 km Elektrotaxi" und 300 km Elektrolieferwagen gab.
    Daneben gab es auch Wettbewerbe im Wettangeln und Kanonenschießen, welche allerdings in der historie nicht als offiziell olympisch angesehen werden, obwohl das IOC damals nicht nach offiziell und inoffiziell unterschieden hat, und die Organisation manchmal verbesserungsfähig war.
    So kam es dann auch, dass die 22-jährige US-Studentin Margaret Ives Abbott, eine Hobbygolfspielerin, die damals in Paris gelebt hat, gemeinsam mit ihrer Mutter wohl recht spontan an einem Frauengolfturnier teilgenommen hat, dieses gewann und dafür einen netten Porzellanpokal überreicht bekam (weil man damals dachte das wäre schöner als eine Medallie). 1902 ging sie nach Amerika zurück und verstarb dort 1955 mit 76 Jahren. Zeitlebens hat sie nicht gewusst, dass sie bei den Olympischen Spielen angetreten ist und die erste US-Olympiasiegerin überhaupt war. Im Frauengolf ist sie übrigens auch 120 Jahre später die bisher einzige US-Olympiasiegerin.
     
    IhasOuts gefällt das.
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