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Zeitungsartikel, im Internet gefunden (ein bisschen lang):


Die Sache mit den Euro-Fehlprägungen


Makellose Münzen bei Euro-Jägern nicht gefragt / Experten haben noch keinen Überblick über Varianten
Von Volker Trunk


"Guck mal, sieht ja verkehrt aus", hört Christian Nickel aus Flensburg seine Frau sagen, als sie die bank- frische Rolle mit den 25 Zwei-Euro-Münzen öffnet. Der 50-jährige Handelsvertreter wird neugierig. Taxiert die Münze. Entdeckt weitere Merkwürdigkeiten. Und überlegt prompt: Ist das Geldstück jetzt mehr wert?

Die Frage ist berechtigt: Schließlich geistern seit Tagen Berichte über so genannte Fehlprägungen durch die Medien. Selbst Thomas Schmidtkreuz vom Internet-Informationsnetz *********** wundert sich über "massenhafte Anfragen". Sein Rat ist stets gleich: Die Münzen aufheben und warten, bis sich "die Preise gefunden haben". Den Wert der Fehlprägungen und Varianten richtig einzuschätzen, sei im Augenblick "noch sehr schwer". Unterdessen haben beim Internet-Auktionär E-Bay die ersten Münzen die Besitzer gewechselt.


"So schnell wird niemand zum Millionär", mahnt der Münzexperte Guy Frankquinet aus Crailsheim. Auch er tritt auf die Euphorie-Bremse. Was nötig ist. Dass die Währungsumstellung so ihre Kinder belohnt, ist ein reizvoller Gedanke: Obwohl es, rein rational betrachtet, töricht ist, auf einen Glücksfund zu hoffen. Die Euro-Schwemme ist gewaltig. 4,8 Milliarden Scheine und 17 Milliarden neue Münzen werden nach Angaben der hiesigen Währungsbehörde allein in der ersten Auflage ausgegeben. 954 Millionen Zwei-Euro-Münzen sind bereits im Umlauf. Wie viele von ihnen von der Norm abweichen, weiß kein Mensch.
Rund, gelb-weiß, geriffelt die Schrift am Rand. Im Prinzip sind alle gleich: 8,5 Gramm schwer, 2,2 Millimeter dick, 25,75 Millimeter im Durchmesser. Auch Zwei-Euro-Münzen verlassen die fünf deutschen Prägeanstalten als Standardware. Ein Stück wie das andere. Eigentlich: Die Ziffer vorn, der Adler hinten. Der Kern gold. Der äußere Rand silbern. Ein dunkler Ring würde sich abheben vom Rest. "Das ist uns gleich aufgefallen", sagt Christian Nickel. Früher hat er mal Briefmarken gesammelt. Aber mit Münzen kennt er sich nicht aus. Die "komische Färbung" und vor allem der Umstand, dass die Randprägung "Einigkeit und Recht und Freiheit" fehlt, haben sein Interesse geweckt. "Vielleicht ist das eine Rarität?" Als er mit der Münze bei der Landeszentralbank in Flensburg war, "haben sie große Augen gekriegt", sagt er. Kontakt zur Bundesbank hat er aufgenommen. Ohne das Stück gesehen zu haben, will sich in Frankfurt niemand äußern. Derweil rätselt Nickel über die Ursache: "Vielleicht wurde ein falscher Rohling verwendet."

Michael Rüfer denkt über solche Fragen schon gar nicht mehr nach. Den Busfahrer aus Hanau interes- siert der Preis, den er für seinen "falschen Fuffziger" erlösen kann. Die silberne 50-Cent-Münze, die er wenige Tage vor Weihnachten aus dem Starter-Kit-Beutel gefischt hat, ist offenbar zu einem gesuchten Sammlerstück geworden. Als vielleicht einziges 50-Cent-Stück aus den 53,54 Millionen deutschen Geld- säckchen besteht es aus Stahl und Nickel und eben nicht aus nordischem Gold, einer Legierung aus Aluminium, Kupfer, Zinn und Zink. "Eine Fehlprägung", bestätigt Manfred Czastka, der als Sachver- ständiger für prüftechnische Fragen und Metallgeldfälschung bei der Bundesbank die Münze untersucht hat. "Sie ist magnetisch", hat er überrascht festgestellt. Angaben zum Wert macht er keine: "Die Bun- desbank ist am Handel nicht beteiligt."

Womöglich war eine "Materialverwechslung" Schuld an der Entstehung des Sonderlings. Vielleicht stammt der verwendete Rohling aus einem früheren Auftrag. Czastka weiß es nicht. Nicht jede kleine farbliche Abweichung, hervorgerufen etwa durch unterschiedlich hohe Metallanteile in der Legierung, sei freilich auch "der Rede wert". "Mir sind bislang drei Fehlprägungen vorgelegt worden", sagt er. Neben dem Fund aus Hanau weiß er von einem weiteren 50-Cent-Stück, das ebenfalls grau ist statt gold, allerdings aus dem Originalmaterial besteht, was sich der Experte nicht erklären kann. Im dritten Fall handelt es sich um ein Zwei-Euro-Stück mit dem Innenteil einer Ein-Euro-Münze. Michael Rüfer glaubt, dass seine in Karlsruhe geprägte Münze in ihrer Fehlerhaftigkeit "einzigartig" ist. Absolut echt. Und also auch wertvoll.

Er erzählt vom 100 000 Euro-Angebot eines Geschäftsmannes. Täglich liest er die Internet-Seiten profes- sioneller Münzsammler, um, wie er sagt, die "Lage zu sondieren". Mit seiner Geschichte hat er bereits gehörigen Wirbel ausgelöst. Bild berichtete, Radio- und Fernsehanstalten produzierten Sendungen. "Mit jedem Artikel ist die Münze im Wert gestiegen", witzelt ein Branchenkenner. Astronomische Beträge in Millionenhöhe werden kolportiert. Da kann Franquinet nur noch ungläubig den Kopf schütteln: "Wenn es stimmt, sofort verkaufen." Der Spezialist für Präge- und Materialfehler hat Zweifel an der Seriosität der Angebote. Und er weiß: Schon 500 Euro für eine Fehlprägung "sind eine Menge Geld". Die Münze zu einer D-Mark mit Riffelrand, ein "einmaliges Stück", habe bei einer Auktion mit fast 40 000 Mark schon ein beachtliches Ergebnis erzielt.

Franquinet ist zurzeit ein gesuchter Gesprächspartner. Er weiß von gut 30 Fehlprägungen. Auch er rät zu "Zurückhaltung", weil es weder einen Markt, noch Vergleichspreise gibt. Sehr seltene Exemplare könnten "vielleicht mal was bringen - aber doch keine Millionen". Solche Beträge nennt er bei den Milliardenauf- lagen der Euro-Münzen "irrsinnig". "Wer sagt, dass von dem falschen Fünfziger nicht noch mehr Exem- plare auftauchen?" Womöglich wurde eine ganze Palette Münzen aus dem falschem Material gestanzt.

Das Interesse an Münzen ist mit der Währungsumstellung neu erwacht. Das freut Händler und Sammler. Seit Jahrzehnten zahlten die Leute mit Münzen, und hätten sie doch nie richtig angesehen, kommentiert Franquinet den Boom. Eine "Aufbruchstimmung" konstatiert auch Mario Spalj, Redakteur beim Deutschen Münzen Magazin. Das Blatt empfiehlt, Kursmünzen der assoziierten Staaten wie San Marino, Monaco und Vatikan zu sammeln: "Es ist reizvoll, jetzt einzusteigen". Natürlich seien in der Redaktion auch Fehlprägungen ein Thema: "Wir bündeln zurzeit die vielen Leseranfragen." Für fundierte Einschätzungen sei es "noch zu früh."

Michael Rüfer will seinen Silberling "mit Sicherheit" losschlagen. "Bisher ist nichts Vergleichbares auf- getaucht", sagt er fröhlich und reibt sich die Hände. Ob der Silberling sein Leben vergoldet, steht dahin. Aber der Gedanke, dass es so sein könnte, beflügelt die Fantasie. "Manche sagen: ist ja wie ein Sechser im Lotto", berichtet er. "Immer auf dem Teppich bleiben", pflegt er ihnen zu erwidern. Was angesichts der 4,1 Millionen Mark, die als "Wert" schon mal genannt worden sind, gar nicht so einfach ist. Auch Chris- tian Nickel erwägt den Verkauf seines Zwei-Euro-Stücks. Am Münzsammeln ist er nicht interessiert. Also wird jede Preisnotierung mit Spannung erwartet. 2600 Euro sollen in Italien für zu groß geratene Ein-Cent-Münzen schon geboten worden sein. In Osthessen ist derweil ein fehlerhafter Euro-Schein aufgetaucht. Es sind genau diese Meldungen, die Euro-Schatzsucher weiter träumen lassen.


Quelle: Frankfurter Rundschau, 24. Januar 2002
 
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Für die breite Masse wohl ein Artikel die "neue" Währung besser zu akzeptieren...:rolleyes:


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